{"id":3243,"date":"2019-10-01T15:18:20","date_gmt":"2019-10-01T15:18:20","guid":{"rendered":"https:\/\/cannigma.com\/?p=3243"},"modified":"2021-07-06T08:56:41","modified_gmt":"2021-07-06T08:56:41","slug":"medizinisches-cannabis-in-der-geschichte-mitteleuropas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cannigma.com\/de\/geschichte\/medizinisches-cannabis-in-der-geschichte-mitteleuropas\/","title":{"rendered":"Medizinisches Cannabis in der Geschichte Mitteleuropas"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Cannabis war \u00fcber viele Jahrhunderte die am h\u00e4ufigsten angebaute Heil- und Nutzpflanze. Im 19. Jahrhunderts galten Cannabis-Rezepturen als Allheilmittel und geh\u00f6rten zu den am meisten verkauften Arzneimitteln. Dann wurde Cannabis von synthetischen Medikamenten vom Markt verdr\u00e4ngt und schlie\u00dflich wegen seiner psychoaktiven Wirkungen sogar gesetzlich verboten. Seit einigen Jahren r\u00fcckt die Heilpflanze wieder ins Blickfeld der Medizin<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hanf ist eine der \u00e4ltesten Kulturpflanze der Welt. Vermutlich urspr\u00fcnglich im Himalaya-Gebiet beheimatet, tritt die anspruchslose Pflanze ihren Siegeszug um die ganze Welt an. Um 500 n. Chr. breitet sich der Hanfanbau nach Mitteleuropa aus. Die Hanfsamen dienen vor allem als Nahrungsmittel, die Pflanzenfasern als Rohstoff f\u00fcr die Herstellung von Seilen, Segeln, Papier und Kleidung. Zahlreiche Funde und Quellen dokumentieren die Bedeutung von Hanf als Nutzpflanze.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Karl der Gro\u00dfe beschreibt 812 in seiner Landg\u00fcterverordnung <a href=\"https:\/\/deacademic.com\/dic.nsf\/dewiki\/824747\">\u201eCapitulare de villis vel curtis imperii\u201c<\/a> die Organisation seiner Krong\u00fcter. Da es vorher \u2013 nicht zuletzt infolge von Karls Kriegen \u2013 immer wieder zu Versorgungsengp\u00e4ssen gekommen ist, wird darin alles deutlich geregelt. Die erste Land- und Wirtschaftsordnung des Mittelalters listet klar und deutlich auf, was im Haupthof und was in den Nebenh\u00f6fen alles produziert werden soll, wie viele H\u00fchner, K\u00fche oder Ziegen vorhanden sein sollen. Im Kapitel LXX wird neben Themen wie Dreifelderwirtschaft, Herstellung von Malz, Anbau von Wein, Flachs, Hirse und Fr\u00fchkohl auch die landwirtschaftliche Kultivierung von Hanf beschrieben.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"180\" height=\"262\"  srcset=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB4bWxucz0naHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmcnIHZpZXdCb3g9JzAgMCAxIDEnPjwvc3ZnPg== 100w\" src=\"https:\/\/dist.cannigma.com\/2019\/10\/Transcript.png\" alt=\"Kapitel LXX des Capitulare de villis vel curtis imperii\" class=\"wp-image-3526 lazyload \"\/ data-srcset=\"https:\/\/dist.cannigma.com\/2019\/10\/Transcript.png\" alt=\"Kapitel LXX des Capitulare de villis vel curtis imperii\" class=\"wp-image-3526\"\/><figcaption> Abbildung: Kapitel LXX des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Capitulare_de_villis\">Capitulare de villis vel curtis imperii<\/a> <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-cannabis-in-der-klostermedizin\">Cannabis in der Klostermedizin<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit dem Fr\u00fchmittelalter wird die Cannabispflanze, vor allem aber ihr Samen und das daraus gewonnene \u00d6l, in Mitteleuropa zur Behandlung von Husten, Gelbsucht und Geschw\u00fclsten aller Art hoch gesch\u00e4tzt. Hebammen verwenden Hanfwickel um Leib und Fu\u00dfgelenke zur <a href=\"https:\/\/books.google.co.uk\/books?id=8XE-AAAAQBAJ&amp;pg=PA21&amp;lpg=PA21&amp;dq=hemp+fertility+rituals++switzerland&amp;source=bl&amp;ots=ZGgAgKol6r&amp;sig=C97nDJjPgz1U25PZYABh8M1XOaQ&amp;hl=en&amp;sa=X&amp;ei=ZwU0VPX8Co7TaMfYgqgC&amp;ved=0CFMQ6AEwCA#v=onepage&amp;q=hemp%20fertility%20rituals%20%20switzerland&amp;f=false\">Geburtserleichterung. <\/a>Ein verbreiteter Brauch ist es auch, der