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Dez 18, 2019 9 min lesen

Kann Cannabis bei Schuppenflechte helfen?

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von Gleb Oleinik
Medizinisch überprüft von Roni Sharon, MD

Überblick

Cannabis ist eine beliebte Alternative zu gewöhnlichen Medikamenten. Insbesondere bei chronischen Krankheiten, wenn Standardbehandlungen nicht mehr wirken, findet Cannabis seine Anwendung. Eine solche Erkrankung ist beispielsweise Psoriasis (Schuppenflechte). Psoriasis ist eine entzündliche Autoimmunkrankheit, die sich auf der Haut äußert.

Einige Menschen berichten von einer Verbesserung der Symptome ihrer Schuppenflechte, nachdem sie CBD-Öl und andere Präparate auf Cannabis-Basis verwendeten. Besonders Patienten, die solche Produkte direkt auf die Haut aufgetragen haben, bemerkten eine Verbesserung. Dies könnte das Ergebnis des Zusammenspiels der Cannabinoide und dem menschlichen Endocannabinoid-System (ECS) sein.

Die aktuelle Forschung geht davon aus, dass das ECS eine wichtige Rolle für die Gesundheit unserer Haut spielt. Eine Dysfunktion des ECS könnte demnach zur Entstehung von Psoriasis beitragen. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es wenige klinische Studien über die Wirkung von Cannabis bei Schuppenflechte. Das Ergebnis bereits durchgeführter Studien fiel jedoch vielversprechend aus.

Wie Cannabis bei Psoriasis wirkt

Cannabis besteht aus aktiven Bestandteilen, die man Cannabinoide nennt. Dazu zählen zum Beispiel THC und CBD. Cannabinoide beeinflussen den Körper durch Wechselwirkungen mit dem ECS. Das ECS besteht aus Endocannabinoiden (vom menschlichen Körper hergestellte Cannabinoide), Cannabinoid-Rezeptoren (hauptsächlich CB1 und CB2) und speziellen Enzymen, die Endocannabinoide herstellen und abbauen.

Das ECS regelt wesentliche Prozesse im menschlichen Körper wie Immunität, Inflammation, Stimmung, Schmerz, Stress, Stoffwechsel, Appetit und Schlaf. Das geschieht um einen Zustand des inneren Gleichgewichts aufrechtzuerhalten, der als Homöostase bezeichnet wird. Das Endocannabinoid-System ist in jedem Teil des Körpers vorhanden, inklusive der Haut.

Die aktuelle Forschung deutet darauf hin, dass das Endocannabinoid-System eine wesentliche Rolle für die Gesundheit der Haut spielt, indem es das Wachstum von Hautzellen und Entzündungen reguliert. Fehlfunktionen dieses Systems tragen vermutlich zur Entstehung von Psoriasis und anderen Hauterkrankungen bei.

Forscher fanden heraus, dass Patienten mit Psoriasis ein erhöhtes Endocannabinoid-Level aufweisen. Menschen mit Psoriasis-Arthritis, die als Symptom bei 30 Prozent der Psoriasis-Patienten auftritt, besitzen mehr CB1-Rezeptoren, wohingegen Patienten mit regulärer Psoriasis eine größere Anzahl an CB2-Rezeptoren aufweisen.

Forscher führten eine Studie durch, bei der sie Gewebeproben der Haut von Patienten mit Psoriasis untersuchten. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass sich die Hautzellen bei der Endocannabinoid-bezogenen Genexpression (Prozess, bei dem Zellen die DNA lesen, um Proteine zu erzeugen) von gesunden Zellen unterscheiden. All diese Befunde implizieren, dass das Endocannabinoid-System bei der Entstehung von Psoriasis beteiligt ist.

Das Endocannabinoid-System besitzt regulierende Auswirkungen auf Stress, Entzündungen und die Funktionsfähigkeit des Immunsystems. Das sind Vorgänge des Körpers, die auch bei Psoriasis eine Schlüsselrolle spielen. Diese Belege deuten darauf hin, dass Arzneimittel auf Cannabinoid-Basis die Krankheitssymptome von Psoriasis lindern könnten.

Medizinische Studien über Cannabis und Psoriasis

Wenige Studien beschäftigten sich bisher mit der Wirkung von Cannabis und Cannabinoiden bei Psoriasis. Doch die bereits vorhandenen Untersuchungen zeigen vielversprechende Ergebnisse.

In einer Studie am Menschen aus dem Jahr 2019 wurden insbesondere die vorteilhaften Wirkungen einer mit CBD infundierten, topischen Salbe für chronische Hauterkrankungen untersucht. Die Teilnehmerzahl der Studie lag bei zwanzig Patienten. Fünf davon waren Psoriasis-Patienten, fünf weitere waren an atopischer Dermatitis erkrankt und zehn der Teilnehmer hatten Narben auf der Haut, die aufgrund der beiden Krankheiten entstanden sind. Sie verwendeten die Salbe täglich für drei Monate, was zu einer Verbesserung des PASI-Scores (Index zur Ermittlung des Schweregrades von Psoriasis-Erkrankungen) führte. Weitere Behandlungserfolge waren unter anderem die Milderung der Symptome und die Verbesserung der Kennzeichen für eine gesunde Haut, einschließlich der Elastizität.

