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Kann Cannabis bei PTBS helfen?

Überblick

Immer mehr Menschen mit einer PTBS wenden sich einer Behandlung mit medizinischem Cannabis zu. Es wurde in einigen Ländern und US-Bundesstaaten zur Behandlung von PTBS zugelassen und es werden immer mehr Studienergebnisse über seine Wirkungsweise veröffentlicht.

Die Forschung steckt allerdings noch in den Kinderschuhen und in der medizinischen Fachwelt gibt es noch keinen Konsens darüber, ob Cannabis PTBS-PatienInnen wirklich hilft. Doch während die Forschung hinterherhinkt, vor allem aufgrund des jahrelangen Verbots von Cannabis, berichten viele PTBS-PatienInnen selbst, dass es ihnen hilft – nicht nur bei den primären Symptomen, sondern auch bei der Behandlung der Nebenwirkungen der PTBS, nämlich Schlafstörungen und Angstzustände.

Darüber hinaus untersuchen einige Forscher aufgrund der Rolle des Endocannabinoid-Systems bei der Regulierung des Gedächtnisses, wie medizinisches Cannabis dem Gehirn helfen könnte, traumatische Erinnerungen zu „überschreiben“.

PTBS und das Endocannabinoid-System

Das körpereigene Endocannabinoid-System besteht aus Endocannabinoiden und Cannabinoid-Rezeptoren, die zusammenwirken, um das natürliche Gleichgewicht des Körpers (Homöostase) aufrechtzuerhalten. Es kann wichtige Funktionen wie Gedächtnisaufbau, Verringerung von Entzündungen, Hunger, Muskelkontrolle, Schlaf, Stimmung und Schmerzreaktion beeinflussen.

Endocannabinoide sind vom menschlichen Körper produzierte Moleküle, die den aktiven chemischen Bestandteilen von Cannabis sehr ähnlich sind, als Botenstoffe fungieren und Signale an die Cannabinoid-Rezeptoren senden. Die im gesamten menschlichen Körper vorkommenden Cannabinoid-Rezeptoren, vor allem CB1 und CB2, verbinden sich mit den Cannabinoiden, um verschiedene Körperfunktionen zu regulieren. 

Auch Phytocanabinoide, also von der Cannabispflanze produzierte Cannabinoide, interagieren mit den CB1- und CB2-Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems und erzeugen so viele der medizinischen Wirkungen der Cannabispflanze.

Bei einer PTBS könnte die Aktivierung dieser Rezeptoren besonders hilfreich sein. Das Endocannabinoid-System spielt eine große Rolle bei der Stressreaktion als auch beim Gedächtnisaufbau, was beides starke Faktoren bei einer PTBS sind. 

Bei der Gedächtnisbildung ist der CB1-Rezeptor für ein Phänomen namens Extinktionslernen verantwortlich. Bei diesem Prozess werden alte Erinnerungen mit neuen Informationen überschrieben. Wenn Menschen mit PTBS an ihre traumatischen Erfahrungen denken oder darüber sprechen, macht der Körper jedes Mal wieder dieselbe Reaktion durch wie beim ersten Erleben der Situation. 

Normalerweise lassen sich traumatische Erinnerungen mit neuen Erinnerungen überdecken, aber bei PatientInnen mit PTBS und extremer Angst kann diese Funktion durch einen Mangel an Endocannabinoiden beeinträchtigt sein. Tatsächlich haben Forscher festgestellt, dass eine abgeschwächte Funktion des Endocannabinoid-Systems nach einem stressinduzierenden Ereignis ein Faktor für die Entwicklung von Angststörungen wie PTBS sein kann. 

  1. Andrew Sewell, Associate Professor für Psychiatrie in Yale, hat die Theorie aufgestellt, dass die Stimulation der CB1-Rezeptoren mit Cannabinoiden nicht nur die Symptome einer PTBS lindern, sondern auch aktiv die Erkrankung heilen könnte, da so das Extinktionslernen stattfinden kann und traumatische Erinnerungen überschrieben werden können. Seine Untersuchungen zu diesem Thema laufen derzeit noch, so dass nur die Zeit zeigen wird, ob seine Theorie klinisch bestätigt werden kann. 

Ein häufiges Symptom bei PTBS ist jedoch eine schlechte Schlafqualität – aus einer Vielzahl von Gründen. Cannabis kann sowohl bei der Linderung der Hauptsymptome der PTBS, wie zum Beispiel Schlafstörungen, helfen als auch indirekt die Krankheit selbst behandeln.

