{"id":409,"date":"2019-09-13T07:02:46","date_gmt":"2019-09-13T07:02:46","guid":{"rendered":"https:\/\/cannigma.com\/?p=409"},"modified":"2021-02-02T17:21:06","modified_gmt":"2021-02-02T17:21:06","slug":"medizinische-cannabisforschung-im-20-jahrhundert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cannigma.com\/de\/forschung\/medizinische-cannabisforschung-im-20-jahrhundert\/","title":{"rendered":"Cannabisforschung im 20. Jahrhundert"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\"  srcset=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB4bWxucz0naHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmcnIHZpZXdCb3g9JzAgMCAxIDEnPjwvc3ZnPg== 100w\" src=\"https:\/\/dist.cannigma.com\/2019\/09\/Relax-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2732 lazyload \"\/ data-srcset=\"https:\/\/dist.cannigma.com\/2019\/09\/Relax-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2732\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Phytocannabinoide wie THC und CBD haben in den letzten Jahren viel Aufsehen erregt und das zu Recht. Die therapeutischen Vorteile des medizinischen Cannabis gehen weit \u00fcber die offensichtlichen Faktoren hinaus. Die Forschung des 20. Jahrhunderts untersucht und belegt, dass Phytocannabinoide positiv auf die inneren Cannabinoide des K\u00f6rpers und dessen zellul\u00e4ren Rezeptoren wirken.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit anderen Worten, das Zusammenspiel von Phytocannabinoiden und Endocannabinoiden ist symbiotisch. THC f\u00f6rdert die Entspannung, indem beispielsweise CB1 Rezeptoren des Gehirns stimuliert werden, w\u00e4hrend CBD dem Endocannabinoid hilft, seine volle Wirkung zu entfalten. Die Forschung in beiden Gebieten baut aufeinander auf, was die Themengebiete der Phyto- und Endocannbinoide eng miteinander verbindet.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lassen Sie uns in chronologischer Reihenfolge einen Blick auf alle Entwicklungen der medizinischen Cannabis-Forschung in den letzten 80 Jahre werfen.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Forschungsbeginn: schwierig, aber hochmotiviert<\/strong><br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ca. 1930: <\/strong>Forscher haben bereits Jahrzehnte lang versucht herauszufinden, welche Inhaltsstoffe Cannabis seine Wirkung verleihen. In den 1930er Jahren wurden die Forschungen intensiviert. Anfangs wurde vermutet, dass Cannabis\u00f6l eine einzelne chemikalische Substanz ist, diese Annahme wurde nach weiteren Analysen jedoch verworfen.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die begrenzten technologischen M\u00f6glichkeiten jener Zeit verlangsamten den Forschungsfortschritt. Aufgrund wissenschaftlichem Interesse an pflanzlichen Verbindungen (auch Kokain und Morphium wurden f\u00fcr \u201cmedizinische\u201d Zwecke aufbereitet) wurden die Untersuchungen jedoch fortgef\u00fchrt.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damals war der einzige Weg eine molekulare Struktur aufzukl\u00e4ren, das Molek\u00fcl langsam zu zersetzen bis sich etwas <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC4927043\/\">bereits bekanntes, erkl\u00e4rbares<\/a> gebildet hatte. In diesem Fall entstand durch Hitze nahezu reines Cannabinol (CBN). Nach dieser Erkenntnis versuchten vielz\u00e4hlige Laboratorien die Struktur von CBN zu erforschen.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1940 <\/strong>gelingen dem Amerikaner Roger Adams und seinem Team erste nennenswerte Erfolge in der Laborsynthese von CBN. Adams war ein <a href=\"https:\/\/www.freedomleaf.com\/roger-adams-cbd\/\">preisgekr\u00f6nter Chemiker<\/a>, der zu Beginn der Illegalisierung von Cannabis Untersuchungen durchf\u00fchrte und trotz des politischen Drucks diesbez\u00fcglich 27 Studien ver\u00f6ffentlichte. Er entwickelte sogar einen <a href=\"https:\/\/www.nationalmedals.org\/laureates\/roger-adams\">\u201aAdam\u00b4s score\u2019<\/a>, um die Potenz von Cannabinoiden zu testen. Dieses Verfahren findet