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Sep 22, 2019 8 min lesen

Kann Cannabis bei Arthrose helfen?

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von Mary Biles
Medizinisch überprüft von Roni Sharon, MD

Arthrose und Cannabis

Arthrose ist die häufigste Ursache für eine Behinderung bei älteren Erwachsenen, die nicht nur zu Schmerzen und eingeschränkter Mobilität führt, sondern auch zu einer Vielzahl anderer Erkrankungen, darunter Angst und Depressionen und einer schlechten Lebensqualität. Die Behandlung von Arthrosesymptomen ist auch ein häufiger Grund, warum sich viele PatientInnen medizinischem Cannabis zuwenden. Bisher gab es keine klinischen Studien, die die Wirksamkeit von Cannabis bei der Behandlung von Arthrose nachweisen, aber Studien, die die Rolle des Endocannabinoid-Systems sowohl in der Pathophysiologie der Arthrose als auch als mögliches therapeutisches Ziel für zukünftige Arthrosemedikamente hervorheben, deuten darauf hin, dass Cannabis als zugelassene Behandlungsoption von Arthrose näher sein könnte als viele denken. Darüber hinaus ist Cannabis zu einer akzeptierten, sicheren Alternative für Menschen mit chronischen Schmerzen geworden, was ein entscheidendes Merkmal bei Arthrose ist.

Das ECS und Arthrose

Der Nachweis, dass es bei der Entwicklung von Arthrose einen engen Zusammenhang zwischen dem körpereigenen Endocannabinoid-System (ECS) und seiner Rolle als potenzielles therapeutisches Ziel gibt, hat Wissenschaftlern, die sich mit Open-Access-Medikamenten beschäftigen, ein neues Forschungsfeld eröffnet.

Das Endocannabinoid-System wurde Anfang der 1990er Jahre entdeckt, als Forscher herausfinden wollten, wie Tetrahydrocannabinol (THC), die psychoaktiven Bestandteile von Cannabis, auf den Körper wirken. Dabei wurden zwei Hauptklassen von Rezeptoren entdeckt: CB1-Rezeptoren, die sich vor allem im Gehirn und im zentralen Nervensystem befinden, und CB2-Rezeptoren, die hauptsächlich im Immunsystem und in peripheren Nervenendigungen, vorkommen. 

An diese Cannabinoid-Rezeptoren binden Fettsäureliganden, die als Endocannabinoide bezeichnet werden. Die am besten untersuchten sind Anandamid und 2-AG, können aber es gibt auch noch die verwandten endogenen Verbindungen Arachidonsäure (AA), N-Palmitoylethanolamin (PEA) und N-Oleoylethanolamin (OEA). Diese Endocannabinoide werden bei Bedarf produziert, wenn ein Ungleichgewicht im Körper festgestellt wird und nach ihrer regulierenden Wirkung durch Enzyme (FAAH und MAGL) wieder abgebaut.

Das ECS ist von Natur aus adaptiv und dynamisch und verändert sich bei den meisten pathologischen Zuständen, einschließlich Schmerzen. Dazu können Veränderungen in der Expression von Cannabinoid-Rezeptoren oder deren Agonisten, Anandamid und 2-AG gehören. Dies ist jedoch eine Schutzfunktion, da der Körper versucht, das Fortschreiten der Krankheit zu verhindern

Bisher wurden die meisten Studien, die die Rolle des ECS bei Arthrose untersuchen, an Tiermodellen, meist Nagetieren, durchgeführt. Obwohl diese einen starken Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen ECS und Arthrose geben, lassen sich die Ergebnisse der Studien nicht unbedingt beim Menschen replizieren. Tatsächlich konnte eine der wenigen klinischen Studien am Menschen zur Funktion des Endocannabinoid-Systems bei Arthritis (bei der das Enzym, das für den Abbau von Anandamid im Körper verantwortlich ist, blockiert wurde), die schmerzlindernden Ergebnisse aus den Tierstudien nicht wiederholen. 

Allerdings wurden durch Studien an Mäusen und Ratten einige nützliche Hinweise auf die Rolle des ECS bei Arthrose gefunden. Im Rückenmark von Ratten mit Arthrose im Kniegelenk wurde eine erhöhte Konzentrationen von Anandamid, 2-AG und den verwandten Verbindungen PEA und OEA gefunden. Eine weitere Studie ergab eine verminderte CB1- und CB2-Expression in der Lendenwirbelsäule von Mäusen mit Arthrose, was eine Reaktion auf ein stimuliertes ECS sein könnte.

Aber wie sieht es beim Menschen aus? Obwohl es viel einfacher ist, die Stimulation des Endocannabinoid-System bei Nagetieren zu messen, wurde in einer Studie herausgefunden, dass ArthrosepatientInnen eine hochregulierte CB1- und CB2-Expression sowie einen erhöhten 2-AG-Spiegel hatten, was auf eine Verbindung zwischen dem ECS, Arthrose und den höheren Depressionsraten der PatientInnen hindeutet.

