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Cannabis bei Autismus?

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Ob in den Nachrichten oder in der Apotheke – es scheint, als würde derzeit überall über medizinisches Cannabis gesprochen. 

Und das aus gutem Grund! Medizinisches Cannabis kann jedem helfen – vom Kind mit Epilepsie bis zum Senioren mit Alzheimer. Derzeit erfolgt in der Wissenschaft ein Paradigmenwechsel, sodass nun das Wissen jahrhundertealter Kulturen genutzt wird und die positiven Eigenschaften von medizinischem Cannabis neu entdeckt werden.

Nun kann eine weitere Gruppe von PatientInnen die Vorteile der Pflanze nutzen: Autismus-PatientInnen. Dies geht aus einer aktuellen wissenschaftlichen Studie von Schleider, Mechoulem, et al. mit Kindern mit einer Autismus-Spektrum-Störung (ASD) hervor. ASD ist heutzutage ein weiteres heißdiskutiertes Thema, aber genau wie bei medizinischem Cannabis ist die Aufmerksamkeit berechtigt. 

Mechoulem et al. zitierten mehrere Studien (darunter eine bevölkerungsbasierte Studie an Kaliforniern) und beschrieben, wie die Autismusdiagnosen in den letzten drei Jahrzehnten um 300% gestiegen sind. Die Gründe dafür sind der westlichen Wissenschaft weitgehend unbekannt. Es scheint, dass Autismus eine multisymptomatische Konvergenz von genetischen und Umweltfaktoren ist, die wiederum neurochemische Veränderungen, starre Einstellungen, abnormes Sozialverhalten und mehr verursachen kann. 

Cannabis bei Autismus: Alte Idee mit neuer wissenschaftlicher Unterstützung

Einzelfallberichte über den Nutzen von medizinischem Cannabis bei autistischen Kindern sind nichts Neues. Dr. Lester Grinspoon, MD, Professor an der Harvard Medical School, erkannte dies bereits in den 1960er Jahren. 

In einem Artikel für das O’Shaughnessy’s Magazin berichtete Dr. Grinspoon: „Eltern einiger autistischer Kinder beobachten, dass Cannabis die Verhaltensprobleme effektiver lindert als herkömmliche Medikamente. Ihre Einzelfallberichte sollten von medizinischen Forschungen ernst genommen werden.“

Dr. Grinspoon war ein Vorreiter. Er war der erste US-amerikanische Arzt, der unter anderem die Verwendung von Lithiumcarbonat bei bipolaren Störungen einführte. Jedoch erst Anfang dieses Jahres verifizierte ein Forschungsteam von zwei Universitäten, das dank der Mitarbeit des führenden Cannabisforschers Dr. Raphael Mechoulam über jahrzehntelange Forschungserfahrung verfügte, was scharfsinnige ÄrztInnen wie Dr. Grinspoon bereits Jahrzehnten zuvor vermutet hatten. 

Number of patients = Anzahl Patienten
Dose of cannabidiol (mg) = Cannabidiol-Dosis (mg)

Dazu analysierten die Wissenschaftler die Daten von 188 autistischen PatientInnen (im Durchschnitt 13 Jahre alt), die zwei Jahre lang mit medizinischen Cannabis behandelt wurde. Die meisten PatientInnen erhielten eine relativ aggressive Dosierung und konsumierten dreimal täglich etwa 60 Milligramm Cannabinoide (dabei lag das Verhältnis von CBD zu Teil bei 20:1). 

Abbildung 1: Verteilung des Cannabinoid-Konsums. Gesamtmenge an CBD (in mg) pro Dosis bei 66 Patienten, die ein Öl mit 30% CBD und 1,5 THC einnahmen. Das Verhältnis von THC zu CBD lag bei 1:20.

In den ersten sechs Monaten dieses Behandlungsplans wurden die Teilnehmer aufmerksam von den Wissenschaftlern beobachtet. Die meisten Teilnehmer nahmen ihr medizinisches Cannabis in Form von sublingualen Ölen ein. Nach nur sechs Monaten Anwendung dokumentiere das Forschungsteams Unglaubliches: 83,8% der Eltern dieser autistischen PatientInnen berichteten von moderaten bis signifikanten Verbesserungen im Leben ihrer Kinder.  

