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Jan 28, 2020 Letztes Update Jul 12, 2021 4 min lesen

Cannabis in Deutschland: Alles was recht ist!

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von Uta König

Tag für Tag konsumieren Deutsche in immer wachsenden Zahlen Hanf: Cannabis-Patienten sind auf ihr Cannabis angewiesen, Freizeitnutzer gewissermaßen auch. Es ist legal, denn entweder hat es der Arzt verschrieben oder man hat es ganz legal erworben. Es stammt aus legalen CBD-Shops bei Freizeitnutzung, aus der Apotheke bei medizinischer Nutzung. Trotzdem passiert es immer wieder, dass Cannabis-Patienten bei einer Polizeikontrolle, beim Sicherheitscheck oder bei der Zollabfertigung in die Mühlen der Justiz geraten – im Straßenverkehr, im Park, am Flughafen. Am Arbeitsplatz muss mancher mit Drogentests rechnen, die den Job kosten können.

Wie sieht aber die gesetzliche Lage aus? Ist es legal, Hanf anzubauen? Wie sieht es mit dem Verkauf aus? Gibt es hierbei Unterschiede zwischen CBD und THC? Und wie sieht der Rechtsgeber die Lage bei medizinischen Hanf (über die Apotheke), bei Freizeit-Hanf, bei kleinen Mengen zum Eigenkonsum? Kann man Cannabis in der Krankenkasse bekommen? Und wie sieht es mit den Nachbarländern aus? Viele Fragen. Hier kommen die Antworten.

Deutschland begann 1998 mit der legalen Zulassung von medizinischem Marihuana, als Dronabinol erstmals verschreibungspflichtig wurde. Das Programm hat sich seitdem erheblich erweitert, und im Jahr 2017 wurde die Verschreibung von medizinischem Marihuana im Land legal. Heute gilt es als der größte Markt für medizinisches Marihuana in Europa. 

Der Besitz, der Anbau und der Verkauf von Cannabis für  Freizeitnutzung sind in Deutschland weiterhin illegal, aber Fälle, in denen kleine Mengen (je nach Region zwischen 6 und 15 Gramm) in Besitz genommen werden, werden in der Regel nicht strafrechtlich verfolgt . 

Medizinische Nutzung

Seit März 2017 können Patienten in Deutschland medizinisches Cannabis legal in der Apotheke erhalten – auf Rezept und von der Krankenkasse bezahlt.

In der Schweiz ist medizinisches Cannabis nur mit einer Ausnahmebewilligung des Bundesamts für Gesundheit möglich. In Österreich gilt Cannabis nur dann als verschreibungspflichtiges Medikament, wenn es in einer Zubereitung vorliegt, die als Fertigarzneimittel zugelassen ist. Fast immer müssen die Patienten ihre Therapie ganz allein finanzieren. (Für eine gesamteuropäische Übersicht der Cannabis-Rechtslage, siehe hier, für eine weltweite siehe hier.)

Anders in Deutschland: Hier sind seit dem 10. März 2017 neben Fertigarzneimitteln auch Cannabisblüten und -extrakte als Arzneimittel zugelassen, wenn diese aus staatlich kontrolliertem Anbau zu medizinischen Zwecken bzw. aus entsprechenden Importen stammen. Auf Kassenkosten – sofern alle Voraussetzungen stimmen.

In anderen Worten: Wird in Deutschland Hanf verschrieben, zahlt – im Gegensatz zu anderen Ländern – die Krankenkasse. Und das treibt die Anfrage in die Höhe.

Freizeitnutzung

Während das medizinische Cannabis auch  den psychoaktiven Cannabis-Inhaltsstoff THC enthalten darf, ist in Europa, einschließlich Deutschlands für die Freizeitnutzung bei Anbau, Verkauf und Nutzung nur Hanf mit einer sehr geringen Menge THC erlaubt. Jedoch ist der Cannabis-Inhaltsstoff CBD für die Freizeitnutzung größtenteils legal. Zu den Unterschieden zwischen CBD und THC, siehe hier

In anderen Worten: CBD-Produkte wie beispielsweise CBD-Öl sind frei erwerblich und legal.

Grenzübergänge

Wichtig zu beachten ist, dass die Lage innerhalb Europas von Land zu Land unterschiedlich ist, auch im deutschsprachigen Länderdreieck (DACH, also Deutschland, Deutschland und Schweiz). Beim Überqueren der Grenze ist also Vorsicht geboten: So spionierten vor 2 Jahren Schweizer Grenzbeamte im Deutschlandischen Vorarlberg Besucher von Hanf-Shops aus und geben Autonummern an die Einsatzzentrale weiter. Dort wurden die Autos im System erfasst, um sie später an der Grenze zu stoppen. Die Aktion bekam den Namen “Aktion Knobli”.