germanischen G\u00f6ttin Freya mit Hanfr\u00e4ucherungen zu huldigen. Vor diesem Hintergrund ist die Benediktinerin, \u00c4btissin, Dichterin und Komponistin und Hildegard von Bingen (1098\u20131179) aufgewachsen. Gegen jedes Zipperlein hat sie ein Kraut in ihrem Klostergarten \u2013 darunter nat\u00fcrlich Hanf. Die&nbsp; Universalgelehrte gilt als diejenige, die das medizinische Wissen aus den alten Hochkulturen mit mittelalterlicher Volksheilkunde verband und f\u00fcr die Menschen zug\u00e4nglich machte. Ihre naturkundlichen und medizinischen Schriften entstehen zwischen 1150 und 1160. Ihr Werk \u201ePhysica \u2013 Liber simplicis medicinae\u201c umfasst 2000 Rezepte aus Heilpflanzen sowie andere Heilmethoden. Darin erw\u00e4hnt sie<a href=\"https:\/\/hildegard-leben.de\/2018\/07\/12\/hanf\/\"> Cannabis<\/a> als schmerzstillende und verdauungsf\u00f6rdernde Pflanze, au\u00dferdem empfiehlt sie Cannabis zur lokalen Behandlung von Geschw\u00fcren und Wunden. Weitere Anwendungsgebiete sieht sie bei rheumatischen und bronchialen Erkrankungen sowie bei \u00dcbelkeit und anderen Magenbeschwerden. Dar\u00fcber betrachtet sie Cannabis als probaten Opiumersatz. Ihre Ausf\u00fchrungen zur Heilkunde wurden von Generation zu Generation weitergegeben.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch im 14. Jahrhundert werden Hildegards Schriften in m\u00fchsamer Arbeit von gebildeten M\u00f6nchen und Nonnen in den Skriptorien der Kl\u00f6ster per Hand auf das teure aus Tierh\u00e4uten hergestellte Pergament geschrieben. Ein erster technischer Fortschritt ist die Einf\u00fchrung des Blockdrucks bzw. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Blockdruck\">Holztafeldrucks,<\/a> einer Erfindung aus China. Die Verbreitung der medizinischen Schriften beschleunigt sich nochmal gewaltig, als Johannes Gensfleisch (1400\u20131468), genannt Gutenberg, die herk\u00f6mmliche Methode der Buchproduktion 1450 durch die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Buchdruck\">Erfindung von beweglichen Lettern<\/a> revolutioniert.<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Buchdruck\"> <\/a>Seit einigen Jahrzehnten gibt es zudem eine mitteleurop\u00e4ische Papierproduktion: 1390 baut der N\u00fcrnberger Gro\u00dfh\u00e4ndler, Fabrikant und Ratsherr <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ulman_Stromer\">Ulman Stromer (1329\u20131407) <\/a>die Glei\u00dfm\u00fchle an der Pegnitz in die Haderm\u00fchle (Hadern = Lumpen) um \u2013 es ist die erste \u201ePapierfabrik\u201d n\u00f6rdlich der Alpen. Als Ausgangsmaterial dienen Lumpen aus Hanffasern. Das vergleichsweise g\u00fcnstig hergestellte Hanfpapier l\u00f6st das bislang g\u00e4ngige Pergament ab. Dies hat zur Folge, dass N\u00fcrnberg zu einem <a href=\"https:\/\/zwischenbetrachtung.de\/2019\/07\/26\/papierherstellung\/\">zentralen Ort der Papierproduktion <\/a>wird. Neben N\u00fcrnberg entwickeln sich schon bald Ravensburg und Basel zu bedeutsamen Papierzentren.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"220\" height=\"279\"  srcset=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB4bWxucz0naHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmcnIHZpZXdCb3g9JzAgMCAxIDEnPjwvc3ZnPg== 100w\" src=\"https:\/\/dist.cannigma.com\/2019\/10\/Transcript-1.png\" alt=\"unheiliges Sakrament und Hexenkraut\" class=\"wp-image-3524 lazyload \"\/ data-srcset=\"https:\/\/dist.cannigma.com\/2019\/10\/Transcript-1.png\" alt=\"unheiliges Sakrament und Hexenkraut\" class=\"wp-image-3524\"\/><figcaption> Abbildung: Gutenberg-Bibel <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-verbot-als-unheiliges-sakrament-und-hexenkraut\">Verbot als unheiliges Sakrament und Hexenkraut<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte hat bis jetzt gezeigt, wie vielseitig Cannabis einsetzbar ist: Die Samen dienen als Grundstoff f\u00fcr Nahrung und \u00d6le, die Pflanzenfasern als Rohstoff f\u00fcr die Herstellung von Seilen, Segeln, Kleidung und Papier. Zudem ist Cannabis eine Heilpflanze mit gro\u00dfem Wirkungsspektrum. Eigentlich perfekt. Dummerweise kann man sich mit dieser Pflanze \u2013 genau genommen nur mit Exemplaren mit ausreichend hohen THC-Gehalt \u2013 auch berauschen. Und diese Eigenschaft hat Cannabis immer wieder aufs Neue in Verruf gebracht \u2013 erstmals im Mittelalter. 