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Vaporisieren vs. Rauchen von Cannabis: Wissenschaftliche Erkenntnisse zu Gesundheit und Effizienz

Vaporisieren vs. Rauchen von Cannabis: Wissenschaftliche Erkenntnisse zu Gesundheit und Effizienz

Inhaltsverzeichnis

Cannabis sowie dessen Konsum sind längst in der Gesellschaft angekommen. Mit der Teillegalisierung in Deutschland seit 2024 konsumieren viele Erwachsene Cannabis nicht mehr nur im medizinischen, sondern auch im Freizeitkontext. Traditionell wird Cannabis geraucht und damit auch verbrannt. Jedoch greifen immer mehr Menschen auch auf Vaporisatoren zurück.

Das liegt zum größten Teil daran, dass Vaporisatoren eine schonendere Alternative zum Rauchen bieten können. Denn sie verdampfen die Wirkstoffe, ohne das Pflanzenmaterial zu verbrennen. Dadurch entstehen weniger gesundheitsschädliche Verbrennungsstoffe, Cannabinoide werden ohne Verbrennung freigesetzt, der Geschmack kann intensiver erhalten bleiben und die Dosierung lässt sich präziser kontrollieren. Beim Rauchen von Cannabis hingegen entstehen viele Schadstoffe und auch die Wirkstoffe können verloren gehen.

In diesem Artikel vergleichen wir die verschiedenen Arten von Vaporisatoren, ihre Funktionsweisen, Vor- und Nachteile sowie die Erfahrungen von Nutzerinnen und Nutzern.

Gesetzliche Rahmenbedingungen für Cannabis in Deutschland

Seit dem 1. April 2024 gilt das Cannabiskonsumgesetz (CanG). Dadurch dürfen Erwachsene ab 18 Jahren:

  • Bis zu 25 g in der Öffentlichkeit und 50 g zu Hause besitzen
  • Zudem sind maximal drei Pflanzen pro Haushalt im Eigenanbau erlaubt
  • Gemeinnützige Cannabis Social Clubs dürfen mehr Pflanzen anbauen, jedoch nur für ihre Mitglieder
  • Verbote des Cannabiskonsums gelten u.a. in unmittelbarer Nähe zu Schulen, Spielplätzen und in Fußgängerzonen tagsüber

Für den medizinischen Bereich gilt seit dem 1. April 2024 in Deutschland das Medizinal-Cannabisgesetz (MedCanG). Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ist die zuständige Behörde für die Überwachung und Regulierung. Medizinisches Cannabis wird nicht mehr wie vorher auf Betäubungsmittelrezepten, sondern auf regulären Rezepten verschrieben 1. Außerdem ist auch eine Kostenübernahme für Blüten, Extrakte und zertifizierte Vaporisatoren mit Genehmigung durch Krankenkassen möglich.

Wissenschaftliche Funktionsweise: Vaporisation vs. Verbrennung

Um die Vor- und Nachteile von Vaporisation und der Verbrennung zu verstehen, müssen wir uns erstmal die Funktionsweisen beider Konsummöglichkeiten genauer anschauen.Cannabis enthält über 140 verschiedene Cannabinoide sowie zahlreiche Terpene und Flavonoide 2. Der sogenannte „Entourage-Effekt” beschreibt die wissenschaftliche Hypothese, dass diese Substanzen synergistisch zusammenwirken und gemeinsam eine stärkere oder veränderte Wirkung entfalten können als isolierte Einzelsubstanzen (6). Die jeweiligen Cannabinoide, Terpene und Flavonoide haben verschiedene Siedepunkte. Ein medizinischer Nutzer könnte davon ausgehend durch die Wahl der Temperatur ein ganz eigenes Wirkstoffprofil aus einer bestimmten Sorte erzeugen.

Vaporisation (Verdampfung)

Bei der Vaporisation werden die Cannabinoide durch kontrollierte Erhitzung aus dem Pflanzenmaterial gelöst. Die Temperatur liegt unterhalb des Verbrennungspunktes, sodass die Wirkstoffe in Form von Dampf freigesetzt werden 3. Moderne Vaporizer ermöglichen eine präzise Temperaturkontrolle, was eine gezielte Freisetzung bestimmter Cannabinoide und Terpene erlaubt 4.

Beim Rauchen entstehen durch hohe Temperaturen zahlreiche Pyrolyseprodukte, darunter polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs), Teer und Kohlenmonoxid. Besonders kritisch ist die Beimischung von Tabak, die zusätzliche Schadstoffe und eine stärkere Abhängigkeit bewirkt.

Verbrennung beim Rauchen

Bei der Verbrennung entstehen durch die hohen Temperaturen zahlreiche Pyrolyseprodukte. Neben den gewünschten Cannabinoiden werden über 100 verschiedene Verbrennungsprodukte freigesetzt, darunter polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs), Teer, Kohlenmonoxid und weitere potenziell karzinogene Substanzen 5. Leider wird dann noch oft Tabak zu den „Joints“ dazu gemischt, wodurch dann noch eine ganze Reihe weiterer giftiger und auch vielfach krebserregender Stoffe im Rauch entstehen.

