{"id":569,"date":"2019-09-13T07:02:47","date_gmt":"2019-09-13T07:02:47","guid":{"rendered":"https:\/\/cannigma.com\/?p=569"},"modified":"2021-07-05T13:15:34","modified_gmt":"2021-07-05T13:15:34","slug":"ueberblick-ueber-das-endocannabinoid-system","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cannigma.com\/de\/physiologie\/ueberblick-ueber-das-endocannabinoid-system\/","title":{"rendered":"\u00dcberblick \u00fcber das Endocannabinoid-System"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der gesamten Menschheitsgeschichte existieren in allen Zivilisationen umfangreiche Belege daf\u00fcr, dass die Menschen Cannabis zu therapeutischen Zwecken und zur Behandlung vieler Krankheiten verwendeten. Allerdings wussten unsere Vorfahren nicht, <em>warum<\/em> diese Pflanzen funktionierten oder wie sie zur Heilung beitrugen \u2013 sie vertrauten einfach auf vereinzelte Nachweise und ihre Beobachtungen. Dieses althergebrachte Wissen \u00fcber die Funktionsweise von Cannabis wurde noch bis ins letzte Jahrhundert hinein kaum verstanden.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anfang der 1990er Jahre machten Wissenschaftler eine bedeutende Entdeckung, die das therapeutische Potenzial von Cannabispflanzen erkl\u00e4rte: ein bisher unbekanntes Kommunikationssystem, das an der Regulierung fast aller wesentlichen Funktionen im K\u00f6rper beteiligt ist. Dieses faszinierende System aus Botenstoffen und Rezeptoren wurde nach den Cannabinoiden, also den Pflanzenstoffen, durch die die Wissenschaftler es \u00fcberhaupt erst entdeckten, benannt und tr\u00e4gt daher den Namen \u201eEndocannabinoid-System\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-entdeckung-eines-bisher-unbekannten-regulationssystems\">Entdeckung eines bisher unbekannten Regulationssystems<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entdeckung des Endocannabinoid-Systems begann in den 1940er Jahren als der <a href=\"https:\/\/www.acs.org\/content\/acs\/en\/molecule-of-the-week\/archive\/c\/cannabidiol.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">US-amerikanische Chemiker Roger Adams das erste Cannabinoid namens Cannabidiol (CBD) isolierte<\/a>. Jahrzehnte sp\u00e4ter isolierte der israelische Wissenschaftler <a href=\"https:\/\/pdfs.semanticscholar.org\/4d1b\/e7fae3e0b28ffe5c2a04523348b3ac1a07b7.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Raphael Mechoulam Tetrahydrocannabinol<\/a> (THC) und fand heraus, dass THC f\u00fcr die psychotrope bzw. berauschende Wirkung von Cannabis verantwortlich ist, w\u00e4hrend CBD keinerlei euphorischen Gef\u00fchle oder bewusstseinsver\u00e4ndernde Effekte verursacht. Obwohl diese Erkenntnisse die Grundlage f\u00fcr die Entdeckung des Endocannabinoid-Systems darstellen, wurde ihre wirkliche Bedeutung viele Jahrzehnte lang nicht verstanden.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den 1980er Jahren stellte US-Pr\u00e4sident Ronald Reagan Forschern mehrere Millionen Dollar zur Verf\u00fcgung, um zu beweisen, dass Marihuana Hirnsch\u00e4den verursacht. Nachdem die Wissenschaftler jedoch herausgefunden hatten, dass diese Annahme falsch ist, stellte die Regierung unter Reagan weitere Gelder f\u00fcr zus\u00e4tzliche Studien bereit, die ironischerweise zur Entdeckung des <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC4120766\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ersten Endocannabinoid-Rezeptors<\/a> im Jahr 1990 f\u00fchrten. Im weiteren Verlauf f\u00fchrte die Entdeckung der Endocannabinoid-Rezeptoren (CB1 und CB2) zur Entdeckung der Stoffwechselenzyme, die mit diesen Rezeptoren interagieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-die-botenstoffe-im-endocannabinoid-system\">Die Botenstoffe im Endocannabinoid-System<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn die Wissenschaftler nicht die Rezeptoren gefunden h\u00e4tten, die auf Cannabis reagieren, h\u00e4tten sie vielleicht nie erfahren, dass der menschliche K\u00f6rper seine eigenen Cannabinoide produziert. Tats\u00e4chlich f\u00fchrte erst die Entdeckung der Cannabinoid-Rezeptoren zur <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC1939815\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Suche nach den Molek\u00fclen<\/a>, die an sie binden \u2013 ihre Bindungsproteine.