1484 verbietet Papst Innozenz VIII in der Bulle <a href=\"https:\/\/en.wikisource.org\/wiki\/Summis_desiderantes\">\u201eSummis desiderantes affectibus\u201c<\/a> die medizinische Verwendung von Cannabis. Als unheiliges Sakrament der Satansmesse schreibt er die Heilpflanze dem Hexenkult zu und zwingt sie und ihre Anwender in den Untergrund bzw. in die Verbannung. Heiler und Kr\u00e4uterkundigen stellen ein potenzielles Ziel f\u00fcr Hexenverfolger dar. Ihnen drohen Folter und Tod.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-cannabis-erlebt-eine-renaissance\">Cannabis erlebt eine Renaissance<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1532 holt der franz\u00f6sische Renaissance-Schriftsteller Fran\u00e7ois Rabelais (1494\u20131553) \u2013 er ist zugleich Benedektinerm\u00f6nch und Arzt \u2013 Cannabis im dritten Band seines Romanzyklus <a href=\"https:\/\/online.medunigraz.at\/mug_online\/wbabs.getDocument?pThesisNr=34290&amp;pAutorNr=61106&amp;pOrgNR=1,%20https:\/\/www.google.com\/\">\u201eGargantua und Pantagruel\u201c<\/a> aus dem Dunkel der Inquisition. Sicherheitshalber ver\u00f6ffentlicht Rabelais den Roman, in dem er zugleich Kirche, Staat und okkulte Mythen verspottet, unter dem Pseudonym Alcofribas Nasier. Cannabis versteckt er zus\u00e4tzlich hinter dem Tarnnamen Pantagruelion.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einer anderer der in den dunklen Zeiten der Inquisition das Licht der Welt erblickt, ist der ber\u00fchmte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Paracelsus\">Paracelsus (1493\u20131541),<\/a> mit b\u00fcrgerlichem Namen Theophrastus Bombastus von Hohenheim. Er ist Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker und Philosoph \u2013 ein typischer Vertreter der Renaissance, der Medizin und Naturwissenschaften seiner Zeit aufmischen sollte. Zahlreiche Krankenh\u00e4user, Kliniken und Heilpraktikerschulen in Deutschland, \u00d6sterreich und in der Schweiz sind heute nach ihm benannt. Er stellt die antiken medizinischen Schriften, Autorit\u00e4ten und Lehren infrage, spricht ver\u00e4chtlich von verstaubten B\u00fccherweisheiten. Er h\u00e4lt seine medizinischen Vorlesungen nicht mehr in Latein, sondern auf Deutsch,<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/arzt-paracelsus-zwischen-wissenschaft-und-allmachtsfantasien.871.de.html?dram:article_id=366667\"> um sie f\u00fcrs \u201ef\u00fcrs gemeine Volk\u201c zu \u00f6ffnen.<\/a> Seine Karriere als Medizinprofessor und Stadtarzt von Basel endet ziemlich abrupt, als er die Schriften der Klassiker Hippokrates, Galen und Avicenna \u00f6ffentlich verbrennt und dabei proklamiert: <a href=\"https:\/\/anthrowiki.at\/Paracelsus\">\u201eEs ist verfehlt, in der Medizin sein Wissen vom H\u00f6rensagen und Lesen zu sch\u00f6pfen!\u201c<\/a> Statt auf \u00fcberlieferte Rezepturen zu setzen, destilliert, sublimiert und extrahiert er Kr\u00e4uter und experimentiert damit \u2013 deshalb gilt er als einer der Begr\u00fcnder einer naturwissenschaftlich orientierten Heilkunde und der Herstellung von chemisch definierten Arzneistoffen. Paracelsus muss sich wegen seiner Methoden mehrfach vor<a href=\"https:\/\/anthrowiki.at\/Paracelsus\"> Gericht<\/a> verantworten. So wird ihm der Vorwurf gemacht, er gebe seinen Patienten Gift. Teil seiner Verteidigung ist der ber\u00fchmt gewordene Satz:<a href=\"https:\/\/anthrowiki.at\/Paracelsus\"> \u201eAlle Ding&#8216; sind Gift und nichts ohn\u2019 Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding\u2019 kein Gift ist.