{"id":2951,"date":"2024-09-23T17:38:00","date_gmt":"2024-09-23T17:38:00","guid":{"rendered":"https:\/\/cannigma.com\/?p=2951"},"modified":"2020-04-14T07:22:28","modified_gmt":"2020-04-14T07:22:28","slug":"wie-cannabis-rund-um-die-welt-illegal-wurde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cannigma.com\/de\/gesetzliche-lage\/wie-cannabis-rund-um-die-welt-illegal-wurde\/","title":{"rendered":"Wie Cannabis rund um die Welt illegal wurde"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den letzten hundert Jahren gab es viel Wirbel um Vorschriften zu Cannabis. Eine Anti-Cannabis Kampagne in den 1930er Jahren in den USA sorgte weltweit f\u00fcr gro\u00dfes Aufsehen und f\u00fchrte zu einer Reihe von Ereignissen, die in einem internationalen Verbot von Cannabis endeten. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Kampagne waren vielf\u00e4ltig, basierten oftmals auf Vermutungen und sind bis heute nicht vollst\u00e4ndig nachgewiesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gewann die USA an Macht und nutzte diese, um die UN Kommission hinsichtlich ihrer Meinung zu Bet\u00e4ubungsmitteln zu beeinflussen. Die Folge war, dass man Cannabis von nun an als gef\u00e4hrlich und als Droge ohne jegliche therapeutische Wirkung einstufte. Diese Kategorisierung war jedoch nicht wissenschaftlich nachgewiesen, sondern beruhte auf Vorurteilen und Aberglaube. Einfach gesagt ist das heute genau der Grund, warum Cannabis in fast allen Teilen der Welt illegal ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Einheitsabkommen \u00fcber die Bet\u00e4ubungsmittel vom 30. M\u00e4rz 1961 ist ein Vertrag, den 186 Nationen der Vereinten Nationen unterzeichnet haben. Das Abkommen vereinte alle bisher bestehenden internationale Vertr\u00e4ge \u00fcber Bet\u00e4ubungsmittel. Cannabis ist in dem Einheitsabkommen als Droge der Kategorie 4 gelistet. Somit wird Cannabis auf eine Stufe mit Heroin gestellt, das ebenfalls der Kategorie 4 zugeordnet ist. Da Bet\u00e4ubungsmittel der Kategorie 4 als \u201cbesonders gef\u00e4hrliche Drogen, mit einer geringen oder keiner therapeutischen Wirkung\u201d definiert werden und somit jegliche Verwendung in der Freizeit verbietet und den medizinischen Gebrauch drastisch einschr\u00e4nkte. Diese Entscheidung ver\u00e4nderte sowohl die Wahrnehmung von Cannabis als wirksame Arznei als auch dessen Verf\u00fcgbarkeit weltweit. Heutzutage gewinnt Cannabis immer mehr an Bedeutung als medizinische Pflanze. <a href=\"https:\/\/cannigma.com\/de\/forschung\/medizinische-cannabisforschung-im-20-jahrhundert\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Es gibt eine Menge an wissenschaftlichen Studien und Forschungen (opens in a new tab)\">Es gibt eine Menge an wissenschaftlichen Studien und Forschungen<\/a>, die diesen Ruf best\u00e4tigen. Trotzdem ist Cannabis bis heute als Droge der Kategorie 4 gelistet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damals klassifizierte man Cannabis ohne jegliche wissenschaftliche Beweise als eine Droge der Kategorie 4. Das war unter anderem einer der Gr\u00fcnde f\u00fcr gesetzgeberische Unstimmigkeiten. Jahrelang beruhte die Haltung sowohl von Regierungen als auch internationalen Gesundheitsorganisationen auf dem Abkommen von 1961, das Cannabis im Hinblick auf dessen medizinische Eigenschaften, oder in diesem Fall das Fehlen dieser, als s\u00fcchtig machende und gef\u00e4hrliche Einstiegsdroge darstellt. Von Jahr zu Jahr gewinnt Cannabis als Heilmittel aber immer mehr Zuspruch