Home Condition Chronischer Schmerz

Abonnieren Sie uns

Home > Krankheiten und Cannabis > Chronischer Schmerz
728
10 min

Kann Cannabis bei chronischen Schmerzen helfen?

von Gleb Oleinik

Sep 18, 2019

Überblick

Cannabis wird seit Tausenden Jahren verwendet, um Schmerzen zu lindern. Bis heute wird es gegen chronische Schmerzen eingesetzt, die von schwer zu behandelnden Erkrankungen, wie Fibromyalgie, Krebs und Multiple Sklerose verursacht werden.

Der häufigste Grund, warum Menschen zu medizinischem Cannabis greifen sind chronische Schmerzen. Laut einer Studie von 2018 litten 61% der PatientInnen aus Deutschland, die medizinisches Cannabis verwendeten, unter chronischen Schmerzen. 

Untersuchungen ergaben, dass die schmerzlindernde Wirkung von Cannabis auf das körpereigenen Endocannabinoiden zurückzuführen ist. 

Das Endocannabinoid System

Das Endocannabinoid-System besteht aus Cannabinoid Rezeptoren, Endocannabinoiden und Enzymen, die diese bilden und aufspalten. 

Dass dieses System eine entscheidende Rolle bei der Homöostase (Aufrechterhaltung des Gleichgewichts eines Systems) spielt, wurde in den 1990er Jahren herausgefunden. Es reguliert vielzählige Schlüsselfunktionen im Körper, wie die Stimmung, den Stoffwechsel, das Lernen und Erinnern, den Schlaf, das Immunsystem und den Schmerz. 

Das Endocannabinoid-System hat zwei Rezeptoren: CB1 und CB2. CB1 ist primär im zentralen Nervensystem zu finden, während CB2 hauptsächlich in Immunzellen vorhanden ist. Diese Rezeptoren werden von Endocannabinoiden aktiviert, die der menschliche Körper herstellen kann: Anandamide und 2-AG. 

Phytocannabinoide der Cannabispflanze, wie THC und CBD wirken ebenfalls auf das Cannabinoid-System und haben dieselbe Wirkung wie Endocannabinoide. 

Das Endocannabinoid-System und chronische Schmerzen

Bei der Schmerzlinderung spielt das Endocannabinoid-System eine zentrale Rolle. Das gilt für beide vorrangigen Arten des Schmerzes: Nozizeptorenschmerz (durch äußerlichen Schaden verursacht, wie eine Verbrennung) und Nervenschmerz (verursacht durch Verletzungen an den Nerven, die folglich Schmerzsignale weiterleiten).

Studien zeigen, dass CB1 und CB2 Rezeptoren in fast alles Bereichen der Schmerzweiterleitung und –Verarbeitung beteiligt sind. Eine Kettenreaktion, die uns Schmerz fühlen lässt. 

Genauer gesagt befinden sich CB1 Rezeptoren in vielen Bereichen des peripheren und zentralen Nervensystems, die für die Schmerzverarbeitung zuständig sind. Zum Beispiel befindet sich dieser Rezeptor: 

  • in nozizeptiven Nerven, die Schmerzen wahrnehmen, die durch potenziell schädliche Reize verursacht werden
  • im Rückenmark, dass die Schmerzsignale reduziert oder verstärkt, die zum Gehirn weitergeleitet werden
  • in Teilen des Gehirns, die mit Nozizeptoren verbunden sind, wie zum Beispiel Cortex und Amygdala
  • in der frontalen-limbischen Gehirnregion, die eine Rolle bei der psychologischen und emotionalen Schmerzverarbeitung spielt

Die Wichtigkeit, die dieser Rezeptor bei der Regulation und Reduzierung darstellt, wurde in einer Studie von 2007 behandelt. Wissenschaftler entfernten den CB1 Rezeptor aus den schmerzübertragenden Neuronen von Mäusen (auch bekannt als “CB1 Knockout“). Dies führte zu einer Reduzierung der cannabinoidbedingten Analgesie (Schmerzlinderung) bei Entzündungen und neuropathischen Schmerzen. 