Forschung zu PTBS und Cannabis

Die Forschung zu Cannabis und PTBS befindet sich noch in der Anfangsphase und die Experten sind sich nicht einig, ob es sich um eine hilfreiche oder schädliche Lösung handelt. Dies ist weitgehend auf den rechtlichen Status von Marihuana und Forschungseinschränkungen in der Vergangenheit zurückzuführen. Dennoch gibt es einige vielversprechende Forschungsergebnisse zu PTBS und Cannabis. 

Zum einen zeigen Einzelfallberichte, dass viele Menschen mit PTBS Cannabis konsumieren oder konsumiert haben, um ihren Zustand zu regulieren. 

Man kann die starke Unterstützung für den Konsum von medizinischem Cannabis bei PTBS sehen, indem man die beim Arizona Department of Health Services eingereichten Kommentare liest, warum PTBS in die Liste der zulässigen Erkrankungen, bei denen Cannabis verschrieben werden kann, aufgenommen werden sollte. Das Dokument ist voller Zitate von PTBS-Betroffenen, die den Cannabiskonsum loben, wie zum Beispiel: 

„Bei mir hat Cannabis besser geholfen als verschreibungspflichtige Medikamente.“

„Medizinisches Cannabis hat mir bei meiner PTBS enorm geholfen.“ 

„Marihuana ist das einzige Mittel, das mir mein Leben zurückgegeben und mir geholfen hat, meine Symptome zu kontrollieren.“ 

„Ich habe eine PTBS. Jetzt nehme ich Cannabis und muss nicht mehr 10 Tabletten am Tag schlucken. Das hat mein Leben verändert und jetzt kann ich es wieder genießen.“

Wissenschaftler haben diese Berichte ernst genommen und untersucht, ob PTBS-PatientInnen, die Cannabis konsumieren, allgemein von Verbesserungen berichten. Nehmen wir zum Beispiel diese Metarezension aus dem Jahr 2015 im American Journal of Health-System Pharmacy, die ergab, dass „eine beträchtliche Anzahl von Kriegsveteranen Cannabis oder Cannabis-Produkte zur Kontrolle ihrer PTBS-Symptome verwenden. Einige Patienten berichten von einer Verbesserung ihrer Angstsymptome, ihrer Schlaflosigkeit und ihrer Bewältigungsstrategien.“ Diese Studie ergab auch, dass Cannabis die Schwere der PTBS-Symptome verringert. 

Natürlich lässt sich bei solchen Einzelfallberichten immer schwierig sagen, inwiefern der Placebo-Effekt greift und was wirklich gegen die Erkrankung hilft. Deswegen müssen immer auch aktuelle Forschungsberichte beachtet werden. Und tatsächlich gibt es Untersuchungen, die diese Patientenberichte untermauern. 

Wir wissen zum Beispiel schon, dass Cannabis die Stressreaktionen verringern kann. In einer Studie wurden mit ProbandInnen, die entweder Cannabis konsumierten oder nicht, Stresstests durchgeführt, wie zum Beispiel das Lösen von Rechenaufgaben vor einem Publikum oder das Eintauchen der Hände in Eiswasser. Dabei kam heraus, dass die CannabiskonsumentInnen während des Tests weniger Stresssymptome zeigten als die Nicht-KonsumentInnen. Noch interessanter waren die Testergebnisse, die zeigten, dass CannabiskonsumentInnen weniger Cortisol (ein Hormon, das Stress anzeigt) im Blut hatten als diejenigen, die kein Cannabis konsumierten. 

Dies deutet darauf hin, dass CannabiskonsumentInnen mit PTBS eine verringerte Stressreaktionen haben könnten. 

Andere Studien haben sich speziell mit dem Cannabiskonsum von PTBS-PatientInnen beschäftigt und ähnliche Ergebnisse gebracht. Eine Studie ergab zum Beispiel, dass die PTBS-Symptome bei CannabispatientInnen im Vergleich zu Nicht-KonsumentInnen um mehr als 75% reduziert wurden. 

Eine weitere Studie ergab, dass der Cannabiskonsum zu statistisch signifikanten Verbesserungen bei der Schwere der allgemeinen Symptome, der Schlafqualität, der Häufigkeit von Alpträumen und den Symptomen der Übererregung führte.

