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Feb 16, 2020 10 min lesen

Hilft Cannabis bei Hypertonie?

author
von Emily Earlenbaugh, PhD.
Medizinisch überprüft von Roni Sharon, MD

Überblick

Cannabis scheint ein potentielles Mittel zur Behandlung von Hypertonie – besser bekannt als Bluthochdruck – zu sein, doch Bedenken wurden laut, dass Cannabis die Symptome verschärfen könne.

Das Endocannabinoid-System spielt eine große Rolle in der Regulation des Blutdrucks. Aus diesem Grund ist es möglich, dass eine Manipulation dieses Systems durch die Einnahme von Cannabis einen therapeutischen Nutzen bei der Behandlung von Hypertonie haben könnte. Andererseits ist es ebenso möglich, dass sich dadurch der Zustand der Patienten eventuell verschlechtern könnte. Unglücklicherweise liegen uns zum heutigen Tage nur wenige Studien zur Verwendung von Cannabis bei Hypertonie vor, welche darüber hinaus in vielen Punkten kontrovers sind. 

Wissenschaftler sind sich einig, dass die Frage, ob Cannabis und ganz besonders CBD Hypertonie-Patienten möglicherweise helfen könnte, weiter erforscht werden muss. Ihnen fehlt es an ausreichend Erhebungen, um Cannabis als Behandlungsmöglichkeit zu empfehlen. 

Wie Cannabis Hypertonie beeinflusst

Alle Wirbeltiere besitzen eine Endocannabinoid-System, welches hilft lebenswichtige Funktionen wie Schlaf, Schmerz und Appetit zu regulieren. Der menschliche Körper produziert eigenständig Cannabinoide, welche verschiedene Körperfunktionen aktivieren und regulieren. Aber wie der Name schon sagt, kann das Endocannabinoid-System auch von Cannabinoiden aus der Cannabispflanze gesteuert werden. Da dieses körpereigene System erst vor 30 Jahren entdeckt worden ist, haben Wissenschaftler noch viel zu lernen über die Art und Weise, wie Cannabis den menschlichen Körper beeinflusst.

Wie sich herausstellte, beeinflusst das Endocannabinoid-System auch den Herz-Kreislauf. Forscher fanden heraus, dass dieses System eine Schlüsselrolle in der Regelung der Herz-Kreislauf-Aktivität spielt und immense Auswirkungen auf den Blutdruck hat. 

Anhand von Tierversuchen wurde gezeigt, dass eine Stimulation der Endocannabinoid-Rezeptoren (durch z.B. Anandamid) zu erheblichen Auswirkungen auf den Herz-Kreislauf führt. Zu diesen Auswirkungen zählt die Erhöhung bzw. Verringerung des Blutdrucks und des Pulses, sowie die Verengung von Blutgefäßen. Dadurch ist bewiesen, dass das Endocannabinoid-System enorme Auswirkungen auf unseren Herz-Kreislauf hat.

Darüber Hinaus zeigten andere Studien, dass das Endocannabinoid-System bei arterieller, pulmonaler und portaler Hypertonie außergewöhnlich aktiv ist. Dennoch bleibt für Forscher unklar, ob diese erhöhte Aktivität des Endocannabinoid-Systems beschützende oder schädigende Auswirkungen auf den Körper hat. Diese Unklarheit ist dadurch begründet, dass Endocannabinoide sowohl zu einer Verengung als auch zu einer Vergrößerung der Blutgefäße führen können und dadurch der Blutdruck entweder steigt oder sinkt. Diese Auswirkungen können bei unterschiedlichen Formen der Hypertonie entweder hilfreich oder schädigend sein.

Während Forscher noch einen langen Weg vor sich haben, um diese  Auswirkungen zu verstehen, nehmen einige an, dass Cannabinoid-Medikation einen effektiven Weg der Behandlung von Hypertonie darstellt. Trotzdem weisen Wissenschaftler beharrlich darauf hin, dass weitergehende Studien vonnöten sind, um die Langzeitauswirkungen von Cannabinoiden auf den Herz-Kreislauf zu verstehen und deren potentielles Zusammenspiel mit blutdrucksenkenden Lebensmitteln und Medikamenten zu ergründen. 