bis heute Anwendung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"269\"  srcset=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB4bWxucz0naHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmcnIHZpZXdCb3g9JzAgMCAxIDEnPjwvc3ZnPg== 100w\" src=\"https:\/\/dist.cannigma.com\/2019\/09\/waren-beeindruckend.jpg\" alt=\"waren beeindruckend\" class=\"wp-image-2734 lazyload \"\/ data-srcset=\"https:\/\/dist.cannigma.com\/2019\/09\/waren-beeindruckend.jpg\" alt=\"waren beeindruckend\" class=\"wp-image-2734\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine Forschungsergebnisse waren beeindruckend, jedoch untersuchte Adams nie die urspr\u00fcngliche pflanzliche Form von CBN und CBD (obwohl er <a href=\"https:\/\/patents.google.com\/patent\/US2304669A\/en\">eine Technik der CBN-Isolierung im Jahr 1940 patentieren lie\u00df<\/a>). Bis zur vollst\u00e4ndigen Aufkl\u00e4rung dieser Forschungsfrage werden noch mehrere Jahrzehnte vergehen. Tierversuche mit CBN haben gezeigt, dass es bei hoher Dosis sedierend wirkt.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>In den fr\u00fchen 1960er Jahren <\/strong>begann<strong> <\/strong>ein junger israelischer Forscher namens Dr. Raphael Mechoulam mit seinen eigenen Forschungen. Dr. Mechoulam \u2013 ein Chemiker f\u00fcr \u201cNaturprodukte\u201d \u2013berichtete, dass er \u201c\u00fcberrascht war herauszufinden, dass Morphium 150 Jahre zuvor aus Opium und Kokain 100 Jahre zuvor bereits chemisch isoliert worden waren. Die Chemie von Cannabis war nicht tiefgehend erforscht.\u201c&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1963 &amp; 1964: CBD entdeckt, THC folgte<\/strong><br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies wollte Dr. Mechoulam mit Unterst\u00fctzung eines brillanten Teams \u00e4ndern. Ein im Jahr 1963 revolution\u00e4res Kernspinresonanz-Spektroskop erm\u00f6glichte die <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/5879214\">vollst\u00e4ndige Identifizierung<\/a> der Struktur von CBD. Somit war geschafft, was Roger Adams 1940 aufgrund fehlender technischer M\u00f6glichkeiten nicht erreichen konnte.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Jahr sp\u00e4ter entdeckte Mechoulam und seine Mitarbeiter das Delta-9 THC. Ihre <a href=\"https:\/\/scholar.google.com\/scholar_lookup?journal=J+Am+Chem+Soc&amp;title=Isolation,+structure+and+partial+synthesis+of+an+active+constituent+of+hashish&amp;author=Y.+Gaoni&amp;author=R.+Mechoulam&amp;volume=86&amp;publication_year=1964&amp;pages=1646-1647&amp;\">ver\u00f6ffentlichten Studien<\/a> beschreiben den Gebrauch von Hexan, um spezifische Komponenten aus Haschisch zu extrahieren und zu isolieren.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den Folgejahren wurden weitere zahlreiche Cannabinoide entdeckt. Mechoulam und sein Forschungsteam entdeckten und identifizierten viele davon. Bis auf den Wirkstoff THC wurden alle weiteren Cannabinoide als nicht psychoaktiv befunden. Tierversuche mit THC \u00fcber dessen psychoaktive Wirkung folgten und erregten viel Aufmerksamkeit. Cannabis in S\u00e4ureformen wurde ebenfalls gr\u00fcndlich untersucht.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>W\u00e4hrend der 80er:<\/strong> Verschiedene Forschungsteams versuchten mit synthetischen Cannabinoiden zu experimentieren. Bedauerlicherweise kamen diese Versuche zu keinem positiven Ergebnis. Es stellte sich heraus, dass die Natur es besser wusste. Die synthetischen Stereoisomere verursachten alle m\u00f6glichen starken Nebenwirkungen. Ein sehr starkes synthetisches Cannabinoid\u2019 namens <em>HU-210<\/em> <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/BF01959156\">erwies sich als<\/a>\u201a tausendfach aktiver als sein synthetisches Spiegelbild <em>HU-221<\/em>\u2019.