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Von Ma zu CBD: Die Geschichte des medizinischen Cannabis

Von Ma zu CBD: Die Geschichte des medizinischen Cannabis

Cannabis bhang

Wenn Sie jemals in einem Cannabismuseum waren, wie z.B. das in Amsterdam oder  Las Vegas, dann sind Sie wahrscheinlich nach dem Besuch noch verwirrter als zuvor. Tatsache ist, dass die Geschichte von Cannabis kompliziert und verwirrend ist. Es gibt mehrere Gattungen der Cannabispflanze, die in verschiedenen Epochen und an verschiedenen Orten unterschiedlich eingesetzt wurde, hinzu kommen noch kulturelle Unterschiede und Politik, die das Chaos perfekt machen. 

Aber lassen wir die Kontroverse für eine Minute beiseite. Hier soll es um medizinisches Cannabis gehen, d.h. über die Verwendung von Cannabis für medizinische Zwecke. Ein solcher Gebrauch ist heute in vielen Ländern legal und Menschen verwenden Cannabis seit der Antike zu medizinischen Zwecken. Cannabis hat viele Befürworter in der Wissenschaft, z.B. für den Einsatz bei chronischen Schmerzen und anderer Erkrankungen, zu denen wir später kommen sollen. Im folgenden geht es um medizinisches Cannabis und warum wir es „medizinisch“ nennen.

[1] Foto von Matteo Paganelli auf Unsplash

Was ist medizinisches Cannabis?

Medizinisches Cannabis ist Cannabis oder auch Cannabinoide, die chemischen Bestandteile der Cannabispflanze, die wegen ihrer therapeutischen Eigenschaften verwendet werden (im Gegensatz zum Freizeitgebrauch, bei dem sie wegen ihrer psychoaktiven und berauschenden Wirkung verwendet werden). Damit Cannabis als „medizinisch“ angesehen werden kann, muss es von Ärzten verschrieben werden. Somit ist medizinisches Cannabis legal. In den Ländern, in denen Cannabis auf diese Weise legalisiert wurde, benötigen die verschreibenden Ärzte meist eine Genehmigung. Cannabis kann in vielen Ländern verschrieben werden, darunter Kanada, Deutschland, Australien, Thailand, Israel, Italien und Dutzende von US-Bundesstaaten.

Hier gilt es zu erwähnen, dass man in vielen Ländern auch Cannabidiol (CBD), eine spezifische Komponente der Cannabispflanze, ohne Rezept kaufen kann. CBD wird aus Hanf gewonnen, einer Cannabisgattung, die wenig bis gar kein Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) enthält. THC ist ein weiterer Bestandteil von Cannabis, das für seine berauschenden bzw. psychoaktiven Eigenschaften bekannt ist. CBD allein wirkt weder berauschend noch macht es abhängig und ist als entzündungshemmend bekannt. Daher verwenden es viele bei chronischen Schmerzen oder einfach nur, um die allgemeine Gesundheit zu erhalten.

Bevor die Welt jedoch wusste, wie man CBD aus Cannabis extrahiert, war die Verwendung der Pflanze als Ganzes die einzige Möglichkeit, um es zu konsumieren. Wie dem auch sei, die erste dokumentierte Verwendung von Cannabis war nicht rein medizinischer Natur.

Das alte China

Cannabis war im alten China als „Ma“ bekannt, z.B. als Nahrungsmittel Verarbeitungsprodukt und als Medizin. Hanf war besonders beliebt, da es bei der Herstellung von Papier und Kleidung benutzt wurde. Da sich Hanf auch als robust und langlebig erwies, wurde es im Militär zur Herstellung von Bogensehnen für die Bogenschützen verwendet.

Um 2700 v. Chr. riet Kaiser Shen Nung, zu Cannabis als Behandlung für mehr als 100 Krankheiten, darunter Rheuma und Malaria. Der Kaiser gilt als Vater der chinesischen Medizin und soll die Grundlagen für Pen Ts’ao Ching, das älteste Arzneibuch der Welt, gelegt haben.

Der erste Mediziner, der mit Cannabis als Anästhetikum experimentierte, war der Gründer der chinesischen Chirurgie, Hua T’o. Um das zweite Jahrhundert n. Chr. kombinierte er Cannabisharz mit Wein und nannte es ma-yo. Er berichtete, dass das Betäubungsmittel die Schmerzen der Patienten bei schmerzhaften Eingriffen in Brust- und Lendengegend reduziert.

