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Kann Cannabis bei Depressionen helfen?

Depressionen und das Endocannabinoid-System

Wissenschaftler haben festgestellt, dass das Endocannabinoid-System eine wichtige Rolle bei der Regulierung unserer Stimmung spielt. Das Endocannabinoid-System ist im gesamten menschlichen Körper und auch in anderen Säugetieren zu finden und hilft unserem Körper bei der Aufrechterhaltung seines inneren Gleichgewichts (Homöostase). 

Das Endocannabinoid-System besteht aus folgenden Komponenten: Natürliche chemische Botenstoffe namens Endocannabinoide, die vom menschlichen Körper selbst produziert werden. Diese binden dann an CB1- und CB2-Rezeptoren, um zahlreiche verschiedene Funktionen zu aktivieren und zu modulieren, wie zum Beispiel:

  • Schlaf
  • Schmerzen 
  • Entzündungen
  • Hunger
  • Antrieb
  • Muskelkontrolle
  • Stressreaktion
  • Gedächtnis 
  • Stimmung

Enzyme, die letzte Komponente in diesem wichtigen System, bauen dann die Endocannabinoide ab und entfernen sie aus dem Körper. 

Dieses interne System funktioniert bei gesunden Menschen und anderen Säugetieren völlig eigenständig, kann aber auch durch einige der in Cannabis enthaltenen aktiven Bestandteile – insbesondere Cannabinoide wie THC oder CBD – stimuliert werden. Diese Bestandteile ähneln in ihrer chemischen Struktur auffallend unseren natürlichen Endocannabinoiden. Wenn sie eingenommen werden, binden sich diese Bestandteile also auch an die CB1- und CB2-Rezeptoren, um die Wirkung des Endocannabinoid-Systems zu aktivieren. Aus diesem Grund hat Cannabis so zahlreiche medizinische Anwendungsmöglichkeiten. Es stimuliert ein natürliches System, das diese Effekte moduliert. 

Die Forschung deutet darauf hin, dass die Aktivierung dieser Endocannabinoid-Rezeptoren besonders bei Depressionen nützlich sein könnte. Wie sich herausgestellt hat, ist das Endocannabinoid-System an der Regulierung unserer Stimmung beteiligt und WissenschaftlerInnen glauben, dass insbesondere CB1-Rezeptoren bei Depressionen eine große Rolle spielen. Dafür gibt es gute Gründe: Zum einen gibt es CB1-Rezeptoren, die über alle Teile des Gehirns verteilt sind und mit Depressionen in Zusammenhang stehen. 

Darüber hinaus haben Tierversuche ergeben, dass bei Menschen mit Depressionen die Funktion ihres Endocannabinoid-Systems gestört ist. Studien an Nagetieren zeigten zum Beispiel, dass eine Blockierung der CB1-Rezeptoren zu verstärkten depressiven Symptomen führte. 

Ähnliche Ergebnisse wurden auch bei Menschen beobachtet. Rimonabant zum Beispiel kam in Europa als Appetitzügler auf den Markt. Es blockiert die Aktivität der CB1-Rezeptoren. Da diese Rezeptoren mit Hunger in Zusammenhang stehen, hofften die Wissenschaftler, dass sie den Appetit reduzieren können, indem sie diese Rezeptoren blockieren. Leider musste das Medikament vom Markt genommen werden, weil viele der damit behandelten PatientInnen Depressions- und Angstsymptome entwickelten. Das Blockieren der CB1-Rezeptoren scheint also sowohl bei Tieren als auch bei Menschen den gleichen stimmungsbeeinflussenden Effekt zu haben: Depressionen. 

Ausgehend davon haben die Forscher untersucht, ob die Stimulation der CB1-Rezeptoren antidepressiv wirkt. Eine Studie an Nagetieren ergab, dass niedrige Dosen einer CB1-aktivierenden Substanz die stimmungsaufhellende Wirkung und die Serotoninreaktion auf ähnliche Weise wie ein SSRI-Antidepressivum erhöhten. Die gleiche Studie ergab jedoch auch, dass höhere Dosen einen gegenteiligen Effekt haben. Laut den Autoren dieser Studie bestätigt dies die These, dass die CB1-Rezeptoren ein Ziel für die Entwicklung neuer Antidepressiva sein sollten und dass Cannabinoide aus Cannabis eine hilfreiche Behandlung sein könnten, da die CB1-Rezeptoren durch Cannabinoide stimuliert werden. 

