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Kann Cannabis bei Migräne helfen?

Gleb Oleinik

Sep 22, 2019 Aktualisiert am Mrz 8, 2021

1.1k
10 min

Überblick

Die Menschheit verwendet Cannabis schon seit Urzeiten, um Migräne-Kopfschmerzen zu lindern. Dies ist auch heute noch eine beliebte Praxis, da Standardmedikamente nicht immer Linderung bieten und mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden sind.

In neueren medizinischen Studien werden nun nach und nach die positiven Auswirkungen von Cannabis und die Beteiligung des Endocannabinoid-Systems bei Migräne nachgewiesen.

Tatsächlich deuten bahnbrechende Erkenntnisse darauf hin, dass ein unterversorgtes Endocannabinoid-System die zugrundeliegende Ursache für Migräne und einige andere schwer zu behandelnde Erkrankungen sein kann.

Was ist das Endocannabinoid-System? Wie steht es mit Migräne im Zusammenhang? Kann Cannabis Abhilfe schaffen? Das ist der aktuelle Stand der Forschung.

Das Endocannabinoid-System

Das Endocannabinoid-System ist ein wichtiges biologisches System, das an der Aufrechterhaltung eines gesunden Gleichgewichts im gesamten Körper, Homöostase genannt, mitwirkt. 

Dieses System besteht aus Cannabinoid-Rezeptoren, Endocannabinoiden und den Enzymen, die Endocannabinoide herstellen und abbauen. Es ist an der Regulation zahlreicher wichtiger Prozesse wie kognitive Funktion, Stimmung, Stoffwechsel, Arbeit des Immunsystems und Schmerzempfinden beteiligt. 

Bisher hat die Wissenschaft zwei Cannabinoid-Rezeptoren identifiziert: CB1- und CB2-Rezeptoren. Obwohl sie über den ganzen Körper verteilt sind, sind CB1-Rezeptoren besonders häufig im zentralen Nervensystem vorhanden, während CB2-Rezeptoren häufig in Immunzellen vorkommen. Diese Rezeptoren werden durch zwei Endocannabinoide des menschlichen Körpers aktiviert: Anandamid und 2-AG. 

Ebenso können Phytocannabinoide (pflanzliche Cannabinoide) wie THC und CBD mit den Cannabinoid-Rezeptoren interagieren.

Das Endocannabinoid-System und Migräne

Forschungsstudien deuten darauf hin, dass das Endocannabinoid-System bei mehreren an Migräne beteiligten Prozessen beteiligt ist. 

Ein solcher Prozess ist die Freisetzung der chemischen Substanz Serotonin durch die Blutplättchen. Studien deuten darauf hin, dass Endocannabinoide diese Freisetzung verhindern und dass Menschen mit chronischer Migräne einen geringeren Gehalt an Anandamid und 2-AG in ihren Blutplättchen haben.

Noch bedeutsamer ist, dass Endocannabinoide Einfluss auf einen Teil des Gehirns namens „trigeminovaskuläres System“ haben. Dieses System spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Migräneanfällen. Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Endocannabinoide dieses System über den CB1-Rezeptor regulieren.

Eine Studie aus dem Jahr 2004 ergab zum Beispiel, dass Anandamid die Trigeminalneuronen hemmt, wodurch einer Migräne vorgebeugt werden könnte.

Noch interessanter: Eine Folgestudie aus dem Jahr 2011 ergab, dass die Verabreichung von Anandamid an Ratten mit migräneartigen Kopfschmerzen sowohl die Neuronenaktivierung im Trigeminovaskulärsystem als auch die damit verbundenen Schmerzen reduzierte. 

Ähnliche Ergebnisse wurden in einer Studie aus dem Jahr 2015 mit dem FAAH-Enzym, das für den Abbau von Anandamid verantwortlich ist, festgestellt. Die Wissenschaftler lösten die migräneartigen Kopfschmerzen bei Mäusen fast vollständig auf, indem sie dieses Enzym ausschalteten oder Präparate, die seine Wirkung hemmten, verabreichten.

Diese Erkenntnisse veranlassten die Wissenschaftler zu der Annahme, dass ein dysfunktionales Endocannabinoid-System für Migräne verantwortlich sein könnte.

Diese These wurde erstmals 2001 von Dr. Ethan B. Russo, Director of Research and Development am International Cannabis and Cannabinoids Institute (ICCI) und einer der führenden Experten für medizinisches Cannabis, in seiner Theorie des klinischen Endocannabinoid-Mangels aufgestellt.

