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Trendnachrichten
30.09.19

Was ist Rick-Simpson-Öl?

von Thomas Wrona
1399 Wörter
Es ist eines der nachhaltigsten Cannabisprodukte und laut Patientenberichte, liefert es beeindruckende Resultate. Jedoch was sagt die Wissenschaft dazu?

Wer im Internet die Vorteile von medizinischem Cannabis recherchiert, wird immer wieder auf Rick-Simpson-Öl stoßen. Es gibt sehr viele Erfahrungsberichte, in denen beschrieben wird, wie es eine Krebstherapie unterstützen, Schmerzen beseitigen und jegliche Krankheiten heilen kann.

Was ist Rick-Simpson-Öl?

Einfach ausgedrückt, ist Rick-Simpson-Öl eine Art hochkonzentriertes, pures Cannabisöl. Laut Phoenix Tears, der offiziellen Website von Rick Simpson, ist RSO ein „extrem stark decarboxyliertes Extrakt von stark sedierenden Indica-Sorten mit einem THC-Gehalt um 90%.“

Es ist dickflüssig, ungefiltert und in seiner Konsistenz fast schlammartig. Traditionell wird es mit reinem Naphtha extrahiert, um ein dickflüssiges Öl, das viele der fettlöslichen Bestandteile der Pflanze enthält, zu erhalten. Simpson selbst beschreibt das RSO sogar als „eine Art Fett“.

Die Laboranalyse von Rick-Simpson-Öl zeigt typischerweise einen THC-Gehalt von 40-95%. Laut einem unabhängigen Labor liegen einige Proben näher an 40%, aber laut Simpson sollte echtes RSO eher bei 95% liegen. Natürlich gilt dies nur für traditionelle RSOs, die mit THC-reichem Cannabis hergestellt werden. Wenn Cannabis mit hohem CBD-Anteil verwendet würde, wären die Laborergebnisse völlig anders. 

Rick-Simpson-Öl enthält auch Terpene und andere sekundäre Komponenten, wie schmerzstillende Cannflavine, obwohl bei der Verwendung von starken Lösungsmitteln wie Naphtha normalerweise viele Terpene verloren gehen

Rick-Simpson-Öl (RSO): Eine lange Geschichte

Wie man sich vielleicht denken kann, ist RSO nach seinem Erfinder benannt: Rick Simpson. 

Alles begann 1997, als Simpson als Ingenieur in einem kanadischen Krankenhaus arbeitete. Dort war er bei einem Unfall giftigen Dämpfen ausgesetzt, fiel von der Leiter und wurde bewusstlos. 

Simpson wurde in die Notaufnahme gebracht und erholte sich bald, aber hatte anschließend dauerhafte gesundheitliche Probleme wie Tinnitus und Schwindelanfälle. Die Ärzte verschrieben ihm Medikamente, die alles nur noch schlimmer machten. Obwohl dies eine schwierige Phase für Simpson war, bildeten diese Erfahrungen die Grundlage für eine sehr wichtige Erkenntnis.

Eine Dokumentation über medizinisches Marihuana inspirierte Simpson dazu, mit dem Rauchen von Cannabis zu beginnen, obwohl sein Arzt das damals noch sehr tabuisierte Thema ablehnte. Er bemerkte, dass das Klingeln in seinen Ohren nachließ. Pharmazeutische Medikamente hatten Simpson nicht geholfen, aber Cannabis schon. 

Ende 2002 wurde bei Simpson ein Basalzellkarzinom diagnostiziert. Obwohl er bereits einen Cousin durch Krebs verloren hatte, ließ sich Simpson von der Diagnose nicht unterkriegen. Stattdessen wandte er sich wieder der Cannabispflanze zu.