Angesichts der komplexen, dosisabhängigen Beziehung zwischen CB1-Aktivierung und Depression ist jedoch viel mehr Forschung erforderlich, um die Theorie zu bestätigen, dass Cannabis bei Depressionen helfen kann.

Forschung zu Depressionen und Cannabis

Es gibt starke Hinweise darauf, dass Stimmung und Depressionen zumindest teilweise über das Endocannabinoid-System reguliert werden. Dennoch müssen wir uns die Forschungsergebnisse genauer ansehen, um zu ermitteln, wie sich Cannabis tatsächlich auf Depressionen auswirken könnten – sowohl kurz- als auch langfristig. 

Zunächst einmal ist klar, dass viele PatientInnen bereits heute Cannabis zur Behandlung ihrer Depressionen verwenden. Im Allgemeinen gaben diese Patienten an, dass Cannabis bei ihren depressiven Symptomen hilft. So ergab beispielsweise eine Umfrage in Großbritannien aus dem Jahr 2002 zum Cannabiskonsum, dass 22% der Menschen mit Depressionen Cannabis konsumierten. Eine weitere Studie aus dem Jahr 2016 im US-Bundesstaat Washington mit ProbandInnen, die medizinisches Cannabis einnahmen, ergab, dass die Hälfte der Befragten Cannabis gegen ihre Depressionen einnahmen. Im Allgemeinen gaben diese ProbandInnen an, dass das Cannabis ihre Depressionssymptome bessert. 

Obwohl viele PatientInnen durch den Konsum von Cannabis eine Besserung ihrer Depressionen erleben, befindet sich die wissenschaftliche Forschung zu diesem Thema noch in einem sehr frühen Stadium und bisher ist die Faktenlage noch sehr dünn. Dennoch gibt es schon einige Studien, die die These, dass Cannabis Menschen mit Depressionen helfen kann, unterstützen. 

Eine Studie mit heterosexuellen Paaren ergab, dass diejenigen, die Cannabis konsumieren, dies eher am Morgen tun, wenn sie mit schlechter Laune in den Tag gestartet sind. Der Konsum von Cannabis verbesserte unmittelbar nach dem Konsum ihre Stimmung. Dies deutet darauf hin, dass die Verwendung von Cannabis für eine kurzfristige Stimmungsaufhellung sorgen kann. 

In einer anderen Studie, die sich speziell mit CBD beschäftigte, wurde die These aufgestellt, dass es ein besonders nützliches Mittel bei Depressionen sein könnte. In dieser Studie wurden die depressionslindernden Effekte von CBD bei Nagetieren untersucht und es kam heraus, dass eine Einzeldosis schnelle und anhaltende antidepressiv wirkende Effekte hervorrufen kann. 

Eine Rezension der Literatur zum Cannabiskonsum bei Depressionen im Jahr 2016 brachte ebenfalls positive Ergebnisse. Die Forscher fanden neun Studien zur Verwendung von Cannabis bei Depressionen und sieben dieser Studien zeigten dass der Cannabiskonsum zu einer Verbesserung der Depressionssymptome führte. Dennoch wurden diese Verbesserungen vor allem in Studien mit PatientInnen, die noch andere Erkrankungen hatten und die mit Depressionen einhergingen, beobachtet und nicht bei PatientInnen, die „nur“ Depressionen hatten. Es ist also unklar, ob die Verbesserungen der Depressionen mit Verbesserungen bei den anderen Krankheiten zusammenhängen oder ob sie die Depressionen direkt verbessern. 

In einer weiteren Studie wurden Daten aus einer App, die PatientInnen dabei helfen soll, die Auswirkungen ihrer Cannabisbehandlung zu verfolgen, untersucht. Anhand von Daten aus 3151 Sitzungen zum Cannabiskonsum und Depressionen fanden die Autoren heraus, dass CannabiskonsumentInnen eine 50%ige Verringerung ihrer Depressionssymptome beobachteten. Nur zwei Züge an einem Joint reichten aus, um Depressionen zu lindern und der Effekt war bei einem hohen CBD- und einem niedrigen THC-Gehalt sogar noch ausgeprägter. Diese wahrgenommenen Effekte haben sich bei kontinuierlicher Nutzung im Laufe der Zeit nicht verringert. 