\u201c<\/a> Oft wird die Aussage verk\u00fcrzt zu \u201eNur die Dosis macht das Gift\u201c (lat. Sola dosis facit venenum). Auch Paracelsus erkennt den medizinischen Wert von Cannabis und empfiehlt ihn als<a href=\"https:\/\/www.henriettes-herb.com\/eclectic\/madaus\/cannabis.html\"> Balsam zur Heilung von Kontrakturen.&nbsp;<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1539 ver\u00f6ffentlichte der deutsche Mediziner <a href=\"https:\/\/www.biologie-seite.de\/Biologie\/Hieronymus_Bock\">Hieronymus Bock<\/a> (1498\u20131554), genannt Tragus, die erste Ausgabe seines Werks \u201eKreutterbuch\u201c mit illustrierter Beschreibung von Cannabis und dessen medizinischen Einsatzm\u00f6glichkeiten. 1550\u20131551 \u00fcberarbeitet er das Werk unter dem Namen \u201eNew Kreutterbuch\u201c mit seinem Freund und Sch\u00fcler <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tabernaemontanus\">Jacobus Theodorus Tabernaemontanus<\/a> (1522\u20131590), b\u00fcrgerlich Jakob Diether. F\u00fcr den <a href=\"https:\/\/www.henriettes-herb.com\/eclectic\/madaus\/cannabis.html\">innerlichen Gebrauch,<\/a> und zwar gegen trockenen Husten,<a href=\"https:\/\/www.henriettes-herb.com\/eclectic\/madaus\/cannabis.html\"> <\/a>verwendet das Sch\u00fcler-Lehrer-Gespann Bock\/Tabernaemontanus die Samen, das Kraut <a href=\"https:\/\/www.henriettes-herb.com\/eclectic\/madaus\/cannabis.html\">f\u00fcr Umschl\u00e4ge<\/a> bei Hitze des Kopfes und der Glieder sowie bei Gicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und dann ist da noch der Arzt und Botaniker Garcia de Orta (1500\u20131568), der Cannabis in den Fokus des medizinischen Interesses r\u00fcckt. Um Verfolgungen durch die Inquisition zu entkommen, verl\u00e4sst er 1531 Portugal f\u00fcr immer und reist nach Indien, wo er als Milit\u00e4rarzt, Leibarzt verschiedener F\u00fcrsten sowie als Gew\u00fcrzh\u00e4ndler arbeitet. Sein gro\u00dfes theoretisches und praktisches Wissen ver\u00f6ffentlichte er 1563 in seinem Werk <a href=\"https:\/\/pt.wikipedia.org\/wiki\/Col%C3%B3quios_dos_Simples_e_Drogas_da_India\">\u201eCol\u00f3quios dos Simples e Drogas e Cousas Medicinais da \u00cdndia\u201c. <\/a>Darin behandelt er Krankheiten, die im Westen bis dato wenig bekannt sind, sich wegen der zunehmenden Reiset\u00e4tigkeit aber nach und nach ausbreiten \u2013 vor allem aber beschreibt er deren Behandlung. Sie erfordert n\u00e4mlich den Einsatz von Medikamenten, die bislang au\u00dferhalb der indischen Gebiete absolut unbekannt sind. Eine Rolle spielt Cannabis \u2013 als erster Europ\u00e4er beschreibt Garcia de Orta in diesem Zusammenhang auch die psychoaktive Wirkung des indischen Hanfs. Das Buch setzte sich in Europa schnell durch und wurde zum Standardwerk der fr\u00fchen europ\u00e4ischen Tropenmedizin.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-eines-der-ersten-mittel-der-hom-opathie\">Eines der ersten Mittel der Hom\u00f6opathie<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend des 17. Jahrhunderts verschwindet das Interesse an den Kr\u00e4uterb\u00fcchern allm\u00e4hlich und weicht im Zuge der Aufkl\u00e4rung einem zunehmend wissenschaftlich-medizinischen Ansatz. So besch\u00e4ftigt sich der Arzt und \u00dcbersetzer <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Samuel_Hahnemann\">Samuel Hahnemann<\/a> (1755\u20131843) mit Cannabis. Als Erfinder der hom\u00f6opathischen Lehre stets um eine m\u00f6glichst niedrige, trotzdem aber heilende Dosis bem\u00fch befindet er 1797, dass Cannabis eine wirksame Medizin ist, die durchaus gr\u00f6\u00dferer Beachtung wert sei. In <a href=\"https:\/\/www.zeno.org\/Kulturgeschichte\/M\/Hahnemann,+Samuel\/Reine+Arzneimittellehre\/Erster+Theil\/Hanf,+Cannabis+sativa+L\">Band 1 seiner \u201eReinen Arzneimittellehre\u201c<\/a> beschreibt er ausschlie\u00dflich Cannabis sativa.