Im Jahre 2007 wurde eine Studie durchgeführt, die isolierte menschliche Hautzellen untersuchte. Sie kam zu dem Ergebnis, dass THC, CBD und andere Cannabinoide das äußerst schnelle Wachstum von Keratinozyten (Zellen in der menschlichen Epidermis) reduzierten. Die Veränderung und übermäßige Produktion von Keratinozyten ist die Hauptursache der Entstehung einer Psoriasis.

Im Jahr 2016 führten Forscher eine Studie an Mäusen durch, die an Dermatitis erkrankt waren. Sie fanden heraus, dass Cannabinoid-ähnliche Verbindungen die Entzündungen der Haut bei den Mäusen reduzierten, indem sie die Aktivierung der Mastzellen verringerten. Die Aktivierung der Mastzellen ist ein entzündlicher Prozess, der auch bei Psoriasis auftritt. 

Außerdem gibt es bereits Untersuchungen über die Wirkung von Cannabinoiden bei ähnlichen entzündlichen Hauterkrankungen, wie zum Beispiel bei atopischer Dermatitis oder Akne. Bei einer Studie aus dem Jahr 2013 trugen Forscher THC auf die Haut von Mäusen mit allergischer atopischer Dermatitis auf, was zu einer Reduzierung der Entzündung führte. 

Gleichermaßen untersuchten Forscher in einer Studie von 2014 Gewebeproben von isolierten Hautzellen. Sie fanden heraus, dass CBD Entzündungen und das Zellwachstum reduzierte. Zwei Wirkungen, die vorteilhaft bei der Behandlung von Psoriasis sind.

Studien deuten außerdem darauf hin, dass Cannabinoide Juckreiz lindern können. Juckreiz ist eines der Symptome von Schuppenflechte. Dronabinol, ein Medikament auf THC-Basis, kann Juckreiz unterdrücken, der durch Lebererkrankungen verursacht wird. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher bei einer klinischen Studie, die 2002 durchgeführt wurde.

Cannabis könnte ebenfalls bei der Linderung von drei weiteren psychologischen Symptomen hilfreich sein. Dazu zählen: Schmerzen, Depressionen und Angst. Eine Überprüfung von 28 klinischen Studien aus dem Jahr 2015 kommt zu dem Ergebnis, dass es ausreichende Belege für die erfolgreiche Verwendung von Cannabis bei Schmerzen gibt.

Die beiden Hauptkomponenten von Cannabis, CBD und THC, können zur Besserung der Laune und Verminderung von Angstzuständen führen. Eine Studie von 2011 fand heraus, dass CBD die Ängstlichkeit bei Patienten mit einer sozialen Angststörung lindern konnte. Eine andere Studie aus dem Jahr 2013 kam zu dem Ergebnis, dass THC die emotionale Verarbeitung bei gesunden Personen verbessert, was darauf hindeutet, dass es bei der Bekämpfung von Depressionen hilfreich sein könnte.

Es werden jedoch mehr klinische Studien am Menschen benötigt, um tatsächlich zu beweisen, dass Cannabis hilfreich bei der Behandlung von Schuppenflechte ist. Im Moment weisen aber alle bisher durchgeführten Studien darauf hin, dass Cannabis bei der Linderung von Symptomen und bei der Bekämpfung der Auslöser von Psoriasis helfen kann.

Nebenwirkungen

Cannabis besitzt potenzielle Nebenwirkungen, die je nachdem welche Sorte Cannabis man konsumiert variieren können. Cannabis mit einem hohem THC-Gehalt kann zur Beeinträchtigung des Gedächtnisses, verlangsamter Reaktionszeit, erhöhter Herzfrequenz, roten Augen, trockenem Mund, Schläfrigkeit und zu Schwindel führen. Bei manchen Konsumenten kann THC außerdem der Auslöser für Verfolgungswahn und Angstzustände sein, insbesondere wenn man eine hohe Dosis konsumiert. 

Cannabis-Präparate mit einem hohen CBD-Gehalt, wie zum Beispiel CBD-Öl, enthalten hingegen kaum THC, das einen Rausch auslösen könnte. Es kann zu schwachen Nebenwirkungen kommen. Dazu zählen: Durchfall, niedriger Blutdruck (Hypotonie), trockener Mund, Schwindel, Schläfrigkeit und Veränderung des Appetits. Allerdings treten diese Nebenwirkungen erst nach der Einnahme einer hohen Dosis CBD auf (300 Milligramm oder mehr).

Diese Symptome treten nur auf, wenn Cannabinoide in die Blutlaufbahn gelangen. Das ist typischerweise der Fall, wenn man Cannabis inhaliert, isst oder Cannabis-Präparate unter die Zunge legt. Cannabis, das topisch (auf die Haut) in Form einer Creme, einer Salbe oder mithilfe einer anderen Methode aufgetragen wird, führt nicht zu den oben genannten Nebenwirkungen, da bei dieser Methode die Cannabinoide nicht tief genug in die Haut einziehen, um in die Blutlaufbahn zu gelangen.

Haftungsausschluss

Inhalte auf The Cannigma dienen nur zu Informationszwecken. Sie sind kein Ersatz für professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Vor Beginn einer Behandlung mit Cannabis sollten Sie sich immer von einem Arzt mit Erfahrung mit medizinischem Cannabis beraten lassen.

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