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Sep 23, 2019 11 min read

Kann Cannabis bei Schlaflosigkeit helfen?

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by Emily Earlenbaugh, PhD.
Medizinisch überprüft von Roni Sharon, MD

Das Endocannabinoid-System

Es besteht großes Interesse an der Behandlung von Insomnie mit Cannabis und erste Forschungsergebnisse zeigen, dass Cannabis einen signifikanten Einfluss auf den Schlaf hat. Dies scheint zum großen Teil darauf zurückzuführen zu sein, wie Cannabis das Endocannabinoid-System des menschlichen Körpers beeinflusst. 

Das Endocannabinoid-System ist eines der wichtigsten Systeme im menschlichen Körper und spielt eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung des inneren Gleichgewichts unseres Körpers (Homöostase). Es reguliert einige der wichtigsten Funktionen unseres Körpers, zum Beispiel: 

  • Stressreaktion
  • Entzündungen
  • Antrieb
  • Stimmung
  • Gedächtnis 
  • Muskelkontrolle
  • Hunger
  • Schmerzen
  • Schlaf 

Das Endocannabinoid-System setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen: Endocannabinoide, Rezeptoren und Enzyme. Endocannabinoide sind Moleküle, die den Cannabinoiden im Cannabis sehr ähnlich sind, aber sie werden vom menschlichen Körper auf natürliche Weise selbst produziert. Wenn alles korrekt funktioniert, binden sich die Endocannabinoide an Endocannabinoid-Rezeptoren (CB1- und CB2-Rezeptoren), die im ganzen Körper auf der Oberfläche von Zellen zu finden sind. Dann bauen spezielle Enzyme die Endocannabinoide ab und entsorgen sie. 

Interessanterweise kann das Endocannabinoid-System auch von Phytocannabinoiden (einige der aktiven Inhaltsstoffe von Cannabis, oft einfach nur als „Cannabinoide“ bezeichnet) stimuliert werden. Diese Moleküle können ebenfalls die CB1- und CB2-Rezeptoren aktivieren, um wichtige Körperfunktionen zu stimulieren und das Gleichgewicht wiederherzustellen. Daher bietet Cannabis so viele verschiedene und medizinische Vorteile. 

Vor allem beim Thema Schlaf könnte die Aktivierung dieser Rezeptoren hilfreich sein, da das Endocannabinoid-System an der Regulierung unseres Schlafs beteiligt ist. Zum Beispiel wurde herausgefunden, dass die Aktivierung von CB1-Rezeptoren Müdigkeit auslöst.

Studien mit Mäusen haben auch ergeben, dass die CB1-Aktivierung mit Veränderungen in der Stabilität und Länge der NREM-Phasen (non-rapid eye movement sleep), die für eine erholsame Nachtruhe entscheidend sind, verbunden war. 

Darüber hinaus testeten die Forscher auch, ob die CB1-Aktivierung für die Homöostase des Schlafs notwendig ist. Das ist die Methode, wie der Mensch Schlafmangel durch einen tieferen und längeren Schlaf ausgleicht. Dazu wurden Mäuse in eine Schlafmangelsituation versetzt und anschließend die Aktivierung ihrer CB1-Rezeptoren blockiert. Diese Blockierung hatte keinen Einfluss auf den NREM-Schlaf nach dem Schlafentzug. Als sie dann schlafen durften, schliefen diese Mäuse noch länger, um den verlorenen Schlaf aufzuholen. Die Autoren sagen, dass diese Arbeit die These unterstützt, dass die Aktivierung der Endocannabinoide über CB1-Rezeptoren für lange und stabile NREM-Schlafphasen notwendig ist, aber möglicherweise nicht für die Homöostase des Schlafs im Allgemeinen. 

Es ist also klar, dass die Aktivierung von Endocannabinoiden – insbesondere über CB1-Rezeptoren – eine wichtige Rolle bei der Schlafregulierung spielt. Dennoch geht aus diesen Forschungsergebnissen nicht hervor, inwiefern Cannabis den Schlaf des Menschen beeinflussen könnte, wenn es zur Behandlung von Schlaflosigkeit eingesetzt wird. Dazu müssen wir uns die klinische Forschung genauer ansehen.

Forschung zu Insomnie und Cannabis

Die Menschheit verwendet Cannabis schon sehr lange für einen besseren Schlaf. Bereits in der Antike haben die Menschen die sedierende Wirkung einiger Cannabisarten bemerkt und sie als Schlafmittel genutzt. 