und wird von einer breiten Masse der Gesellschaft akzeptiert. Um zu verstehen, wie die USA den kulturellen und gesetzlichen Status von Cannabis weltweit beeinflussten, muss man zuerst einen Blick auf die Innenpolitik in den Vereinigten Staaten werfen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie eine harmlosen Pflanze zur Sch\u00f6pfung des Teufels wurde<\/h2>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"361\" height=\"546\"  srcset=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB4bWxucz0naHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmcnIHZpZXdCb3g9JzAgMCAxIDEnPjwvc3ZnPg== 100w\" src=\"https:\/\/dist.cannigma.com\/2019\/09\/William-O\u2019Shaughnessy.png\" alt=\"William-O\u2019Shaughnessy\" class=\"wp-image-2716 lazyload \"\/ data-srcset=\"https:\/\/dist.cannigma.com\/2019\/09\/William-O\u2019Shaughnessy.png\" alt=\"William-O\u2019Shaughnessy\" class=\"wp-image-2716\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Gebrauch von Cannabis in der Moderne wurde vor allem durch die Arbeit des irischen Arztes William Brooke O\u2019Shaughnessy und dem franz\u00f6sischen Arzt Jaque-Joseph Moreau vorangetrieben, die jedoch separat voneinander handelten. Cannabis gewann als Arzneimittel global an Popularit\u00e4t und die USA waren dabei keine Ausnahme. Im Jahr 1850 bekam Cannabis einen Eintrag in dem Arzneibuch <em>US Pharmacopeia<\/em>, das alle offiziellen Arzneimittel in den USA und deren korrekte Verwendung aufz\u00e4hlt. Cannabis verwendete man zur Behandlung von Gicht, Typhus, Opiatsuchten, abnormalen Uterusblutungen und vielem mehr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den fr\u00fchen 1930er Jahren kam es jedoch zu Ver\u00e4nderungen. Eine landesweite Kampagne in den USA sorgte f\u00fcr die Delegitimierung von Cannabis. Schirmherr der Kampagne war Henry Anslinger, Vorstand des US-amerikanischen Amtes f\u00fcr Bet\u00e4ubungsmittel (<em>Federal Bureau of Narcotics<\/em>).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Cannabis bekam den neuen Namen <em>Marijuana<\/em> von Einwanderern aus Mexiko, die sich in die Vereinigten Staaten niedergelassen haben. Laut dem britischen Autor Martin Booth war die \u00c4nderung der Begrifflichkeiten ein taktischer Schritt in der Kampagne von Henry Anslinger. Martin Booth erkl\u00e4rt in seinem Buch <em>Cannabis: A History, <\/em>dass Anslinger h\u00f6chstwahrscheinlich die steigende Fremdenfeindlichkeit in den USA instrumentalisierte und diese zu seinem Vorteil nutzte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beispielsweise behauptete Anslinger in einer Zeugenaussage im Kongress: \u201cMarijuana ist die Droge mit dem h\u00f6chsten Gewaltpotenzial, die es jemals in der Geschichte der Menschheit gab.\u201d Einen weiteren Einblick in die damalige Wahrnehmung von Cannabis gibt der Film <em>Reefer Madness, <\/em>ein Propagandafilm, der Cannabis verteufelt. Nur 20 Sekunden der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=sbjHOBJzhb0\">Filmvorschau<\/a> reichen aus, um zu verstehen, wie der Film funktioniert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure>      <div class=\"le-video-container lazyload\">\n        <iframe srcdoc=\"<style>*{padding:0;margin:0;box-sizing:border-box}a,img{display:block;position:absolute;top:0;left:0;width:100%;height:100%;object-fit:cover;}a:before,a:after{position:absolute;content:'';left:50%;top:50%;display:block;z-index:1}a:before{margin:-4.9% 0 0 -7%;background:rgba(31,31,30,.8);padding-top:9.8%;width:15%;border-radius:16% \/ 