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Sep 15, 2019 5 min lesen

Ein Leitfaden Für Medizinisches Cannabis

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von Daniel Cohen
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Medizinisches Cannabis ist ein komplexes Themengebiet. Noch nie gab es so viel Wirbel und Forschung um ein Thema, das gewissermaßen als Tabu gilt. Um diese neue Art von Medizin zu verstehen, gibt es vorher einige Begriffe und Konzepte, die geklärt werden sollten. Medizinisches Cannabis wird benutzt, um chronische Schmerzen zu lindern, es kann Depressionen und Angstzustände verringern und ist äußerst hilfreich beim Behandeln von posttraumatischen Belastungsstörungen. Unabhängig davon, ob Sie medizinisches Cannabis bereits verschrieben bekommen haben oder nur Ihre Optionen kennenlernen möchten, wird Ihnen dieser Artikel relevante Informationen rund um medizinisches Cannabis liefern. Mehr Informationen erhalten Sie, wenn Sie auf ein Thema klicken, das Sie besonders interessiert. 

Was ist medizinisches Cannabis?

Medizinisches Cannabis ist ganz normales Cannabis, das benutzt wird, um eine Reihe an Erkrankungen und Beschwerden zu behandeln. Im Gegensatz zu illegalem Cannabis unterliegt medizinisches Cannabis strengen Vorschriften, die von Land zu Land und sogar von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind. Die Grundvoraussetzung, um Cannabis als “medizinisch” zu kennzeichnen, ist die Verschreibung durch einen lizenzierten Mediziner. Weltweit legalisieren immer mehr Länder medizinisches Cannabis, darunter befinden sich Kanada, Deutschland, Israel, Australien, Thailand, Italien und 33 der US-Bundesstaaten.

Medizinisches Cannabis in der Moderne

Lange Zeit war Cannabis als Medizin und Freizeitdroge in Deutschland gesellschaftlich akzeptiert. In vielen Kulturen war der Gebrauch weit verbreitet. Das Verbot von Cannabis ist demnach ein relativ neues Konzept. Im Jahr 1872 gab es in Deutschland zum ersten Mal Regulierungen zum Verkauf von Cannabis. Seitdem hatten nur noch Apotheken das Recht Cannabis zu vertreiben. Das änderte sich 1925 nach der Genfer Opiumkonferenz jedoch. Die Teilnehmer der Konferenz stellten die Forderung Cannabis auf eine Stufe mit Opium, Heroin, Kokain und Morphin zu stellen und die Abgabe für berauschende Zwecke zu illegalisieren. Bis die Gesetze in Deutschland in Kraft traten, vergingen allerdings vier Jahre. Am 10. Dezember 1929 beschließt der Deutsche Reichstag ein neues Opiumgesetz, das den Besitz von Cannabis zum ersten Mal unter Strafe stellt. 

Es dauerte einige Zeit, bis medizinisches Cannabis wieder Aufmerksamkeit von Forschern und Medizinern bekam. Nachdem man 1964 zum ersten Mal den Inhaltsstoff THC isolieren bzw. künstlich herstellen konnte, wuchs das Interesse an Cannabis, bis man schließlich in den 1990er-Jahren das Endocannabinoidsystem entdeckte. Erst im März 2017 jedoch gab es eine Gesetzesänderung in Deutschland, die dazu führte, dass schwerkranke Menschen in Deutschland medizinisches Cannabis straffrei auf Rezept beziehen können.

Die Cannabispflanze und ihre Inhaltsstoffe

In der Mainstream-Kultur ist der Gedanke verankert, dass ein Unterschied zwischen den beiden Hauptsorten von Cannabis besteht. Sativa soll aufputschend und Indica soll beruhigend wirken. Jedoch gibt es keine wissenschaftliche Belege für die Ansicht, dass die physischen Attribute der Pflanze unterschiedliche Auswirkungen auf den Konsumenten haben. Nicht alle Sativa Sorten haben einen aufputschenden Effekt und nicht alle Indica Sorten wirken entspannend. Neueste Forschungen weisen darauf hin, dass die Wirkung von Cannabis viel mehr von der Zusammensetzung verschiedener Inhaltsstoffe wie den Cannabinoiden und Terpenen abhängt.

Cannabinoide: Die zwei häufigsten Cannabinoide – und die am bisher besten erforschten – sind THC und CBD. TCH ist die Chemikalie, die für ein gesteigertes Hungergefühl sorgt und einen psychotropen bzw. berauschenden Effekt hat. Es wird außerdem angenommen, dass THC gegen Übelkeit und Schmerzen hilft. CBD wirkt nicht berauschend. Es hilft vielmehr Symptome wie Ängstlichkeit, Schmerzen und Entzündungen zu lindern. Die Balance zwischen den beiden Stoffen spielt eine wichtige Rolle, wie sich die verschiedenen Cannabissorten auf den Konsumenten auswirken. Eine Sorte mit einem höheren THC-Gehalt zum Beispiel sorgt für einen euphorischen Zustand (“high”), während eine Cannabissorte mit einem höheren CBD-Gehalt für eine fokussierte Linderung von Symptomen verantwortlich ist. Sie können sich hier über die verschiedenen Cannabissorten informieren und herausfinden, welche für Sie geeignet ist.