Bislang schien es, als würde der CB2 Rezeptor die größere Rolle bezüglich des Entzündungsschmerzes spielen. Das ist schlüssig, da eine Entzündung ein Prozess ist, der von Immunzellen kontrolliert wird. In diesen Zellen sind hauptsächlich CB2 Rezeptoren zu finden. 

Das zeigte eine Studie von 1999, als Mäusen mit Entzündungen an den Extremitäten ein Mittel gegeben wurde, dass CB2 Rezeptoren aktiviert und so Entzündungen und den damit verbundenen Schmerz lindert. Andere Studien belegen, dass CB2 Rezeptoren auch in anderen Körperregionen zu finden sind, beispielsweise in sensorischen Neuronen, die an der Weiterleitung neuropathischer Schmerzen beteiligt sind.  

Anandamide und 2-AG ist bekannt, für den schmerzlindernden Effekt zu sorgen. Forschungen demonstrieren, dass chronische Schmerzen mit einem erhöhten Vorkommen beider Cannabinoid Rezeptoren und Endocannabinoide verbunden sind. Das suggeriert, dass der Körper versucht Schmerzen zu kontrollieren, indem er das Endocannabinoid-System verstärkt. 

Zusammenfassend ist zu sagen, dass das Endocannabinoid-System eine zentrale Rolle in der Schmerzregulation spielt. Forscher gehen davon aus, dass, “cannabisbasierte Medikamente, die die Funktion von Endocannabinoiden erhöhen, eine neue therapeutische Lösung darstellen, um Beschwerden zu behandeln, die mit chronischen Schmerzen verbunden sind.”

Cannabis & Chronische Schmerzen

Chronische Schmerzen stellen eine große Belastung für betroffene Menschen dar. Während Cannabis bei einer ganzen Reihe von medizinischen Beschwerden zum Einsatz kommt, ist Schmerz das geläufigste und meist erforschte Leiden, bei dem Cannabis zu therapeutischen Zwecken eingesetzt wird. Auch wenn Studien über Cannabis aus rechtlichen Gründen sehr limitiert sind, sind Schmerzen besser erforscht als die meisten anderen Beschwerden. Unten aufgeführt sind einige der aussagekräftigsten und qualitativsten Studien bezüglich chronischer Schmerzen in Verbindung zu Krebs, Neuropathie, Multiple Sklerose, Arthritis, Fibromyalgie und Migräne.

Eine oft zitierte Studie aus dem Jahr 2008 untersuchte die Effekte von Cannabis auf neuropathische Schmerzen. Insgesamt rauchten 38 PatientInnen entweder hochpotentes oder weniger potentes Cannabis oder ein Placebo ohne Wirkung. Im Gegensatz zum Placebo-Präparat resultierten beide Cannabis-Präparate in signifikanter Schmerzlinderung.

Zusätzlich untersuchte eine Studie 2012, ob Cannabis bei Spasmen, wie etwa durch Multiple Sklerose, hilft. 38 Probanden rauchten entweder Cannabis (4% THC) oder ein Placebo. Nur die Gruppe, die echtes Cannabis rauchte, verspürte eine Verbesserung ihres Zustandes.

2006 führten britische Wissenschaftler eine Studie über die Effekte von Sativex – einem cannabisbasierten Medikament – durch, die dessen Auswirkungen auf Schmerzen in Verbindung mit rheumatoider Arthritis untersuchte. Insgesamt wurde 58 Probanden entweder Sativex oder ein Placebo verabreicht. Die Sativex-Gruppe berichtete von deutlicher Schmerzlinderung. 