<a href=\"https:\/\/www.zeno.org\/Kulturgeschichte\/M\/Hahnemann,+Samuel\/Reine+Arzneimittellehre\/Erster+Theil\/Hanf,+Cannabis+sativa+L\"> <\/a>Er ist n\u00e4mlich der Meinung, dass die \u00c4hnlichkeit mit Cannabis indica erstaunlich sei, man k\u00f6nne also die Unterschiede vernachl\u00e4ssigen (nach Hahnemann hat es sich in der hom\u00f6opathischen Arzneimittellehre allerdings eingeb\u00fcrgert, zwischen Cannabis sativa und Cannabis indica zu differenzieren). Nach dem \u00c4hnlichkeitsprinzip entwickelte Samuel Hahnemann eine eigenst\u00e4ndige Therapie, die auf wissenschaftlicher Erforschung beruhte. Insofern geh\u00f6rt auch er zu den Pionieren einer einer wissenschaftlichen Medizin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.zeno.org\/Kulturgeschichte\/M\/Hahnemann,+Samuel\/Reine+Arzneimittellehre\/Erster+Theil\/Hanf,+Cannabis+sativa+L\"> \u201eReinen Arzneimittellehre\u201c<\/a> beschreibt er ausschlie\u00dflich Cannabis sativa.<a href=\"https:\/\/www.zeno.org\/Kulturgeschichte\/M\/Hahnemann,+Samuel\/Reine+Arzneimittellehre\/Erster+Theil\/Hanf,+Cannabis+sativa+L\"> <\/a>Er ist n\u00e4mlich der Meinung, dass die \u00c4hnlichkeit mit Cannabis indica erstaunlich sei, man k\u00f6nne also die Unterschiede vernachl\u00e4ssigen (nach Hahnemann hat es sich in der hom\u00f6opathischen Arzneimittellehre allerdings eingeb\u00fcrgert, zwischen Cannabis sativa und Cannabis indica zu differenzieren). Nach dem \u00c4hnlichkeitsprinzip entwickelte Samuel Hahnemann eine eigenst\u00e4ndige Therapie, die auf wissenschaftlicher Erforschung beruhte. Insofern geh\u00f6rt auch er zu den Pionieren einer einer wissenschaftlichen Medizin.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-indisches-heilwissen-bereichert-europ-ische-schulmedizin\">Indisches Heilwissen bereichert europ\u00e4ische Schulmedizin<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1839, knapp 300 Jahre nach dem Indien-Reisenden Garcia de Orta, verhilft der in Kalkutta stationierte irische Arzt<a href=\"https:\/\/online.medunigraz.at\/mug_online\/wbabs.getDocument?pThesisNr=34290&amp;pAutorNr=61106&amp;pOrgNR=1,%20https:\/\/www.google.com\/\"> William B. O\u2019Shaughnessy<\/a> (1809\u20131889) Cannabis mit seiner Studie \u201eOn the Preparation of the Indian Hemp or Gunja\u201c in der sich neu etablierenden Schulmedizin zum Durchbruch. O\u2019Shaughnessy kompiliert das indische Volkswissen \u00fcber die Pflanze und pr\u00fcft ihre Wirkung erst im Tierversuch, dann an Menschen und schlie\u00dflich an sich selbst. Er behandelt Rheumatismus, Starrkrampf, Delirium tremens, Cholera, Tollwut und Kr\u00e4mpfe mit Erfolg. Ihn fasziniert vor allem die krampfl\u00f6sende Wirkung des Cannabis.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-allheilmittel-im-19-jahrhundert\">Allheilmittel im 19. Jahrhundert<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um 1900 erreicht die Cannabis-Forschung ihren vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt. Merck in Darmstadt wird zum f\u00fchrenden Hersteller von Cannabis-Produkten: Mittel zur Bek\u00e4mpfung von Schlaflosigkeit, Schmerzen, Husten, Tuberkulose, Neuralgien, Rheumatismus und Depressionen. Zur \u00e4u\u00dferlichen Anwendung wird Cannabis unter anderem bei Brandwunden und Muskelschmerzen verschrieben und auch bei H\u00fchneraugen.<a href=\"https:\/\/www.mwv-berlin.de\/produkte\/!\/title\/weissbuch-cannabis\/id\/482\"> \u201eDa hilft nur Haschisch\u201c,<\/a> wirbt eine Anzeige f\u00fcr ein H\u00fchneraugenmittel auf Cannabis-Basis. Ob also als Einreibung, als Tinktur zur inneren oder \u00e4u\u00dferen Anwendung, zum Essen, zum Trinken, sp\u00e4ter auch zum Schlucken in Pillenform \u2013 in jeder denkbaren Darreichungsform wird<a href=\"https:\/\/www.mwv-berlin.de\/buecher-bestellen-2016\/images\/product_images\/\"> Cannabis als Universalheilmittel<\/a> eingesetzt. Von der Wiege bis zur Bahre \u2013 kaum eine Gelegenheit und Krankheit, bei der er nicht \u00e4rztlich verordnet wird, obwohl die berauschende und Sucht erzeugende Wirkung bekannt ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Cannabis wird zum meistverkauften Arzneimittel. Als \u201emildes Schlafmittel\u201c f\u00fcr Babys und Kleinkinder, als