Studienergebnisse und ärztliche Einschätzungen beim Verdampfen im Vergleich zum Rauchen

KonsumformStudienAussagen der DGP
VaporisierenKann zu höheren THC-Spiegeln im Blut führen, verursacht aber möglicherweise weniger Atemwegssymptome als Rauchen 6Gilt als möglicherweise weniger gesundheitsschädlich als Rauchen, kann jedoch durch hohen THC-Gehalt Risiken bergen; Wirkung noch nicht ausreichend erforscht; Qualität von Gerät und Cannabis beachten 7
RauchenKann mit chronischer Bronchitis, COPD, Lungenemphysem und möglicherweise Lungenkrebs assoziiert sein 8Regelmäßiges Rauchen kann zu chronischer Bronchitis, Lungenüberblähung und möglicherweise Lungenkrebs führen 9

Effizienz und Bioverfügbarkeit der Wirkstoffe

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass beim Vaporisieren etwa 50 % der in den Blüten enthaltenen Cannabinoide in den Dampf überführt werden. Davon gelangen etwa zwei Drittel in den Blutkreislauf, was einer Bioverfügbarkeit von etwa 20–30 % entspricht 10.  

Beim Rauchen gehen durch die hohen Verbrennungstemperaturen etwa 30 % der Wirkstoffe direkt verloren. Weitere 40–50 % entweichen ungenutzt durch den Nebenstromrauch. Die tatsächliche Bioverfügbarkeit liegt bei nur etwa 5–10 % 11.

Praktisch bedeutet das: Für denselben Effekt benötigt man beim Vaporisieren deutlich weniger Pflanzenmaterial. 12.

Medizinische Empfehlungen und Leitlinien

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) empfiehlt für die medizinische Anwendung von Cannabis vorrangig Fertigarzneimittel wie Sativex® oder Marinol®. Alternativ können auch standardisierte Cannabis-Extrakte zur oralen Einnahme verschrieben und angewendet werden.
Bei einer Verschreibung von medizinischen Cannabisblüten durch einen Arzt sollte deren Anwendung idealerweise über einen medizinischen Vaporisator erfolgen. Das Rauchen eines Joints ist keine medizinisch anerkannte Methode zur Einnahme 13.

In Deutschland zugelassene medizinische Vaporisatoren:

In Deutschland sind derzeit nur wenige Vaporizer als Medizinprodukte zertifiziert:

  • Volcano Medic 2: Tisch Vaporizer mit Ballon- oder Schlauchsystem
  • Mighty Medic: Portables Gerät für mobile Anwendungen

Die optimale Temperatur der Verdampfung liegt hier zwischen 180 und 210 °C. Nur zertifizierte Geräte sind für die medizinische Anwendung vorgesehen; einfache Vape- oder E-Zigaretten sind nicht geeignet. Die Kosten können bei genehmigter Cannabistherapie von den Krankenkassen übernommen werden, allerdings muss die Kostenübernahme vor der Anschaffung des Gerätes genehmigt werden. 14

Fazit

Die wissenschaftliche Evidenz zeigt klar, dass Vaporisieren beim Cannabis-Konsum im Vergleich zum Rauchen von Marihuana gesundheitliche Vorteile bieten kann. Für Patienten, die medizinisches Cannabis nutzen, ist die Verwendung von zertifizierten Vaporizern oder Cannabis-Vaporizern zu empfehlen, insbesondere bei der Therapie mit Cannabisblüten. Durch die Verdampfung werden die Wirkstoffe, darunter Cannabinoide und Terpene, freigesetzt, während die schädliche Verbrennung entfällt. Dadurch entsteht deutlich weniger Teer und Rauch, was die Gefahr für die Belastung für die Lunge reduzieren kann.

Für Freizeitnutzer bietet Vaping ebenfalls eine risikoärmere Möglichkeit, die Cannabispflanze zu konsumieren. Der Dampf gilt als weniger belastend für Atemwege und Lunge, der Geruch ist geringer, und das Konsumverhalten lässt sich besser kontrollieren.

Dennoch ist Vaporisieren beim Genuss von Cannabis nicht vollkommen risikofrei. Mischkonsum mit Tabak oder Nikotin, etwa beim Joint, erhöht weiterhin die Gesundheitsgefahr. Zudem bleibt Cannabis auch eine psychoaktive Substanz, die auch eine psychotrope Wirkung mit sich bringen kann. Der Konsum kann mit Risiken und Nebenwirkungen einhergehen, weswegen der Konsum bewusst und maßvoll erfolgen sollte.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich der neutralen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Anwendung von medizinischem Cannabis erfordert eine ärztliche Verschreibung.

FAQs

Ist Vaporisieren wirklich gesünder als Rauchen?

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass bei der Methode des Vaporisierens deutlich weniger Schadstoffe entstehen als beim Rauchen. Aber auch hier gibt es Risiken.  

Was ist der Unterschied zwischen einem Vaporisator, Vape-Pens und E-Zigaretten?

