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Home Physiologie Cannabis und Fruchtbarkeit
Sep 15, 2019 4 min lesen

Cannabis und Fruchtbarkeit

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von Zoe Biehl
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In den letzten 30 Jahren hat der Konsum von Cannabis weltweit stark zugenommen, sowohl durch medizinische Konsumenten als auch Freizeitkonsumenten. Folglich gibt es auch immer mehr Fragen über die verschiedenen Wirkweisen von Cannabis auf den Körper.

Viele Forschungen wurden bereits angestellt, aber wir sind noch weit davon entfernt, die unzähligen Arten und Weisen zu verstehen, in denen Cannabis die verschiedensten Körpersysteme beeinflusst, insbesondere das menschliche Fortpflanzungssystem.

Es gibt einige wissenschaftliche Studien und so einige interessante Entdeckungen zu diesem Thema, aber die Erkenntnisse im Bereich Cannabis und Fruchtbarkeit sind noch sehr lückenhaft. Hier beschreiben wir den aktuellen Wissensstand über die Wirkung von Cannabis auf das Fortpflanzungssystem und die Fruchtbarkeit bei Männern und Frauen.

Wie das Endocannabinoid-System und das Fortpflanzungssystem miteinander verknüpft sind

Das Endocannabinoid-System ist ein Netzwerk von Rezeptoren im gesamten Körper. Es hilft bei der Regulierung und Kommunikation mit dem Gehirn, Immunsystem und dem endokrinen Gewebe.

Neben vielen unterschiedlichen Funktionen die es in unserem Körper erfüllt, spielt das Endocannabinoid-System eine wichtige und komplexe Rolle bei der Sekretion von Hormonen, die insbesondere mit reproduktiven Funktionen zusammenhängen.

Beim Cannabis-Konsum wirken Cannabinoide wie THC und CBD auf die Endocannabinoid-Rezeptoren in unserem Körper ein. Dadurch wird das Endocannabinoid-System beeinflusst, was wiederum ein breites Spektrum von biologischen Reaktionen zur Folge hat und u.a. den Fortpflanzungsapparat betrifft.

Sowohl bei Männern als auch Frauen können durch regelmäßigen Cannabis-Konsum Veränderungen des Fortpflanzungsapparats entstehen, da sich die Ausschüttung von Hormonen wandelt. Dadurch kann es zu Veränderungen der Fruchtbarkeit kommen.

Wirkweisen des Endocannabinoid-Systems im Körper
Wirkweisen des Endocannabinoid-Systems im Körper. Source

Männliche Fruchtbarkeit & Cannabis

Viele Menschen glauben, dass Cannabis die Spermienqualität verringere. Aber, stimmt das?

Eine im Jahr 2015 veröffentlichte, über vier Jahre angelegte Studie an über 1200 Männern in Dänemark ergab, dass der regelmäßige Konsum von Cannabis zu einer niedrigeren Spermienkonzentration führen kann. Demnach hatten Männer, die mehr als einmal pro Woche Cannabis rauchten, 29% weniger Spermien als Männer, die kein Cannabis einnahmen.

Es gibt jedoch andere wissenschaftliche Studien, die das Gegenteil belegen. Ein Team der Harvard T.H. Chan School of Public Health veröffentlichte 2019 eine neue Studie zu den Wirkweisen von Cannabis auf Marker der männlichen Fruchtbarkeit. Die Ergebnisse überraschten. 

Zuvor hatte das Forschungsteam angenommen, dass Männer, die Cannabis rauchten, eine verminderte Spermienqualität aufweisen würden. Doch das war nicht das Ergebnis der Studie.

Zwischen 2000 und 2017 rekrutierte das Team 662 Männer in Massachusetts und untersuchte 1143 Samenproben. Ebenso wurden Blutproben der Probanden auf Geschlechtshormone getestet.

Man fand heraus, dass Cannabis-Konsumenten eine durchschnittliche Spermien-Konzentration von 62,7 Millionen Spermien pro Milliliter aufwiesen, während der Wert bei Männern, die nie Cannabis konsumiert hatten, durchschnittlich bei 45,4 Millionen Spermien pro Milliliter lag. Außerdem stellte man fest, dass bei nur 5% der Cannabis-Konsumenten die Spermien-Konzentrationen unter dem allgemeinen Normwert lagen, während von den Nicht-Konsumenten 12% unter dem normalen Wert lagen.

