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Kann Cannabis bei rheumatoider Arthritis helfen?

von Sarah Pritzker

Sep 16, 2019

Cannabis wirkt auf das Immunsystem und kann Schmerzen lindern. Daher rückt es immer mehr zur Behandlung von Autoimmunkrankheiten wie der rheumatoiden Arthritis (RA) in den Vordergrund.

Cannabis bei rheumatoider Arthritis ?

Bei Autoimmunkrankheiten funktioniert das Immunsystem nicht richtig, ist überaktiv und verursacht Entzündungen. Eine rheumatoide Arthritis verursacht Gelenkschmerzen und chronische Schmerzen des Bewegungsapparats. Bei der Entstehung einer rheumatoiden Arthritis sind zahlreiche Immunzellen und Botenstoffe beteiligt.

Medizinisches Cannabis wird aus der Pflanze Cannabis sativa gewonnen und beeinflusst den Körper, indem es mit dem Endocannabinoid-System (ECS) interagiert. Das ECS-System besteht im Wesentlichen aus Cannabinoidmolekülen, die das System aktivieren, Rezeptoren, die über den ganzen Körper verteilt sind und von den Cannabinoidmolekülen aktiviert werden, und Enzymen, die eine wichtige Rolle bei der Synthese und dem Abbau der Cannabinoide spielen.

Das ECS kann durch körpereigene (Endocannabinoide) oder extern (außerhalb des Körpers) produzierte und konsumierte Cannabinoide aktiviert werden.  Zu diesen externen Cannabinoiden gehören pflanzliche Cannabinoide aus Cannabis sativa, sog. „Phytocannabinoide“, oder pharmazeutisch hergestellte Cannabinoide, wie beispielsweise Nabilon. Ein Großteil unseres Wissens über das ECS und seinen Einfluss auf den Körper stammt aus der Untersuchung der Effekte von Endocannabinoiden, Phytocannabinoiden (Cannabis) und synthetischen Cannabinoiden. Die am häufigsten untersuchten Phytocannabinoide sind Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD), von denen angenommen wird, dass sie die Haupteffekte von Cannabis verursachen. Dennoch sind in Cannabis sativa mindestens 140 weitere Phytocannabinoide enthalten und auch wenn sie nicht so gut untersucht sind wie THC und CBD, dürften sie ebenfalls eine gewisse Wirkung auf den Körper haben. 

Die Enzyme des ECS helfen bei der Regulierung des Endocannabinoid-Spiegels und können die Endocannabinoide sehr schnell abbauen – im Gegensatz zu Phytocannabinoiden, deren Wirkung in der Regel länger anhält. Pharmaunternehmen entwickeln derzeit Arzneimittel, die einen Abbau der Endocannabinoide verhindern können, wodurch der Endocannabinoid-Spiegel hoch bleibt.  

Bisher wurden zwei ECS-spezifische Rezeptoren identifiziert und mit fortschreitender Forschung wird diese Zahl wahrscheinlich noch ansteigen. Die identifizierten Rezeptoren heißen CB1 und CB2. Sie sind unterschiedlich im Körper verteilt und beeinflussen daher den Körper auch unterschiedlich. Cannabinoidmoleküle können den Rezeptor in unterschiedlichem Maße entweder aktivieren, hemmen oder beides. THC und CBD interagieren mit den und beeinflussen die CB1- und CB2-Rezeptoren Die ECS-Rezeptoren befinden sich im ganzen Körper, mit einer besonders hohen Konzentrationen auf Immunzellen und im Nervensystem. Dadurch kann das ECS Entzündungen und Schmerzen beeinflussen. Derzeit wird erforscht, wie die CB1- und CB2-Rezeptoren genau funktionieren.

CB1-Rezeptoren, die stärker im Nervensystem konzentriert sind, scheinen für die psychoaktiven (High-Gefühl) und neurologischen Effekte, einschließlich Schmerzempfinden, verantwortlich zu sein. Durch die CB1-Aktivierung wird die Freisetzung von Neurotransmittern (Signalübertragung im Nervensystem) reguliert und genau dieser Vorgang führt zu einer Verringerung der Schmerzen und hat positive Auswirkungen auf Depressionen und Angst. CB2-Rezeptoren hingegen sind in höheren Konzentrationen auf der Oberfläche von Immunzellen vorhanden. Sie werden auch auf Knochenzellen und Bindegewebszellen exprimiert. Studien haben ergeben, dass die Aktivierung der CB2-Rezeptoren die Vermehrung und Bewegung von Immunzellen reduzieren kann. Das ist genau der Prozess, durch den Entzündungen entstehen. Aus diesem Grund kann Cannabis entzündungshemmend wirken. Die CB2-Aktivierung beeinflusst auch die Produktion von Antikörpern durch Immunzellen. Dies ist besonders relevant bei der rheumatoiden Arthritis, da bei der Mehrheit der Patienten Antikörper nachgewiesen werden können. 