aufmunterndes Mittel f\u00fcr jedermann, als hustenlinderndes Mittel bei Tuberkulose und schlie\u00dflich, um beim Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieg 1870\u20131871 Leistungsf\u00e4higkeit, Durchhalteverm\u00f6gen und Kampfgeist der Soldaten zu st\u00e4rken \u2013 oder damit sie die schlimmen Kriegserlebnisse besser verarbeiten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis zum Jahr 1872 ist der Konsum von Cannabis komplett unreguliert. Erst die<a href=\"https:\/\/archive.org\/stream\/pharmazeutische15unkngoog\/pharmazeutische15unkngoog_djvu.txt\"> Verordnung, betreffend den Verkehr mit Apothekerwaaren<\/a>, erlassen vom ersten deutschen Kaiser Wilhelm I., bringt eine erste Regelung zu Cannabis in Deutschland. \u201eDroguen und chemische Pr\u00e4parate\u201c \u2013 nein, Sie lesen richtig, das alles schreibt man damals tats\u00e4chlich so \u2013 d\u00fcrfen der Verordnung nach ab sofort ausschlie\u00dflich in Apotheken verkauft werden. Es ist der erste Schritt in Richtung einer staatlichen Regulierung. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-man-raucht-cannabis-aber-eine-massendroge-wird-es-nie\">Man raucht Cannabis, aber eine Massendroge wird es nie<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch das Rauchen von Cannabis ist popul\u00e4r, teils aus finanziellen Gr\u00fcnden, denn Tabak ist vergleichsweise teuer. Viele Bauern rauchen wild gewachsenem oder von ihnen kultivierten Hanf mit niedrigem Gehalt an THC. Cannabis zum Rauchen wird \u201eKraut\u201c, \u201eOrient\u201c oder \u201eKnaster\u201c genannt, weil er beim Verbrennen so sch\u00f6n knastert. Auch \u201estarker Tobak\u201c, eine Hanf-Tabak-Mischung, findet viele Anh\u00e4nger. Sie wird in Tabakl\u00e4den verkauft, in \u00d6sterreich Trafiken genannt. Die Tabakdosen dieser Zeit sind oft mit Rauchspr\u00fcchen dekoriert wie zum Beispiel \u201eMisch nicht Orient mit Bier, sonst werden Deine Tr\u00e4ume wirr\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die beiden Wiener Gro\u00dfhandlungen Bruno Rabe und Philipp R\u00f6der lieferten \u201eIndische-Zigaretten\u201c an Apotheken. Beworben als Heilmittel \u201eaus Cannabis indica\u201cstellte sich sp\u00e4ter heraus, dass diese Zigaretten fast zum Gesamtteil aus Bl\u00e4ttern der giftigen Tollkirsche bestanden und nur zu einem Minimum aus dem beworbenen Cannabis-Kraut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abbildung: <a href=\"https:\/\/www.apotheker.or.at\/internet\/oeak\/newspresse.nsf\/ecd0ce14d79a083ac1257b27004f58db\/c8770ce1a1e44ebec125825800341c29\/$FIL\">Zeitungsinserat<\/a> f\u00fcr Cannabis-Zigaretten aus dem Jahr 1877<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"515\" height=\"276\"  srcset=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB4bWxucz0naHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmcnIHZpZXdCb3g9JzAgMCAxIDEnPjwvc3ZnPg== 100w\" src=\"https:\/\/dist.cannigma.com\/2019\/10\/Transcript-3.jpg\" alt=\"Abbildung: Zeitungsinserat f\u00fcr Cannabis-Zigaretten \" class=\"wp-image-3520 lazyload \"\/ data-srcset=\"https:\/\/dist.cannigma.com\/2019\/10\/Transcript-3.jpg\" alt=\"Abbildung: Zeitungsinserat f\u00fcr Cannabis-Zigaretten \" class=\"wp-image-3520\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allm\u00e4hlich wird Tabak preislich g\u00fcnstiger, deshalb verliert das Hanfrauchen allm\u00e4hlich seine hohe Beliebtheit. In K\u00fcnstlerkreisen und in Teilen der Oberschicht<a href=\"https:\/\/hls-dhs-dss.ch\/de\/articles\/016557\/2015-05-26\/\"> <\/a>hat Cannabis jedoch weiterhin <a href=\"https:\/\/hls-dhs-dss.ch\/de\/articles\/016557\/2015-05-26\/\">starken Zulauf.