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Suche nach Antworten<\/strong><br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den sp\u00e4ten 80er Jahren wurde die Liste der belegbaren medizinische Nutzen von Cannabis und dessen Cannabinoiden immer l\u00e4nger. Forscher wussten nun, dass die Pflanze bei <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/808653\">Epilepsie<\/a>, Neuropathie und sogar <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/1159836\">Krebs<\/a> Wirkung zeigt. Das Wissen \u00fcber den medizinischen Nutzen von Cannabis regte zu dieser Zeit viele Menschen an, Cannabis selbst auszuprobieren. Insbesondere die oben genannten THC- und Krebsstudien f\u00fchrten dazu, dass 1975 das besondere Rick Simpson Cannabis\u00f6l hergestellt wurde.\t<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber niemand wusste bisher wie Cannabis wirkt und wie es chemisch gebunden ist. Dies berichtete der Forscher Mechoulam auf dem\u201a <a href=\"https:\/\/www.ilae.org\/journals\/epigraph\/epigraph-vol-21-issue-1-winter-2019\/raphael-mechoulam-and-the-history-of-cannabis-research\">European Congress on Epileptology\u2019:<\/a><br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201cEs gab keine genaue Vorstellung [von Endocannabinoiden]. Der Wirkungsmechanismus von THC war unbekannt.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Forscher nahmen an, dass Cannabinoide und insbesondere THC nach einem verallgemeinerten, nicht cannabinoid-spezifischen Schema wirken.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Die Theorie, dass sich THC in der Zellmembran aufl\u00f6st oder so etwas \u00c4hnliches, erwies sich als falsch.\u201d<\/em><br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die meisten Forscher sind intuitiv von einem verallgemeinerten Schema ausgegangen und empfanden Mechoulams Aussagen als suspekt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem <a href=\"https:\/\/lumirlab.com\/publication\/a-historical-overview-of-chemical-research-on-cannabinoids\/\">umfassenden geschichtlichen \u00dcberblick zum Thema Cannabisforschung<\/a> best\u00e4tigte Lum\u00edr Hanu\u0161 die Annahmen der Forscher: \u201cF\u00fcr die meisten Neurowissenschaftler ist es undenkbar, dass das Gehirn seine Ressourcen verschwendet, um einen Rezeptor auszubilden, der die Bestandteile einer Pflanze bindet.\u201d&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit anderen Worten lautete die gel\u00e4ufige Theorie, dass Cannabinoide ihre Wirkungsweise mit einem anderen Stoff teilen m\u00fcssten. Irgendwie und irgendwo muss mit diesem Rezeptor etwas geschehen sein, dass er Cannabinoide akzeptiert.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Endocannabinoide: <\/strong> <strong>Ein fehlendes Puzzleteil<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"256\" height=\"320\"  srcset=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB4bWxucz0naHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmcnIHZpZXdCb3g9JzAgMCAxIDEnPjwvc3ZnPg== 100w\" src=\"https:\/\/dist.cannigma.com\/2019\/09\/Ein-fehlendes-Puzzleteil.png\" alt=\"Ein fehlendes Puzzleteil\" class=\"wp-image-2736 lazyload \"\/ data-srcset=\"https:\/\/dist.cannigma.com\/2019\/09\/Ein-fehlendes-Puzzleteil.png\" alt=\"Ein fehlendes Puzzleteil\" class=\"wp-image-2736\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Im Jahre 1990,<\/strong> wurde ein <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/346561a0\">Rezeptor im Hirn<\/a> entdeckt, der auf THC reagiert. Forscher nannten diesen Rezeptor Cannabinoid-Rezeptor-Typ 1 (kurz CB1). Weitere Untersuchungen ergaben, dass die Konzentration der CB1-Rezeptoren im zentralen Nervensystem am h\u00f6chsten ist. Ebenso stellten diese Studien fest, dass der CB1 der aktivste Hirnrezeptor seiner Klasse, den G-Protein-gekoppelten-Rezeptoren, ist.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurz darauf wurde ein <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/365061a0\">zweiter Cannabinoid-Rezeptor<\/a> entdeckt, welcher CB2 genannt wurde. Dieser Rezeptor aber schien nicht so aktiv im Gehirn zu sein wie CB1 und regiert scheinbar nicht nur auf THC. Anstatt im Gehirn, fanden sich CB2-Rezeptoren vorwiegend in Extremit\u00e4ten und Organen.