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Cannabinoid-Bindungsprotein <a href=\"https:\/\/jaoa.org\/article.aspx?articleid=2093607\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Anandamid wurde 1992 entdeckt<\/a> und 2-AG (2-Arachidonoylglycerin) kurz darauf. Heute wissen wir, dass dass Anandamid und 2-AG die Botenstoffe des Endocannabinoid-Systems sind. Anandamid und 2-AG werden als Endocannabinoide bezeichnet, da <em>endo<\/em> von der griechischen Vorsilbe f\u00fcr <em>innen<\/em> abgeleitet ist. Diese wichtigen Neurotransmitter interagieren mit den entsprechenden Rezeptoren im ganzen K\u00f6rper und erf\u00fcllen zahlreiche Funktionen. Zum Beispiel:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Anandamid<br><\/strong>Wird auch als <a href=\"https:\/\/cannigma.com\/de\/pflanze\/das-gluecksmolekuel-anandamid\/\">\u201eGl\u00fccksmolek\u00fcl\u201c<\/a> bezeichnet und <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC3316151\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung der Stimmung und Gef\u00fchle.<\/a> Ein zu niedriger Anandamid-Spiegel kann zu <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC5042796\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Depression<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC4119220\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Angstzust\u00e4nden<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC4034083\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Schizophrenie<\/a> f\u00fchren. Viele verschreibungspflichtigen Medikamente zur Behandlung von Schmerzen und Depressionen steigern die Anandamid-Produktion oder <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC4067538\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hemmen die Enzyme<\/a>, die es abbauen.<br><br><\/li><li><strong>2-Arachidonylglycerol (2-AG)<br><\/strong>Studien haben gezeigt, dass zu den Hauptaufgaben von 2-AG die Verringerung von Entz\u00fcndungen geh\u00f6rt und es f\u00fcr die Regulierung wichtiger Funktionen des Immunsystems verantwortlich ist. Wie Anandamid wird auch 2-AG f\u00fcr die Regulation der Stimmung, der Gef\u00fchle und des Schmerzempfindens ben\u00f6tigt, spielt aber auch eine Schl\u00fcsselrolle f\u00fcr das Ged\u00e4chtnis, <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC2219526\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">die Fruchtbarkeit<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC5142605\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">die Regulierung des Schlafrhythmus.<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-die-rezeptoren-des-endocannabinoid-systems\">Die Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Wechselwirkungen zwischen den Endocannabinoid-Botenstoffen und -Rezeptoren \u2013 CB1 und CB2 \u2013 regulieren wichtige Prozesse.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>CB1-Rezeptoren<\/strong><strong><br><\/strong>CB1-Rezeptoren kommen im ganzen K\u00f6rper vor, vor allem im Gehirn und im R\u00fcckenmark. Die CB1-Rezeptoren im Hypothalamus regulieren die Leistungsf\u00e4higkeit und den Stoffwechsel, w\u00e4hrend die CB1-Rezeptoren in der Amygdala f\u00fcr die Regulierung der Emotionen und Erinnerungen zust\u00e4ndig sind. Auch an den Nervenenden sind sehr viele CB1-Rezeptoren vorhanden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>CB2-Rezeptoren<\/strong><strong><br><\/strong>CB2-Rezeptoren finden sich zwar ebenfalls im ganzen K\u00f6rper, sind aber am st\u00e4rksten im peripheren Nervensystem konzentriert, also dem System, dass sich vom Gehirn und der Wirbels\u00e4ule bis in den \u00e4u\u00dfersten Winkel des K\u00f6rpers erstreckt. CB2-Rezeptoren regulieren die Organfunktionen und den Bewegungsapparat. Au\u00dferdem spielen sie eine wichtige Rolle im Immunsystem: Wenn Sie aktiviert sind, wirken sie entz\u00fcndungshemmend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die im K\u00f6rper produzierten Botenstoffe zur Beeinflussung der Endocannabinoid-Rezeptoren werden je nach Bedarf hergestellt und <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC4789136\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">schnell durch Enzyme abgebaut<\/a>. Im Idealfall kann der menschliche K\u00f6rper alle erforderlichen Endocannabinoide f\u00fcr dieses wichtige Kommunikationssystem