Aber nicht alle Studien ergaben eine Verbesserung der PTBS-Symptome durch Cannabis. Cannabis kann zwar Angst lindern, aber Studien zeigen, dass es auch Angst verursachen kann. Die gleichen Cannabinoide, die in niedrigen Dosen die Angst lindern, können sie bei höheren Dosen verstärken

Es gab auch Beobachtungsstudien mit PTBS-PatientInnen, die negative Auswirkungen einer Cannabisbehandlung ergaben. In einer Studie mit an PTBS erkrankten Kriegsveteranen, die an einem viermonatigen Behandlungsprogramm teilnahmen, ergab, dass die Teilnehmer, die nach der Behandlung mit dem Cannabiskonsum begannen, schlimmere PTBS-Symptome wie gewalttätiges Verhalten und hohen Alkoholkonsum zeigten. Diese Autoren warnen davor, dass Cannabis die PTBS-Symptome verschlimmern oder den Nutzen einer spezialisierten, intensiven Behandlung zunichtemachen kann. Natürlich muss an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass schon ein hoher Alkoholkonsum allein mit gewalttätigem Verhalten einhergeht und zu dem in dieser Studie beobachteten gewalttätigen Verhalten beitragen kann. Statistisch ist Alkoholkonsum außerdem mit Cannabiskonsum korreliert. Es ist auch bekannt, dass Cannabis bei einigen Menschen eine Psychose verursachen kann, so dass bei PatientInnen mit Halluzinationen oder Wahnvorstellungen Vorsicht geboten ist. 

Allerdings ist sich die Wissenschaft bei größeren Metarezensionen der Datenlage uneinig, ob Cannabis bei PTBS eher hilft oder eher schadet. Sowohl in der Metarezension der National Academy of Sciences 2017 als auch in einer neueren Rezension zu PTBS und Cannabis von 2018 berichten die Autoren, dass es einfach nicht genügend Daten gibt, um sicher zu wissen, ob Cannabis hilft. Es muss eine intensivere klinische Forschung stattfinden, bevor wir sagen können, welchen Einfluss Cannabis auf eine PTBS hat. 

Glücklicherweise ist ein Teil dieser Forschung bereits im Gange. Die Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies (MAPS) – eine gemeinnützige Organisation, die sich für die Forschung an medizinischem Cannabis einsetzt – hat gerade die erste dreifach verblindete Studie zu gerauchtem Cannabis bei PTBS durchgeführt. Die Ergebnisse der Studie werden derzeit analysiert und zur Veröffentlichung vorbereitet. Obwohl wir die Ergebnisse der Studie noch nicht kennen, wissen wir schon, dass in dieser Studie vier verschiedene Potenzen von Cannabis untersucht wurden, um zu prüfen, ob bestimmte Wirkstoffmischungen effektiver (oder kontraproduktiver) sein könnten als andere. Indem sie diesen Faktor untersuchen, hoffen die Forscher, Klarheit in die Frage zu bringen, warum einige Studien eine Verschlechterung der Symptome ergeben, während es bei anderen zu einer Verbesserung kommt. Es kann sein, dass bestimmte Cannabisarten hier besser helfen als andere. 

Cannabis gegen PTBS

Basierend auf den oben genannten Untersuchungen lässt sich schwierig sagen, wie Cannabis eine PTBS beeinflussen könnte. Bei einigen Patienten scheint die Verwendung von Cannabis Symptome wie erhöhte Angst vor auslösenden Reizen, schlechte Schlafqualität, Alpträume und Übererregung zu lindern. Aber es gibt laut anderen Studien immer noch ein gewisses Risiko, dass Cannabis Symptome wie gewalttätiges Verhalten und übermäßigen Alkoholkonsum verschlimmern könnte.

Wer also Cannabis gegen seine PTBS einnehmen möchte, sollte am besten mit einem Arzt oder einem Cannabinoid-Experten sprechen. Diese medizinischen Fachleute können prüfen, ob Cannabis die richtige Behandlung für Sie ist. 

Bevor Sie mit dem Cannabiskonsum beginnen, sollten Sie auch prüfen, ob Cannabis in Ihrem Land zur Behandlung von PTBS überhaupt zugelassen ist. 