Des Weiteren analysierte eine Studie aus dem Jahr 2010 die Effektivität eines Cannabis-Extrakts, das entweder nur THC oder THC und CBD enthielt, an KrebsPatientInnen mit fortgeschrittenen Schmerzen, die durch Opium-Medikation nicht verbessert werden konnten. Insgesamt wurde 177 PatientInnen entweder THC-Extrakt, THC/CBD-Extrakt oder ein Placebo verabreicht. Nur das THC/CBD-Extrakt führte zu einer signifikanten Schmerzlinderung. 43% der PatientInnen, denen das THC/CBD-Extrakt verabreicht wurde, gaben an, dass sich ihre Schmerzen um 30% oder mehr verbessert haben. Eine bemerkenswerte Erkenntnis dieser Studie ist, dass die Verbindung mehrerer Cannabinoide effektiver ist, als Präparate, die nur CBD oder THC enthalten. 

Es liegen ebenfalls Beweise vor, dass Cannabis gegen Fibromyalgie-Schmerzen Wirkung zeigt. Im Rahmen einer oft zitierten Studie aus dem Jahr 2008 wurde PatientInnen Nabilone – ein THC-basiertes Medikament – oder ein Placebo verabreicht. Die Gruppe, denen das THC-haltige Präparat verabreicht wurde, verspürte eine signifikante Verbesserung ihrer Schmerzen und Lebensqualität. 

Eine weitere Studie aus 2016 untersuchte die Wirkung von medizinischem Cannabis bei 274 Probanden mit behandlungsresistenten chronischen Schmerzen. Cannabis reduzierte nicht nur die Schmerzen, sondern auch den Bedarf von Opium-Medikamenten. Diese Studie beweist, dass Cannabis potentiell eine Alternative zu Opium darstellt, dessen Überbeanspruchung bei vielen PatientInnen in Europa und den USA verheerende Folgen hatte.

Zusätzlich untersuchte eine Studie 2016 die Effektivität von medizinischem Cannabis bei 121 Probanden mit Migräne – einer weiteren Form chronischer Schmerzen. Insgesamt berichteten 85.1% der Probanden, dass sie weniger Migräne-Anfälle pro Monat hatten (von durchschnittlich 10,4 Mal zu 4,6 Mal pro Monat).

Während diese Studien die Schmerzlinderung bei spezifischen chronischen Schmerzen thematisieren, sind andere Studien noch aussagekräftiger, da diese alle Beweise bezüglich der Wirkung von medizinischem Cannabis zusammenfassen und einen guten Überblick über den wissenschaftlichen Konsens in diesem Thema schaffen. 

Einer dieser systematischen Überblicke behandelte 28 klinische Studien über die Verwendung von Cannabinoiden bei PatientInnen mit chronischen Schmerzen, einschließlich Schmerzen durch Krebs, Neuropathie, Fibromyalgie, Multiple Sklerose und rheumatoider Arthritis. Die Studie fasste zusammen: „Es existierst profunder Beweis, dass Cannabinoide effektiv in der Behandlung chronischer Schmerzen sind.“ 

Nebenwirkungen

Auch wenn medizinisches Cannabis eine hocheffektive Option im Kampf gegen chronische Schmerzen ist – insbesondere, wenn herkömmliche Medikamente keine Wirkung zeigen – gibt es auch unerwünschte Wirkungen.  

Bekannt ist, dass Cannabis psychoaktive Effekte hat, zu denen die Beeinträchtigung des Gedächtnisses, Angstzustände und Euphorie zählen. Bei manchen Personen kann Cannabis auch Psychosen auslösen. Wichtig ist, dass diese Effekte auf den Wirkstoff THC zurückzuführen sind, was bedeutet, dass CBD-reiche Produkte wie CBD-Öl nicht berauschend wirken und genannte Nebenwirkungen hier nicht zutreffen. 

Zusätzlich können cannabisbasierte Produkte Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit, trockenen Mund und starken Appetit mit sich bringen. Zusammenfassend sind die genannten Nebenwirkungen eher gering, was Cannabis zu einer bemerkenswert sicheren Substanz macht, insbesondere verglichen mit pharmazeutischen Medikamenten.

Beispielsweise sind Opiate, die oft gegen chronische Schmerzen eingesetzt werden, bekannt für das hohe Suchtpotential und starke Entzugserscheinungen. 