Nach dieser Theorie kann ein niedriger Endocannabinoid-Spiegel die Ursache für eine Vielzahl von schwer zu behandelnden Erkrankungen sein, darunter entzündliche Darmerkrankungen, Fibromyalgie und Migräne.

Der stärkste Beweis für diese Hypothese stammt aus einer Studie aus dem Jahr 2007, die ergab, dass Menschen mit chronischer Migräne einen niedrigeren Anandamidspiegel in ihrer Liquorflüssigkeit hatten als gesunde Menschen. Laut den Autoren dieser Studie ist es daher naheliegend, dass das Endocannabinoid-System aufgrund unzureichender Spiegel die trigeminovaskuläre Aktivierung nicht hemmen kann und deswegen eine Migräne ausgelöst wird.

Schließlich gibt es Hinweise darauf, dass bestimmte genetische Variationen des CB1-Rezeptors eine Person anfällig für Migräne machen können – was logisch ist, da Anandamid hauptsächlich über diesen Rezeptor wirkt.

Migränebehandlung mit medizinischem Cannabis

Obwohl Cannabis schon lange gegen Migräne eingesetzt wird, gibt es auf diesem Gebiet nicht viel Forschung. Die aktuellen Ergebnisse sind jedoch überwältigend positiv und stützen die Theorie, dass ein Endocannabinoid-Mangel die Ursache von Migräne ist.

In einer Studie der University of Colorado aus dem Jahr 2016 wurde die Wirksamkeit von medizinischem Cannabis bei 121 Menschen mit Migräne untersucht. Die Behandlung war bei 85,1% der Patienten wirksam und reduzierte die Anzahl der Migräneanfälle von durchschnittlich 10,4 auf 4,6 pro Monat. Es wurde beobachtet, dass Cannabis nicht nur die Anzahl der Migräneanfälle reduziert, sondern auch die Schmerzen stoppt, wenn es während eines Migräneanfalls eingenommen wurde.

Weiterhin wurde in einer Studie aus dem Jahr 2019 die Wirksamkeit von medizinischem Cannabis bei 316 Patienten mit chronischer Migräne untersucht. Insgesamt berichteten 88,3% der Patienten über eine Verbesserung der Migräne, wobei die monatliche Anfallshäufigkeit um durchschnittlich 42,1% reduziert wurde. Einige Patienten erlebten eine noch stärkere Senkung der Anfallshäufigkeit (50% oder mehr) und viele Patienten berichteten von Verbesserungen ihres Schlafverhaltens, ihrer Angststörungen und Gemütslage. 

Interessanterweise ergab die Studie auch, dass Cannabis mit einem Verhältnis von THC zu CBD von 20:1 zu stärkeren Verbesserungen führte als Cannabis mit einem Verhältnis von 1:1. Dieses Ergebnis könnte dadurch erklärt werden, dass die Funktion und Wirkung von THC – im Gegensatz zu der von CBD – einem Anandamid ähnelt.

Darüber hinaus ergab eine kontrollierte Tierstudie aus dem Jahr 2018, dass isoliertes THC die Migräneschmerzen bei weiblichen Ratten reduziert, was die These, dass Cannabinoide bei der Behandlung von Migräne bei Menschen nützlich sein könnten, unterstützt.

Es gibt auch Hinweise darauf, dass Cannabis bei den beiden Hauptsymptomen der Migräne helfen kann: Schmerzen und Übelkeit. Die schmerzlindernde Wirkung von Cannabis wurde in zahlreichen Studien nachgewiesen, so dass die National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine 2017 die folgende Erklärung veröffentlichten: „Es gibt schlüssige und eindeutige Beweise dafür, dass Cannabis oder Cannabinoide bei der Behandlung von chronischen Schmerzen bei Erwachsenen wirksam sind.“ 

Inzwischen werden auch die Übelkeit-lindernden Effekte von Cannabis durch Forschungsergebnisse gestützt und auf Cannabis basierende Arzneimittel wie Marinol werden bereits zur Behandlung bestimmter Arten von Übelkeit eingesetzt.

Nebenwirkungen von Cannabis

Obwohl Cannabis eine ausgezeichnete Option zur Behandlung von Migräne zu sein scheint, hat es einige unerwünschte Wirkungen.