Jüngste Umfragen unter CannabiskonsumentInnen zeigen ebenfalls ähnliche Trends. Eine Umfrage aus dem Jahr 2018 unter 1.000 CannabiskonsumentInnen, die Cannabis zu Freizeitzwecken kauften, ergab, dass 74% Cannabis zum Schlafen konsumierten und 84% gaben an, dass es half. Bemerkenswert ist, dass mehr als 83% auch angaben, dass sie nach der Umstellung auf Cannabis die Einnahme anderer Schlafmittel reduziert oder eingestellt haben. 

Dennoch befindet sich die Forschung zu Cannabis und Schlaf noch in einem frühen Stadium. Die Experten sind sich nicht einig, ob es sich um eine hilfreiche Lösung handelt oder ob es langfristig negative Auswirkungen haben kann. Der Mangel an Forschung zu diesem wichtigen Thema ist zum großen Teil auf den bis vor Kurzem noch geltenden regulatorischen und rechtlichen Status von Cannabis zurückzuführen. 

Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass Cannabis die Zeit bis zum Einschlafen verkürzen kann. So wurden beispielsweise in einer Studie mit körperlich gesunden Menschen mit Insomnie über einen Zeitraum von sechs Wochen die Auswirkungen von THC auf das Schlafverhalten getestet. Dabei kam heraus, dass THC die Einschlafzeit bei gesunden Menschen mit Insomnie signifikant verkürzte und die Aufwachhäufigkeit in der ersten Nachthälfte verringerte. 

In dieser Studie erlebten die Probanden jedoch eine unerwünschte Nebenwirkung – einen Kater bzw. ein anhaltendes High bis zum nächsten Tag. Da diese Nebenwirkung mit der Dosierung zunahm, empfahlen die Forscher Dosen von weniger als 30 mg THC. 

Andere Untersuchungen deuten darauf hin, dass niedrigere Dosen auch aus anderen Gründen besser sein könnten. Eine Studie ergab, dass Cannabis eine dosisabhängige Wirkung auf die Einschlafzeit hat: Es verringert die Einschlafzeit bei niedrigeren Dosen, verlängert sie aber bei höheren Dosen. 

Neben der Dosis können auch die Sorte und die chemische Zusammensetzung einen Einfluss darauf haben, wie Cannabis den Schlaf beeinflusst. In einer Studie untersuchten die Forscher die Präferenzen von CannabiskonsumentInnen bezüglich Cannabissorten bei Schlafstörungen und entdeckten einige bemerkenswerte Trends. Diejenigen, die Cannabis zur Linderung von Alpträumen verwenden, bevorzugten Sativa gegenüber Indica, während diejenigen, die an akuter Schlaflosigkeit litten und auch längere Einschlafzeiten hatten, eher Sorten mit einem höheren CBD-Gehalt bevorzugten. Wir sollten wahrscheinlich jede Untersuchung zu Sativa/Indica-Unterschieden mit Vorsicht genießen, da oft festgestellt wird, dass es keinen großen genetischen oder chemotypischen Unterschied zwischen Sativa/Indica gibt. Das deutet darauf hin, dass die unterschiedlichen chemischen Profile je nach Art der Schlafstörung besser oder schlechter wirken. 

Beide Faktoren könnten zusammen mit den genetischen Unterschieden zwischen den CannabiskonsumentInnen erklären, warum einige Studien eher über einen Nutzen bei der Schlafregulierung berichten und andere eher über Nachteile. 

Zum Beispiel argumentieren einige Forscher, dass THC zwar die Einschlafzeit verkürzt, aber auch den Schlaf insgesamt negativ beeinflussen kann. Eine Umfrage, die diese These unterstützt, ergab, dass CannabiskonsumentInnen in der Regel mehr Schlafstörungen hatten als diejenigen, die kein Cannabis konsumierten. 

Studien haben auch gezeigt, dass CBD einen positiven Einfluss auf den Schlaf haben kann. Eine Rezension aus dem Jahr 2017 ergab, dass CBD sowohl bei der Behandlung von REM-Schlafstörungen (bei denen die Menschen ihre Träume während des REM-Schlafes physisch ausleben) als auch bei einer übermäßigen Tagesmüdigkeit hilfreich sein könnte

Während noch mehr Untersuchungen erfolgen müssen, um zu verstehen, wie Cannabis den Schlaf beeinflussen kann, sagen die meisten Rezensionen, dass es Belege für die Wirksamkeit von Cannabis gibt – insbesondere bei Schlafstörungen im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen. So ergab beispielsweise die Metarezension der National Academy of Sciences zu Cannabis aus dem Jahr 2017, dass Cannabinoide bei PatientInnen mit Schlafstörungen im Zusammenhang mit obstruktiver Schlafapnoe, Fibromyalgie, chronischen Schmerzen oder Multipler Sklerose den Schlaf kurzfristig verbessern können. Die Einnahme von Cannabis kann also auf vielfältige Weise helfen, einschließlich der Verbesserung des Schlafes, was auch indirekt die zugrunde liegende Erkrankung verbessern kann, während gleichzeitig chronische Schmerzen und andere Symptome gelindert werden.