Falls Sie überlegen Cannabis oder andere Medikamente gegen chronische Schmerzen einzusetzen, sollten Sie vorher einen Arzt oder eine Ärtzin kontaktieren und sich beraten lassen. 

Legaler Konsum

Überzeugende Forschungsberichte über die Vorzüge der Behandlung von chronischen Schmerzen mit Cannabis resultierten darin, dass einige Länder den Gebrauch von Cannabis für Menschen mit chronischen Schmerzen legalisierten. Zu diesen Ländern gehören unter anderem Deutschland, Kanada und Niederlande. Auch in Amerika ist medizinisches Cannabis für PatientInnen mit chronischen Schmerzen in 29 Staaten erhältlich.

Ein Beispiel für den weniger liberalen Umgang mit Cannabis stellt Großbritannien dar. Hier ist das Programm für medizinisches Cannabis stark limitiert und erlaubt nur das cannabisbasierte Präparat Sativex, das gegen Spasmen bei MS-PatientInnen eingesetzt wird.  

Zusammenfassung

Cannabis wird schon seit Jahrtausenden gegen chronische Schmerzen verwendet. Heute wissen wir dank moderner Studien, dass die schmerzhemmende Wirkung von Cannabis auf das Endocannabinoid-System zurückzuführen ist. 

Wichtiger ist, dass heute klinische Beweise vorliegen, dass Cannabis bei alle Arten von chronischen Schmerzen hilft, wie zum Beispiel Krebs, Neuropathie, Fibromyalgie, Multiple Sklerose, Arthritis und Migräne.

Bei vielen dieser Krankheiten zeigen herkömmliche Medikamente wenig bis keine Wirkung, während sie verheerende Nebenwirkungen mit sich bringen. Cannabis hat weitaus schwächere Nebenwirkungen, als die meisten verschreibungspflichtigen Medikamente. So stellt sich nicht die Frage, ob Cannabis gegen chronische Schmerzen hilft oder nicht, sondern wie wir es noch effektiver machen können.

Haftungsausschluss

Inhalte auf The Cannigma dienen nur zu Informationszwecken. Sie sind kein Ersatz für professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Vor Beginn einer Behandlung mit Cannabis sollten Sie sich immer von einem Arzt mit Erfahrung mit medizinischem Cannabis beraten lassen.

Über chronische Schmerzen

Überblick

Allein in Europa leiden rund 100 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen. Allein in Deutschland sind ungefähr 3,25 Millionen Menschen betroffen.

Während akuter Schmerz meist nicht länger als Sekunden, Minuten oder Stunden anhält, ist chronischer Schmerz ein Zustand, der über eine lange Zeitspanne anhält. Das Resultat ist eine große Einschränkung der alltäglichen Lebensqualität in beinahe jeder Hinsicht. 

Oft sind chronische Schmerzen verbunden mit anhaltenden Krankheiten wie Arthritis oder Fibromyalgie-Syndrom. In manchen Fällen können sie sich aber auch nach Verletzungen oder anderen gesundheitlichen Problemen entwickeln. Chronischer Schmerz kann plötzlich kommen, oder sich über längere Zeit entwickeln. In praktisch jedem Körperteil können chronische Schmerzen auftreten. 

Es ist wichtig anzumerken, dass chronischer Schmerz echt ist und erhebliches Leiden mit sich bringt. Während andere diesen Schmerz nicht ‚sehen’ können, kann er allgegenwärtig sein und sollte nicht als etwas abgetan werden, das ‚nur im Kopf’ passiert.

Symptome

Das Hauptsymptom für chronische Schmerzen ist anhaltender Schmerz, der über drei bis sechs Monate oder länger anhält. Wenn die Ursache des Schmerzes unklar ist, wird von einem Chronischen-Schmerzsyndrom gesprochen.