Nebenwirkungen

Insbesondere sind die psychoaktiven Nebenwirkungen, zu denen Euphorie, Gedächtnisstörungen und Angstzustände gehören, das Haupthindernis für einen verstärkten medizinischen Einsatz von Cannabis. Darüber hinaus kann Cannabis andere Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Benommenheit und Müdigkeit verursachen.

Letztendlich gilt Cannabis jedoch als eine sichere Substanz. Dies ist vor allem der Fall, wenn wir es mit anderen Arzneimitteln zur Migränebehandlung, wie zum Beispiel NSAIDs vergleichen. Ein weiterer Vorteil von Cannabis: Es hilft, den Einsatz von Opioiden, die manchmal trotz ihrer süchtig machenden Eigenschaften und ihrer Fähigkeit, medikamenteninduzierte Kopfschmerzen zu verursachen, gegen chronische Migräne verschrieben werden, zu reduzieren.

Aktuell zugelassene legale Anwendung von medizinischem Cannabis zur Migränebehandlung

Chronische Schmerzen, einschließlich Migräne, sind der häufigste Grund für den Gebrauch von medizinischem Cannabis. Aus diesem Grund führt die überwiegende Mehrheit der Länder und Staaten mit einem medizinischen Cannabisprogramm, chronische Schmerzen als nötige Voraussetzung an. Dazu gehören Kanada, Deutschland und die Niederlande. 

Es gibt jedoch einige Ausnahmen. So hat beispielsweise Großbritannien ein strenges Programm für medizinisches Cannabis, in dem chronische Schmerzen oder Migräne derzeit nicht als nötige Voraussetzung aufgeführt sind.

In den USA ist die Anwendung von medizinischem Cannabis zur Migränebehandlung im District of Columbia und 33 Bundesstaaten erlaubt: Alaska, Arizona, Arkansas, Kalifornien, Colorado, Connecticut, Delaware, Florida, Hawaii, Illinois, Louisiana, Maine, Maryland, Massachusetts, Michigan, Minnesota, Missouri, Montana, Nevada, New Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Dakota, Ohio, Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, Washington, West Virginia, Utah und Vermont.

Fazit

Cannabis war und ist eine der beliebtesten Optionen zur Behandlung von Migräne. Diese Praxis hat dank neuerer Forschungsergebnisse eindeutig zahlreiche Vorteile, da ein unterversorgtes Endocannabinoid-System die Ursache für Migräne sein kann.

Die Verwendung von Cannabispräparaten zur Beseitigung dieses Mangels bietet daher einen natürlichen Weg, Migräne vorzubeugen, anstatt nur ihre Symptome zu behandeln. Noch wichtiger ist, dass dies mit Cannabis ohne die signifikanten Nebenwirkungen von Standardpräparaten möglich ist.

Obwohl dringend weitere klinische Studien zur Erforschung der Wirksamkeit von medizinischem Cannabis zur Migränebehandlung erforderlich sind, sind die derzeitigen Belege signifikant genug, um seinen Einsatz zu unterstützen.

Haftungsausschluss

Inhalte auf The Cannigma dienen nur zu Informationszwecken. Sie sind kein Ersatz für professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Vor Beginn einer Behandlung mit Cannabis sollten Sie sich immer von einem Arzt mit Erfahrung mit medizinischem Cannabis beraten lassen.

Über Migräne

Überblick

Viele Menschen halten Migräne einfach nur für Kopfschmerzen. Wer aber an Migräne leidet, weiß, dass viel mehr dahinter steckt. Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die bei den Betroffenen zu erheblichen Beeinträchtigungen führt. Tatsächlich ist sie eine der weltweit häufigsten Ursachen für Invalidität. Die PatientInnen leiden unter schwerer, lähmender Übelkeit, Erbrechen und einer Vielzahl anderer Symptome, aufgrund der sie oft unfähig sind, ihre täglichen Aufgaben auszuführen. 

Migräne gilt als die dritthäufigste Krankheit und betrifft 11% der Menschen weltweit. Schätzungsweise leben in Deutschland 18 Millionen Menschen mit Migräne. In Europa und Nordamerika bekommen jedes Jahr etwa 6% der Männer und 15-18% der Frauen eine Migräne. Wer eine Migräne bekommt, entwickelt diese meist im Alter von etwa 10 Jahren. Die Häufigkeit der Anfälle verringert sich in der Regel ab einem Alter von etwa 45-50 Jahren.