27%}a:after{margin:-1.9vw 0 0 -1vw;border:2vw solid transparent;border-left:3.8vw solid #fff}a:hover:before{background:#c0171c}<\/style><a href='https:\/\/www.youtube.com\/embed\/sbjHOBJzhb0?autoplay=1&origin=https:\/\/cannigma.com'><img src='https:\/\/img.youtube.com\/vi\/sbjHOBJzhb0\/hqdefault.jpg' alt=''><\/a>\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/sbjHOBJzhb0\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"\"><\/iframe>\n      <\/div>\n      <\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das nachfolgende Zitat verdeutlicht einerseits die Intentionen Anslingers und spiegelt andererseits den damaligen Zeitgeist in den USA wider: \u201cEs gibt 100.000 Marijuana Konsumenten in den USA und die meisten davon sind Neger, Hispanos, Filipinos und Unterhaltungsk\u00fcnstler. Ihre satanische Musik, Jazz und Swing sind auf den Gebrauch von Marijuana zur\u00fcckzuf\u00fchren. Dieses Marijuana bringt wei\u00dfe Frauen dazu sexuelle Beziehungen mit Negern, Unterhaltungsk\u00fcnstlern und dergleichen einzugehen.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kampagne war ein voller Erfolg. Im Jahr 1937 verabschiedete der Kongress in den USA ein Gesetz, das den Umgang mit Cannabis regelte (<em>Marijuana Tax Act<\/em>). Ab diesem Zeitpunkt war Cannabis nicht mehr f\u00fcr den Freizeitgebrauch erh\u00e4ltlich. Produzenten von medizinischem Cannabis, \u00c4rzte und Apotheker mussten hohe Steuern zahlen. Ein paar Jahre fr\u00fcher wurde der Besitz von Cannabis 1929 zum ersten Mal auch in Deutschland unter Strafe gestellt. Die Folge waren zu hohe Behandlungskosten und zu strenge Auflagen, die ein Behandeln von Patienten mit medizinischem Cannabis kaum m\u00f6glich machten. Als Folge wurde Cannabis 1941 aus dem US-amerikanischen Arzneibuch <em>US Pharmacopeia<\/em> herausgenommen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Wurzeln der Cannabis D\u00e4monisierung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ohne zu tief in Theorien hinein zu tauchen, warum Anslinger und das Bundesamt f\u00fcr Bet\u00e4ubungsmittel systematisch Cannabis verfolgten, m\u00f6chten wir einen kurzen Blick auf einige der potenziellen Faktoren werfen, die zum Verbot von Cannabis f\u00fchrten. Allerdings werden wir in den folgenden Abschnitten kaum mehr als Vermutungen behandeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine besonders bekannte Theorie entstand durch das Buch <em>The Emperor Wears No Clothes<\/em> von Jack Herer. In dem Buch wird darauf hingedeutet, dass vor dem Marijuana Tax Act verschiedene Sorten Hanffasern f\u00fcr die Produktion von Papier und Textilien verwendet wurden und diese somit ein potenzielles Ziel f\u00fcr Industriegiganten wie Randolph Hearst und die DuPont Familie darstellten. Herer stellte diese Theorie aufgrund der direkten Verbindung von Hearst und DuPont mit Andrew W. Mellon, dem damaligen Finanzminister, auf. Da das Finanzministerium dem Amt f\u00fcr Bet\u00e4ubungsmittel \u00fcbergestellt ist, ging man davon aus, dass Andrew W. Mellon Henry Anslinger nicht umsonst als Leiter des Amtes f\u00fcr Bet\u00e4ubungsmittel einsetzte. Au\u00dferdem war Anslinger mit Mellons Nichte verheiratet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Anslinger-Hearst-DuPont Verbindung wurde zudem in der Masterarbeit <a href=\"https:\/\/druglibrary.net\/special\/lupien\/default.htm\"><em>Unraveling an American Dilemma: The Demonization of Maijuana<\/em><\/a><em> <\/em>von John C. Lupoien weiter