Welche Art von Verbesserungen? Durch die Gabe von hochfestem, CBD-reichem Cannabisöl wurden die Kinder unabhängiger. Sie konnten selbstständig duschen und sich anziehen. Fast 25% der PatientInnen schliefen auch besser. Episoden von Ruhelosigkeit oder Wut, zwei markante Verhaltenssymptome bei Autismus, haben sich ebenfalls stark gebessert.

Die überwiegende Mehrheit dieser Verbesserungen (ca. 95%) erfolgte innerhalb des ersten Monats. Das bedeutet, dass es nicht lange dauert, bis Cannabis bei Autismus wirkt.  

Es gibt nur ein wirkliches Problem bei dieser speziellen Studie: Sie hatte keine Kontrollgruppe. Die Autoren der Studie kamen zu dem Schluss, dass „daher keine Kausalität zwischen Cannabistherapie und Verbesserung des Wohlbefindens der PatientInnen festgestellt werden kann“.  Aber man kann nicht leugnen, dass eine sehr positive Korrelation vorliegt – und zukünftige Studien mit Kontrollgruppen werden wahrscheinlich noch mehr Belege für die Wirksamkeit finden. 

Was wir aus dieser realen Fallstudie lernen können

Hier sind mehrere Aspekte wichtig, aber der bedeutsamste ist, dass die Dosierung des medizinischen Cannabis von PatientIn zu PatientIn unterschiedlich ist. 

Aus diesem Grund ist es wahrscheinlich die beste Dosierungsempfehlung, niedrig anzufangen und es langsam anzugehen. Die in der Studie verwendeten Dosierungen wurden „für jeden PatientInnen je nach Wirkung des Cannabisöls schrittweise erhöht. […] Das Finden der optimalen Dosis kann bis zu zwei Monate dauern und die Bandbreite ist groß.“

Ein weiterer wichtiger Punkt: Medizinisches Cannabis kann bei der sozialen Interaktion helfen – auch Menschen ohne Autismus. Es scheint, dass Endocannabinoide ein oxytocingesteuertes Belohnungssystem für soziale Interaktionen triggert. Probieren Sie Cannabis, um Ihren Endocannabinoid-Spiegel zu erhöhen und nebenbei sogar Ihre Kontaktfreudigkeit zu verbessern. 

Weitere Belege 

Auf die Studie von Mechoulam et al. folgte eine weitere israelische Studie vom Kinderneurologen Dr. Adi Aran. Darin wurde 60 Kindern über einen Zeitraum von 7 Monaten ein Cannabisöl mit hochdosiertem CBD (ebenfalls mit einem Verhältnis von CBD zu THC von 20:1) verschrieben. 

61% dieser PatientInnen und ihre Eltern berichteten über weniger Verhaltensstörungen, während viele andere eine signifikante Verbesserung der Kommunikation (47%) und der Angststörung (39%) feststellten.  Diese Verbesserungen sind an sich schon beeindruckend. Allerdings müssen auch die entsprechenden Vorteile im Leben der Eltern und Betreuer der Kinder anerkannt werden: 33% von ihnen gaben an, sich weniger gestresst zu fühlen.  

Es scheint, als würde sich ein positiver Trend abzeichnen und als hätte Mechoulams Studie ihn einfach ins Rampenlicht gerückt. In einem früheren Artikel aus dem Jahr 2013 wurde beobachtet, dass ein zu niedriger Endocannabinoid-Spiegel mit Autismus assoziiert wird. Sogar die Autism Society of America räumt die Möglichkeit ein, dass Cannabinoide wie CBD bei Autismus helfen könnten. Sie hat das „Projekt CBD“ ins Lebens gerufen und veranstaltetet gerade Webinare zu einigen dieser Studien. 
Die Tatsache, dass „derzeit keine spezifischen Behandlungen zur Verfügung stehen und die Interventionen darauf ausgerichtet sind, das störende Verhalten zu vermindern“ (Schleider und Mechoulam et al.), macht das Potenzial von medizinischem Cannabis zur Verbesserung des Lebens autistischer PatientInnen und ihrer Familien noch spannender.

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