Die Autoren einer Rezension der University of Pennsylvania aus dem Jahr 2017 stimmen zu, dass Cannabis den Schlaf von Menschen mit obstruktiver Schlafapnoe und chronischen Schmerzen verbessern kann und stellten auch fest, dass Cannabis Albträume im Zusammenhang mit einer PTBS reduzieren kann. 

Dennoch wird in beiden Rezensionen darauf hingewiesen, dass dringend mehr Forschung erforderlich ist. Während es starke Belege dafür gibt, dass Cannabis einen positiven Einfluss auf den Schlaf hat, brauchen wir mehr klinische Studien mit PatientInnen mit Insomnie, um zuverlässige Cannabistherapien zu entwickeln.

Legaler Konsum

Basierend auf den oben genannten Untersuchungen gibt es vielversprechende Belege und Daten, die zeigen, dass Cannabis zur Verbesserung des Schlafes beitragen kann, aber dabei spielen natürlich die Dosierung, die Sorte und die KonsumentInnen eine wichtige Rolle. Im Allgemeinen trägt eine niedrige Dosis THC eher zu einer kürzeren Einschlafzeit bei. Für Menschen mit chronischen Schmerzen aufgrund von Erkrankungen wie Fibromyalgie oder Multiple Sklerose könnte Cannabis eine große Hilfe bei der Schmerzlinderung sein, damit sie durchschlafen können. Menschen mit PTBS könnte es zu einer besseren Schlafqualität und einer Reduzierung der Alpträume verhelfen. Auch bei Menschen mit obstruktiver Schlafapnoe können Verbesserungen eintreten und Menschen mit REM-Schlafstörungen oder übermäßiger Tagesschläfrigkeit können CBD als besonders hilfreich empfinden.

Dennoch besteht die Gefahr, dass ein langfristiger Cannabiskonsum die Schlafqualität beeinträchtigt oder dass hohe Dosen das Einschlafen erschweren könnten. Das High-Gefühl am nächsten Tag ist ebenfalls ein Risiko, das jedoch durch eine geringere Dosierung gemildert werden kann. Dennoch müssen diese Faktoren unbedingt berücksichtigt werden, bevor Cannabis gegen Schlaflosigkeit eingenommen wird. 

Wer also Cannabis gegen seine Schlaflosigkeit einnehmen möchte, sollte am besten mit einem Arzt oder einem Cannabinoid-Experten sprechen. Diese medizinischen Fachleute können prüfen, welche Cannabisbehandlung angesichts dieser Nebenwirkungen für Ihre Bedürfnisse am besten geeignet ist. 

Bevor Sie mit dem Cannabiskonsum beginnen, sollten Sie auch prüfen, ob Cannabis in Ihrem Land zur Behandlung von Schlaflosigkeit überhaupt zugelassen ist. Derzeit können Patienten mit Schlaflosigkeit und einer ärztlichen Empfehlung oder Verschreibung in den folgenden Ländern Cannabis konsumieren:

  • Österreich
  • Brasilien
  • Kambodscha 
  • Kanada
  • Chile 
  • Kolumbien 
  • Ecuador
  • Estland
  • Finnland
  • Deutschland
  • Griechenland
  • Guam
  • Mazedonien
  • Niederlande
  • Norwegen
  • Paraguay
  • Peru
  • Spanien
  • Türkei
  • Uruguay

Wenn Sie eine Insomnie und eine ärztliche Empfehlung haben, können Sie auch in folgenden US-Bundesstaaten Cannabis konsumieren:

  • Kalifornien
  • Colorado
  • District of Columbia
  • Florida
  • Maine
  • Maryland
  • Massachusetts
  • Minnesota
  • Missouri
  • Nevada
  • Oklahoma
  • Oregon
  • West Virginia
Haftungsausschluss

Inhalte auf The Cannigma dienen nur zu Informationszwecken. Sie sind kein Ersatz für professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Vor Beginn einer Behandlung mit Cannabis sollten Sie sich immer von einem Arzt mit Erfahrung mit medizinischem Cannabis beraten lassen.

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