Eine kleine Studie mit 13 RA-PatientInnen ergab, dass in den erkrankten Gelenken sowohl CB1- als auch CB2-Rezeptoren vorhanden sind, was mit einem erhöhten Endocannabinoidspiegel einherging. Die CB1- und CB2-Rezeptoren wurden an Zellen, die für den Entstehungsprozess der rheumatoiden Arthritis von zentraler Bedeutung sind, den sogenannten „synovialen Fibroblasten“, entdeckt Das Vorhandensein der Rezeptoren im erkrankten Gewebe deutet darauf hin, dass sie eine Rolle bei der Entwicklung und Regulation der Krankheit spielen können. Eventuell könnte das Vorhandensein dieser Rezeptoren genutzt werden, um das erkrankte Gewebe direkt zu beeinflussen.

Trotz des Belegs, dass die Aktivierung des ECS Entzündungen verringert, zeigen andere Studien, dass die CB1-Aktivierung zu einer verstärkten Entzündungsreaktion führen kann. Interessanterweise ergab eine aktuelle Studie, dass man 10 Mal wahrscheinlicher eine rheumatoide Arthritis entwickelt, wenn ein CB2-Rezeptor aufgrund einer genetischen Mutation nicht normal funktioniert. Dies deutet darauf hin, dass die CB2-Aktivierung eine Rolle bei der Immunregulierung spielen und dadurch die Entwicklung einer rheumatoiden Arthritis verhindern könnte.

Es hat sich gezeigt, dass Endocannabinoide und synthetische Cannabinoide die Anzahl an Immun- und Bindegewebszellen senken, von denen angenommen wird, dass sie an der Gelenkschädigung und -zerstörung bei der rheumatoiden Arthritis beteiligt sind.  In gesunden Gelenken sind in der Regel keine Endocannabinoide nachweisbar, jedoch scheinen sie bei RA-PatientInnen gehäuft in den Gelenken vorzukommen. Synthetische Cannabinoide aktivieren die CB2-Rezeptoren und verhindern so bei RA-PatientInnen die Entzündungsreaktion der Zellen in den kranken Gelenken.  

Cannabis wird seit Jahrtausenden zur Schmerzbehandlung eingesetzt. Bei der RA-Behandlung gibt es im Großen und Ganzen zwei gleich wichtige Ziele: Zum einen soll die Entzündungsreaktion kontrolliert und irreversible Schäden am Körper verhindert werden. Dies wird als krankheitsmodifizierende Behandlung bezeichnet. Das andere Ziel ist die Verbesserung der Symptome, insbesondere der Schmerzen und der Lebensqualität. THC und CBD, die Hauptkomponenten von medizinischem Cannabis, wirken unterschiedlich auf das ECS und spielen daher auch unterschiedliche Rollen beim Erreichen dieser Ziele. Dennoch wird auch angenommen, dass THC und CBD einen synergistischen Effekt haben (was bedeutet, dass CBD und THC sich gegenseitig positiv beeinflussen). Dieser sogenannte „Entourage-Effekt“ ist ein Vorteil des medizinischen Cannabis, der bei den synthetischen Präparaten derzeit nicht vorhanden ist.  

Eine Studie hat gezeigt, dass die Einnahme von medizinischem Cannabis beim Menschen die Aktivität der Immunzellen und den Antikörperspiegel reduziert. In Tierstudien hat sich gezeigt, dass auch CBD den Antikörperspiegel verringert.  

