Abonnieren Sie uns

Home Anwendung Rauchen oder Vapen: Was ist der Unterschied?
Sep 27, 2019 6 min lesen

Rauchen oder Vapen: Was ist der Unterschied?

author
von Thomas Wrona
vaping

Vaporizer (Verdampfer) sind in den letzten Jahren zu einer beliebten Methode geworden, um medizinisches Cannabis zu konsumieren. Viele bevorzugen das sogenannte Vaping oder Vapen (dampfen), weil dies keine anhaltenden Gerüche hinterlässt, rauchfrei ist und auch praktischer sein kann.

Cannabis-Blütenwerden noch immer und schon seit mindestens hunderten von Jahren geraucht, und trotz der Nachteile hat das altmodische Rauchen auch seine Vorzüge.

Sowohl beim Vaping als auch beim Rauchen werden erhitzte Cannabinoide in die Atemwege gezogen, aber dort enden die Gemeinsamkeiten auch schon. Je nach Ihren individuellen gesundheitlichen Bedürfnissen und Ihrer Lebenssituation könnte beides ideal für Sie sein.

Die verschiedenen Möglichkeiten Cannabis zu rauchen

Woman vaping marijuana
(Darrin Harris Frisby/Drug Policy Alliance)

Cannabis kann auf verschiedenste Arten und Weisen geraucht werden. Es gibt Joints, Pfeifen, Bongs, Bowls und mehr. Das am meisten verbreitete und bekannte Medium ist wahrscheinlich die klassische Cannabis-Zigarette: der Joint.

Cannabis-Joints

Die Einfachheit der Cannabis-Zigarette macht sie so effektiv. Cannabis-Zigaretten bestehen in der Regel aus Blüten einer beliebigen Cannabis-Sorte, die in speziell gefertigtes Paper (Zigarettenpapier) gerollt werden.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation enthält ein Joint durchschnittlich 250-750 Milligramm Cannabis. In einigen Teilen der Welt wird Cannabis oft in einem Joint oder einer Zigarette mit Tabak vermischt. 

Pfeifen

Pfeifen gehören auch zu den traditionellen Konsummöglichkeiten. Sie bestehen aus drei Hauptkomponenten: einem Behälter in dem das Pflanzenmaterial liegt und entzündet wird, einem Stiel zum Halten und einem Mundstück, durch das der Cannabis-Rauch eingeatmet wird. Viele traditionelle Kulturen haben ihre eigene charakteristische Version der Pfeife. In Marokko zum Beispiel ist eine schmale Pfeife aus Ton und Hartholz namens Sebsi am häufigsten anzutreffen.

Pfeifen gibt es in allen Formen und Größen, von denen die kleinste oft umgangssprachlich als „One-Hitter“ bezeichnet wird. One-Hitter können ideal für Patienten sein, die besonders empfindlich auf Cannabis reagieren oder gerade erst damit anfangen. Denn diese kleinen Rauchgeräte enthalten oft nur ein Zehntel eines Gramms Cannabis (das sind meist 10-30 Milligramm aktive Cannabinoide).

Viele der einfacheren Pfeifen auf dem Markt werden als „Bowls“ (Schalen) bezeichnet, was sich auf den Kopfteil des Utensils bezieht, in den das Cannabis gelegt wird. Wer medizinisches Cannabis auf diese Weise konsumiert, „raucht eine Bowl“.

Bongs (Wasserpfeifen)

A couple smokes marijuana from a bong
(123rf)

Man kann sich die Bong als eine Art Upgrade der Pfeife vorstellen. Dieses Utensil verfügt über eine spezielle, mit Wasser gefüllte Kammer, durch die der Cannabis-Rauch vor dem Einatmen abgekühlt wird.

Viele Konsumenten berichten, dass aus diesem Grund die Verwendung einer Bong angenehmer sei als andere Rauchmethoden.

Bongs können auch eine abnehmbare Schale haben, die es den Benutzern ermöglicht, ihr Cannabis sofort nach dem Ziehen von der Wärmequelle zu entfernen. Unter allen Rauchgeräten könnte die Bong diejenige Methode sein, die ihrem Benutzer die meiste Kontrolle über die Temperatur gibt.

Vapen – Das Verdampfen

Vaping, oder Vapen, ist eine Methode, um Cannabis zu erhitzen, ohne es tatsächlich zu verbrennen. Die Verdampfung erfordert eine sanfte Wärme, die Cannabinoide und andere Verbindungen an die Luft abgibt und einen duftenden Dampf erzeugt, der dann eingeatmet wird. Bei diesem Prozess entsteht kein Rauch, so dass der Anwender in der Regel von Lungenreizungen verschont bleibt.