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun blieb nur ein Puzzleteil ungekl\u00e4rt: welche weiteren Stoffe aktivieren CB1- und CB2-Rezeptoren? Sicher waren es nicht nur pflanzliche Cannabinoide. Forscher schlossen daraus, dass es eine Art innerer Agonist geben muss, der CB aktiviert, auch wenn kein Cannabis im K\u00f6rper ist. Zur\u00fcck zu Hanu\u0161\u2019 Kommentar:<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&nbsp;\u201cDie einzig logische [Annahme] ist, dass das Gehirn neuronale Vermittler produziert\u2026 eine spezielle Verbindung (oder eine Familie aus Verbindungen), die Cannabinoid Rezeptoren aktivieren.\u201d<\/em><br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Intuition von Hanu\u0161 und weiteren Chemikern erwies sich als richtig. Die Zusammenarbeit mit dem Pharmakologen William Devane half Lum\u00edr Hanu\u0161 das erste Endocannabinoid zu entdecken: <strong>Anadamide<\/strong>. Eine Kombination aus der Vorsilbe <em>ananda <\/em>(Sanskrit f\u00fcr \u201cGl\u00fcckseligkeit\u201d) und der wissenschaftlichen Endung <em>-amide. <\/em>Die <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC1760722\/#__sec4title\">Entdeckung von Anadamide<\/a> eroberte die wissenschaftliche Welt im Sturm. Jetzt wussten die Forscher wonach sie suchen mussten und identifizierten andere fetts\u00e4urebasierenden Molek\u00fcle, die anscheinend auf CB1 Rezeptoren reagieren. Das erste wurde 2-Arachidonoylglycerol genannt, kurz 2-AG.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Entdeckung von Anandamiden wurde ein biologisches Puzzle endlich gel\u00f6st: Menschen reagieren auf Cannabis, weil sie ein voll funktionst\u00fcchtiges <em>dreiteiliges Endacannabinoid<\/em><strong><em>&#8211;<\/em><\/strong><em>System<\/em><strong> <\/strong>(ECS)<strong> <\/strong>haben. Allerdings ist dieses metaphorische Puzzle weit davon entfernt vollst\u00e4ndig gel\u00f6st zu sein, aber Fortschritte werden gemacht. Mit zunehmendem Verst\u00e4ndnis des ECS wurden neue Techniken f\u00fcr dessen Aktivierung entwickelt. <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC2751266\/\">Einer Studie aus dem Jahr 2005<\/a> zufolge wurden folgende potentiell therapeutische Ziele des ECS entwickelt. Sie umfassen:<br><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Aktivierung der CB2 Rezeptoren, oder CB1 Rezeptoren + konjunktive Opioide zur Schmerzlinderung<\/li><li>Aktivierung von CB1 und CB2 ohne die Blut-Gehirn-Barriere zu durchbrechen<\/li><li>Aktivierung von CB1 und CB2 durch direkte Anwendung von Cannabinoiden auf der Haut<\/li><li>Aktivierung der \u201cautoprotective\u201d (Selbstschutz)- F\u00e4higkeiten des ECS&nbsp;<\/li><li>Aktivierung anderer Systeme durch CBD, die CB1 oder CB2 nicht direkt aktivieren<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ein neues Jahrhundert mit neuen Theorien<\/strong><br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die moderne Cannabis-Forschung f\u00f6rderte neue \u00fcbergreifende Erkenntnisse zu Tage. Systematische Ans\u00e4tze wie jene der Wissenschaftler Dr. Ethan Russo und Dr. Bob Melamede stellten neue Theorien in der Verbindung von Cannabis, Leben und Gesundheit auf, die zwar bislang z.T. unbewiesen sind, sich aber f\u00fcr viele Cannabis-Patienten weltweit im Alltag bewiesen haben.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dr. Russo r\u00fcckte 2004 ins Rampenlicht, als er der wissenschaftlichen Welt ein Konzept pr\u00e4sentierte, das in der Fachsprache: <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/15159679\">clinical endocannabinoid deficiency syndrome<\/a>\u2019 (klinisches Endocannabinoid-Mangel-Syndrom) genannt wird. In Anlehnung an seine Argumentation in Sachen CBD bemerkte Russo:<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201c[&#8230;] Wie wirkt sich eine Mangel an der Endocannabinoid-Funktion auf den menschlichen K\u00f6rper aus? Gut, das wussten wir bereits. Wenn Sie nicht genug Endocannabinoide im K\u00f6rper haben, haben Sie Schmerz an Stellen, an denen sie keinen Schmerz haben sollten. Sie w\u00fcrden sich krank f\u00fchlen, d.h. \u00dcbelkeit. Sie h\u00e4tten einen niedrigeren Schwellenwert f\u00fcr Kr\u00e4mpfe. Und sie h\u00e4tten eine ganze Reihe weiterer Probleme.