Chronisches-Schmerzsyndrom kann gemeinsam mit weiteren Symptomen auftreten, genauso wie der unerklärte Schmerz. Mögliche Symptome sind:

  • Angstzustände und Depression aufgrund der Angst vor Schmerz und dessen Konsequenzen
  • Schlaflosigkeit, da der Schmerz Betroffene oft wachhält
  • Stress und Ablenkung 
  • Schuldgefühle, wegen unerklärbarem Schmerz, der die Lebensqualität immens einschränkt
  • Weniger Interesse an Sex

In welchen Fällen Sie einen Arzt kontaktieren sollten

Falls Ihre Schmerzen für 12 Wochen oder mehr anhalten, Sie keinen erkennbaren Grund für die Schmerzen finden und Sie sich nicht bessern, sollten Sie sich definitiv von einem Arzt beraten lassen. Ihr Arzt kann  Ihnen helfen, die Ursache der Schmerzen festzustellen und eine Lösung zu suchen, als auch dringend benötigte Schmerzmittel und andere Medikamente gegen chronische Schmerzen zur Verfügung stellen.

Diagnose

Ein Arzt wird eine Auswertung Ihrer Schmerzen vornehmen, welche oft mit Ihrer medizinischen Vorgeschichte und einer ausführlichen medizinischen Untersuchung beginnen wird, wobei festgestellt werden soll woher Ihre Schmerzen kommen. Zusätzlich werden Bluttests zur Evaluierung angeordnet. In den meisten Fällen wird eine spezifische Schmerzursache gefunden. Manchmal ist das nicht der Fall, wie bei Krankheiten wie dem Chronischen-Schmerzsyndrom, dem Fibromyalgie- und Reizdarm-Syndrom als auch anderen potentiell beeinträchtigenden Schmerzzuständen.

Ursachen

WissenschaftlerInnen sind sich über die Ursachen chronischer Schmerzen noch unsicher. Es ist möglich, dass es eine „angelernte Reaktion“ ist, was bedeutet, dass der Schmerz ursprünglich durch bestimmte körperliche Probleme aufgetreten ist, Ihr Gehirn nach der Heilung aber nicht aufhört Schmerzsignale zu senden. Ein weiterer Ansatz ist, dass Personen, die unter dem Chronischen-Schmerzsyndrom leiden andere neuronale Reaktionen auf Stress zeigen als normal, die zu Schmerzempfinden führen.

Es gibt bestimmte Fälle und Zustände, die chronische Schmerzen hervorrufen können. Dazu zählen:

  • Verhärtete/verstauchte Muskeln, sowie gebrochene Knochen, die auch nach der Heilung Schmerzen verursachen
  • Kopf- und Rückenschmerzen
  • Arthritis
  • Fibromyalgie-Syndrom
  • Ansteckende Krankheiten wie Lymeborreliose und Herpes
  • Krebs
  • Geschädigte Nerven
  • Reizdarmsyndrom sowie Entzündungen im Magen-Darm-Trakt
  • Sodbrennen und Magengeschwüre
  • Endometriose

Frauen erkranken statistisch häufiger am Chronischen-Schmerzsyndrom als Männer. Ebenso tritt diese Krankheit oft in Verbindung mit psychischen Krankheiten wie Angstzuständen und Depression auf. Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden, leiden oft auch unter Schlafstörungen als auch anderen chronischen Krankheiten wie Diabetes, Hypertonie, Herz-Erkrankungen, sowie zerebrovaskulären Krankheiten.

Behandlung

Aufgrund der einschränkenden Symptome chronischer Schmerzen und der verminderten Lebensqualität, die damit einhergeht, ist es von höchster Dringlichkeit eine geeignete Behandlungsmöglichkeit zu finden. Es ist sehr schwer chronische Schmerzen vollständig zu heilen, dennoch können sie behandelt werden. Eine ‚perfekte Behandlung’ gibt es nicht. Welche Techniken und Therapien am effektivsten sind, variiert von Person zu Person. Mehrere unterschiedliche Therapien zu kombinieren, funktioniert für viele am besten. Die Behandlungsmaßnahmen sollten individuell auf den spezifischen Typus Schmerz angepasst werden. Viele Patienten probieren viele unterschiedliche Therapien aus bevor sie einen Weg finden, der ihnen mit ihren Schmerzen umzugehen hilft. Einige Medikamente haben Nebenwirkungen, die für manche inakzeptabel oder schmerzhaft sein können. Das Ziel solcher Behandlungen ist nicht zwingend die Schmerzbefreiung, als eher die Verbesserung der Lebensqualität.