Vaporizer (Verdampfer) sind in der Regel dünne, stiftförmige Geräte. Winzige Spulen im Inneren erwärmen das Cannabis auf genau die richtige Temperatur, so dass dann ein Zug am Gerät genommen und der Dampf inhaliert werden kann.

Aus offensichtlichen Gründen ist der gesamte Prozess viel diskreter als das Rauchen. Viele Anwender empfinden das Vaping auch als viel schonender für Hals und Lunge als rauchbare Produkte.

Im Gegensatz zum Rauchen können mit einem Vaporizer verschiedenste Arten von Produkten eingesetzt werden, die über die normalen Cannabis-Blüten hinausgehen: spezielle Vape-Öle, normale Cannabis-Öle, Live-Resin-Konzentrate und mehr.

Es ist erwähnenswert, dass bestimmte Arten von Vapes (Verdampfer) besonders beliebt sind. In Kalifornien wird das meiste Cannabis in Form von Konzentraten gekauft; und der Großteil davon wird verdampft. Im vergangenen Jahr machte die im Golden State verkaufte Menge an Konzentraten 37% des gesamten Cannabis-Absatzes aus, gegenüber 33% des Umsatzes mit Cannabis-Blüten, so die Daten von BDS Analytics aus dem Jahr 2018. Von diesen 37% sind mehr als 70% Einkäufe für Vaporizer.

Auch Vapes speziell für CBD nehmen an Beliebtheit zu. In Colorado, Oregon und Washington stiegen die Verkaufszahlen allein in den ersten 10 Monaten des Jahres 2017 um 203%. Es ist wahrscheinlich, dass dieser Vaping-Trend sich mit der Zeit immer weiter ausbreiten wird.

Die Frage nach der Bioverfügbarkeit

vaping
(123rf)

Viele vorliegende Studien besagen, dass CBD im verdampften Zustand bioverfügbarer sei als bei allen anderen Konsummethoden. Das gelte auch für THC. Laut einer doppelblinden Crossover-Studie an der Johns Hopkins University „produzierte verdampftes Cannabis größere pharmakodynamische Effekte und höhere THC-Konzentrationen im Blut als gerauchtes Cannabis in den gleichen Mengen.“

Während mehr Forschung im Bereich Vaping versus Rauchen hilfreich wäre, scheint der Großteil der verfügbaren Literatur dasselbe zu sagen.

Vor- und Nachteile und was man bedenken sollte – Rauchen versus Vapen

Keine Konsummethode ist perfekt. Aber mit ein wenig Recherche und einer guten Portion Absicht ist es möglich zu entscheiden, was das Beste für Sie ist.

Rauchen: Die Vorteile

Trotz der anscheinenden gesundheitlichen Vorteile des Vaping scheint es, dass die beliebteste Methode vielerorts immer noch das Rauchen ist. Das trifft zumindest auf Kanada zu. Von allen Kanadiern, die in der ersten Jahreshälfte 2019 zum Konsum von Cannabis befragt wurden, gaben 77% an, es zu rauchen, während nur 19% angaben, einen Vaporizer benutzt zu haben.

Das Rauchen hat einfach was! Vielleicht ist es das Erlebnis mit allen Sinnen, die Wahrnehmung von Feuer, Rauch, Düften und Geräuschen, was für viele Menschen so attraktiv bleibt.

Rauchen: Die Nachteile

Die Kehrseite der Medaille: Das Rauchen von Cannabis setzt  überraschende Mengen an Karzinogenen frei. Konsumenten können Teer, Ammoniak, Benzopyren, Benzanthracen und Cyanwasserstoff ausgesetzt sein. Auch Kohlendioxid kommt vor. Und auch wenn einige Studien meinen, dass die krebshemmenden Eigenschaften von Cannabinoiden die Karzinogene, mit denen das Rauchen einhergeht, ausgleichen könnten, ist es vielleicht doch besser, auf der sicheren Seite zu sein.

Vapen: Die Vorteile

Hier ist ein praktischer Pluspunkt für das Verdampfen: Es ist diskret. Genau das hat eine Studie in der „Journal of Substance Use and Misuse“ überraschenderweise als Hauptmotiv für das Vaping identifiziert, noch vor der Praktikabilität oder dem Vaping-Erlebnis selbst.