Symptome

Eine Migräne wird im Allgemeinen in zwei Arten eingeteilt:

  • Migräne mit Aura 
  • Migräne ohne Aura

Obwohl das Hauptsymptom einer Migräne starke Kopfschmerzen sind, umfasst sie auch eine einzigartige Reihe von Symptomen, die sie von anderen Kopfschmerzarten unterscheidet. Zu den Migränesymptomen gehören häufig:

  • Ein pochender Schmerz im Kopf, oft nur auf einer Seite
  • Extreme Lichtempfindlichkeit, so dass man sich in einem abgedunkelten Raum aufhalten muss
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Benommenheit, Schwindel und Ohnmacht
  • Verschwommenes Sehen
  • Extreme Empfindlichkeit gegenüber sensorischer Stimulation wie Gerüchen, Berührung und Geschmack

Migräneanfälle dauern in der Regel zwischen 4 und 72 Stunden. Einige Menschen erleben eine „Aura“ kurz vor oder während eines Anfalls. Die Aura ist in der Regel visuell, kann aber auch andere Empfindungen beinhalten. Die Aurasymptome bauen sich in der Regel allmählich auf und dauern dann 10-30 Minuten, können aber auch bis zu 60 Minuten anhalten. Aurasymptome können sein:

  • Sehen von Blitzen oder Lichtflecken, Zickzack- oder Wellenlinien
  • Sehverlust
  • Ein Gefühl von Schwäche, Taubheit oder ein Kribbeln in einem Arm oder Bein oder auf einer Seite des Körpers
  • Schwierigkeiten beim Sprechen und der Steuerung von Bewegungen
  • Akustische Halluzinationen

Einige Migränepatienten erleben eine Warnstufe, die so genannte „Prodromphase“, bevor die eigentliche Migräne beginnt. Dieses kann ein bis zwei Tage vor dem Migräneanfall selbst beginnen. Vorzeichen einer Migräne können sein:

  • Stimmungsschwankungen
  • Heißhunger auf bestimmte Lebensmittel
  • Verstopfung
  • Starkes Durstgefühl und mehr Harndrang als normal
  • Steifigkeit im Nacken
  • Häufiges Gähnen
  • Reizbarkeit 
  • Schlafstörungen  

Oft haben die Betroffen nach dem Ende der Migräneattacke eine „Postdromphase“, in der sie sich erschöpft, verwirrt und ausgelaugt fühlen.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Wann man wegen Kopfschmerzen, die eine Migräne sein könnten, zum Arzt gehen sollte, ist schwierig zu bestimmen. Wenn Sie regelmäßig Kopfschmerzen haben, die von Übelkeit und Erbrechen, visuellen Auren oder anderen Anzeichen einer Migräne begleitet werden, sollten Sie dies mit Ihrem Arzt besprechen.

Diagnose

Im Allgemeinen diagnostiziert ein Neurologe, der Erfahrung mit der Identifizierung von Migräne hat, eine Migräne anhand der Symptome und der Krankengeschichte, einer körperlichen und neurologischen Untersuchung. 

Ihr Arzt kann auch eine diagnostische Abklärung durchführen, um andere Ursachen für Ihre Kopfschmerzen auszuschließen. Dies kann Bluttests für bestimmte Erkrankungen, die Kopfschmerzen verursachen oder Migräne verschlimmern können, beinhalten. Der Arzt kann auch eine bildliche Darstellung Ihres Kopfes, Halses oder der dort vorhandenen Blutgefäße anfordern, zum Beispiel einen CT- oder einen MRT-Scan oder beides.

Ursachen

Eine Migräne wird durch eine Kombination von genetischen und Umweltfaktoren verursacht. Die Genetik spielt definitiv eine Rolle. Eltern geben eine Migräne mit einer Chance von etwa 50% an ihre Kinder weiter. Dieser Wert steigt auf 75%, wenn beide Elternteile Migräne haben. 

Eine Migräne wird in der Regel durch überaktive Nervenzellen verursacht. Diese aktivieren den Trigeminusnerv, der das sensorische Empfinden in Kopf und Gesicht steuert. Der Trigeminusnerv setzt Chemikalien frei, die die Blutgefäße im Gehirn anschwellen lassen und die Entzündung und Schmerzen einer Migräne verursachen. Dies ist ein komplexer Prozess, der verschiedene Teile des Gehirns und verschiedene Neurotransmitter wie CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide), Serotonin und andere einschließt. 