selbst herstellen. Aber bei Krankheiten, Verletzungen oder Stress kann der Bedarf an Endocannabinoid-Botenstoffen das Angebot schnell \u00fcbersteigen. Wenn der K\u00f6rper mehr von diesen essentiellen Botenstoffen ben\u00f6tigt, als er selbst herstellen kann, kann er Probleme bei lebenswichtigen Prozessen entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-das-gleichgewicht-des-endocannabinoid-systems-ist-wichtig-f-r-die-gesundheit\">Das Gleichgewicht des Endocannabinoid-Systems ist wichtig f\u00fcr die Gesundheit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle lebenden Organismen ben\u00f6tigen ein konsistentes Gleichgewicht der physiologischen K\u00f6rperfunktionen und der K\u00f6rper versucht st\u00e4ndig dieses Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Wenn das Gleichgewicht nicht wiederhergestellt werden kann, kann der Organismus nicht \u00fcberleben. Bei den regulatorischen Ma\u00dfnahmen zur Herstellung dieses Gleichgewichts im gesamten K\u00f6rper handelt es sich um einen Prozess, der als <a href=\"https:\/\/www.britannica.com\/science\/homeostasis\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Hom\u00f6ostase<\/a> bezeichnet wird.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Wissenschaftler glauben inzwischen, dass das Endocannabinoid-System f\u00fcr das Herstellen und Aufrechterhalten <a href=\"https:\/\/www.jyi.org\/2018-june\/2018\/6\/1\/the-endocannabinoid-system-our-universal-regulator\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Hom\u00f6ostase (mit-) verantwortlich<\/a> ist. Genau genommen ist das Endocannabinoid-System so wichtig f\u00fcr die Aufrechterhaltung der Hom\u00f6ostase, dass einige Wissenschaftler sogar davon ausgehen, dass ein <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC5576607\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Endocannabinoid-Mangel<\/a> zu zahlreichen Erkrankungen wie Migr\u00e4ne, Reizdarmsyndrom, Fibromyalgie und verschiedenen neurodegenerativen Erkrankungen f\u00fchren kann.<br><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-pflanzenbasierte-cannabinoide-k-nnen-die-funktion-des-endocannabinoid-systems-beeinflussen\">Pflanzenbasierte Cannabinoide k\u00f6nnen die Funktion des Endocannabinoid-Systems beeinflussen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der K\u00f6rper stellt seine Endocannabinoide zwar selbst her, aber letztendlich waren es die Phytocannabinoide (pflanzliche Cannabinoide), die zur Entdeckung des Endocannabinoid-Systems f\u00fchrten. Heute wissen wir, dass die Phytocannabinoide in Cannabispflanzen die Wirkung von Anandamid und 2-AG nachahmen und die Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems beeinflussen. Die pflanzlichen Cannabinoide in Cannabis beeinflussen auch die Rezeptoren f\u00fcr andere wichtige chemische Botenstoffe, darunter GABA, Dopamin und Serotonin. Unter anderem werden diese Prozesse vom Endocannabinoid-System gesteuert:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Ged\u00e4chtnis und Lernen<br><\/strong>Die CB1- und CB2-Rezeptoren wirken direkt bei Prozessen mit, die die Kognition, das Ged\u00e4chtnis und das Lernen regulieren. CB1-Rezeptoren kommen in vielen K\u00f6rperregionen vor, sind aber am st\u00e4rksten in denjenigen Gehirnarealen, die f\u00fcr Kognition und Ged\u00e4chtnis zust\u00e4ndig sind, konzentriert. Diese Rezeptoren steuern sowohl kognitive Prozesse als auch emotionale Verhaltensweisen, indem sie die <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC5684264\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">neuronale Signal\u00fcbertragung<\/a> und die synaptische Plastizit\u00e4t ver\u00e4ndern. Neuroplastizit\u00e4t ist die F\u00e4higkeit des Gehirns sich selbst zu \u00e4ndern, <a href=\"https:\/\/qbi.uq.edu.au\/brain-basics\/brain\/brain-physiology\/what-synaptic-plasticity\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">zu lernen und sich an neue Informationen anzupassen<\/a>.