 „Die unerwarteten Ergebnisse machen uns deutlich, wie wenig wir über die Wirkung von Marihuana auf das Fortpflanzungssystem wissen. Und über die Wirkung von Marihuana auf die Gesundheit im Allgemeinen“, schrieb der Autor der Studie Jorge Chavarro. „Unsere Ergebnisse müssen mit Vorsicht interpretiert werden, und sie betonen die Notwendigkeit, die gesundheitlichen Folgen von Marihuana noch weiter zu erforschen.“

Offenbar bedarf es noch weiterer wissenschaftlicher Studien, um zu verstehen, wie Cannabis auf die Fruchtbarkeit bei Männern wirkt.

Weibliche Fruchtbarkeit & Cannabis

Es gibt sehr wenige Studien zum Verhältnis von weiblicher Fruchtbarkeit und Cannabis-Konsum. Es ist schwieriger, die Wirkung von Cannabis auf das Reproduktionssystem von Frauen zu erforschen, weil es keinen direkten Messwert gibt, den man untersuchen kann, wie bei Männern die Samen.

Beeinträchtigungen durch Cannabis-Konsum betreffen die Hypothalamus-Hypophysen-Eierstock-Achse, die an der Regulierung des weiblichen Fortpflanzungszyklus beteiligt ist.

Die wenigen wissenschaftlichen Belege, die es gibt, deuten darauf hin, dass Cannabis die weibliche Fruchtbarkeit verringern kann, indem es die Produktion der Hormone Östrogen und Progesteron stört. Diese Störung kann den Eisprungzyklus verzögern oder den Eisprung gar verhindern. Findet kein Eisprung statt, was als „anovulatorischer Zyklus“ bezeichnet wird, wird keine Eizelle freigesetzt und eine Schwangerschaft unmöglich gemacht.

Gleichzeitig gibt es Studien, die gar keinen Einfluss auf den Eisprung und den Menstruationszyklus bei konsumierenden Frauen nachweisen konnten. Umso mehr wird klar, dass noch mehr Forschung auf diesem Gebiet notwendig ist.

In ähnlicher Weise ist weitestgehend unklar, wie sich der Cannabis-Konsum bei schwangeren Frauen auswirkt.

Wo Gesetze den Gebrauch von Cannabis in Medizin und Freizeit ermöglichen, ist ein rasanter Anstieg des Konsums unter schwangeren Frauen zu verzeichnen. Eine in Kalifornien durchgeführte Studie ergab, dass sich der Prozentsatz der schwangeren Frauen, die positiv auf Cannabis getestet wurden, zwischen 2009 und 2016 fast verdoppelt hat, und zwar von 4% auf 7% über den Zeitraum von sieben Jahren.

Konsums unter schwangeren Frauen zu verzeichnen

Wir wissen sicher, dass THC die Plazenta durchdringen und den Fötus erreichen kann, und auch, dass es in der Muttermilch sechs Tage nach dem letzten Konsum nachweisbar ist. Das führt zu Bedenken bezüglich des Cannabis-Konsums während der Schwangerschaft oder Stillzeit, da der Fötus bzw. das Neugeborene dem Mittel ausgesetzt wird.

Dennoch, in einer in England durchgeführten Studie mit Schwangeren führte der Cannabis-Konsum nicht zu einem erhöhten Risiko für perinatale Morbidität oder Mortalität. Man kam jedoch zu dem Schluss, dass häufiger und regelmäßiger Gebrauch von Cannabis während der Schwangerschaft mit einer kleinen, aber statistisch nachweisbaren Abnahme des Geburtsgewichts verbunden sein könnte.

Fazit

Es ist eindeutig, das noch viel Forschungsbedarf besteht, um zu klären, wie sich Cannabis auf das männliche und weibliche Fortpflanzungssystem auswirkt.

Angesichts der vorhandenen Studien könnte es bei Paaren mit Kinderwunsch sein, dass die Probleme, schwanger zu werden, durch Cannabis noch erschwert werden.

Gleichzeitig gibt es Hinweise, dass bei Paaren, die keine Probleme mit der Fruchtbarkeit haben und schwanger werden möchten, Cannabis keine großen Auswirkungen hat.

Wie immer, sollte stets eine medizinische Fachperson zu Rate gezogen werden, sollte man Fragen oder Bedenken bezüglich der Verwendung von Cannabis und der Fruchtbarkeit haben.

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