Medikation

Viele betroffene Personen beginnen mit Schmerzmitteln, was aber nicht immer die ideale Lösung ist. Es besteht das Risiko, dass Sie abhängig von Ihren Schmerzmitteln werden, was Sie zu höher dosierten, abhängigen Mitteln führen kann. Des Weiteren bekämpfen herkömmliche Schmerzmittel nicht die eigentliche Schmerzursache von chronischen Schmerzen.

Manchmal helfen Antidepressiva, krampflösende Mittel und Muskelrelaxanzien besser chronische Schmerzen zu kontrollieren als Schmerzmittel.

  • Antidepressiva können den Ausstoß von Neurotransmittern wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin vergrößern, was helfen kann, den Schmerz zu regulieren und die Stimmung zu verbessern. Es gibt unterschiedliche Antidepressiva, zu denen SSRI (Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer), SNRI (Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer) und trizyklische Antidepressiva zählen. SNRI und trizyklische Antidepressive werden meistens zur Schmerzbehandlung eingesetzt. Als Nebenwirkungen werden Schlaflosigkeit, Gewichtszunahme und Übelkeit genannt.
  • Krampflösende Mittel (Antikonvulsiva) werden oft bei Epilepsie und Bipolarer-Störung eingesetzt, können aber auch bei chronischen Schmerzen zum Einsatz kommen. Sie blockieren die Übermittlung von Reizen im Nervensystem und können so u.a. Schmerzen reduzieren. Die Nebenwirkungen von Epilepsie-Medikamenten können Schläfrigkeit, Ungeschicklichkeit und Übelkeit sein. Medikamente wie diese können auch Auswirkungen auf Ihre Emotionen haben und schaden Ihrer Konzentrationsfähigkeit.
  • Medikamente gegen Angstzustände. Auch wenn Mittel wie diese nicht direkt schmerzhemmend wirken, können diese Ihnen helfen mit dem Schmerz umzugehen und Ihnen zu mehr Entspannung und einem besseren Schlaf verhelfen. Mögliche Nebenwirkungen können Schlaflosigkeit, Ruhelosigkeit, Übelkeit und Kopfschmerzen sein.
  • Muskelrelaxanzien helfen verhärtete Muskeln zu entspannen, die Spasmen und Muskelschmerz verursachen, können aber auch Verwirrtheit, Kopfschmerzen und Depressionen auslösen.

Training 

Auch wenn Bewegung und Training mit chronischen Schmerzen zum Albtraum werden kann und mehr Schmerz verursachen kann, ist es faktisch das beste was Sie tun können, um gegen die chronischen Schmerzen anzukämpfen. Beim Trainieren schüttet der Körper Endorphin aus, welches als körpereigener Stoff Schmerzen lindert und Ihre Stimmung verbessert, während Bettruhe und Bewegungslosigkeit Ihren Körper noch schwächer macht und in stärkeren Schmerzen resultiert. Training reduziert zusätzlich Stress, welcher eine große Rolle bei chronischen Schmerzen spielt. Neben den genannten Punkten verbessert Training Ihren Schlaf und führt zur Ausschüttung derselben Neurotransmitter wie Antidepressiva.

Yoga kann insbesondere hilfreich sein, da es durch Dehnung die Muskeln stärkt und die Balance zwischen Kopf und Körper fördert, welche im Kampf gegen chronische Schmerzen ebenfalls eine große Rolle spielt.

Physiotherapie und Massagen können helfen verhärtete Muskeln zu entspannen und dadurch Spasmen zu reduzieren. Krafttraining stärkt die Muskelkraft, was Ihren Muskeln hilft sich zu dehnen und zu entspannen, was Schmerzen durch Arthritis oder Rückenschmerzen mindern kann. 