Die meisten Menschen, die medizinisches Cannabis verdampfen, sehen es eher als eine sicherere Methode als andere Alternativen wie das Rauchen. Sie haben wahrscheinlich Recht. Bei gleichwertigen Voraussetzungen, produziert das Verdampfen eines hochwertigen Cannabis-Produkts kein Kohlendioxid oder schädliche Karzinogene, die beim Rauchen entstehen.

Dann gibt es noch den bereits erwähnten Absorptionsvorteil. Verdampftes Cannabis scheint mehr Cannabinoide in den Blutkreislauf zu bringen und stärkere Effekte zu erzielen als eine gleiche Menge an gerauchtem Material.

Vapen: Die Nachteile

Obwohl im Allgemeinen sehr sicher, ist selbst das Vaping nicht frei von Risiken. Tatsächlich können diejenigen, die Cannabis-Konzentrate verdampfen, mit größeren potenziellen Gefahren konfrontiert sein als jede andere Konsumenten-Gruppe.

Mit Stand von Ende September 2019 waren über 500 Menschen an dem erkrankt, was das „American Center for Disease Control“ (CDC) als „Lungenverletzung im Zusammenhang mit dem Gebrauch von E-Zigaretten oder Vaping“ bezeichnete. Mindestens sieben Menschen sind gestorben.

Zuständige Stellen waren nicht in der Lage, die Ursache der Krankheit zu lokalisieren und die Bundesbehörde CDC rät Verbrauchern, keine E-Zigaretten zu verwenden, bis ihre Erforschung abgeschlossen ist. Die amerikanische Arzneimittelbehörde  FDA warnt und rät dazu, sich vorerst von THC-Verdampfern fernzuhalten.

Die Botschaft ist hier klar: Seien Sie vorsichtig mit zweifelhaft hergestellten Vape-Ölen, besonders wenn Sie in einem Gebiet leben, in dem die THC-reichen Ölsorten illegal sind. Wer keinen Zugang zu hochwertigen, laborgeprüften Vape-Ölen hat, kann stattdessen Cannabis-Blüten mit einem speziellen Kräuterverdampfer rauchen. Natürlich ist es auch wichtig, auf die Qualität der eigenen Cannabis-Blüten zu achten.

Klug kaufen

(The Cannigma/Anthony Travagliante)

Was ist angesichts so drängender Qualitätsfragen zu tun?

Die beste Lösung ist offensichtlich: Kaufen Sie Ihre Produkte, die Sie rauchen oder verdampfen wollen, in seriösen Apotheken die medizinisches Cannabis vertreiben oder über vertrauenswürdige Online-Händler. Suchen Sie nach transparenten Marken, die ihre Laborergebnisse sowohl online als auch persönlich bereitstellen. Firmen, die über eine Bio-Zertifizierung, FDA-zugelassene Einrichtungen oder andere Zertifizierungen verfügen, könnten für Patienten auch interessant sein.

Wenn man nach reinen Vape-Kartuschen sucht, kann ein wenig zusätzliche Sorgfalt notwendig sein. Marken, die über ihre gesamte Lieferkette, vom Saatgut bis zum Verkauf, eigenverantwortlich verfügen, können sich voll und ganz auf die Reinheit ihrer Produkte verlassen. Marken, die interne Tests (zusätzlich zur Verifizierung durch Dritte) durchführen, können jede einzelne Charge der hergestellten Produkte leichter regulieren.

Cannabis-Blüten in hochwertiger Qualität zu erhalten ist dagegen etwas einfacher. Nicht dass Laborberichte und Pestizidanalysen hier nicht erforderlich wären (sie sind erforderlich), bloß sind Unreinheiten in Blütenmaterial exponentiell leichter zu erkennen als solche in einer Dampferkartusche.    

Vielleicht ist das beste Produkt eines, das auf Elemente aus dem Rauchen und Vaping zurückgreift: der Kräuterverdampfer (dry herb vaporizer). Die bekanntesten dieser Geräte sind Tischgeräte, aber auch tragbare Trocken-Vaporizer sind heute leicht erhältlich. Diese Geräte ermöglichen es, das Beste aus beiden Optionen herauszuholen, indem man reine Cannabis-Blüten verdampft.  Es werden keine Lösungsmittel, Öle, Füllstoffe oder Emulgatoren benötigt – nur ein medizinischer Cannabis-Konsument und die Cannabis-Sorte seiner oder ihrer Wahl.

Kommentieren