Eine Migräne kann durch viele verschiedene Dinge ausgelöst werden. Nicht alle Migränearten werden jedoch durch die gleichen Trigger ausgelöst. Häufige Migräneauslöser sind:

  • Stress, der die Blutgefäße im Gehirn anschwellen lässt.
  • Koffein, entweder zu viel davon, wenn man es nicht gewohnt ist, oder zu wenig, wenn sich das Gehirn bereits daran gewöhnt hat.
  • Hormonelle Veränderungen, insbesondere bei Frauen. Viele Frauen mit Migräne bekommen sie, wenn sich ihr Östrogenspiegel ändert, also kurz vor oder während der Menstruation, in der Schwangerschaft und in der Menopause. Es gibt sogar eine Erkrankung namens Menstruationsmigräne, bei der Frauen während jeder Menstruation Migräne haben. 
  • Bestimmte Lebensmittel. Bei manchen Betroffenen wird eine Migräne durch gereiften Käse, salzige und verarbeitete Lebensmittel, Alkohol (vor allem Wein) und bestimmte Lebensmittelzusatzstoffe wie Aspartam und MSG ausgelöst. Auch das Auslassen von Mahlzeiten oder Fasten kann zu einer Migräne führen.
  • Änderung des Schlafmusters, zum Beispiel Schlafmangel, ein Jetlag durch Reisen oder sogar zu viel Schlaf.
  • Starke sensorische Stimulation, wie intensive Gerüche, abgestandener Zigarettenrauch, helles Sonnenlicht und Lärm.
  • Körperliche Anstrengung, bei der der Körper an einen bestimmten Punkt getrieben wird.
  • Wetter- oder Luftdruckänderungen.
  • Medikamente wie orale Verhütungsmittel oder Vasodilatatoren wie Nitroglycerin.

Behandlung

Migräne kann nicht geheilt werden. Die Anzahl der Anfälle lässt sich jedoch verringern, indem man seine Ernährung und den allgemeinen Lebensstil ändert und die Migräneauslöser reduziert oder vermeidet. Einige der wichtigsten Empfehlungen für Lebensstil und Ernährung sind:

  • Entwicklung einer festen Routine für Nahrungsaufnahme und Schlaf – ohne zu viel oder zu wenig zu essen oder zu schlafen. 
  • Viel trinken.
  • Regelmäßige Bewegung. Aerobic wird besonders empfohlen, da es Spannungen und Stress abbauen kann. Wärmen Sie sich langsam auf, denn auch plötzliche und intensive Bewegungen können eine Migräne auslösen. Die Beibehaltung eines gesunden Körpergewichts hilft ebenfalls, eine Migräne zu vermeiden, da Übergewicht ein Risikofaktor ist.
  • Entspannungs- und Stressmanagementtechniken, um Stress zu reduzieren und Ihre Reaktion darauf zu kontrollieren. 
  • Führen eines Kopfschmerztagebuchs, damit Sie nach Mustern in Ihrem Verhalten, Ihres Umfelds oder Ihren Aktivitäten, die möglicherweise Ihre Migräne verursachen, suchen können.
  • Schlafhygiene. Entwickeln Sie Gewohnheiten, die zu einem besseren Schlaf beitragen, wie zum Beispiel jeden Abend zur gleichen Zeit zu Bett gehen, LED-Licht vor dem Schlafen vermeiden, eine dunkle, ruhige und kühle Umgebung herstellen, große Mahlzeiten am Abend vermeiden usw. 

Es gibt auch Medikamente, die häufige Migräneanfälle verhindern und die Schmerzen lindern. 

Abortive Medikamente

Praktisch alle Migränepatienten brauchen Medikamente, um die Migräne zu stoppen, wenn sie begonnen hat. Sie werden oft direkt mit Einsetzen der Kopfschmerzen benötigt, denn ansonsten sind sie möglicherweise nicht sehr wirksam. Es können viele Arten von Medikamenten verwendet werden, um eine Migräne zu stoppen. Sie funktionieren oft nicht perfekt, werden manchmal in Kombination eingesetzt und können starke Nebenwirkungen haben. 