Cannabis in der ayurvedischen Tradition

Cannabis war und ist in Indien weit verbreitet, es wird in spezielle Getränke gemischt, die die Einheimischen sowohl zum Genuss als auch zu medizinischen Zwecken konsumieren. Eines der beliebtesten Getränke ist Bhang, eine Mischung aus Cannabispaste (aus Blättern und Knospen) mit Milch, Ghee und natürlich dürfen indische Gewürze nicht fehlen.

Im heiligen Buch Atharvaveda („Wissenschaft der Reize“) wird Bhang als eines der „fünf Königreiche der Kräuter…. die uns alle von der Angst befreien“ (2000-1400 v. Chr.) bezeichnet. Alte indische Schriftsteller beschrieben es später als „Geisteskräfte“, da es „den Schleier entfernt“ und die Menschen glücklich macht. Bhang wurde auch als Heilmittel gegen Fieber, Ruhr und Sonnenstich eingesetzt.

Medizinisches Cannabis im alten Ägypten

Nachfolgend wurden Spuren in Mumien gefunden, mehrere Studien deuten darauf hin, dass Cannabis und Substanzen wie Kokain und Nikotin von den alten Ägyptern der Pharaonenzeit verwendet wurden. Diese Ergebnisse wurden jedoch heftig diskutiert.

Um 1550 v. Chr. findet im altägyptische Ebers-Papyrus medizinisches Cannabis als Mittel zur Behandlung von Entzündungen Erwähnung. Einige Experten sagen, dass die Pflanze immer noch in alten Texten auftaucht und dass SmSmt das altägyptische Wort für Cannabis ist. Andere Experten argumentieren, dass dieses Wort “Vermutung” bedeutet. 

Medizinisches Cannabis in der griechisch-römischen Geschichte

Die alten Griechen hatten das Unglück, geografisch in einer Region zu leben, in der die einzige verfügbare Cannabisgattung die Sativa war und diese scheint nur einen Bruchteil der medizinischen Wirkstoffe zu enthalten, die in Cannabis enthalten sind. Das bedeutet, dass sie wenig Gelegenheit hatten, sich aus erster Hand über die medizinischen Eigenschaften zu informieren.

Die alten Griechen benutzten Cannabis jedoch gelegentlich für medizinische Zwecke. Cannabis wurde verwendet, um Wunden an ihren Pferden zu behandeln, während beim Menschen getrocknete Cannabisblätter zur Behandlung von Nasenbluten verwendet wurden. Darüber hinaus wurden Cannabissamen verwendet, um Bandwürmer auszutreiben und es wird erwähnt, dass man sie zur Herstellung eines warmen Extrakts verwendete, der zur Behandlung Ohrenentzündungen eingesetzt wurde.

Der Beitrag von William O’Shaughnessy

William O’Shaughnessy, geboren 1809, war ein irischer Arzt, der durch seine Arbeit in der Pharmakologie und Chemie bekannt wurde. Seine Forschung führte den therapeutischen Einsatz von Cannabis sativa in die moderne Medizin ein.

O’Shaughnessy war ein Mitarbeiter der British East India Company, der die Vorteile von medizinischem Cannabis für die Behandlung von Rheuma und Übelkeit in England und Amerika anpries. Seine erste Arbeit über Cannabis wurde veröffentlicht, als er Mitglied der Medical and Physical Society of Calcutta wurde.

O’Shaughnessy empfahl Cannabis für eine Vielzahl von therapeutischen Zwecken und festigte seinen Ruf, indem er Cannabis erfolgreich einsetzte, um die Schmerzen bei Rheuma Patienten, sowie bei unerklärlichen Krämpfen eines Säuglings linderte. Später nutzte er das Harz, um die starken Muskelkrämpfe von Tetanus und Tollwut zu unterdrücken.

Die frühe Geschichte des medizinischen Cannabis in Frankreich

Während O’Shaughnessy Cannabis für England wieder einführte, tat der Psychiater Jacques-Joseph Moreau dasselbe für Frankreich. Seine Arbeit war die Erste, welche die Auswirkungen von Medikamenten auf das zentrale Nervensystem systematisch dokumentierte. Er beobachtete auch die Reaktionen der Menschen auf Hashish, den Namen, dem den Cannabisharz im Nahen Osten gegeben wurde, einschließlich seiner eigenen Reaktion auf das Harz.