Trotz dieser positiven Ergebnisse fanden die Forscher auch heraus, dass sich die Depressionssymptome bei längerem Cannabiskonsum verschlimmerten. Dieses Ergebnis wurde auch in anderen Studien beobachtet, bei denen der langfristige Konsum von Cannabis mit einer Verschlechterung der Depressionssymptome verbunden war. Darüber hinaus ergab eine klinische Studie, dass eine Reduzierung des Cannabiskonsums zu weniger Depressionssymptomen führen könnte. 

Aber nicht alle Studien zeigen diese Korrelation. Eine große schwedische Studie ergab, dass der Zusammenhang zwischen Cannabis und Depressionen verschwand, wenn Störfaktoren berücksichtigt wurden. Eine israelische Studie ergab ähnliche Ergebnisse und die Autoren berichteten, dass diese Assoziation eher auf soziodemographische und klinische Faktoren als auf den Cannabiskonsum selbst zurückzuführen sein könnte. 

Darüber hinaus deutet die Forschung darauf hin, dass der Konsum von Cannabis bei Depressionen besser abschneidet als Opioide. Wer sowohl Depressionen als auch chronische Schmerzen behandeln möchte, scheint mit Cannabis weniger Nebenwirkungen zu haben.

Cannabis gegen Depressionen

Angesichts der oben genannten Forschung besteht eine gute Chance, dass die Verwendung von Cannabinoiden zur Aktivierung des Endocannabinoid-Systems dazu beitragen kann, Depressionssymptome vorübergehend zu lindern. Vor allem Mittel mit einem hohen CBD-Gehalt können dabei hilfreich sein, aber sowohl THC als auch CBD scheinen eine kurzfristige Stimmungsaufhellung und Linderung von Depressionssymptomen zu bieten. Dennoch muss beachtet werden, dass diese Effekte laut Forschungsergebnissen dosisabhängig sind. Niedrige Dosen können die Depression verbessern, hohe Dosen können sie verschlimmern.

Darüber hinaus weisen einige Forschungsarbeiten auf die Möglichkeit hin, dass der langfristige Konsum von Cannabis zu einer Verschlechterung der Depressionssymptome führen kann. Allerdings traten diese Ergebnisse von Studie zu Studie inkonsistent auf und können auch mit anderen Faktoren in Zusammenhang stehen. Man kann derzeit noch nicht mit Sicherheit sagen, dass Cannabiskonsum nicht zu einer Verschlechterung von Depressionssymptomen beiträgt. 

Wenn Sie jedoch andere Krankheiten haben, die Ihre Depressionen bedingen, kann Cannabis eine bessere Behandlungsoption als die herkömmlichen Mittel sein. Die Depressionen von PatientInnen mit chronischen Schmerzen lassen sich beispielsweise besser durch Cannabis lindern als durch Opiode. 

Wenn Sie Depressionen haben und sie mit Cannabis behandeln wollen, sollten Sie sich zuallererst an einen auf Cannabis spezialisierten Arzt wenden und mit ihm besprechen, ob dieses Mittel die richtige Option für Sie ist.

Bevor Sie mit dem Cannabiskonsum beginnen, sollten Sie auch prüfen, ob Cannabis in Ihrem Land zur Behandlung von Depressionen überhaupt zugelassen ist. Auch wenn Depressionen nur selten als Indikation für den Konsum von medizinischem Cannabis gelten, ist der Konsum in manchen Ländern dennoch erlaubt. 