\u201d<\/em><br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was unbewiesen bleibt, aber als g\u00e4ngige Annahme gilt ist, dass ein Mangel an Endocannabinoiden zu klinischen Krankheiten f\u00fchren kann:<em>&nbsp;<\/em><br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201cEine ganze Reihe gel\u00e4ufiger Krankheiten l\u00e4sst sich auf den Mangel an Endocannabinoiden zur\u00fcckf\u00fchren, darunter insbesondere Migr\u00e4ne, Reizdarmsyndrom sowie<\/em> <em>Fybromyalgie<\/em>&nbsp; <em>[&#8230;] Dies sind alles hyperalgetische Syndrome, was bedeutet, dass sie st\u00e4rkeren Schmerz sp\u00fcren, als sie sollten. Anders ausgedr\u00fcckt scheint das Gewebe in Ordnung auszusehen, aber ein biochemischer Prozess f\u00fchrt zu Schmerzen.\u201d<\/em><br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser biochemische Prozess ist in diesem Fall h\u00f6chstwahrscheinlich ein Mangel an Endocannabionoiden. Nahrungserg\u00e4nzung mit Cannabinoiden wie THC und CBD k\u00f6nnten einen derartigen Mangel ausgleichen. Besonders im Rahmen anderer Ver\u00e4nderung Ihrer Gewohnheiten. Erg\u00e4nzend zu Dr. Russos CECDS-Studien, war Russo ein m\u00fcndlicher Bef\u00fcrworter der positiven Nebenwirkungen von Cannabinoiden und deren pharmakologischen Bedeutung.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einer neueren Studie namens, \u201a<a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC3202504\/\">Cannabinoide in Gesundheit und Krankheit\u2019<\/a> beschreibt Mechoulam zusammen mit der Chemikerin Natalya Kogan, dass der therapeutische Nutzen von Cannabinoiden zu hoch sei, um ihm medizinisch kaum Beachtung zu schenken. Des Weiteren formulierten sie, dass Erbrechen, Epilepsie, Osteoporose, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Fettleibigkeit gute Kandidaten f\u00fcr die Behandlung mit medizinischem Cannabis seien.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend Dr. Russo und Mechoulam die eher konservative Seite der Cannabis-Forschung vertreten, sind die <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/7585117_Harm_reduction_-_The_cannabis_paradox\">Theorien von Dr. Bob Melamede<\/a> wissenschaftlich <a href=\"https:\/\/www.sevendaysvt.com\/vermont\/researcher-and-activist-bob-melamede-considers-marijuana-a-miracle-drug\/Content?oid=9959751\">mehr als umstritten<\/a>. Als ein Molekular-Biologe, der sich besonders auf DNA, RNA sowie ungeladene Elektronen ohne gebundenes Valenz-Elektron spezialisiert hatte, vertrat Dr. Melamede die Annahme, dass Cannabinoide als universelles Gegenmittel f\u00fcr chemische Unstimmigkeiten fungiere.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8222;Jede biochemische Ver\u00e4nderung, ob gut oder schlecht, bedeutet Stress f\u00fcr den K\u00f6rper. Und die Art und Weise, wie der K\u00f6rper mit Stress umgeht, ist durch unser Cannabinoid-Rezeptor-System gesteuert, denn dieses ist es, das unserem Gehirn erlaubte sich weiterzuentwickeln.&#8220;&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Medizinische Wissenschaftler (zumindest in den USA) reagierte mit gro\u00dfem Widerspruch. Dennoch kamen viele Cannabis-Patienten zu dem Schluss, dass Dr. Melamedes Theorien n\u00fctzlich \u2013 wenn nicht sogar lebensrettend \u2013 sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gro\u00dfer Zuwachs von CBD-Studien in den vergangenen Jahren:<\/strong><br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den vergangenen Jahren r\u00fcckten CBD-Studien zunehmend ins Rampenlicht der Wissenschaft. Auch wenn einst angenommen wurde, dass CBD als Wirkstoff eher inaktiv und dessen Wirkung marginal sei (fr\u00fchere Studien wie die von <a href=\"https:\/\/archive.org\/stream\/in.ernet.dli.2015.67152\/2015.67152.The-Journal-Of-Pharmalology-And-Experimental-Therapeutils88_djvu.txt\">Dr. Walter S. Loewe<\/a> bezogen sich auf CBD mit der Beschreibung \u201arelativ inaktiver Bestandteil\u2019), haben sich die Meinungen hierzu definitiv ge\u00e4ndert. Legislative Schritte, wie die Verabschiedung des \u201aFederal Farm Bill\u2019 von 2014 und 2018 in den USA, lie\u00dfen das Interesse an CBD und Hanf beispiellos anwachsen.