Seine Studien von 1845 über Haschisch besagen, dass die psychoaktiven Effekte der Substanz psychische Erkrankungen entweder behandeln oder erneut in Erscheinung treten lassen können, um Patienten zu heilen. Die Art und Weise, wie er sowohl körperliche als auch geistige Reaktionen sorgfältig aufzeichnete, führte schließlich zur modernen Psychopharmakologie und zum Konzept der psychotomimetischen Arzneimittelbehandlung.

Im 19 Jahrhundert war der Club des Hashischins der berühmteste europäische Literaturclub,[O7] ein Pariser Club, der aus literarischen Mitgliedern wie Victor Hugo, Alexander Dumas, Honoré de Balzac und Charles Baudelaire bestand. Letzterer schrieb 1860 Die Paradiese der Wissenschaften, in dem er den persönlichen Einfluss von Opium und Haschisch beschrieb.

Die moderne Geschichte des medizinischen Cannabis in den USA

In Amerika wuchs im späten 18. Jahrhundert das Interesse an Cannabis, nachdem einige medizinische Journalisten vorgeschlagen hatten, dass Hanfsamen und -wurzeln bei der Behandlung vieler Gesundheitsprobleme, einschließlich Hautentzündungen, helfen könnten. Diese wurden unterstützt von Dr. William O’Shaughnessy’s Ergebnisse in der Behandlung verschiedener Erkrankungen in den Vereinigten Staaten und England.

Da keines der Medikamente zu diesem Zeitpunkt ordnungsgemäß reguliert war, wurden einige Menschen süchtig nach Heroin, Opium und Morphium. Die US Food and Drug Administration (FDA) wurde 1906 gegründet, um eine weitere Krise durch die Regulierung der Verwendung von Opium und Morphium zu verhindern.

Cannabis wurde zu Marihuana, als Einwanderer aus Mexiko (das Wort „Marihuana“ stammt aus Mexiko als „Mary-Juana“, oder „Mary Jane“ auf Spanisch) die Freizeitnutzung der Pflanze populär machten. Dies verband die Droge mit der unteren sozialen Schicht und bis 1914 war der Drogenkonsum offiziell als Verbrechen deklariert. Bis 1970 wurde Marihuana als ein Medikament der Liste I kategorisiert und somit als ein Medikament ohne akzeptierten medizinischen Nutzen aufgeführt. Ein Versuch, Cannabis als Medikament zu deklarieren, wurde von Präsident Nixon selbst widerrufen. 

Weitere Bemühungen, bei der DEA eine Petition für eine Neuplanung einzureichen oder ein Gesetz im Kongress (1981) zu verabschieden, waren ebenfalls erfolglos. Die Bundesregierung begann 1978 im Rahmen des Compassionate Investigational New Drug Program mit der Bereitstellung des Medikaments für eine begrenzte Anzahl von Patienten mit schweren oder lebensbedrohlichen Bedingungen. Das Programm wurde jedoch 1992 für neue Patienten aufgrund einer Flut von neuen Anwendungen für AIDS-Patienten geschlossen. Ein weiterer möglicher Grund waren Bedenken in der Bush-Administration, dass das Programm die Bemühungen zur Verhinderung des illegalen Drogenkonsums unterbrach. 

Die kalifornischen Wähler genehmigten 1996 einen Vorschlag zur Legalisierung des medizinischen Cannabiskonsums, was die Clinton-Regierung dazu veranlasste, ihre entschiedene Ablehnung von medizinischem Cannabis zu bekräftigen. Die Bemühungen um die Durchsetzung des Bundesgesetzes über den Konsum von Cannabis, die in den acht Jahren der Bush-Administration und einer harten föderalen Vorgehensweise eskalierte, wurden zur Kenntnis genommen, als Präsident Barack Obama in das Amt trat. Zuerst schien es, dass Obama es jedem Staat ermöglichen würde, seine eigene Politik für medizinisches Cannabis festzulegen, verlautbarend „Ich werde nicht die Ressourcen des Justizministeriums benutzen, um zu versuchen, die staatlichen Gesetze in dieser Angelegenheit zu umgehen.“ Während seiner ersten zwei Jahre im Amt stieg jedoch die Zahl der Überfälle auf medizinische Cannabisanbieter durch die Regierung, im Vergleich zur Bush-Administration. 

Im April 2015, nach einigen aktuellen medizinischen Untersuchungen, legalisierten 23 US-Bundesstaaten medizinisches Cannabis. Die Legalisierung gilt nur für bestimmte Altersgruppen und Bedingungen, wie z.B. Kinder mit Epilepsie oder krebskranke Erwachsene, die Cannabis zur Linderung der Nebenwirkungen einer Chemotherapie verwenden. Einige Staaten erlauben auch den Einsatz bei Patienten mit Parkinson, Multipler Sklerose und Morbus Crohn. 