Derzeit können PatientInnen in den folgenden Ländern Cannabis zur Behandlung von Depressionen (entweder zu Freizeitzwecken oder auf ärztliche Empfehlung hin) erwerben:

  • Österreich 
  • Brasilien
  • Kambodscha
  • Kanada
  • Chile
  • Kolumbien
  • Ecuador
  • Estland
  • Finnland
  • Deutschland
  • Griechenland
  • Guam
  • Mazedonien 
  • Niederlande
  • Norwegen
  • Paraguay
  • Peru
  • Spanien
  • Türkei
  • Uruguay

Außerdem können PatientInnen in den folgenden US-Bundesstaaten Cannabis zur Behandlung von Depressionen (entweder zu Freizeitzwecken oder auf ärztliche Empfehlung hin) erwerben:

  • Alaska
  • Kalifornien
  • Colorado
  • District of Columbia 
  • Maine
  • Massachusetts 
  • Maryland
  • Missouri 
  • Michigan
  • Nevada
  • Oklahoma
  • Oregon
  • Washington
  • Vermont
Haftungsausschluss

Inhalte auf The Cannigma dienen nur zu Informationszwecken. Sie sind kein Ersatz für professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Vor Beginn einer Behandlung mit Cannabis sollten Sie sich immer von einem Arzt mit Erfahrung mit medizinischem Cannabis beraten lassen.

Über Depressionen

Einführung

Klinische Depressionen, auch als MDD (Major Depressive Disorder) bekannt, sind ein weit verbreiteter paralysierender Zustand, der darauf Einfluss nimmt, wie man sich fühlt, wie man denkt und wie man handelt – also genau genommen auf so gut wie sämtliche Lebensbereiche.  

Manche Menschen glauben, Depression sei lediglich ein Synonym für Traurigkeit oder Niedergeschlagenheit, eine klinische Depression geht jedoch weit über ein Gefühl einfacher Bedrücktheit hinaus. In diesem Zusammenhang muss klargestellt werden, dass eine Depression auch keine Verfassung ist, die überwunden werden kann, indem man sich einfach »ein bisschen zusammenreißt« oder »hart genug an sich arbeitet«. Dennoch ist sie behandelbar.

Klinische Depressionen werden nach folgenden Erscheinungsformen unterschieden:

  • Anhaltende depressive Störung oder Dysthymia ist eine Form von Depression, die mehr als zwei Jahre anhält, wenngleich man mitunter das Gefühl hat, die Symptome werden leichter. 
  • Postpartum-Depression (PPD) ist ein schwerer depressiver Schub, den Frauen nach einer Entbindung erleben können. Patientinnen mit PDD fühlen sich sehr viel trauriger, ängstlicher und erschöpfter als Frauen mit gewöhnlichem »Baby Blues«, und im Gegensatz zum »Baby Blues« kann es sein, dass eine PPD nicht von selbst abklingt.
  • Psychotische Depression ist eine Form der Depression, die mit anderen psychotischen Symptomen wie Wahnvorstellungen oder Halluzinationen einhergeht.
  • Jahreszeitlich bedingte Störung (Seasonal Affective Disorder oder SAD) ist eine Form der Depression, die eine Person nur zu bestimmten Jahreszeiten überfällt. Die meisten Menschen mit SAD spüren deren Symptome vor allem im Winter, verursacht durch den Mangel an Sonnenlicht.

Man schätzt, dass etwa 5,2% aller Erwachsenen in Deutschland, bzw. 4,1Millionen Menschen, zumindest einmal jährlich eine depressive Episode erleben und dass jeder vierte Deutsche in seiner Familie oder in seinem Freundeskreis von Depressionen betroffen ist.  Die meisten depressiven Menschen machen ihre erste Erfahrung mit der Krankheit irgendwann zwischen ihren späten Teenagerjahren und ihren Mittzwanzigern.

Jeder kann an einer Depression erkranken. Dennoch sind Frauen häufiger davon betroffen als Männer. Einige Studien belegen, dass eine von drei Frauen irgendwann eine Depression erlebt.

Symptome

Wenn man an einer Depression leidet, spürt man einen Teil der nachstehend aufgelisteten Symptome jeden Tag und meist auch den ganzen Tag hindurch. Dabei muss man wissen, dass ein Mensch mit einer Depression mehrere Krankheitsepisoden erleben kann. Während einer solchen Episode leidet man an schwereren Symptomen, in den Zwischenphasen können diese Symptome zwar nach wie vor zugegen, jedoch schwächer oder sogar kaum bemerkbar sein.