<\/a> Besonders eine <a href=\"https:\/\/www.derstandard.at\/story\/1297819722444\/love-story-der-untergang-der-edelkippe\">Zigarette namens \u201eNil&#8220; <\/a>trifft das Lebensgef\u00fchl vieler Menschen Anfang des 20. Jahrhunderts. Ab 1901 reiht sich die von der \u00d6sterreichischen Tabakregie, der Vorl\u00e4uferin der Austria Tabak, produzierte Zigarette mit einem Cannabis-Anteil von 8 Prozent in die Reihe anderer orientalischer Zigaretten mit geringem Cannabisanteil ein. Sie alle haben klingende Namen wie \u201eSalem No. 6\u201c, \u201eArabische N\u00e4chte\u201c oder \u201eHarem\u201c. Eine Massendroge jedoch wird Cannabis in Mitteleuropa nie.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-synthetische-arzneien-verdr-ngen-cannabis\">Synthetische Arzneien verdr\u00e4ngen Cannabis&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird das Naturprodukt Cannabis zunehmend vom Markt verdr\u00e4ngt und zwar von synthetisch hergestellten Arzneien. Die chemische Struktur von Opiaten, Barbituraten und Salicyls\u00e4ure haben die Chemiker und Pharmazeuten inzwischen gekl\u00e4rt. Aber die Struktur der wirksamen Bestandteile der Cannabis-Pflanze l\u00e4sst sich zum damaligen Zeitpunkt trotz erheblicher Bem\u00fchungen nicht ermitteln. Medizinisches Cannabis verliert wegen fehlender Standardisierung und den damit einhergehenden Dosierungsproblemen an Bedeutung.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-fortschritte-in-der-modernen-cannabis-forschung\"><strong>Fortschritte in der modernen Cannabis-Forschung<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie genau Cannabis wirkt, das war den Wissenschaftlern lange ein absolutes R\u00e4tsel. Erst 1964 gelingt es dem israelischen Wissenschaftler <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Raphael_Mechoulam\">Raphael Mechoulam<\/a> (geb. 1930), die wichtigste Substanz zu isolieren,<a href=\"https:\/\/cannigma.com\/de\/behandlung\/thc-vs-cbd-worin-besteht-der-unterschied\/\"> Delta-9-Tetrahydrocannabinol, kurz: THC.<\/a> Aber damit sind l\u00e4ngst nicht alle Fragen gekl\u00e4rt. Drei weitere Jahrzehnte Forschung sind n\u00f6tig, um eine Erkl\u00e4rung zu finden, was nach dem Konsum von Cannabis im K\u00f6rper geschieht und worin die psychogenen Wirkungen von Cannabis liegen. Die Antwort einfach ausgedr\u00fcckt: Im menschlichen Nervensystem befinden sich <a href=\"https:\/\/cannigma.com\/de\/physiologie\/ueberblick-ueber-das-endocannabinoid-system\/\">Cannabinoid-Rezeptoren,<\/a> an denen die Wirkstoffe aus der Cannabispflanze andocken k\u00f6nnen. Und dass es diese Rezeptoren \u00fcberhaupt gibt, liegt daran, dass der menschliche K\u00f6rper in der Lage ist, selbst \u201eGl\u00fcckssubstanzen\u201c herzustellen. Das passiert zum Beispiel bei Anstrengung, Stress oder Schmerzen. Jogger kennen das Ph\u00e4nomen unter dem Begriff \u201eRunner\u2019s High\u201c. Weil der K\u00f6rper diese Wirkstoffe selbst herstellt, hei\u00dfen sie Endocannabinoide, im Gegensatz zu von au\u00dfen, also \u201eexo\u201c, zugef\u00fchrten Substanzen. Die im Hanf vorkommenden Cannabinoide docken also an den gleichen Rezeptoren an wie die Endocannabinoide.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist im Jahr 1992, als Mechoulam das erste k\u00f6rpereigene Cannabinoid entdeckt, er nennt es <a href=\"https:\/\/cannigma.com\/de\/pflanze\/das-gluecksmolekuel-anandamid\/\">Anandamid,<\/a> abgeleitet von dem Sanskrit-Wort f\u00fcr \u201eGl\u00fcckseligkeit\u201c. Seither sind etliche weitere Endocannabinoide gefunden worden. Die Forschung l\u00e4uft auf Hochtouren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-infokasten-die-geschichte-der-cannabis-verbote\"><strong>Infokasten: Die Geschichte der Cannabis-Verbote&nbsp;<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1911\u20131912 droht Cannabis erstmal ein weltweites Verbot, dem er jedoch vorerst entkommen kann: In Den Haag findet die erste Internationale Opiumkonferenz (International Opium Convention) statt \u2013 sie geht als Startschuss f\u00fcr eine <a href=\"https:\/\/www.zeitenblicke.de\/2009\/3\/tanner\">moderne Prohibitionspolitik<\/a> in die Geschichte ein. 12 L\u00e4nder nehmen damals teil \u2013 eingeladen waren 14, aber \u00d6sterreich-Ungarn und die T\u00fcrkei haben abgesagt.