Derzeit können Patienten mit PTBS und einer ärztlichen Empfehlung oder Verschreibung in den folgenden Ländern Cannabis konsumieren:

  • Österreich
  • Brasilien
  • Kambodscha 
  • Kanada
  • Chile 
  • Kolumbien 
  • Ecuador
  • Estland
  • Finnland
  • Deutschland
  • Griechenland
  • Guam
  • Israel 
  • Peru
  • Philippinen
  • Polen
  • Puerto Rico
  • Spanien
  • Uruguay

Wenn Sie eine PTBS und eine ärztliche Empfehlung haben, können Sie auch in folgenden US-Bundesstaaten Cannabis konsumieren:

  • Arizona
  • Arkansas
  • Kalifornien
  • Colorado
  • Connecticut
  • Delaware
  • District of Columbia
  • Florida
  • Hawaii
  • Illinois
  • Louisiana
  • Maine
  • Maryland
  • Massachusetts
  • Michigan
  • Minnesota
  • Missouri
  • Montana
  • Nevada
  • New Jersey
  • New Mexico
  • New York
  • North Dakota
  • Ohio
  • Oklahoma
  • Oregon
  • Pennsylvania
  • Utah
  • Vermont
  • Washington
  • West Virginia
Haftungsausschluss

Inhalte auf The Cannigma dienen nur zu Informationszwecken. Sie sind kein Ersatz für professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Vor Beginn einer Behandlung mit Cannabis sollten Sie sich immer von einem Arzt mit Erfahrung mit medizinischem Cannabis beraten lassen.

Über PTBS

Überblick

Eine PTBS, oder posttraumatische Belastungsstörung, ist eine spezifische Angststörung, die Menschen entwickeln, nachdem sie traumatische Ereignisse wie Gewalt, Missbrauch oder einen Terroranschlag erlebt oder beobachtet haben. Eine PTBS kann sich auch nach verstörenden, aber nicht unbedingt gewaltsamen Erfahrungen entwickeln, zum Beispiel wenn unerwartet ein geliebter Mensch stirbt. 

Nicht jeder, der ein traumatisches Ereignis erlebt, entwickelt eine PTBS. Wenn mehrere Menschen das gleiche oder ähnliche Ereignis erleben, können einige Personen Symptome einer PTBS entwickeln, während andere keine langfristigen Symptome bekommen. Es ist unklar, warum sie sich bei bestimmten Menschen entwickelt und bei anderen nicht. 

Auch Kinder und Jugendliche können an einer PTBS erkranken, manchmal als Folge von Ereignissen, die für Erwachsene klein und unwichtig erscheinen, wie zum Beispiel das Anschauen eines Horrorfilms oder eine öffentliche Blamage in der Schule. 

Es wird angenommen, dass weltweit etwa 117 Millionen Erwachsene mit einer PTBS und/oder schweren Depression leben, darunter etwa 8 Millionen US-Amerikaner. Die Wahrscheinlich innerhalb eines Lebens an PTB  liegt in Deutschland nach einer Darstellung zwischen 1,5% und 2,3%. Nach einer weiteren Einschätzung wird die Wahrscheinlichkeit bei Frauen, zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebens an PTBS zu erkranken, auf 10 bis 12 Prozent und bei Männern auf 5 bis 6 Prozent geschätzt, obwohl es durchaus möglich ist, dass Männer aufgrund des kulturellen Drucks nicht „zusammenzubrechen“ und daher unterdiagnostiziert sind.

Symptome

Die Symptome einer PTBS lassen sich in vier Hauptkategorien einteilen:

  • Das Ereignis wird immer wieder durchlebt, auch „Intrusion“ genannt. Die Erinnerungen an das traumatische Ereignis sind lebhaft und so mächtig, dass es sich anfühlt, als würde man es noch einmal erleben. Dazu gehören verstörende Träume oder Alpträume und unfreiwillige Flashbacks. 
  • Wenn die Betroffenen Vermeidungssymptome zeigen, meiden sie Orte, Aktivitäten, Personen oder Gegenstände, die sie an das Trauma erinnern. Dazu gehört auch, dass sie nicht darüber sprechen, was passiert ist, oder versuchen, gar nicht daran zu denken. 
  • Erregungs- und Reaktionssymptome bedeuten, dass die Betroffenen sich gestresst fühlen, schreckhaft und reizbar sind und Schlafstörungen haben. Diese Gefühle verspüren sie die ganze Zeit, nicht nur, wenn etwas passiert, das eine Erinnerung auslöst. 
  • Wiederkehrende negative Gedanken über sich selbst und/oder andere Menschen, wie zum Beispiel das Gefühl, dass man niemandem trauen kann oder Schuld an dem Trauma trägt. Die Betroffenen fühlen sich emotional betäubt, von nahestehenden Menschen abgetrennt, sind hoffnungslos und verlieren das Interesse an Dingen, die sie früher genossen haben. 