Mögliche Symptome einer Depression:

  • Man fühlt sich traurig und weint leicht
  • Man fühlt sich ängstlich und ruhelos
  • Man ist reizbar und regt sich über Nebensächlichkeiten auf
  • Nichts, was man früher gern hatte, macht mehr Spaß
  • Man bewegt sich langsamer, spricht langsamer und denkt langsamer als gewöhnlich
  • Man leidet unter Schlafstörungen, sei es, dass man zu viel schläft oder zu wenig 
  • Man ist müde und energielos, auch, wenn man viel geschlafen hat
  • Man leidet an Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
  • Man hat Konzentrationsprobleme, ist auch bei der Arbeit nicht bei der Sache, und kann keine Entscheidungen treffen
  • Man leidet an Gedächtnisstörungen
  • Man denkt an den Tod oder an Selbstmord, oder unternimmt sogar einen Suizidversuch

Wenn Sie eine Depression haben, können Sie auch an physischen Symptomen leiden, darunter Gelenk- und Rückenschmerzen oder Verdauungsproblemen.

Wichtig ist, Folgendes zu verstehen: eine Depression ist nicht dasselbe wie die Trauer, die man nach dem Verlust eines geliebten Menschen, einer Kündigung des Arbeitsplatzes oder dem Ende einer Beziehung empfindet, auch wenn die Menschen dann sagen, sie fühlten sich deprimiert. Bei Trauer überkommen Ihre traurigen oder schmerzvollen Gefühle Sie meist in Wellen und sind mit fröhlichen Erinnerungen und positiven Gedanken vermischt. Ein Trauernder erfährt im Allgemeinen auch keinen Verlust seiner Selbstachtung, einer häufigen Begleiterscheinung von Depressionen.

Dennoch kann Trauer eine Depression auslösen oder sich mit ihr überschneiden. Daher ist es überaus wichtig, dass Sie auf Ihre Symptome zu achten und zum Arzt zu gehen, sobald Sie selbst oder eine Ihnen nahestehende Person das Gefühl haben, Ihre Traurigkeit verwandle sich in eine Depression.

Bei Kindern und Teenagern können die Symptome etwas anders aussehen und Folgendes umfassen:

  • die Weigerung, zur Schule zu gehen oder eine Verschlechterung der schulischen Leistungen 
  • Gewichtsverlust oder keine Gewichtszunahme 
  • Reizbarkeit, Anhänglichkeit und Ängstlichkeit
  • Klagen über allgemeine Schmerzen und Wehwehchen
  • Zu viel oder zu wenig essen oder schlafen 
  • Drogen- oder Alkoholmissbrauch
  • Selbstzerstörerisches Verhalten
  • Meiden von Geselligkeit und anderen normalen Aktivitäten

Bei Senioren werden Depressionen häufig übersehen, weil die Symptome weniger deutlich sein können. Bei älteren Menschen umfassen sie:

  • Persönlichkeitsveränderungen
  • Gedächtnisstörungen
  • Extreme Müdigkeit
  • Appetitsverlust
  • Schlaflosigkeit und Einschlafprobleme
  • Verlust des Interesses an Sex
  • Wachsende Zurückgezogenheit, das Meiden von Gesellschaft und die Tendenz, sich zuhause zu »vergraben«
  • Suizidale Gedanken

Wann man einen Arzt aufsuchen sollte

Sich traurig oder niedergeschlagen zu fühlen, gehört zum Leben und ist normal. Daher könnte es schwierig sein, zu erkennen, wann man dennoch einen Arzt aufsuchen sollte. Zudem sind sich Menschen mit einer Depression nicht immer bewusst, dass ihre Gefühle der Trauer, der Wut oder ihr Verlust an Selbstachtung nicht mehr rational sind. Umso wichtiger ist es für Freunde und Angehörige, auf diese Symptome zu achten. Im Allgemeinen sollte man zum Arzt gehen, wenn man mindestens fünf der oben aufgelisteten Symptome feststellt und diese zwei Wochen oder länger anhalten. Wenn Sie das Bedürfnis haben, Selbstmord zu begehen, müssen Sie sofort professionelle Hilfe aufsuchen.

Diagnose

Um eine Depression zu diagnostizieren, wird der Arzt mit Ihnen für gewöhnlich über Ihre Symptome sprechen und eine Reihe von Untersuchungen vornehmen, um andere Ursachen oder hintergründige physische Beschwerden auszuschließen. Sie werden wahrscheinlich Folgendem unterzogen:

  • einer physischen Untersuchung, die ausschließen soll, dass bislang nicht diagnostizierte physische Probleme vorliegen;
  • Blutuntersuchungen, um andere Krankheiten mit ähnlicher Symptomatik auszuschließen, darunter Schilddrüsenprobleme oder Vitaminmangel;
  • Bewertungen − Fragebögen, die feststellen sollen, ob Sie an Symptomen wie den oben genannten leiden, die auf eine Depression oder Angstzustände hinweisen könnten.