<br><br><\/li><li><strong>Appetitregulation<br><\/strong>Forscher haben bereits vor Jahrzehnten erkannt, dass Hunger durch einen komplexen Prozess aus neurologischen, verhaltensbedingten und endokrinen Funktionen gesteuert wird. Studien, bei denen die Aktivierung von Cannabinoidrezeptoren im Gehirn untersucht wurde, deuten darauf hin, dass die <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC4285050\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Modulation von Cannabinoidrezeptoren unerl\u00e4sslich f\u00fcr die Hungerregulation<\/a> und den Stoffwechsel von Makron\u00e4hrstoffen und Fetten ist. Es gibt klare Belege daf\u00fcr, dass die Modulation des Endocannabinoid-Signalwegs bei der <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/16148436\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Behandlung von \u00dcbergewicht und Essst\u00f6rungen<\/a> eine wichtige Rolle spielen k\u00f6nnte.<br><br><\/li><li><strong>Temperaturregulation<br><\/strong>Die Temperaturregulierung ist ein wichtiger hom\u00f6ostatischer Prozess, um die Kerntemperatur des K\u00f6rpers beizubehalten. Der K\u00f6rper h\u00e4lt bei unterschiedlichsten Umgebungstemperaturen stets seine Kerntemperatur \u2013 und damit sein inneres Gleichgewicht \u2013 aufrecht, indem er das sympathische Nervensystem aktiviert und die Herzfrequenz, die Gef\u00e4\u00dfweite und die Atmung anpasst. Dar\u00fcber hinaus erh\u00f6ht der K\u00f6rper manchmal auch absichtlich seine Kerntemperatur, um Infektionen zu bek\u00e4mpfen, wobei ebenfalls die Endocannabinoid-Rezeptoren eine Rolle spielen.<br><br><\/li><li><strong>Immunsystem<br><\/strong>Wissenschaftler glauben, dass die Endocannabinoid-Botenstoffe sowohl eine <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC3044336\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hemmende als auch eine stimulierende Wirkung<\/a> auf das Immunsystem haben k\u00f6nnen, indem sie mit den CB2-Rezeptoren interagieren. Endocannabinoide wirken stark regulierend auf das Immunsystem, indem sie Entz\u00fcndungen hemmen und die Zellaktivierung unterdr\u00fccken. Derzeit geht die Wissenschaft davon aus, dass die Modulation von Endocannabinoiden einen neuen therapeutischen Ansatz zur Behandlung von Entz\u00fcndungen und Autoimmunerkrankungen bieten k\u00f6nnte. Es werden auch Studien zur Rolle des Endocannabinoid-Systems bei der Behandlung von Asthma, <a href=\"https:\/\/secure.hawaiianethos.com\/assets\/resources\/2009%20Tanasescu%20-%20Cannabinoids%20and%20the%20immune%20system.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Multipler Sklerose<\/a>, Osteoarthritis und verschiedenen Krebsarten durchgef\u00fchrt. Die Untersuchungen zum therapeutischen Nutzen der Modulation des Endocannabinoid-Systems befinden sich allerdings derzeit noch in den Kinderschuhen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Fortpflanzungssystem der Frau<br><\/strong>Endocannabinoide spielen eine entscheidende Rolle bei der Modulation des <a href=\"https:\/\/ovarianresearch.biomedcentral.com\/articles\/10.1186\/s13048-018-0478-9\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Fortpflanzungssystems der Frau<\/a>. In Studien wurden komplexe Wechselwirkungen zwischen dem Endocannabinoid-System und dem Hypothalamus, der Hypophyse und den Eierst\u00f6cken festgestellt und es wird davon ausgegangen, dass die CB1-Rezeptoren Einfluss auf zahlreiche komplexe Aktivit\u00e4ten haben. Die Eierstockzyklen werden durch das Zusammenspiel der Hormone, die von diesem Trio ausgesch\u00fcttet werden, gesteuert. Obwohl die Phytocannabinoide in Cannabis das Fortpflanzungssystem der Frau eher st\u00f6ren, da sie den \u00d6strogen- und Progesteronspiegel senken, deutet die Beteiligung des Endocannabinoid-Systems an der weiblichen Fortpflanzung darauf hin, dass eine kontrollierte Modulation des Endocannabinoid-Systems f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1517\/14728222.2015.1062878\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Fortpflanzungserfolg<\/a> unerl\u00e4sslich ist.<br><br><\/li><li><strong>Schlaf und Schlafrhythmus<br><\/strong>Der Schlafrhythmus wird durch den Biorhythmus gesteuert, der wiederum vom Tag-Nacht-Zyklus abh\u00e4ngt. Auch hier spielt das Endocannabinoid-System eine wichtige Rolle: In Studien wurde herausgefunden, dass die Aktivierung von CB1-Rezeptoren unter Laborbedingungen M\u00fcdigkeit ausl\u00f6st und das Endocannabinoid-System zu einem regelm\u00e4\u00dfigen Schlafrhythmus beitr\u00e4gt, da es an der <a href=\"https:\/\/www.med.upenn.edu\/cbti\/assets\/user-content\/documents\/s11920-017-0775-9.