Ein Vaporisator erhitzt getrocknete Cannabisblüten oder -extrakte direkt, während Vape-Pens und E-Zigaretten mit flüssigen Lösungen (Liquids) arbeiten. Dabei sind Vape-Pens leistungsstärker als E-Zigaretten und haben in der Regel einen größeren Tank. 

Ist Vaporisieren legal?

Ja, im Rahmen des CanG (Freizeit) und MedCanG (medizinisch).

Wie schnell wirkt Cannabis beim Vaporisieren?

Die Wirkung setzt beim Vaporisieren innerhalb von 2–10 Minuten ein und hält etwa 2–3 Stunden an. 

Warum warnen Ärzte vor gesundheitlichen Folgen beim Rauchen von Cannabis?

Die Warnungen der Pneumologen beziehen sich hauptsächlich auf das Rauchen von Cannabis, insbesondere in Kombination mit Tabak. Die Inhalation von Verbrennungsprodukten kann zu chronischen Lungenerkrankungen führen.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für einen Vaporisator für medizinisches Cannabis?

Ja, bei genehmigter Therapie und korrektem Antrag.  

Gibt es Langzeitstudien zu den Auswirkungen des Vaporisierens?

Langzeitstudien über Jahrzehnte fehlen noch. Bisherige Studien über mehrere Jahre zeigen jedoch deutlich geringere respiratorische Probleme als beim Rauchen.

Gibt es einen Unterschied zwischen Cannabis-Vaporisatoren und Cannabis Vaporizern?

Nein, es gibt keinen Unterschied. Cannabis Vaporisator wir im Englischen mit “Cannabis Vaporizer” übersetzt. 

Sources

  1. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Hinweise für Patientinnen und Patienten zum Medizinal-Cannabisgesetz. 2024. Verfügbar unter: https://www.bfarm.de/DE/Bundesopiumstelle/Medizinisches-Cannabis/Hinweise-fuer-Patienten/_node.html
  2. Ferber SG, Namdar D, Hen-Shoval D, et al. The “Entourage Effect”: Terpenes Coupled with Cannabinoids for the Treatment of Mood Disorders and Anxiety Disorders. Curr Neuropharmacol. 2020;18(2):87-96. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31755542/
  3. Abrams DI, Vizoso HP, Shade SB, et al. Vaporization as a smokeless cannabis delivery system: a pilot study. Clin Pharmacol Ther. 2007;82:572-578. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17429350/
  4. Hazekamp A, Ruhaak R, Zuurman L, van Gerven J, Verpoorte R. Evaluation of a vaporizing device (Volcano®) for the pulmonary administration of tetrahydrocannabinol. J Pharm Sci. 2006;95:1308-1317. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16637053/
  5. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP). Cannabis – Positionspapier. Pneumologie. 2016;70:87-97. Verfügbar unter: https://www.dgaum.de/fileadmin/pdf/Stellungnahmen_und_Positionspapiere/2015/Positionspapier_Cannabis_der_DGP_u.a._2_.pdf
  6. Spindle TR, Cone EJ, Schlienz NJ, et al. Acute Effects of Smoked and Vaporized Cannabis in Healthy Adults Who Infrequently Use Cannabis: A Crossover Trial. JAMA Netw Open. 2018;1(7):e184841. Verfügbar unter: https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2719135
  7. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP). Cannabis – Positionspapier. Pneumologie. 2016;70:87-97. Verfügbar unter: https://www.dgaum.de/fileadmin/pdf/Stellungnahmen_und_Positionspapiere/2015/Positionspapier_Cannabis_der_DGP_u.a._2_.pdf
  8. Earleywine M, Barnwell SS. Decreased respiratory symptoms in cannabis users who vaporize. Harm Reduct J. 2007;4:11. Verfügbar unter: https://harmreductionjournal.biomedcentral.com/articles/10.1186/1477-7517-4-11
  9. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP). Cannabis – Positionspapier. Pneumologie. 2016;70:87-97. Verfügbar unter: https://www.dgaum.de/fileadmin/pdf/Stellungnahmen_und_Positionspapiere/2015/Positionspapier_Cannabis_der_DGP_u.a._2_.pdf
  10. Pomahacova B, Van der Kooy F, Verpoorte R. Cannabis smoke condensate III: the cannabinoid content of vaporised Cannabis sativa. Inhal Toxicol. 2009;21:1108-1112. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19811193/
  11. Abrams DI, Vizoso HP, Shade SB, et al. Vaporization as a smokeless cannabis delivery system: a pilot study. Clin Pharmacol Ther. 2007;82:572-578. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17429350/
  12. Spindle TR, Cone EJ, Schlienz NJ, et al. Acute Effects of Smoked and Vaporized Cannabis in Healthy Adults Who Infrequently Use Cannabis: A Crossover Trial. JAMA Netw Open. 2018;1(7):e184841. Verfügbar unter: https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2719135
  13. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Cannabis verordnen – Hinweise für die Praxis. 2024.
    Verfügbar unter: https://www.kbv.de/praxis/verordnungen/arzneimittel/cannabis
  14. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Cannabis verordnen – Hinweise für die Praxis. 2024.
    Verfügbar unter: https://www.kbv.de/praxis/verordnungen/arzneimittel/cannabis
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