Medizinische Studien über Cannabis und Hypertonie

Auch wenn eindeutige Beweise bezüglich der Auswirkungen von Cannabinoiden auf den Herz-Kreislauf über das Endocannabinoid-System vorliegen, muss das Hauptaugenmerk auf Studien an Menschen gelegt werden. Nur so kann wirklich ergründet werden, wie Hypertonie eventuell durch Cannabinoide behandelt werden kann. Studien an Tieren können zwar Hinweise darauf geben, wie solche Prozesse bei Menschen funktionieren, können manchmal aber auch in die falsche Richtung weisen.  

Es liegen nur wenige Studien zum Thema Marihuana und Hypertonie vor, welche darüber hinaus manchmal zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Beispielsweise berichten einige Studien, dass Cannabis direkt nach dem Konsum einen erhöhten Puls bei gleichbleibenden Blutdruck zufolge hat, während langfristiger Cannabiskonsum zu einer lang anhaltenden Senkung des Blutdrucks und des Puls führt. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass Cannabis langfristig bei Hypertonie helfen kann. Andere Studien nehmen hingegen an, dass der erhöhte Puls nach dem Konsum von Cannabis mit einer Erhöhung des Blutdrucks einhergeht. 

Auch zwei andere auf Umfragen basierende Studien, die die Auswirkung von Cannabis auf den Blutdruck untersuchten, kamen zu unterschiedlichen, verwirrenden Ergebnissen. Eine dieser Studien kam 2005 zu dem Ergebnis, dass Cannabiskonsumenten mit einer dreimal so hohen Wahrscheinlichkeit an Hypertonie sterben, als Personen, die noch nie in ihrem Leben Cannabis zu sich genommen haben. Was bei dieser Studie aber missachtet wurde, ist ob die untersuchten Personen auch andere illegale Substanzen konsumierten, dieser Faktor ist bei einer solchen Untersuch jedoch maßgeblich. Ebenso versäumte diese Studie die Häufigkeit und Dosis der Einnahme von Cannabis zu erfragen, was ebenso ausschlaggebend sein kann.

Dieser angsteinflößenden Studie zum Trotz bewies eine andere – ebenso umfragebasierte Studie – 2016, dass zwischen dem Konsum von Cannabis und Hypertonie keine Korrelation existiert. Auch wenn diese Studie zeigte, dass kürzlicher Cannabiskonsum einen erhöhenden Einfluss auf den systolischen (nicht aber diastolischen) Blutdruck hat, konnte sie keine Wechselwirkung zwischen chronischen Cannabiskonsum und Bluthochdruck feststellen. Gelegentlicher sowie chronischer Cannabiskonsum wurde in dieser Studie ausdrücklich nicht in Zusammenhang mit Hypertonie oder Prähypertonie gebracht.

Dem hinzuzufügen ist, dass eine Zusammenfassung aktueller Literatur zum Thema Cannabis und Herzgesundheit nur begrenzte Belege dafür fand, dass Cannabiskonsum das Risiko eines ischämischen Schlaganfalles erhöhen könnte. Ferner befand auch diese Zusammenfassung keinen Einfluss von Cannabis auf eine mögliche Hypertonie-Erkrankung.  

Eine weitere Studie zum Thema Hypertonie und Cannabis kam zu dem Ergebnis, dass Cannabiskonsum in diesem Zusammenhang keine Gefahr darstelle, Cannabisentzug jedoch ein potentieller Risikofaktor sein könnte. Im Rahmen dieser Studie untersuchten Wissenschaftler den Blutdruck von chronischen Cannabiskonsumenten bevor und nachdem sie einen abrupten Entzug begannen. Alle untersuchten Cannabiskonsumenten hatten, in der Zeit, in der sie Cannabis regelmäßig konsumierten, einen durchschnittlichen Blutdruck. Nachdem sie den Konsum jedoch plötzlich einstellten, schoss der Blutdruck einiger Probanden in hypertensive Bereiche. Die Forscher stellten fest, dass diese Veränderung des Blutdrucks in direktem Zusammenhang zum Entzug von Cannabis steht und durch Entzugserscheinungen wie Angstzustände verstärkt wird. 