Am 25. Juni 2018 gab die FDA bekannt, dass sie ihre allererste Zulassung eines aus Cannabis gewonnenen Arzneimittels namens Epidiolex genehmigen, das zur Behandlung von Anfällen verwendet wird, die durch zwei schwere Formen der Epilepsie verursacht werden, die normalerweise in der frühen Kindheit oder im Säuglingsalter auftreten. 

[4] Foto von Tbel Abuseridze auf Unsplash

Amerikaner können CBD-Produkte rezeptfrei auch online, sowie in Cannabisspezifischen Apotheken kaufen. Viele Länder ermöglichen dies und die FDA erwähnte im Mai 2019, dass sie bereit zur Berücksichtigung der Klassifizierung von CBD als Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln ist. Es ist erwähnenswert, dass CBD nach der DEA (Drogenvollzugsbehörde USA)  immer noch als kontrollierter Stoff der Liste I gilt.

Roger Adams‘ Cannabisforschung

Ein weiterer Forscher, der zur Erforschung von Cannabis beitrug, war der amerikanische Chemiker Roger Adams. Während seiner Arbeit am Noyes Laboratory an der University of Illinois identifizierten und isolierten Adams und seine 250 Schüler CBD aus Cannabis und zeigten, wie es mit CBN und THC zusammenhängt. Sie synthetisierten auch CBN- und THC-Analoga, also ihre chemischen Strukturen.

Chemische-Struktur-von-THC
[5] Chemische Struktur von THC. Bild von erzebet prikel von Pixabay

Das Problem war, dass Adams seine Forschung am Anfang des 20 Jahrhunderts durchführte, während die Pflanze durch den Erlass des Marijuana Tax Act von 1937 verboten worden war. Für Proben von Cannabis musste Adams einen roten Ölextrakt der Pflanze vom Finanzministerium der Vereinigten Staaten beschaffen, was ihn seine Sicherheitsfreigabe vom Büro für Marineinformation kostete.

Raphael Mechoulams Forschung und Entdeckung

Nachdem CBD und THC in der Zeit von Adams isoliert wurden, blieb nur noch die Isolierung von Cannabinoiden in ihrer reinen Form. Dies wurde dank fortschrittlicher Technologie und des israelischen Medizinalchemie-Professors Raphael Mechoulam im Jahr 1964 zusammen mit seinem Kollegen Y. Gaoni erreicht. Mechulam ist bekannt für die Isolierung, Strukturaufklärung und Gesamtsynthese von THC.

Eine weitere Studie von Mechulam führte ihn zur Isolierung des zuerst beschriebenen Endocannabinoid-Anandamids und zwei seiner postdoktoralen Forscher isolierten und charakterisierten das Anandamid später.

Die Geschichte von Cannabis ist nicht zu Ende 

Die Verwendung von Cannabis für medizinische Zwecke geht auf die Antike in Ägypten, China und Griechenland zurück. Seine Qualitäten wurden von den Forschern William O’Shaughnessy, Jacques-Joseph Moreau und Roger Adams wiederentdeckt, die es sorgfältig erforschten, bevor sie seine medizinischen Eigenschaften in der westlichen Welt bekannt machten. Nachdem Studien zeigten das es für Patienten mit Epilepsie und anderen Erkrankungen von Vorteil sein kann, ist Cannabis in vielen Ländern zur medizinischen Verwendung zugelassen. 

Obwohl noch viel zu erforschen ist, werden sich immer mehr Länder der Vorteile von Cannabis bei der Behandlung anderer Krankheiten bewusst.

Deshalb versuchen die Länder, sie so zu regeln, dass sie den Menschen helfen, ihre Lebensqualität zu verbessern. 
Nur weil Cannabis medizinische Eigenschaften hat, bedeutet das nicht unbedingt, dass Sie es selbst verwenden sollten. Cannabis, oder sogar CBD speziell, sind Substanzen, die mit Vorsicht, in moderaten Dosen und unter ärztlicher Aufsicht verwendet werden sollten. Wenn Sie glauben, dass Sie eine Krankheit haben, die mit Cannabis behandelt werden kann, beginnen Sie damit, den rechtlichen Status von medizinischem Cannabis in Ihrem Land herauszufinden. Konsultieren Sie danach Ihren Arzt, ob Sie mit der Substanz verschrieben werden sollten oder nicht.

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