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Regeneration der Hom\u00f6ostase<\/a> beteiligt ist. Das Endocannabinoid-System beeinflusst auch viele weitere Prozesse, die einen erholsamen Schlaf st\u00f6ren k\u00f6nnen, darunter Stressreaktionen, Angstzust\u00e4nde, Verdauungsst\u00f6rungen und Schmerzempfinden.<br><br><\/li><li><strong>Schmerzempfinden<br><\/strong>Das Endocannabinoid-System wird als eines der wichtigsten Systeme bei der Schmerzregulierung betrachtet, da es <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/25846617\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">an jeder Phase der Schmerzverarbeitung beteiligt ist<\/a>. Endocannabinoide und die zugeh\u00f6rigen Rezeptoren sitzen in allen Schmerzschaltkreisen des Nervensystems \u2013 von den Nervenenden des peripheren Nervensystems bis zum Gehirn. Die im K\u00f6rper produzierten Endocannabinoid-Botenstoffe Anandamid und 2-AG spielen beide eine wesentliche Rolle bei der Schmerzausschaltung und Schmerzbehandlung. Wissenschaflter haben herausgefunden, dass das Schmerzempfinden sinkt, je mehr Anandamid im Blutkreislauf vorhanden ist.<br><br><\/li><li><strong>Autonome Prozesse<br><\/strong>Das <a href=\"https:\/\/www.britannica.com\/science\/parasympathetic-nervous-system\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">autonome Nervensystem<\/a> reguliert zahlreiche wesentliche Funktionen im K\u00f6rper. Es untergliedert sich in zwei Anteile: den Sympathikus und den Parasympathikus. Das sympathische Nervensystem ist f\u00fcr die \u201eKampf-oder-Flucht-Reaktion\u201c verantwortlich, w\u00e4hrend das parasympathische System eher als \u201eRuhenerv\u201c oder \u201eErholungsnerv\u201c bezeichnet wird. Zu den vielen Prozessen, die vom autonomen Nervensystem gesteuert werden geh\u00f6ren unter anderem Herzfrequenz, Verdauung, Temperaturregulation, Atmung, Pupillenreaktion und Blutdruck. Studien deuten darauf hin, dass Defizite im Endocannabinoid-System zu einer Dysfunktion des autonomen Nervensystems f\u00fchren k\u00f6nnen, was <a href=\"https:\/\/well.blogs.nytimes.com\/2013\/11\/04\/tapping-medical-marijuanas-potential\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">schwerwiegende Folgen<\/a> f\u00fcr den gesamten K\u00f6rper haben kann.&nbsp;<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-supplementierung-des-endocannabinoid-systems-mit-phytocannabinoiden\">Supplementierung des Endocannabinoid-Systems mit Phytocannabinoiden<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da das Endocannabinoid-System bei all diesen Prozessen eine bedeutende und manchmal sogar kritische Rolle spielt, bietet es auch Optionen f\u00fcr bahnbrechende Behandlungen und Therapien bei vielen verschiedenen Erkrankungen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Die in Cannabis vorkommenden Phytocannabinoide imitieren nachweislich die Wirkung der vom K\u00f6rper selbst gebildeten Endocannabinoide. Durch die Beeinflussung bestimmter Rezeptoren haben pflanzliche Cannabinoide ein erhebliches therapeutisches Potenzial und k\u00f6nnen angstl\u00f6send, entz\u00fcndungshemmend, brechreizmindernd, krampfl\u00f6send und schmerzreduzierend wirken. W\u00e4hrend die Erforschung ihres potenziellen Nutzens noch in den Kinderschuhen steckt, w\u00e4chst das Bewusstsein f\u00fcr Cannabinoide rasant und es werden immer mehr Studien dazu durchgef\u00fchrt.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl bereits viele Menschen die Botenstoffe ihres Endocannabinoid-Systems mit Cannabisprodukten supplementieren, insbesondere mit dem nicht-psychoaktiven und nicht berauschendem Cannabinoid CBD, muss beachtet werden, dass Cannabiskonsum nicht f\u00fcr jeden Menschen geeignet ist. Wer eine bestimmte Erkrankung hat oder Medikamente einnimmt, sollte vor dem Konsum von Cannabis den behandelnden Arzt konsultieren.&nbsp;<br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der gesamten Menschheitsgeschichte existieren in allen Zivilisationen umfangreiche Belege daf\u00fcr, dass die Menschen Cannabis zu therapeutischen Zwecken und zur Behandlung vieler Krankheiten verwendeten. Allerdings wussten unsere Vorfahren nicht, warum diese Pflanzen funktionierten oder wie sie zur Heilung beitrugen \u2013 sie vertrauten einfach auf vereinzelte Nachweise und ihre Beobachtungen. 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