Ursachen

Es ist nahezu unmöglich, bestimmte Ursachen einer Depression abzustecken. Sie kann jeden überfallen, und das jederzeit. Allerdings gibt es Risikofaktoren, die die Entwicklung einer Depression wahrscheinlicher machen.

Biochemische und andere biologische Abweichungen Studien haben erwiesen, dass Menschen mit Depressionen oft Abweichungen in den für die Stimmungskontrolle zuständigen chemischen Gehirnfunktionen aufweisen.

Genetik und Vererblichkeit Depression haben die Tendenz, in einer Familie häufiger aufzutreten. Wenn Sie einen oder mehrere Angehörige haben, die an Depressionen, Alkoholismus, einer bipolaren Störung oder einer suizidalen Vorgeschichte leiden, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass auch Sie selbst eines Tages eine Depression erleben.

Hormone Veränderungen Ihres Hormonhaushalts, zum Beispiel nach einer Schwangerschaft, nach der Menopause oder aufgrund von Schilddrüsenproblemen können eine depressive Episode auslösen.

Persönlichkeit Menschen, die von Natur aus pessimistisch sind, nur schwer mit Stress umgehen können, an niedrigem Selbstwertgefühl leiden und/oder starke Abhängigkeit beziehungsweise Selbstkritik an den Tag legen, sind anfälliger dafür, an einer Depression zu erkranken.

Umwelt Menschen, die mit Gewalt, Missbrauch, Vernachlässigung oder unter  extremer Armut leben müssen, werden eher Depressionen entwickeln.

Trauma traumatische Ereignisse wie ein Todesfall, Missbrauch, der Verlust des Jobs oder ernste finanzielle Probleme können eine Depression auslösen.

Eine separate psychische Störung dazu zählen Essstörungen, krankhafte Angstzustände oder Posttrauma (PTSD).

Eine Reihe von Medikamenten Arzneimittel wie zum Beispiel Blutdrucksenker oder Schlaftabletten können manchmal Depressionen verursachen.

Alkohol- und Drogenmissbrauch Menschen, die übermäßig viel Alkohol oder Drogen konsumieren, leiden häufig auch an einer Depression.

Schwere chronische Erkrankungen Krebs, kardiologische Erkrankungen, chronische Schmerzen oder Schlaganfälle können zu Depressionen führen.

Sexualpräferenzen − wenn man dagegen ankämpft, lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell oder intersexuell zu sein. Mangelnde Unterstützung und Empathie im sozialen Umfeld können Mitglieder der LGBTQ-Gemeinschaft in Depressionen stürzen.

Behandlung

Die gute Nachricht ist, dass Depressionen zu den psychischen Störungen zählen, die am besten behandelbar sind. Etwa 80-90%  aller Patienten mit einer Depression reagieren positiv auf Behandlung, und fast jeder von ihnen empfindet zumindest ein gewisses Nachlassen seiner Symptome. Zur Therapie von Depressionen zählen Arzneimittel, Psychotherapie und Therapieformen, die das Gehirn stimulieren. Hinzu kommt Selbsthilfe durch Veränderung des Lebensstils.

Medikamentöse Behandlung

Im Allgemeinen wird Ihr Arzt Ihnen Antidepressiva verschreiben. Davon gibt es eine Reihe verschiedener Arten, darunter die SSRIs (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) wie Prozac, die SNRIs (Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer) wie Cymbalta und weitere Medikamente wie Wellbutrin. Da all diese Arzneimittel weniger Nebenwirkungen haben, wird Ihr Arzt Ihnen zunächst ein Medikament aus dieser Gruppe verschreiben.