Die meisten Menschen, die eine PTBS entwickeln, spüren diese Symptome innerhalb von drei Monaten nach dem Ereignis, aber bei einigen Menschen kann es viel länger dauern, bis sie auftreten. Eine PTBS tritt oft zusammen mit anderen psychischen Störungen, wie Depressionen und anderen Angststörungen, auf. 

Ältere Kinder und Jugendliche mit PTBS können sich neben den oben aufgeführten Symptomen störend oder respektlos verhalten und/oder so handeln, dass sich selbst und geliebte Personen verletzen. Sie können auch Rachephantasien haben. 

Sehr kleine Kinder unter sechs Jahren können folgende Symptome zeigen:

  • Regressionssymptome, wie erneutes Bettnässen, obwohl sie schon trocken waren.
  • Zurückbleiben ihrer Sprachentwicklung.
  • Ungewöhnliche Anhänglichkeit gegenüber Eltern oder Betreuern und ungewöhnliche Ängstlichkeit, wenn diese Personen weg gehen.
  • Nachspielen des traumatischen Ereignisses.
  • Albträume.
  • Rückzugsverhalten, wenn das Kind angesprochen oder mit ihm interagiert wird.
  • Schwierigkeiten, Freunde zu finden.
  • Schlechte Leistungen in der Schule.

Bei einer PTBS sind die Symptome phasenweise stärker und phasenweise schwächer. Wenn sich die Betroffenen in einer Situation wiederfinden, die sie an das traumatische Ereignis erinnert, kann dies die Symptome hervorrufen. PTBS-Symptome können so stark sein, dass die Betroffenen kaum ein normales Leben führen können und sie können über Monate oder sogar Jahre anhalten.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Wenn Sie ein traumatisches Ereignis erlebt oder plötzlich einen geliebten Menschen verloren haben, ist es normal, davon „mitgenommen“ zu sein. Kurze Zeit nach solchen Ereignissen spüren viele oder alle Menschen Symptome einer PTBS, aber nach einer Weile lassen sie für gewöhnlich wieder nach. Sie sollten zum Arzt gehen, wenn Sie seit über einem Monat mindestens eines der Hauptsymptome gefühlt haben. Wenn Sie zu irgendeinem Zeitpunkt Selbstmordgedanken haben, sollten Sie sich sofort Hilfe suchen.

Diagnose

Um eine PTBS zu diagnostizieren, wird Ihr Arzt Ihnen Fragen zu Ihren Symptomen und kürzlich stattgefundenen Erlebnissen stellen. Er kann auch einige physische Tests, wie zum Beispiel Bluttests durchführen, um sicherzustellen, dass es keine medizinische Ursache für Ihre Symptome gibt.

Ursachen

Die unmittelbare Ursache einer PTBS ist in der Regel das Erleben oder Beiwohnen eines traumatischen, gewalttätigen und/oder bestürzenden Ereignisses, aber sie kann auch dadurch entstehen, dass man indirekt von einem traumatischen Ereignis hört, wie zum Beispiel von einem gewaltsamen Angriff auf einen geliebten Menschen oder bei traumatischen Ereignissen in Filmen oder Fernsehsendungen. 

Bestimmte Berufsgruppen, die häufig schrecklichen Ereignissen ausgesetzt sind, wie Polizisten, Militärangehörige oder medizinische Fachkräfte, die mit Fällen von Kindesmissbrauch konfrontiert werden, können ebenfalls aufgrund ihrer täglichen Arbeit eine PTBS entwickeln. 

Allerdings entwickelt nur ein kleiner Prozentsatz der Menschen, die traumatische Ereignisse erleben, überhaupt eine PTBS. Die Wissenschaft ist sich nicht sicher, warum manche Menschen eine PTBS entwickeln und andere nicht, aber es gibt Risikofaktoren, die eine PTBS wahrscheinlicher machen:

  • Bestehende psychische Störungen, wie Depressionen oder Angstzustände
  • Kein gutes Unterstützungssystem aus engen Familienangehörigen und Freunden
  • Alkohol- oder Drogenmissbrauch
  • Enge Verwandte mit psychischen Störungen, wie Depressionen oder Angstzuständen
  • Erleben traumatischer Ereignisse in der Kindheit, wie zum Beispiel Kindesmissbrauch.