Alternative Therapiemöglichkeiten

Es existiert eine ganze Reihe alternative Therapiemöglichkeiten, die bei chronische Schmerzen Wirkung zeigen können. Dazu zählen:

    • TENS-Therapie. Ein TENS-Gerät sendet kleine Stromstöße durch Ihren Körper, um Schmerzreize zu unterbinden. Geräte wie diese sind online und in Geschäften günstig zu erwerben.
    • Akkupunktur kann Ihren Schwellenwert für Schmerzreize erhöhen, was Ihnen helfen kann Muskeln zu entspannen und die Ausschüttung von schmerzlindernden Neurotransmittern anregt.  
    • Atemübungen helfen Ihren Muskeln sich zu entspannen, Endorphine auszuschütten und Muskelkrämpfe zu lösen.  
    • Meditation verhilft vielen Menschen zur Entspannung und Stressbefreiung, was wichtig ist, da Stress die Anspannung Ihrer Muskeln erhöht und auf diese Weise Schmerz verursacht.
    • Biofeedback ist eine Art zu lernen, wie man unwillkürliche Körperfunktionen wie Herzschlag und Schmerzreize kontrollieren kann. Bei dieser Methode, werden Sie an einen Computer mit Körpersensoren angeschlossen, der Ihnen helfen soll Ihre Muskeln zu entspannen, Anspannung zu lösen und Schmerz zu reduzieren.
    • Aufmerksamkeit. Mehrere Studien belegten, dass Aufmerksamkeits-Übungen chronische Schmerzen mindern und Schlaf sowie Stimmung verbessern können.  

 

 

Diät 

Viele Menschen empfinden bestimmte Lebensmittel als schmerzverstärkend, während sie andere Vitamine, Nahrungsergänzungsmittel und Gerichte als schmerzhemmend wahrnehmen. Rotwein und Käse sind häufig Auslöser von Migräne und starken Kopfschmerzen. Möglicherweise müssen Sie Protokoll über aufgenommene Lebensmittel führen, um Verbindungen zwischen Ihren Symptomen und Ihren Nahrungsmitteln zu erkennen.  

Nahrungsergänzungsmittel und natürliche Heilmittel

Auch wenn kein wissenschaftlicher Beweis existiert, berichten einige Menschen, dass bestimmte natürliche Heilmittel und Ergänzungsmittel Ihre Schmerzen lindern. Die populärsten Produkte sind:

  • CBD-Öle und -Nahrungsmittel, die Cannabisextrakte enthalten, welche entspannend und stressbefreiend wirken, was es einfacher macht mit Schmerz umzugehen. CBD macht wirkt nicht berauschend und macht nicht abhängig.
  • Omega-3 und Omega-6 können besonders hilfreich bei Gelenkschmerzen (z.B. Arthritis) sein. 
  • Glucosamin hilft bei chronischen Gelenk- und Muskelschmerzen.
  • Chondroitinsulfat ist ein Stoff, der natürlich in Knorpeln und Gelenken vorkommt. Oft hilft es bei chronischen Schmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen als auch Osteoarthritis.

Komplikationen

Chronische Schmerzen sind eine große Last für betroffene Personen. Teilweise verschreiben Ärzte Opium-Medikationen gegen chronische Schmerzen, welche schädlich und suchterzeugend sind, als auch zu Missbrauch führen können. 

Aufgrund chronischer Schmerzen können betroffene Menschen nicht diejenigen Ehemänner/Ehefrauen, Mütter/Töchter, Väter/Söhne, Mitarbeiter*innen und Freund*innen sein, die sie gerne sein würden. Chronische Schmerzen haben Auswirkungen auf Stimmung und Schlaf und dazu können andere gefährliche chronische Erkrankungen folgen.

Leave a comment

By clicking "Post Comment" you agree to our Privacy Policy and to joining The Cannigma mailing list.

Condition Index A-Z