Sollten die genannten Mittel wirkungslos bleiben, könnte Ihr Arzt Ihnen atypische Antipsychotika wie Abilify, trizyklische Antidepressiva wie Elavil oder Norpramin oder Monoamin-Oxidase-Hemmer (MAOIs) wie Nardil oder Marplan verschreiben. Diese Medikamente haben schwerere Nebenwirkungen. Einige MAOIs können sogar tödlich sein, wenn sie in Verbindung mit bestimmten Lebensmitteln konsumiert oder mit bestimmten anderen Medikamenten kombiniert werden.

Für gewöhnlich dauert es zwischen drei und sechs Wochen, bis Antidepressiva zu wirken beginnen, vorausgesetzt, sie werden richtig dosiert. Es ist daher wichtig, geduldig zu bleiben und ihnen genügend Zeit zu geben. Sie werden wahrscheinlich feststellen, dass Symptome wie Schlafstörungen, Appetitschwankungen und Konzentrationsprobleme leichter werden, bevor sich auch der Gemütszustand verbessert.

Sobald Sie ein Medikament gefunden haben, mit dem Sie gut zurechtkommen, sollten Sie dieses auch nach einer Besserung Ihrer Symptome mindestens noch sechs bis zwölf Monate weiter einnehmen. Antidepressiva dürfen niemals abrupt abgesetzt werden, da es dadurch zu schweren Rückfällen kommen kann. Ihre Dosis muss unter ärztlicher Beratung langsam reduziert werden.

Heilkräuter und Nahrungsmittelergänzungen

Einige Heilkräuter und Nahrungsmittelergänzungen wie zum Beispiel Echtes Johanniskraut, Omega-3-Fettsäuren und S-adenosylmethionine (SAMe) erfreuen sich bei der Behandlung von Depressionen wachsender Beliebtheit. Obwohl manche Menschen sie für durchaus effektiv halten, wurden sie von der amerikanischen Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde FDA nicht als Therapiemittel zugelassen. Man sollte bei ihrer Einnahme also äußerst vorsichtig sein und sich immer mit dem behandelnden Arzt beraten. Vor allem Johanniskraut kann in Verbindung mit gewissen Medikamenten negativ wirken.

Psychotherapie

Eine Psychotherapie oder Gesprächstherapie kann bei Depressionen äußerst effektiv sein, entweder als eigenständige Therapieform oder in Verbindung mit einer medikamentösen Behandlung. Es gibt einige Psychotherapien, die spezifisch bei Depressionen angewandt werden, darunter die kognitive Verhaltenstherapie (CBT), die Interpersonelle Psychotherapie (IPT) und die Problemlösungstherapie. Psychotherapie kann individuell oder als Gruppentherapie durchgeführt werden und auch eine Familien- oder Paartherapie umfassen. Die meisten Menschen geben an, ihre Psychotherapie habe ihre Depressionen innerhalb von zehn bis fünfzehn Sitzungen verbessert, es kann aber auch sehr viel länger dauern.

EKT und neuromodulatorische Therapie

Falls Sie an einer schweren Depression leiden, die sich weder durch medikamentöse Behandlung noch durch Psychotherapie verbessern lässt, könnte der Arzt Ihnen eine Form von Gehirnstimulationstherapie vorschlagen. Dazu zählen die elektrokonvulsive Therapie (EKT), eine repetitive Transkranielle Magnetstimulation (rTMS) oder eine Vagusnervstimulation (VNS).

EKT ist schmerzfrei und gilt als ziemlich sicher. Tatsächlich fühlt man dabei häufig gar nichts. Stellen Sie sich darauf ein, bis zu vier Wochen lang zwei- bis dreimal wöchentlich eine EKT-Behandlung zu bekommen. Sie könnte einige Nebenwirkungen wie zum Beispiel Gedächtnisprobleme, Desorientierung und Verwirrung auslösen, die im Allgemeinen jedoch ziemlich schnell verschwinden.

Selbsthilfe und Veränderung des Lebensstils

Veränderungen des Lebensstils spielen bei der Behandlung von Depressionen eine überaus wichtige Rolle. So kann zum Beispiel allein schon ein Aerobic-Training viele gehirneigene Neurotransmitter stimulieren (z.B. Serotonin), die bei Depressionskranken fehlen. Stressabbau, Entspannungstechniken, ausreichender Schlaf, gesunde Ernährung, anregende Aktivitäten und ein unterstützendes soziales Umfeld spielen bei der Behandlung von Depressionen eine entscheidende Rolle.

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