Im Rahmen seiner Forschung kam ihm eine faszinierende Idee. Was passiert, wenn man Cannabis zur äußeren Anwendung direkt auf den Krebs aufträgt? Eine ältere Studie aus der wissenschaftlichen Zeitschrift des National Cancer Institute lieferte ihm Inspiration: 

„Tiere, die 10 Tage hintereinander mit Delta9-THC behandelt wurden, zeigten ab dem Tag nach der Tumorimplantation ein dosisabhängiges, verzögertes Tumorwachstum.“ 

Mit dieser Information im Hinterkopf beschaffte sich Simpson eine normale Cannabispflanze, stellte ein Rohextrakt her und gab ein paar Tropfen davon auf Verbandmaterial. Diese legte er direkt auf seine krebsartigen Läsionen. Als er sie vier Tage später entfernte, waren laut seiner Aussage alle Anzeichen des Krebses verschwunden. 

Daraufhin wollte Simpson auch anderen Menschen Cannabisöl zur Verfügung stellen und experimentierte mit verschiedenen Cannabissorten, Extraktionsmethoden und Lösungsmitteln. Nach langem Ausprobieren entschied sich Simpson für eine hochreine, decarboxylierte Substanz, die sowohl zur oralen Einnahme als auch zur äußerlichen Anwendung gut geeignet war.

RSO vs. CBD-Öl

Sowohl CBD-Öl als auch RSO sind Cannabis-basierte Öle, haben aber mehr Unterschiede als Ähnlichkeiten. RSO ist ein unverdünntes, THC-reiches Extrakt, während CBD-Öl am anderen Ende des Spektrums liegt: stark verdünnt, CBD-reich und mit mehr Trägeröl als das eigentliche Cannabisextrakt. CBD-Öl ist ausschließlich für die sublinguale und orale Einnahme bestimmt, während Rick-Simpson-Öl vielseitiger ist. 

Es gibt auch erhebliche pharmazeutische Unterschiede. Dank seines hohen THC-Gehalts wirkt Rick-Simpson-Öl am stärksten auf die CB1-Rezeptoren des Gehirns, die reichlich im gesamten zentralen Nervensystem vorhanden sind. Es kann auch Serotonin-5-HT2A-Rezeptoren ansprechen, die die Gedächtnisbildung und das Lernen beeinflussen. Es hat auch eine beruhigende Wirkung. Simpson selbst beschreibt die Wirkung seines Öls als „narkotisch“. Für Krebspatienten, die chronische Schmerzen und signifikante Nebenwirkungen durch eine Chemotherapie und andere Behandlungen haben können, kann das sehr nützlich sein.

CBD-Öl wirkt nicht besonders aktiv auf psychotrope Rezeptoren im Gehirn. Das heißt, es verursacht kein High, kann aber die Serotonin-5-HT1A-Rezeptoren sanft aktivieren und so Angst lindern

Durch die einzigartige molekulare Form von CBD können bestimmte Moleküle auch die TRPV1-Rezeptoren aktivieren, um Entzündungen zu reduzieren. Nicht nur deswegen, sondern auch aufgrund seines hohen THC-Gehalts kann RSO Schmerzen besser lindern als CBD-Öl. 

Welches Öl ist das Richtige für Sie? Das hängt vom individuellen Gesundheitszustand und den gesundheitlichen Bedürfnissen ab. Manche Menschen nehmen auch beide Öle ein, meist zu verschiedenen Tageszeiten. CBD-Öl kann sogar bei der Modulation der psychotropen Effekte von hoch dosiertem THC nützlich sein. 

Kann Rick-Simpson-Öl Krebs heilen? 

Manche PatientInnen behaupten, dass Rick-Simpson-Öl neben der reinen Schmerzlinderung auch ihren Krebs erfolgreich behandelte und ihn tatsächlich in Remission brachte, obwohl das immer noch Einzelfallberichte sind. 

Das ultimative Ziel von Rick Simpsons Krebsbehandlung mit traditionellem Cannabisöl ist es, Krebszellen abzutöten, indem sie ultrahohen THC-Dosen ausgesetzt werden. Das Simpson-Protokoll empfiehlt den Patienten, „alle 24 Stunden 1 Gramm oder 1 ml hochwertiges Öl einzunehmen, sobald sie eine Toleranz für dieses Medikament aufgebaut haben“. 