Die Wirkung von THC auf Immunzellen ist unklar. Es kann auch sein, dass die Wirkung nicht über die Cannabinoidrezeptoren, sondern über einen anderen Mechanismus reguliert wird. In Studien waren hohe THC-Konzentrationen erforderlich, um einen Einfluss auf die Entzündungsreaktion zu erzeugen. Wenn nämlich zusätzlich Medikamente gegeben wurden, die die Cannabinoidrezeptoren blockieren, war die entzündungshemmende Wirkung nicht betroffen Dies deutet darauf hin, dass die entzündungshemmende Wirkung von THC über einen anderen Mechanismus erfolgt. CBD hingegen hat bei der Entzündungsreduzierung bei rheumatoider Arthritis vielversprechende Ergebnisse gezeigt. Einige dieser entzündungshemmenden Effekte sind auf die Aktivierung des Cannabinoidsystems zurückzuführen. Andere Effekte werden wahrscheinlich durch die Aktivierung anderer Rezeptoren als den CB1- und CB2-Rezeptoren verursacht. Es besteht die Hoffnung, dass dies in weiteren Studien untersucht wird und dadurch neue Therapieformen gefunden werden können.  

In verschiedenen Studien wurden auch die Effekte einer Cannabinoidbehandlung auf die Arthritis von Mäusen untersucht. CBD und synthetische Cannabinoide, die den CB2-Rezeptor aktivierten, reduzierten den Schweregrad der Arthritis, die Anzahl der Entzündungsherde und die Schäden am Bewegungsapparat. 

Es wurde eine kleine 5-wöchige randomisierte Kontrollstudie mit 58 RA-PatientInnen durchgeführt. Die PatientInnen wurden in Gruppen eingeteilt und erhielten entweder Nabiximols oder ein Placebo. Nabiximols ist ein oral eingenommenes Spray, das zu gleichen Teilen Cannabisextrakte aus CBD und THC enthält. Das Placebo war ein Spray, das zwar gleich aussah, aber keine aktiven Bestandteile enthielt. Nach 5 Wochen berichteten die PatientInnen, die Nabiximols erhielten, von deutlich verringerten Schmerzen bei Bewegung und in Ruhe, einer besseren Schlafqualität und einer verringerten Krankheitsaktivität im Vergleich zu den Patienten, die das Placebo erhielten. Bei den Nebenwirkungen kamen am häufigsten Schwindel, Benommenheit und Mundtrockenheit vor. Die Nebenwirkungen waren alle leicht bis mittelschwer und führten nicht dazu, dass einer der PatientInnen die Einnahme des Medikaments einstellte. Dies ist derzeit die einzige klinische randomisierte Kontrollstudie, bei der der Einsatz von Cannabinoiden bei RA-PatientInnen untersucht wurde. Es läuft derzeit jedoch noch eine größere europäische Studie, bei der die Verabreichung von CBD und THC an RA-PatientInnen untersucht wird 

Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass das ECS einen Einfluss auf die Funktion des Immunsystems hat und damit ebenfalls eine Rolle bei der rheumatoiden Arthritis spielt. Derzeit gibt es nur eine qualitativ hochwertige randomisierte klinische Studie, bei der Cannabinoide zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis bei Menschen untersucht wurden. Sie hat vielversprechende Ergebnisse gebracht und es werden auch noch weitere Studien dazu durchgeführt. Neben seinen möglichen positiven Auswirkungen auf Entzündungen bietet Cannabis auch die bekannten Auswirkungen auf das Schmerzempfinden. Bei der Entscheidung, ob ein neues Medikament eingeführt werden soll, wird immer zwischen dem potenziellen Nutzen und dem eventuell angerichteten Schaden abgewogen. Die meisten Nebenwirkungen von Cannabis sind in der Regel leicht bis mittelschwer und führen in der Regel nicht dazu, dass die Behandlung abgebrochen werden muss. Es gibt jedoch Bedenken hinsichtlich der möglichen psychotropen Auswirkungen und anderer möglicher Komplikationen.

Trotz zunehmender Hinweise darauf, dass Cannabis bei PatientInnen mit rheumatoider Arthritis entzündungshemmend wirken kann, gilt diese Erkrankung nicht als Indikation für die Verschreibung von Cannabis. Die PatientInnen werden daher nur zur symptomatischen Linderung (insbesondere der Schmerzen) mit medizinischem Cannabis behandelt. In Zukunft könnte medizinisches Cannabis möglicherweise auch wegen seiner entzündungshemmenden Wirkung verschrieben werden. 