  • NSAIDs (nichtsteroidale Antirheumatika): Medikamente, die Entzündungen reduzieren. Sie können als Tabletten, Zäpfchen, Pulver, Sprays oder Spritzen eingenommen werden. Häufige NSAIDs sind Advil (Ibuprofen) und Aleve (Naproxen). 
  • Triptane: Medikamente, die auf den Neurotransmitter Serotonin wirken und spezifisch gegen Migräne wirken. 
  • Antiemetika oder Medikamente gegen Übelkeit werden oft verschrieben, wenn der Migräneanfall mit Übelkeit und Erbrechen einhergeht.
  • Schmerzmittel wie Tylenol (Acetaminophen, Paracetamol).
  • Kombinationstherapien wie NSAIDs, Schmerzmittel und Koffein. Sie enthalten oft das Wort „Migräne“ im Namen, wie zum Beispiel „Excedrin Migräne“. 
  • Dihydroergotamine (D.H.E.45, Migranal) wirken bei PatientInnen, deren Migräne in der Regel länger als 24 Stunden dauert, am besten, aber sie können das Erbrechen und die Übelkeit verschlimmern. Diese Medikamente werden oft verwendet, wenn andere oben genannte Medikamente nicht helfen. 
  • Opioide mit Kodein und anderen Opiaten können eine Lösung für Betroffene sein, die keine anderen Behandlungen oder Medikamente einnehmen können, aber sie machen sehr schnell abhängig, so dass sie nur dann eingesetzt werden, wenn alle andere Optionen versagt haben. Sie verursachen ebenfalls Übelkeit und andere Nebenwirkungen, was sie für Migränepatienten mit starker Übelkeit eher weniger attraktiv macht. Sie werden in der Regel nicht zur Behandlung einer Migräne empfohlen. 

Vorbeugende Medikamente gegen Migräne

Vorbeugende Medikamente werden in der Regel verschrieben, wenn die Migräne den Alltag sehr stark einschränkt. Dabei kann es sich um Migräne, die seltener als einmal pro Woche auftritt, Migräne, die nicht auf Medikamente anspricht, oder Migräne, die tagelang andauert, handeln. Diese Medikamente werden regelmäßig eingenommen, um die Häufigkeit und Schwere von Migräneanfällen zu reduzieren. 

  • Betablocker und andere Medikamente, die den Blutdruck senken.
  • Auch einige Antidepressiva können die Häufigkeit von Migräneanfällen reduzieren.
  • Epilepsie-Medikamente wie Valproinsäure (Depakote) und Topiramat (Topamax) können ebenfalls eingesetzt werden.
  • Botox-Injektionen, bei denen alle 12 Wochen Botox an 31 bis 39 Stellen am Nacken injiziert wird. 
  • Eine neue Therapiemethode mit CGRP-Inhibitoren. Dabei wird einmal im Monat eine Injektion verabreicht, durch die Freisetzung von CGRP, einem Protein, das wesentlich am Entstehungsprozess einer Migräne beteiligt ist, verhindert wird. 

Alternative Behandlungsmöglichkeiten bei Migräne

Abhängig von Ihren Symptomen und Auslösern können auch verschiedene alternative Behandlungsmethoden Ihre Migräne lindern:

  • Biofeedback ist eine Methode, um Ihre Reaktion auf Stresssituationen zu erkennen und zu kontrollieren, so dass sie keinen Migräneanfall auslösen.
  • Wenn Sie einen Migräneanfall mit Aura spüren, kann bei der transkraniellen Magnetstimulation (TMS) eine Magnetspule an Ihren Hinterkopf angelegt werden. Diese leitet einen Impuls magnetischer Energie zu dem Teil Ihres Gehirns, der die Schmerzen einer Migräne stoppen oder reduzieren kann.
  • Akupunktur kann Stress abbauen und die Produktion bestimmter Hormone, durch die Sie sich entspannen und so Ihre Migräne lindern, aktivieren.
  • Durch die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) lernen Sie, Ihre Reaktion auf Stress so zu steuern, dass sie nicht zu einer Migräne führt.
  • Cannabidiol-Extrakt (CBD) in Form von CBD-Ölen, CBD-haltigen Lebensmitteln oder anderen CBD-haltigen Produkten kann Ihnen helfen, mit Stress umzugehen, Spannungen abzubauen und eine sich anbahnende Migräne abzuwehren. 

Pflanzliche Stoffe und Nahrungsergänzungsmittel. Mutterkraut, Magnesium und Riboflavin (Vitamin B2) können Migräneanfälle verhindern oder die Häufigkeit reduzieren.

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