Das sind laut den Zahlen von Simpson und unabhängigen Labortests etwa 400 bis 950 Milligramm THC – jeden Tag. Tatsächlich dauert es einige Zeit, bis die für diese Art von Dosierung erforderliche Toleranz aufgebaut ist. Simpson rät den PatientInnen, die Dosis im Laufe von drei Monaten schrittweise zu steigern, beginnend mit „drei Dosen pro Tag“, jeweils „etwa so groß wie ein halbes Korn Reis“.

Erste Untersuchungen zeigen, dass THC tatsächlich die Apoptose (den Zelltod) verursachen kann, indem es Krebszellen dazu bringt, mehr Ceramid zu produzieren. Dies ist eine natürliche Fettsäure, die sie auffrisst. Auch das Cannabis-Terpen Limonen kann die Apoptose fördern.

THC kann auch helfen, den Stoffwechsel des Körpers durch Aktivierung von AMPK in Richtung einer stärkeren Fettverbrennung zu verlagern. Laut dem Molekularbiologen Dr. Bob Melamede ist das eine große Sache: Bei einem gesteigerten Fettstoffwechsel entstehen weniger freie Radikale und eine aerobere Zellumgebung. Erste Untersuchungen dazu zeigten, dass diese subtilen Veränderungen das Wachstum und die Proliferation von Tumoren verhindern können. 

Es muss jedoch auch beachtet werden, dass es nur Einzelfallberichte darüber gibt, dass Rick-Simpson-Öl eine wirksame Krebsbehandlung sein könnte. Diesbezüglich muss noch viel klinische Forschung betrieben werden.

Weitere potenzielle Vorteile von RSO

Patientenberichte deuten auch darauf hin, dass RSO den Blutdruck so weit senken kann, dass keine Medikamente gegen Bluthochdruck mehr benötigt werden. PatientInnen mit Diabetes haben angegeben, dass Rick-Simpson-Öl ihren Bedarf an exogenem Insulin reduzieren oder sogar eliminieren kann. Das liegt daran, dass THC ein starker Insulin-Sensitizer sein kann. RSO kann Diabetiker auch vor weiteren Problemen schützen, zum Beispiel neurologischen Schäden, die oft mit der Krankheit einhergehen. 

Es hat sich auch als wirksames Mittel gegen Schmerzen erwiesen. Dadurch kann es eine attraktive Alternative zu Opiaten sein, deren übermäßige Verwendung inzwischen schon epidemieartige Ausmaße angenommen hat. 

Mögliche Nebenwirkungen von RSO

Rick-Simpson-Öl erfordert wegen seiner hohen Stärke eine sorgfältige Dosierung. Aufgrund seiner hohen THC-Konzentration kann es auch zahlreiche Nebenwirkungen verursachen, obwohl eine sorgfältige Planung sie mildern kann. Vor der Anwendung von RSO sollte man sich unbedingt von einem Arzt beraten lassen. 

So wie Cannabis seine bekannten Nebenwirkungen hat, kann auch RSO und andere konzentrierte Lösungen viele der gleichen Nebenwirkungen verursachen. Es ist ein psychotropes Mittel und kann zu kognitiven Beeinträchtigungen, Gedächtnisproblemen und Psychosen führen. Es kann auch den Blutdruck senken, so dass bei Personen mit niedrigem Blutdruck Vorsicht geboten ist. 

Wie bei jedem neuen Cannabisprodukt, gilt auch bei Rick-Simpson-Öl, dass man immer mit einer niedrigen Dosierung beginnen und diese langsam steigern sollte. Das Öl ist extrem hoch konzentriert, daher sollte die Anfangsdosis sorgfältig bemessen werden (Simpson empfiehlt ein halbes Reiskorn). Sobald Sie sich an diese Einstiegsdosierung gewöhnt haben, machen Sie weiter. Laut Simpson sollte man irgendwann ein Gramm Öl pro Tag erreichen, während Dr. Melamede seine Tage mit einem Zehntel Gramm beginnt. 

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