Interessanterweise wurde diese Studie an Probanden durchgeführt, die überwiegend afroamerikanischer Abstammung und fortgeschrittenen Alters waren – zwei Risikofaktoren bei Hypertonie. So stellten sich einige Wissenschaftler die Frage, ob Cannabis möglicherweise einen vorbeugenden Effekt bezüglich Hypertonie hat, welcher mit dem Cannabisentzug endet. Ebenso möglich scheint, dass dieses Hochschnellen des Blutdrucks nur eine Entzugserscheinung von Cannabis ist. Dieses Zusammenspiel von Cannabiskonsum und Blutdruck muss weitergehend erforscht werden, um die Auswirkung vor, während und nach dem Konsum besser verstehen zu können, sowie Schlüsse auf die – durch das starke Ansteigen des Blutdrucks verursachte – Hypertonie zuzulassen.

Ein Großteil der Probanden (69 %) zeigte einen zu geringen Anstieg des Blutdrucks, um von Hypertonie zu reden. Aus diesem Grund ist es wahrscheinlich, dass nur eine Minderheit der Cannabiskonsumenten unter diesen Beschwerden leidet. Dennoch könnte das Ansteigen des Blutdrucks – besonders für Personen mit Vorerkrankungen am Herz – beim Entzug ein Problem darstellen. Die Autoren empfehlen, dass diejenigen Personen, die unter Herzerkrankungen leiden und planen mit dem Cannabiskonsum aufzuhören, dies unter ärztlicher Aufsicht tun, um sicherzugehen, dass der Blutdruck sich in einem gesunden Bereich befindet.

Hypertonie und CBD

Das Studien zur Auswirkung von Cannabis auf den Blutdruck zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen, kann unter anderem daran liegen, dass Cannabis viele Inhaltsstoffe hat, von denen manche psychoaktiv wirken. THC kann beispielsweise zu einem kurzzeitig erhöhten Blutdruck, sowie zu einem schnelleren Puls führen. CBD – ein anderes Cannabinoid der Pflanze – hingegen reduziert die Auswirkung von THC auf das Herz. Wird CBD gesondert eingenommen, sinkt der Blutdruck, was den Inhaltsstoff zu einer attraktiven Möglichkeit zur Behandlung von Hypertonie machen könnte. Einige Studien nennen CBD eine potentielle Behandlungsmöglichkeit bei Hypertonie, welche dringend weiter erforscht werden muss. An dieser Stelle ist noch viel Arbeit vonnöten, um die Effizienz von CBD im Bezug auf Hypertonie zu erforschen.

Nebenwirkungen

Wissenschaftler können noch kein endgültiges Fazit darüber fällen, ob Cannabis eine sichere Option für Personen mit Hypertonie ist. Darüber hinaus gibt es nur wenige Informationen über mögliche Nebenwirkungen, die bei Personen, die unter dieser Erkrankung leiden, auftreten könnten. Um den Wissensstand zusammenzufassen, ist es möglich, dass Cannabis bei Hypertonie-Patienten zu einem erhöhten oder verringerten Blutdruck führt und das Risiko einen ischämischen Schlaganfall zu erleiden vergrößert. 

Wenn Sie bereits regelmäßig Cannabis konsumieren und unter Hypertonie leiden (beziehungsweise unter anderen Herzerkrankungen), könnte ein Entzug Ihren Blutdruck möglicherweise enorm erhöhen.

Haftungsausschluss

Inhalte auf The Cannigma dienen nur zu Informationszwecken. Sie sind kein Ersatz für professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Vor Beginn einer Behandlung mit Cannabis sollten Sie sich immer von einem Arzt mit Erfahrung mit medizinischem Cannabis beraten lassen.

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