erforscht und etabliert. Dennoch, so faszinierend und umfassend Lupoiens Werk auch sein mag, mangelt es an eindeutigen Beweisen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiteres m\u00f6gliches Motiv f\u00fcr Anslingers Krieg gegen Cannabis erl\u00e4utert der Autor Johann Hari in seinem Buch <em>Chasing the Scream: The First And Last Days of the War on Drugs. <\/em>1933  wurde in den USA das Verbot von Alkohol aufgehoben. Laut Hari <a href=\"https:\/\/www.cbsnews.com\/news\/harry-anslinger-the-man-behind-the-marijuana-ban\/\">musste das Ministerium f\u00fcr Bet\u00e4ubungsmittel einen Ersatz finden<\/a>, das die Existenz und das Budget des Ministeriums rechtfertigte. Cannabis war das perfekte Ziel, unter anderem weil es verbreitet war bei Einwanderern aus Lateinamerika. Jedoch beruht auch diese These, ganz genau wie die vorherige, auf Indizien. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"269\"  srcset=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB4bWxucz0naHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmcnIHZpZXdCb3g9JzAgMCAxIDEnPjwvc3ZnPg== 100w\" src=\"https:\/\/dist.cannigma.com\/2019\/09\/waren-beeindruckend.jpg\" alt=\"waren beeindruckend\" class=\"wp-image-2734 lazyload \"\/ data-srcset=\"https:\/\/dist.cannigma.com\/2019\/09\/waren-beeindruckend.jpg\" alt=\"waren beeindruckend\" class=\"wp-image-2734\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die meist verbreitete und akzeptierte Theorie weist auf die fremdenfeindlichen Tendenzen zur damaligen Zeit hin. Folgendes Zitat stammt aus einem ausf\u00fchrlichen Bericht des <a href=\"https:\/\/www.tni.org\/en\/publication\/the-rise-and-decline-of-cannabis-prohibition\"><em>Transnational Institute<\/em><\/a><em> <\/em>\u00fcber die Geschichte des Verbots von Cannabis:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201cSteigende Gewalt, die angeblich durch mexikanische Einwanderer, die Marijuana konsumierten, verursacht wurde, soll der Grund f\u00fcr eine moralische Panik gewesen sein\u2026 (Anslinger) verharmloste anfangs das Problem, in dem er argumentierte, dass die Kontrolle von Cannabis dem individuellen Staat freisteht und nicht die Aufgabe der Regierung sei. Eigentlich hielt er Heroin f\u00fcr eine weitaus gef\u00e4hrlichere Droge und war vorsichtig, wenn es darum ging, das Ministerium f\u00fcr Bet\u00e4ubungsmittel auf die Kontrolle einer Pflanze zu verpflichten, die in vielen US-Staaten, insbesondere im S\u00fcden der USA, ohne Beschr\u00e4nkungen angepflanzt wurde. Jedoch wuchs der Druck von Au\u00dfen, etwas gegen Cannabis zu unternehmen immer weiter. Die lokale Polizei in betroffenen Staaten, Gouverneure und der Finanzminister, der Chef von Anslinger (Andrew W. Mellon), forderten strengere Gesetze im Umgang mit Cannabis.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gesetzgebende Strategie der USA ist der Schl\u00fcssel, warum die Vereinigten Staaten die Welt hin zu einem Cannabis Verbot steuern konnten. Eine besondere Taktik, die schon vom Vorg\u00e4ngermodell des Ministeriums f\u00fcr Bet\u00e4ubungsmittel bei <a href=\"https:\/\/www.tni.org\/files\/download\/rise_and_decline_web.pdf\">einigen Gelegenheiten<\/a> angewendet wurde, bestand darin sich auf inneramerikanische Rechtsvorschriften zu beziehen, um Interessen bei internationalen Treffen zu vertreten und dadurch die F\u00e4higkeit zu Verbessern internationale Entscheidungen zu beeinflussen. Dar\u00fcber hinaus wurden internationale Vertr\u00e4ge und Verpflichtungen genutzt, um