Während Cannabis in den USA auf Bundesebene immer noch illegal ist, hat eine Mehrheit der Bundesstaaten medizinisches Cannabis bereits legalisiert. Derzeit ist medizinisches Cannabis in folgenden Bundesstaaten gegen rheumatoide Arthritis und chronische oder hartnäckige Schmerzen zugelassen: Connecticut, Hawaii und Illinois. In den folgenden Bundesstaaten gelten chronische oder hartnäckige Schmerzen als Indikation für die Verschreibung von Cannabis, jedoch ohne spezifische Erwähnung der rheumatoiden Arthritis: Alaska, Arizona, Arkansas, Kalifornien, Colorado,, Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Iowa, Louisiana, Maine, Maryland, Massachusetts, Michigan, Minnesota, Missouri, Montana, Nevada, New Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Dakota, Ohio, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, Vermont, Virginia, Washington, West Virginia. 

Weitere Länder, in denen die rheumatoide Arthritis oder chronische Schmerzen eine Indikation für die Verschreibung von medizinischem Cannabis sind: Australien, Chile, Kolumbien, Kanada, Tschechien, Deutschland, Griechenland, Israel, Italien, Niederlande, Norwegen, Polen, Rumänien und Uruguay. 

Die Vorschriften bezüglich medizinischem Cannabis ändern sich sehr schnell und daher ändert sich diese Liste ständig und wird regelmäßig ergänzt.

Haftungsausschluss

Inhalte auf The Cannigma dienen nur zu Informationszwecken. Sie sind kein Ersatz für professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Vor Beginn einer Behandlung mit Cannabis sollten Sie sich immer von einem Arzt mit Erfahrung mit medizinischem Cannabis beraten lassen.

Über rheumatoide Arthritis

Überblick

Die rheumatoide Arthritis (RA) ist eine Autoimmunerkrankung, wie auch die Fibromyalgie und der Lupus. Wenn Sie eine RA haben, greift das Immunsystem Ihres Körpers Ihre Gelenke an, statt Keime, Viren und andere Fremdstoffe zu bekämpfen und damit Ihren Körper vor Infektionen zu schützen. Als Reaktion darauf entzünden sich Ihre Gelenke und beginnen zu schmerzen. Dadurch schwillt das Gewebe, das die Gelenke auskleidet, an und verhindert, dass sich die Gelenke reibungslos bewegen können. 

Wenn Sie die Entzündung nicht behandeln, kann sie den Knorpel schädigen. Das ist das weiche, rutschige Gewebe, das die Enden der Gelenkknochen bedeckt, damit sie sich gut bewegen können. Schließlich kann sich der Knorpel abnutzen, so dass sich die Knochen schmerzhaft aneinander reiben. Ihre Gelenke können sich lockern und instabil werden. Mit der Zeit können sich Ihre Gelenke auch verformen, was zu einer dauerhaften körperlichen Behinderung führen kann.

Es gibt mehrere verschiedene Arthritisformen. Sie alle verursachen Schmerzen und Entzündungen in den Gelenken, aber jede Arthritisform verläuft anders, hat unterschiedliche Behandlungsmethoden und Ursachen. Die rheumatoide Arthritis gehört zu den häufigsten Formen der Arthritis. Schätzungsweise ist davon 1% der Weltbevölkerung betroffen. 

Obwohl eine rheumatoide Arthritis normalerweise die Gelenke betrifft, ist ihre Wirkung im ganzen Körper spürbar, daher handelt es sich um eine systemische Erkrankung. Das bedeutet, dass sie auch ganze Körpersysteme wie Augen, Blutgefäße, Haut oder sogar die Lunge oder das Herz angreifen kann.

Symptome

Die Hauptsymptome der rheumatoiden Arthritis sind Schmerzen und Schwellungen in den Gelenken. Normalerweise entwickelt sich dieser Prozess langsam, aber er kann auch schnell fortschreiten. Eine rheumatoide Arthritis beginnt häufig zuerst in den kleineren Gelenken der Finger, Hände und Zehen und betrifft in der Regel beide Gelenke symmetrisch, was bedeutet, dass, wenn eine Hand betroffen ist, es die andere wahrscheinlich auch sein wird. Die ersten Symptome einer RA sind:

  • Pochende Schmerzen in den Gelenken, die normalerweise am Morgen am schlimmsten sind.
  • Geschwollene, rote Gelenke, die sich bei Berührung warm anfühlen.
  • Morgensteifigkeit der Gelenke, die erst nach über 30 Minuten nachlässt.

Möglicherweise beobachten Sie auch allgemeinere Symptome wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme und leichtes Fieber. 