Terpene sind die Bestandteile, die im Allgemeinen für den Geruch von Pflanzen und Früchten verantwortlich sind. Die Chemikalien sorgen für den typischen Geruch der Cannabispflanze. Terpene haben jedoch eine weitere, häufig unbekannte, Funktion. Forscher fanden heraus, dass Terpene die Wirkung von CBD und THC überhaupt erst ermöglichen. Das Terpen “Myrcen” zum Beispiel begünstigt die Verdauung, “Limonen” hingegen kann Entzündungen reduzieren. Dieser Prozess ist jedoch äußerst komplex, da es viele verschiedene Terpenen-Typen gibt, die alle den Vorgang unterschiedlich beeinflussen.

Forschung

Man mag es kaum glauben, aber die Forschung über Cannabis steht noch ganz am Anfang. Im Jahre 2010 wurden nur 174 Artikel über medizinisches Cannabis veröffentlicht, bis Juli 2019 ist die Anzahl auf 837 Artikel angestiegen. Täglich werden Studien herausgebracht, die uns neue Einblicke auf Cannabis als Heilmittel geben. Eine Kollektion an wissenschaftlichen Artikeln finden Sie hier. Cannabis hilft gegen Schmerzen, Angstzustände, Übelkeit, Entzündungen und kann sogar als Antidepressivum verwendet werden. THC im Speziellen kann hilfreich beim Bekämpfen von Schlafstörungen, Muskelkrämpfen und weiteren Beschwerden sein. Untersuchungen zu CBD haben gezeigt, dass es Schmerzen, Angstzustände und Entzündungen lindern kann.

Konsumformen

Nachdem Sie einen groben Überblick über medizinisches Cannabis, dessen Geschichte und den Aufbau der Pflanze bekommen haben, fragen Sie sich jetzt bestimmt, auf welchem Wege man medizinisches Cannabis konsumieren kann. Es gibt zahlreiche Darreichungsformen, die wohl bekannteste und beliebteste ist die Inhalationsmethode (Rauchen und Verdampfung). Das Rauchen bringt einige Vorteile mit sich. Patienten, die nicht rauchen oder verdampfen möchten, stehen andere Optionen zur Verfügung. Medizinisches Cannabis kann durch orale Aufnahme in den Körper gelangen und dort seine Wirkung entfalten. Bei dieser Methode handelt es sich um Pillen, Pulver und Nahrungsmittel, die mit CBD und/oder THC versetzt worden sind. Eine weitere Form ist die topische Anwendung oder Lokaltherapie von medizinischem Cannabis, bei der Cremes, Balsame oder Salben äußerlich aufgetragen werden und die Inhaltsstoffe somit über die Haut in den Körper gelangen. Diese Cremes und Salben sind häufig hoch konzentriert. Auf 30 Gramm kommen 250 Milligramm Cannabinoide. Für Patienten mit besonders starken Schmerzen könnte die beste Option sein das medizinische Cannabis transdermal zu erhalten. 

Regelungen und Gesetzesvorschriften

Möglicherweise fragen Sie sich jetzt, woher Sie medizinisches Cannabis beziehen können und was die genaue Gesetzeslage ist. Das kommt ganz darauf an, in welchem Land Sie leben. Jedes Land und manchmal sogar einzelne Bundesländer haben unterschiedliche Vorschriften. In den USA zum Beispiel kann man als Patient aus Alaska mit seinem medizinischen Pass kein Cannabis in Kalifornien erwerben, wohingegen dies in Arkansas möglich wäre. Patienten aus Deutschland können ihren Erlaubnisschein für medizinisches Cannabis nicht in Großbritannien anwenden. Für standortspezifische Informationen über die Bestimmungen zu medizinischem Cannabis können Sie die Weltkarte für Regelungen zu medizinischem Cannabis verwenden.

Die Welt des medizinischen Cannabis ist unglaublich vielfältig und spannend. Erst vor Kurzem wurde Cannabis als Möglichkeit wiederentdeckt Erkrankungen zu heilen. Dabei wird medizinisches Cannabis schon seit 2700 v. Chr. als Medizin benutzt. Über die Jahre hinweg war medizinisches Cannabis oftmals das einzige Heilmittel, wenn andere natürliche Medizin keine Wirkung zeigte. Aufgrund falscher Berichterstattungen und z.T. Propaganda im 20. Jahrhundert wurde der Bevölkerung ein falsches Bild über Cannabis als Heilmittel vermittelt. Die heutigen Forschungsergebnisse über medizinisches Cannabis werden daher in der Medizin und unserem Grundverständnis des menschlichen Geistes als bahnbrechend empfunden. Wie Cannabinoide und Terpene miteinander wirken und sich gegenseitig beeinflussen, ist eines der Hauptthemen, die wissenschaftlich untersucht werden. Durch die intensive Forschung werden hoffentlich immer neue Therapieansätze gefunden, die eine noch bessere Heilung von Krankheiten mit medizinischem Cannabis versprechen.

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