<a href=\"https:\/\/www.zeitenblicke.de\/2009\/3\/tanner\"> <\/a>Die italienische Regierung bringt auf der Konferenz den Vorschlag ein, Cannabis den gleichen strengen Regelungen und Strafen zu unterwerfen wie Opium, Morphin und Kokain. Der Vorschlag wird abgelehnt. 12 Jahre sp\u00e4ter auf der zweiten Internationalen Opiumkonferenz in Genf 1924 bringt die \u00e4gyptische Regierung erneut einen Antrag auf Cannabis-Verbot ein \u2013 diesmal st\u00f6\u00dft der Vorschlag auf breitere Zustimmung. Unter der Bezeichnung Cannabis indica wird die \u201egetrocknete Spitze der bl\u00fchenden oder fruchttragenden weiblichen Stauden der Cannabis\u201c am 19. Februar 1925 in das<a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/opc\/de\/classified-compilation\/19250006\/index.html\"> Internationale Abkommen \u00fcber die Bet\u00e4ubungsmittel<\/a> aufgenommen. Das Abkommen bringt Deutschland, \u00d6sterreich und die Schweiz, die bis dahin keinen Handlungsbedarf bez\u00fcglich Cannabis gesehen haben, in eine Zwangslage. Die internationale Gemeinschaft erwartet von ihnen,<a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/opc\/de\/classified-compilation\/19250006\/index.html\"> \u201ewirksame Gesetze oder Vorschriften zu erlassen, um Herstellung, Einfuhr, Verkauf, Vertrieb, Ausfuhr und Verwendung der Stoffe [\u2026] ausschlie\u00dflich auf medizinische und wissenschaftliche Zwecke zu beschr\u00e4nken.\u201c<\/a> 1925 erl\u00e4sst der Schweizer Bund <a href=\"https:\/\/folio.nzz.ch\/1992\/april\/daten-zur-geschichte-der-betaubungsmittelgesetzgebung\">das erste schweizerische Bet\u00e4ubungsmittelgesetz. <\/a>Dem Gesetz unterstellt sind Opium und Kokain sowie deren Alkaloide, nicht aber Cannabis (1951 wird das Schweizer Gesetz versch\u00e4rft; Cannabis f\u00e4llt fortan mit unter das Verbot). 1929 erlassen schlie\u00dflich auch Deutschland und \u00d6sterreich ein Gesetz, das Cannabis unter Strafe stellt \u2013 der Todessto\u00df f\u00fcr Cannabis als Medizin, als Rauchdroge, teils auch als Nutzpflanze.<a href=\"https:\/\/www.derstandard.at\/story\/1297819722444\/love-story-der-untergang-der-edelkippe\">&nbsp;<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Einheitsabkommen_%C3%BCber_die_Bet%C3%A4ubungsmittel\">Einheitsabkommen \u00fcber die Bet\u00e4ubungsmittel <\/a>von 1961, in \u00d6sterreich Einzige Suchtgiftkonvention, engl. Single Convention on Narcotic Drugs, franz. Convention unique sur les stup\u00e9fiants, ersetzt diverse seit der ersten Internationalen Opiumkonferenz 1912 in Den Haag beschlossene internationale \u00dcbereinkommen. Es bindet \u00fcber 180 Staaten und bestimmt teilweise direkt nationale Suchtgiftgesetze. Doch wieder dauert es Jahre, bis alle L\u00e4nder die Forderungen tats\u00e4chlich erf\u00fcllen. Die Schweiz ratifiziert das Abkommen am 23. Januar 1970, Deutschland am 3. Dezember 1973, \u00d6sterreich erkl\u00e4rt seinen Beitritt am 13. Dezember 1978.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Folgen des Einheitsabkommens \u00fcber die Bet\u00e4ubungsmittel bedeutet f\u00fcr alle drei L\u00e4nder im Kern das Gleiche: Anbau, Handel, Kauf und Besitz von Cannabis sind strafbar. Seitdem gibt es immer mal wieder kleinere Gesetzeskorrekturen. Teils k\u00f6nnen zum Beispiel Schwerkranke nach der Verschreibung durch einen Arzt und Antragstellung bei der Krankenkasse Cannabis bzw. cannabisbasierte auf Rezept in der Apotheke bekommen. <em>Hier bitte Links setzen zu Cannabis auf Rezept in Deutschland, Schweiz, \u00d6sterreich.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Cannabis war \u00fcber viele Jahrhunderte die am h\u00e4ufigsten angebaute Heil- und Nutzpflanze. Im 19. Jahrhunderts galten Cannabis-Rezepturen als Allheilmittel und geh\u00f6rten zu den am meisten verkauften Arzneimitteln. Dann wurde Cannabis von synthetischen Medikamenten vom Markt verdr\u00e4ngt und schlie\u00dflich wegen seiner psychoaktiven Wirkungen sogar gesetzlich verboten. 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