Etwa 40% der Menschen mit rheumatoider Arthritis spüren auch Symptome in anderen Teilen ihres Körpers, je nachdem, welche Organsysteme angegriffen werden. Dazu können folgende Symptome gehören:

  • Trockene, rote und schmerzende Augen. Lichtempfindlichkeit und beeinträchtigte Sehkraft,
  • Trockener Mund, mit gereiztem Zahnfleisch und Infektionen
  • Kleine Geschwülste unter der Haut in knöchernen Bereichen, sogenannte Rheumaknoten
  • Entzündungen und Narben in der Lunge, die zu Kurzatmigkeit führen
  • Entzündete Blutgefäße, die Nerven, Haut und andere Organe schädigen
  • Verringerte Anzahl an roten Blutkörperchen, was zu einer Anämie führt
  • Morgensteifigkeit über einen längeren Zeitraum

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Wenn Sie anhaltende Schwellungen und Schmerzen in Ihren Gelenken oder andere Symptome einer rheumatoiden Arthritis haben, sollten Sie zum Arzt gehen. Das Fortschreiten der rheumatoiden Arthritis kann verlangsamt werden, aber wenn die Gelenke einmal geschädigt sind, gibt es keine Möglichkeit, sie zu heilen.

Diagnose

Es gibt keinen einzelnen Test zum Nachweis einer rheumatoiden Arthritis und es gibt viele andere Gründe, warum Sie steife und schmerzhafte Gelenke haben könnten, also wird Ihr Arzt viele Fragen stellen, um andere mögliche Ursachen für Ihre Symptome auszuschließen.  

Ein Rheumatologe ist ein Spezialist für die Diagnose und Behandlung der rheumatoiden Arthritis. Er wird auch eine gründliche körperliche Untersuchung durchführen und den Zustand Ihrer Gelenke überprüfen. Außerdem werden Sie verschiedene Untersuchungen bekommen. Mittels Bluttests werden die Entzündungswerte in Ihrem Blut gemessen, zum Beispiel anhand der Blutsenkungsgeschwindigkeit oder dem Spiegel des C-reaktiven Proteins. 

Ihre Bluttestergebnisse zeigen auch den Gehalt an rheumatoiden Antikörpern im Blut, zum Beispiel den Rheumafaktor (RF) oder Antikörper gegen das zyklisch citrullinierte Peptid. (Anti-CCP-Antikörper). 

Möglicherweise lässt Ihr Arzt auch bildgebende Untersuchungen, wie Röntgenaufnahmen und MRTs durchführen, um nach Schäden an Ihren Gelenken zu suchen.

Wenn Sie bei einem dieser Tests ein positives Ergebnis erhalten, ist dies noch immer kein eindeutiger Beleg dafür, dass Sie eine rheumatoide Arthritis haben. Erst anhand aller Testergebnisse in Kombination mit Ihrer Krankengeschichte, Ihren Symptomen und einer körperlichen Untersuchung kann Ihr Arzt eine sichere Diagnose stellen.

Ursachen

Eine rheumatoide Arthritis wird durch das Immunsystem, das die Gelenkinnenhaut angreift, verursacht, aber die Wissenschaft weiß noch nicht sicher, warum das Immunsystem das tut. Bei dieser Erkrankung scheint es mehr als eine einzelne Ursache zu geben und es handelt sich wahrscheinlich um eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren.  

Einige der Risikofaktoren für eine rheumatoide Arthritis sind:

  • Geschlecht. Eine rheumatoide Arthritis tritt fast dreimal so häufig bei Frauen wie bei Männern auf. 
  • Alter. Frauen bekommen die Krankheit ungefähr zwischen 30 und 60 Jahren und Männer eher im höheren Alter.
  • Genetik. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Menschen mit einem bestimmten genetischen Marker namens HLA fünfmal häufiger eine rheumatoide Arthritis entwickeln. HLA steuert die Immunantwort. Auch wer einen nahen Verwandten mit RA hat, entwickelt wahrscheinlicher selbst eine RA. 
  • Übergewicht oder Fettleibigkeit, insbesondere bei Frauen ab 55 Jahren.
  • Exposition gegenüber Umweltgiften, wie Zigarettenrauch, Luftverschmutzung, Kieselsäure, Asbest, Insektizide und Mineralöl.
  • Exposition gegenüber bestimmten Bakterien oder Viren bei Menschen, die bereits ein höheres Risiko auf Entwicklung einer RA haben.
  • Stress oder Traumata.