Könnte es dann sein, dass eine Dysregulation der Endocannabinoide zum Biomarker der Zukunft wird und ÄrztInnen auf die Krankheit aufmerksam machen kann, bevor Gelenkschäden entstanden sind? 

Ein weiteres sicherlich spannendes Forschungsgebiet ist die Entwicklung von Medikamenten, die auf das ECS abzielen, um Arthroseschmerzen zu reduzieren. 

Vor allem die Rolle des CB2-Rezeptors, von dem bekannt ist, dass er bei Aktivierung eine entzündungshemmende Wirkung hat, ist laut Wissenschaftlern besonders vielversprechend, da er eine entscheidende Rolle bei der Modulation von Arthrose spielen kann. In einer Studie führte eine Erhöhung der CB2-Expression zu einer Verringerung der Gelenkschmerzen, während die Stimulation von CB2-Rezeptoren bei Ratten mit Arthrose das schmerzbezogene Verhalten reduzierte. Es wurden sogar Mäuse ohne CB2-Rezeptoren gezüchtet und dabei kam raus, dass ihre Arthrose schwerer war als die der Kontrollgruppe. 

Die Aktivierung von CB1-Rezeptoren scheint auch den nozizeptiven Arthroseschmerz zu unterdrücken, was mit Hilfe eines synthetischen CB1-Agonisten im Nagetiermodell entdeckt wurde.

Cannabis, das ECS und Arthrose

Da das ECS inzwischen ein anerkanntes therapeutisches Ziel für Arthrosemedikamente ist, bietet dies eine weitere Grundlage für den Einsatz von Wirkstoffen aus der Cannabispflanze zur Behandlung von Arthrosesymptomen.

Die Cannabispflanze enthält mehr als 144 Inhaltsstoffe, die als Cannabinoide bezeichnet werden – davon wurde wahrscheinlich Tetrahydrocannabinol (THC) am häufigsten untersucht. THC ist ein partieller Agonist für CB1- und CB2-Rezeptoren, was erklären könnte, warum Cannabis schmerzlindernd wirkt. Interessanterweise wurde in einer Neuroimaging-Studie am Menschen herausgefunden, dass THC eher die Unannehmlichkeiten durch die Schmerzen reduziert und nicht das Schmerzempfinden selbst verändert.

THC ist aufgrund seiner psychoaktiven Wirkung nicht immer gut verträglich, deshalb wurde es in einigen Schmerzstudien am Menschen mit dem ungiftigen Cannabinoid Cannabidiol (CBD) kombiniert. 

CBD wirkt nicht nur dem durch THC verursachten High entgegen, sondern wirkt auch schmerzlindernd und entzündungshemmend – und zwar durch Mechanismen, die nicht das ECS beeinflussen. Es wird jedoch angenommen, dass CBD indirekt die Stimulation des Endocannabinoid-Systems beeinflusst, indem es das Enzym FAAH hemmt, das für den Abbau von Anandamid im Körper verantwortlich ist, was zu einer weiteren entzündungshemmenden Wirkung führen kann. 

Tatsächlich wurde in einer präklinischen Studie an Ratten herausgefunden, dass die entzündungshemmende Wirkung von CBD Schmerzen und Nervenschäden im Zusammenhang mit einer Arthrose verhindert.

Klinisch nachgewiesen

Bisher haben Cannabinoide am Menschen die beste Wirksamkeit bei der Bekämpfung neuropathischer Schmerzen gezeigt, obwohl Einzelfallberichte aus der ganzen Welt darauf hindeuten, dass Cannabis auch bei chronischen Schmerzen im Allgemeinen wirksam ist. 

Bezüglich Arthrose ist die klinische Forschung begrenzt, obwohl derzeit zwei Studien zu Cannabinoiden bei Arthrose durchgeführt werden.

In der ersten, einer randomisierten, doppeltverblindeten und placebokontrollierten Studie wird die Verwendung von verdampften Cannabinoiden bei einer Arthrose des Kniegelenks untersucht. Dabei werden verschiedene Verhältnisse von THC und CBD an 40 Probanden auf Sicherheit, Wirksamkeit und Verträglichkeit der verschiedenen Kombinationen getestet. 

In einer zweiten Studie, ebenfalls randomisiert und placebokontrolliert, wird CBD zur Behandlung einer Arthrose der Handgelenke bei 180 ProbandInnen geprüft.

Haftungsausschluss

Inhalte auf The Cannigma dienen nur zu Informationszwecken. Sie sind kein Ersatz für professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Vor Beginn einer Behandlung mit Cannabis sollten Sie sich immer von einem Arzt mit Erfahrung mit medizinischem Cannabis beraten lassen.

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