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem wachsenden Interesse an CBD und dessen Wirkung, kamen auch weitere Studien zu dem Thema \u2013 Studien, die zweifelsfrei belegen, dass CBD tats\u00e4chlich ein sehr aktiver Wirkstoff ist. Zwar spricht es nicht direkt die Endocannabinoid-Rezeptoren an, hilft aber stattdessen indirekt THC und Endocannabinoide an den Rezeptor zu binden.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn Cannabis bereits seit <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007%2FBF02862859?LI=true\">\u00fcber 6.000 Jahren<\/a> medizinische Anwendung findet, wurde die Pflanze erst in den letzten ca. 100 Jahren wissenschaftlich erforscht. So vielversprechend die existierenden Studien zwar wirken, zeigt die kurze Zeitspanne der Forschung, dass es m\u00f6glich ist, dass die Wissenschaftler immer noch wichtige Aspekte au\u00dfer Acht lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das gesagt, scheint die Forschung im Thema Cannabis dennoch in die richtige Richtung zu gehen. Die Zahl der Studien \u00fcber (Endo-)Cannabinoide vergr\u00f6\u00dfert sich t\u00e4glich und gl\u00fccklicherweise umfassen diese Studien viele Aspekte, die auf die ganzheitliche Wirkung von Cannabis und dessen <a href=\"https:\/\/www.projectcbd.org\/science\/cbd-isolates-vs-full-spectrum-cbd\">Entourage-effekte<\/a> abzielen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">M\u00f6glicherweise stellte es Lum\u00edr Hanu\u0161 in einem Interview mit \u201aProject CBD\u2019 am besten dar:<em>&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201cIch sehe zwei m\u00f6gliche Wege [f\u00fcr die Zukunft der Cannabis-Forschung]. Einer wird sich auf die Weiterentwicklung aktiver Wirkstoffe konzentrieren, die patentiert werden k\u00f6nnen, um so viel Geld wie m\u00f6glich damit zu machen. <\/em><strong><em>Der zweite Weg wird das Wohl der Patienten dem Profit vorziehen und sich auf die ganze Pflanze und die synergetischen Effekte deren Wirkstoffe fokussieren.<\/em><\/strong><em>\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Zukunft sollten sie nach Studien dieses zweiten Weges Ausschau halten \u2013 Studien \u00fcber die Nebeneffekte und Mysterien des Cannabis. Die Komplexit\u00e4t und Vielfalt der Cannabispflanze deutet darauf hin, dass immer noch viel zu entdecken ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Beispiel belegte bereits eine Studie, dass <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC6334252\/\">THC mit CBD zusammenarbeitet.<\/a>&nbsp; Wissenschaftler haben ebenfalls herausgefunden, dass Terpene wie Mycren helfen, die <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/topics\/agricultural-and-biological-sciences\/myrcene\">Blut-Hirn-Barriere<\/a> f\u00fcr Cannabinoide zu \u00f6ffnen. <a href=\"https:\/\/www.scirp.org\/pdf\/PP_2015021016351567.pdf\">Eine weitere Studie<\/a> bei Mechoulam belegte, dass vollpflanzliche Extrakte isolierten CBD-Produkten weit \u00fcberlegen sind. Aber um stichhaltig herauszufinden, was die Wirkung und Wechselwirkung der unterschiedlichen Inhaltsstoffe ausmacht, braucht es weit mehr Studien zu dem Thema. Zum Gl\u00fcck sind die Pioniere in Sachen Cannabis-Forschung ehrgeizig in der Fortf\u00fchrung der Studien zur Cannabis-Pflanze.<br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Phytocannabinoide wie THC und CBD haben in den letzten Jahren viel Aufsehen erregt und das zu Recht. Die therapeutischen Vorteile des medizinischen Cannabis gehen weit \u00fcber die offensichtlichen Faktoren hinaus. Die Forschung des 20. 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