Behandlung

Eine rheumatoide Arthritis kann behandelt werden, sodass die Gelenke und Organe schädigende Entzündung gestoppt, die Symptome gelindert, langfristige Komplikationen reduziert und die allgemeine Lebensqualität verbessert wird. In den letzten 20 Jahren wurden auch mit neuen Behandlungsmethoden erstaunliche Fortschritte bei der Behandlung der rheumatoiden Arthritis erreicht. Allerdings ist es derzeit nicht möglich, eine RA vollständig zu heilen. 

Sobald Gelenke oder Organe durch eine rheumatoide Arthritis geschädigt wurden, kann der Schaden nicht mehr rückgängig gemacht werden. Deshalb versuchen ÄrztInnen, sie so früh wie möglich zu diagnostizieren und mit aggressiven Erstbehandlungen Gelenkschäden zu verhindern.

Medikamente 

Im Anfangsstadium werden Ihnen wahrscheinlich einige dieser Medikamente verabreicht, um die Entzündungen zu verlangsamen oder zu stoppen:

  • Kortikosteroide umfassen Prednison, Prednisolon und Methylprednisolon. Sie wirken schnell und reduzieren Entzündungen, aber sie können ernste Nebenwirkungen haben, so dass sie nicht langfristig verschrieben werden. Sie werden normalerweise verwendet, um schnelle Ergebnisse gegen schwere Entzündungen zu erzielen, während man auf das Einsetzen der Wirkung langsamerer, langfristiger Medikamente wie NSAIDs und DMARDs wartet. Diese können in Tablettenform oder durch Injektion verabreicht werden.   
  • Krankheitsmodifizierende Antirheumatika (DMARDs) wie Methotrexat, Hydroxychloroquin und Sulfasalazin Sie können oral eingenommen oder durch Injektion oder Infusion verabreicht werden. 
  • Biologika sind eine Art von DMARDs, die schneller wirken als herkömmliche DMARDs. Sie werden in der Regel als Injektion oder Infusion verabreicht. Biologika zielen auf bestimmte Schritte in der Immunantwort, anstatt das gesamte Immunsystem lahm zu legen. Sie wirken oft, wenn andere Medikamente bereits versagt haben. 

Zum Umgang mit den alltäglichen Schmerzen und Entzündungen, die zu erheblichen Einschränkungen führen, können auch regelmäßig Schmerzmittel oder NSAIDs (nichtsteroidale entzündungshemmende Medikamente) mit oder ohne Rezept eingenommen werden. Zu den NSAIDs gehören Ibuprofen und Naproxen. Diese Medikamente lindern Schmerzen und Entzündungen und können als Tablette eingenommen oder als Creme bzw. Gel direkt auf den Gelenkbereich aufgetragen werden.  

Komplementäre und alternative Therapien

Eine rheumatoide Arthritis kann Ihr Leben und Ihre Stimmung in vielerlei Hinsicht beeinflussen. Daher verwenden Betroffene verschiedene ergänzende Mittel und Therapiemethoden, um ihre allgemeine körperliche und geistige Gesundheit aufrechtzuerhalten und mit der Angst chronisch krank zu sein, umzugehen Zu den beliebtesten Optionen gehören:

  • Akupunktur und Akupressur, die steife Muskeln entspannt und Schmerzen lindert.
  • Massagen zur Entspannung von festen, steifen Muskeln und zur Linderung von Stress und Angst, die mit einem Leben mit RA einhergehen können.
  • Kurkuma-, Fisch- und/oder Pflanzenölzusätze, die Schmerzen und Morgensteifigkeit lindern können.
  • Wärmekissen und warme Bäder zur Entspannung von steifen und schmerzenden Muskeln.
  • Sanfte Bewegung und vorsichtige Dehnung, wie Tai Chi oder Yoga, um die Muskeln zu stärken und sie so flexibel wie möglich zu halten. Bei der Physiotherapie kann man Übungen erlernen, um seine Gelenke zu stärken, ohne sie zu überlasten.
  • Nahrungsmittel konsumieren, die reich an Antioxidantien sind, wie fetthaltiger Fisch, Obst, Gemüse und Olivenöl. Verarbeitete Lebensmittel sollten vermieden werden, da sie Entzündungen fördern. 

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