Wer über einen längeren Zeitraum traumatischen Erlebnissen ausgesetzt war oder das Trauma besonders intensiv ist, entwickelt eher eine PTBS. Dies kommt besonders häufig bei Militärangehörigen und Ersthelfern sowie Menschen, die in Kriegsgebieten leben, vor.

Komplikationen

Wenn sie unbehandelt bleibt, kann die PTBS die Kontrolle über Ihr Leben übernehmen. Sie macht es schwierig oder sogar unmöglich, das Haus zu verlassen, eine Arbeitsstelle zu behalten oder enge Beziehungen zu pflegen. Sie kann Ihnen den Schlaf rauben und zu schweren Angststörungen und Depression führen. 

Wenn Sie weiterhin traumatischen Ereignissen ausgesetzt sind und keine Hilfe bekommen, könnten Sie eine komplexe PTBS entwickeln, die viel schwieriger zu behandeln ist und einen viel stärkeren Einfluss auf Ihr Leben hat. Schätzungsweise begehen 27% der PTBS-Betroffenen Selbstmord und ihr Selbstmordrisiko ist 13 mal höher als beim Rest der Bevölkerung.

Behandlung

Eine PTBS lässt sich auf verschiedene Arten behandeln. Nicht jede Behandlung funktioniert bei jeder Person, also müssen Sie vielleicht ein paar Optionen ausprobieren, bevor Sie diejenige finden, die für Sie funktioniert. 

Wenn sich ein Mensch mit PTBS in einer anhaltenden Situation mit Gewalt und traumatischen Erlebnissen befindet, muss er zuallererst aus dieser Situation genommen werden. 

Eine PTBS lässt sich am effektivsten verhindern, indem man so schnell wie möglich nach den traumatischen Ereignissen über die Ereignisse spricht und Unterstützung von Freunden, Familie oder einem Psychologen erhält, bevor man überhaupt irgendwelche PTBS-Symptome entwickelt.

Medikamente 

ÄrztInnen verschreiben Medikamente, um eine PTBS zu behandeln, aber dies ist nicht immer die effektivste Option. Wenn sie Medikamente verschreiben, sind es in der Regel Antidepressiva oder Angstlöser.

Psychotherapie

Eine Psychotherapie, oder Gesprächstherapie, ist eine der Hauptstützen der PTBS-Behandlung. Sie kann in Form einer Gruppen- oder Einzeltherapie durchgeführt werden und umfasst verschiedene Techniken:

  • Durch eine Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) können sie die negativen Denkmuster als Reaktion auf das Trauma erkennen und durch gesündere Denkweisen ersetzen. 
  • Im Rahmen einer KVT kann auch eine Expositionstherapie eingesetzt werden. Dabei werden Sie allmählich wieder dem erlebten Trauma ausgesetzt, aber auf eine sichere und geführte Weise, so dass Sie lernen, wie Sie Ihre Reaktionen darauf kontrollieren können.
  • Die Methode „Eye Movement Desensitization and Reprocessing“ (kurz EMDR, auf Deutsch ungefähr: Desensibilisierung und Aufarbeitung durch Augenbewegungen) ist ein intensiver Ansatz, bei dem die Expositionstherapie mit geführten Augenbewegungen kombiniert wird. Sie hilft Ihnen, das Erlebte zu verarbeiten und eine gesündere Reaktion darauf zu entwickeln. 

Alternative Behandlungsmethoden

Auch alternative Behandlungsmethoden sind zum Bewältigen von PTBS-Symptomen geeignet. Dazu gehören:

  • Akupunktur
  • Achtsamkeitsübungen wie traumasensitives Yoga und Meditationsübungen, die Entspannung und Konzentration fördern.
  • Hypnose und geführte Visualisierungstechniken
  • Cranio-Sacral-Therapie und/oder Massagen, um Stress und Anspannung aus dem Körper zu lösen.
  • Cannabidiol-haltige Öle, Lebensmittel und Infusionen (CBD-Produkte) zum Entspannen und Bewältigen der PTBS-Reaktion.

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