die innerstaatliche Gesetzgebung in den USA zu beeinflussen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Internationale Vereinbarungen zu Bet\u00e4ubungsmitteln<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Einheitsabkommen \u00fcber die Bet\u00e4ubungsmittel von 1961 kam nicht von irgendwoher. Es war vielmehr das Ergebnis von jahrzehntelangen internationalen Treffen und den daraus resultierenden Abkommen, die vor allem Beruhigungsmittel betrafen. Auf der Internationalen Opiumkonferenz 1921 in Den Haag wurde zum ersten Mal erw\u00e4hnt, dass man Cannabis als gef\u00e4hrliche Droge einstufen soll. Wie der Name schon vermuten l\u00e4sst, ging es bei der Konferenz jedoch urspr\u00fcnglich um Opium, genauer gesagt um den internationalen Handel mit Opium. Der italienische Vertreter warf die Frage zu Cannabis in den Raum &#8211; haupts\u00e4chlich wegen Problemen mit Haschisch Schmuggel in Libyen, das damals eine italienische Kolonie war. Die verschiedenen Parteien waren jedoch aus diversen Gr\u00fcnden skeptisch gegen\u00fcber einer Aufnahme von Cannabis als Thema, gr\u00f6\u00dftenteils wegen fehlendem Wissen und fehlender Beratung \u00fcber das Thema von den jeweiligen Landesregierungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf einer zweiten Konferenz, die 1924 stattfand, bestimmten die Teilnehmer Wege, wie man die Entscheidungen der Opiumkonferenz 1921 angemessen umsetzen konnte. Die Konferenz fand nach der Entstehung des V\u00f6lkerbundes statt und war im Grunde der Anfang eines neuen Kapitels des V\u00f6lkerrechts. Dieses Mal wurde das Thema Cannabis durch den \u00e4gyptischen Abgeordneten Mohamed El Guindy aufgegriffen. El Guindy war darauf aus Cannabis in den Aufgabenbereich der Konferenz aufzunehmen. Wahrscheinlich als ein Versuch, illegalem Haschisch Schmuggel aus \u00c4gyptens Nachbarl\u00e4ndern entgegenzuwirken. Die meisten teilnehmenden L\u00e4nder hatten wenig bis kaum Erfahrung mit Cannabis, trotzdem stellte El Guindy Cannabis als gef\u00e4hrliche Einstiegsdroge dar, die f\u00fcr 30-40 Prozent aller Psychosen in \u00c4gypten verantwortlich gewesen sein soll. In Wirklichkeit waren es 2,7 Prozent und Cannabis war in diesen F\u00e4llen nicht der Hauptgrund, sondern nur nebens\u00e4chlich f\u00fcr das Entstehen der Psychosen verantwortlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlie\u00dflich wurde Cannabis als Tagespunkt in die Konferenz aufgenommen. Jedoch fielen die internationalen Kontrollen und Verbote gering aus, im Vergleich zu El Guindys eigentlichem Vorschlag medizinisches Cannabis g\u00e4nzlich zu verbieten. Es war von nun an verboten Cannabis in L\u00e4nder zu importieren, in denen der Anbau strafbar war. Gleichzeitig musste man als Importeur zertifiziert sein. Des Weiteren deklarierten die Teilnehmer der Konferenz, ohne jegliche wissenschaftliche Beweise, alleinig basierend auf den Aussagen El Guindys, Cannabis offiziell als eine Droge, die genauso abh\u00e4ngig macht wie Opium. Der Vorschlag El Guindys wurde nicht vollst\u00e4ndig angenommen, da er mit der Innenpolitik einiger souver\u00e4ner Staaten nicht vereinbar war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bedauerlicherweise verpasste die britische Delegation die Chance, die Ergebnisse eines Berichts vorzulegen, der ausf\u00fchrliche Informationen \u00fcber medizinisches Cannabis bereit hielt. Der siebenb\u00e4ndige und 3200 Seiten lange Bericht <em>Indian Hemp Drug Commission Report<\/em> von 1894 behauptete prinzipiell, dass \u201cEin vollst\u00e4ndiges Verbot des Anbaus von Cannabis als Bet\u00e4ubungsmittel, sowie die Herstellung, der Verkauf oder die Verwendung der verschiedenen Medikamente, die aus Cannabis gemacht werden k\u00f6nnen, weder erforderlich noch zweckm\u00e4\u00dfig ist\u2026\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mitten w\u00e4hrend der Anti-Cannabis Kampagne und ein Jahr vor dem neuen Gesetz zu Cannabis (<em>Marijuana Tax Act<\/em>) repr\u00e4sentierte Anslinger die USA in Genf bei der Konferenz zur Unterdr\u00fcckung des unerlaubten Verkehrs mit Bet\u00e4ubungsmitteln. \u00c4hnlich wie El Guindy 1924, versuchte auch Anslinger die globale Wahrnehmung von Cannabis zu ver\u00e4ndern. Er wollte ein Verbot des Anbaus, der Produktion, der Herstellung und des Vertriebs von Cannabis erreichen, das nicht f\u00fcr den medizinischen Gebrauch vorgesehen war. Erneut empfand der V\u00f6lkerbund diese Ma\u00dfnahmen als zu extrem und sie wurden abgelehnt. Anslinger kehrte niedergeschlagen in die Vereinigten Staaten zur\u00fcck. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde der V\u00f6lkerbund jedoch aufgel\u00f6st. Nach dem Krieg folgte f\u00fcr die USA ein erheblicher Machtzuwachs und somit auch die St\u00e4rke andere L\u00e4nder davon zu \u00fcberzeugen, sich der Politik der Vereinigten Staaten anzupassen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Von nationaler Gesetzgebung zum internationalen Kreuzzug<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vereinten Nationen bewilligten 1948 eine von den USA unterst\u00fctzte Resolution, die einen neuen Vertrag forderte, der alle fr\u00fcheren Vertr\u00e4ge seit dem Den Haager \u00dcbereinkommen von 1912 ersetzen sollte. Der Vertrag von 1948 war der Grundstein f\u00fcr das Abkommen von 1961. Der Entwurf bestand aus drei wesentlichen Zielen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Limitierung der Produktion von Rohstoffen (wie zum Beispiel Kokabl\u00e4tter, Cannabis und Mohnblumen)<\/li><li>Vereinigung fr\u00fcherer Abkommen zu einem einzigen Vertrag<\/li><li>Vereinfachung des Ablaufs der Drogenkontrollen<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die UNO Kommission f\u00fcr Bet\u00e4ubungsmittel \u00fcbernahm nun die Aufgaben des damaligen Beratungsausschusses des V\u00f6lkerbunds. Zwischen 1950 und 1958 gab es f\u00fcr den oben genannten Vertrag drei Entw\u00fcrfe. Die wichtigste Frage in Bezug auf Cannabis war, inwiefern es einen medizinischen Nutzen hat. Um die Dinge zu vereinfachen, erschuf die UNO ein Komitee, das eigens daf\u00fcr angedacht war den medizinischen Nutzen von Cannabis zu \u00fcberpr\u00fcfen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der gew\u00e4hlte Leiter des Komitees war allerdings ein wenig fragw\u00fcrdig. Pablo Osvaldo Wolff war ein enger Vertrauter von Anslinger. Henry Anslinger schrieb sogar die Einleitung f\u00fcr die englische Version von Wolffs Buch \u00fcber die Gefahren von Cannabis. Der Kommentator Rufus King geht sogar soweit und behauptet, dass <a href=\"https:\/\/druglibrary.org\/special\/king\/dhu\/dhu11.htm\">Wolff nur dank Hilfe der USA zum Cannabisexperten der Weltgesundheitsorganisation ernannt wurde<\/a>. Wolffs Rolle in der oben erw\u00e4hnten legislativen Dissonanz ist unerl\u00e4sslich. Er allein lenkte die Haltung der Weltgesundheitsorganisation gegen\u00fcber Cannabis als Medizin. Komischerweise beruhten jedoch keine seiner Aussagen auf wissenschaftlichen Fakten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl es eine Menge an Anhaltspunkten f\u00fcr die therapeutischen Effekte von Cannabis gab, wurden die meisten bedeutenden Entdeckungen rund um Cannabis erst nach 1961 gemacht. CBD und THC konnten erstmals in ihrer reinen Form 1963 und 1964 isoliert werden. Zwei Jahrzehnte sp\u00e4ter wurden die Cannabinoid-Rezeptoren 1 und 2, die Endocannabinoid-Anandamide und 2-AG entdeckt. Die Pflanze war also damals noch nicht weit genug erforscht, um den therapeutischen Nutzen zu ermitteln. Au\u00dferdem verf\u00e4lschte Wolff Informationen und pickte sich bestimmte Beweise heraus, um seine Hypothese \u00fcber das Fehlen von medizinischem Nutzen bei Cannabis zu st\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Letztendlich nahm die UNO Kommission f\u00fcr Bet\u00e4ubungsmittel die Vorschl\u00e4ge der Weltgesundheitsorganisation an, die abermals auf Fakten basierten, die in keiner Weise mit unvoreingenommenen wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprachen. Das Abkommen von 1961 teilt Bet\u00e4ubungsmittel in vier Gruppen ein:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Kategorie 1 \u2014 extreme Suchtgefahr und strafrechtliche Verfolgung bei Missbrauch (einschlie\u00dflich Opium, Cannabis, Heroin und Kokain)<br><\/li><li>Kategorie 2 \u2014 geringere Suchtgefahr und strafrechtliche Verfolgung bei Missbrauch (Codein zum Beispiel)<br><\/li><li>Kategorie 3 \u2014 Pr\u00e4parate mit einem geringen Anteil an Bet\u00e4ubungsmitteln, deren Missbrauch unwahrscheinlich ist<br><\/li><li>Kategorie 4 \u2014 einige der Bet\u00e4ubungsmittel aus Kategorie 1, die <strong>besonders gef\u00e4hrlich sind und keinen medizinischen Nutzen aufweisen <\/strong>(Heroin, Cannabis)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im UN Weltdrogenbericht von 2006 steht Folgendes: \u201cViel altes Material \u00fcber Cannabis wird heute als ungenau erachtet. Eine Reihe an Studien in unterschiedlichen L\u00e4ndern entlastete Cannabis in vielen Punkten, die man der Pflanze vorwarf\u2026 Der medizinische Gebrauch von aktiven Inhaltsstoffen oder auch der Cannabis-Pflanze selbst, wird von angesehenen Fachleuten bef\u00fcrwortet.\u201d Heute, 13 Jahre und unz\u00e4hlige Studien und Forschungen \u00fcber Cannabis sp\u00e4ter, ist es nach wie vor als Bet\u00e4ubungsmittel der Kategorie 4 gelistet. Das bedeutet, dass Cannabis offiziell immer noch ohne jeglichen medizinischen Nutzen und als besonders gef\u00e4hrlich deklariert ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber die Dinge beginnen sich zu \u00e4ndern. Nach einer Reihe von Ereignissen seit den 1970er Jahren entwickelt sich die Gesetzgebung zu Cannabis schrittweise weltweit. Bis heute ver\u00e4ndern sich die Gesetze, sowohl f\u00fcr den medizinischen Gebrauch als auch f\u00fcr den Freizeitgebrauch. L\u00e4nder wie Deutschland, Kanada, Italien, Australien, die Niederlande, Israel und Dutzende US-Staaten haben unabh\u00e4ngige medizinische Cannabis Programme \u00fcbernommen, ungeachtet dessen, dass Cannabis von der UNO Kommission f\u00fcr Bet\u00e4ubungsmittel weiterhin ein Bet\u00e4ubungsmittel der Kategorie 4 ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten hundert Jahren gab es viel Wirbel um Vorschriften zu Cannabis. Eine Anti-Cannabis Kampagne in den 1930er Jahren in den USA sorgte weltweit f\u00fcr gro\u00dfes Aufsehen und f\u00fchrte zu einer Reihe von Ereignissen, die in einem internationalen Verbot von Cannabis endeten. 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