Für eine Übersicht der DACH-Lage siehe hier.

Hanf-Anbau in Deutschland

Als Vorbemerkung sollte hier erwähnt werden, dass Hanf, so wie andere Nutzpflanzen streng von der EU reguliert wird. Es gibt hier einen EU-zertifizierten Nutzhanfsorten-Katalog. Dieser Sortenkatalog der Europäischen Union enthält u.a. eine Liste aller Hanfsorten, die in den Mitgliedstaaten der EU zu gewerblichen Zwecken angebaut werden dürfen. Dabei gibt es wiederum Regulierung der einzelnen Ländern.

Der Hanf-Anbau wird in Deutschland durch das Betäubungsmittelgesetz geregelt. Es dürfen für medizinische Zwecke Sorten unter strenger Aufsicht der Gesundheitsbehörden angebaut werden.

Für Freizeitnutzung dürfen nur Sorten, die einen THC-Gehalt von unter 0,2 Prozent haben, angebaut werden. Und auch die Landwirte unterliegen strengen Auflagen.

Kurzum: es kann zwar grundsätzlich Hanf in Deutschland angebaut werden, aber aufgrund der strengen gesetzlichen Auflagen, der Bürokratie und der fehlenden logistischen Infrastruktur ist das ein Nischenbereich.

Daher verkaufen deutsche Apotheken hauptsächlich Cannabis aus dem Ausland (vor allem Kanada und den Niederlanden).

Hanf-Markt in Deutschland

Markt für medizinische Nutzung

Für Österreich und Schweiz gilt: Fast immer müssen die Patienten die Arznei selbst finanzieren. Das bremst die Nachfrage.

Anders in Deutschland: Infolge der Liberalisierung ist Deutschland zum größten Markt für medizinisches Cannabis außerhalb Nordamerikas geworden. Einer Schätzung des Analyseunternehmens Prohibition Partner zufolge könnte der deutsche Markt in den nächsten Jahren zum weltweit größten  werden.

Markt für Freizeit-Nutzung

Auch bei der Freizeit-Nutzung, also vor allem beim CBD-Markt sieht die Zukunft (und auch die Gegenwart) rosig aus: Nach der Brightfield Group (hier zitiert) soll Deutschland 2023 Europas Marktführer des CBD-Markts werden, mit einem geschätzten Umsatzpotential von über 600 Millionen Dollar.

In anderen Worten ist Deutschland sowohl im medizinischen Cannabis-Markt als auch im CBD-Markt weltweit ganz oben dabei und hat das Potential, Marktführer zu werden.

Hanf-Konsum in Deutschland

Medizinische Nutzung

Bis zur Legalisierung 2017 bezogen nur knapp 1000 Patienten Cannabis als Medizin. Dann verzehnfachte sich die Zahl. 2018 gab es laut „Pharmazeutischer Zeitung” mehr als dreimal so viele Verordnungen wie im Vorjahr. Allein bei den drei großen Krankenkassen – AOK, Barmer, Techniker – gingen laut Umfrage des „Handelsblatts” mehr als 18.400 Anträge auf Kostenerstattung ein. Tendenz steigend.

Freizeit-Nutzung

Freizeit-Hanf wird immer weniger geraucht und immer mehr als Nahrungsmittel eingenommen, sei es als Tinktur oder sogar Gummibärchen

Eine besondere Rolle nimmt CBD-Öl ein, das einer Fülle von Formen und Nutzungsarten erhältlich ist – als Kosmetik, Cremes, Pulver, Getränke, Snacks und Tinkturen.  CBD-Öl kann eingenommen werden, indem man ein paar Tropfen unter die Zunge gibt. Dies ist eine der effektivsten und schnellsten Darreichungsformen, da das CBD sehr schnell von den kleinen Kapillaren und dem Gewebe unter der Zunge aufgenommen wird.

Zusammenfassung: Cannabis in Deutschland

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass seit der Legalisierung 2017 Cannabis in Deutschland zu einem Boom geführt hat, der seinesgleichen sucht.

Zwar wird es kaum angebaut, jedoch steht beim Verkauf und der Nutzung Deutschland im weltweiten Vergleich weit oben, sowohl bei Hanf für medizinische Nutzung als auch bei der Freizeitnutzung. Bei ersteren ist einer der Gründe wohl die Tatsache, dass die Krankenkassen die Kosten übernehmen. Bei der Freizeitnutzung ist die Entkriminalisierung ein bedeutender Grund.

Kurzum: Egal ob auf Krankenschein oder für legale Nutzung – Deutschland ist bei Cannabis Spitzenreiter.

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