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10 min

Kann Cannabis bei Parkinson helfen?

von Dr. Roni Sharon

Sep 11, 2019

Das Endocannabinoid-System

Dank der Entdeckung des Endocannabinoid-Systems haben die Wissenschaftler heute ein wesentlich besseres Verständnis dafür, wie chemische Stoffe im Gehirn interagieren und kommunizieren. Sie wissen auch, was passiert, wenn der Körper nicht genügend Neurotransmitter produziert, die mit den entsprechenden Rezeptoren interagieren.

Viele Forscher gehen inzwischen davon aus, dass das Endocannabinoid-System eine wichtige Funktion bei der Aufrechterhaltung eines gesunden Gleichgewichts im gesamten Körper (Homöostase), das lebende Organismen zum Überleben brauchen, spielt. Die Homöostase reguliert interne Prozesse wie den Flüssigkeitshaushalt, den Blutzuckerspiegel und die Körpertemperatur.

Die Botenstoffe und Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems

Die Botenstoffe des Endocannabinoid-Systems werden als Cannabinoide bezeichnet. Die beiden wichtigsten Endocannabinoide, die im Körper produziert werden, Anandamid und 2-AG (2-Arachidonoylglycerin), werden als Endocannabinoide bezeichnet, da endo von der griechischen Vorsilbe für innen abgeleitet ist. Die entsprechenden körpereigenen Endocannabinoid-Rezeptoren werden CB1- und CB2-Rezeptoren genannt. CB1-Rezeptoren kommen vor allem im Gehirn und im Rückenmark vor. CB2-Rezeptoren sind am stärksten im peripheren Nervensystem und im Immunsystem konzentriert. Zu den vielen Funktionen, die vom Endocannabinoid-System geregelt werden, zählen:

  • Neuroprotektive Wirkung
  • Muskelbewegung
  • Energie und Stoffwechsel
  • Schmerzwahrnehmung und Entzündung
  • Kardiovaskuläre Funktion
  • Verdauungsprozesse
  • Funktionen des Immunsystems
  • Stimmungen und Emotionen
  • Schlaf und Schlafphasen

Die Botenstoffe des Endocannabinoid-Systems interagieren mit den Endocannabinoid-Rezeptoren, um eine Reaktion des Gehirns einzuleiten. Die Art der Antwort wird durch die chemische Zusammensetzung der empfangenen Nachricht bestimmt.

Unterstützung der Funktion des Endocannabinoid-Systems mit Cannabis

Im Idealfall sollte der Körper alle Cannabinoide zum effizienten Betreiben dieses wichtigen Regulationssystems selbst produzieren, aber unter dem Einfluss von Krankheiten, Verletzungen oder Stress kann die Nachfrage nach Endocannabinoiden das Angebot übersteigen, was zu einem Endocannabinoid-Mangel führt.

Viele Forscher gehen inzwischen davon aus, dass ein Endocannabinoid-Mangel für viele schwer zu behandelnde Krankheiten verantwortlich ist, darunter Migräne, Fibromyalgie, Reizdarmsyndrom und mehrere neurodegenerative Erkrankungen. Außerdem wird derzeit das therapeutische Potenzial pflanzlicher Cannabinoide zur Behandlung von Parkinson erforscht.

Die Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems reagieren auch auf die pflanzlichen Cannabinoide in Cannabis. Die Phytocannabinoide in Cannabis imitieren die Wirkung der im Körper produzierten Cannabinoide und mildern potenziell die Auswirkungen eines Endocannabinoid-Mangels. Es dauerte nicht lange, bis die Forscher herausfanden, dass die Phytocannabinoide in Cannabis, insbesondere CBD (Cannabidiol), auch mehrere Rezeptoren, die keine Endocannabinoid-Rezeptoren sind, beeinflussen. Zum Beispiel:

  • Dopamin-Rezeptoren
    Dopamin ist ein Neurotransmitter. Wenn ein CB1-Rezeptor stimuliert wird, setzen die Nervenzellen Dopamin frei, um Signale an andere Nervenzellen zu senden. Das Gehirn hat mehrere Signalkaskaden für Dopamin, die die Muskelbewegung, das Verhalten, die Kognition und die Wahrnehmung von Freude und Schmerz regulieren. Es wurde nachgewiesen, dass CBD die Produktion von Dopamin durch die Aktivierung des G-Protein-gekoppelten Rezeptors GPR6 erhöht. 
  • GABA-Rezeptoren
    Gamma-Aminobuttersäure (GABA) ist ein Neurotransmitter, der die Impulse zwischen Nervenzellen blockiert. Wenn GABA-Rezeptoren durch diesen Neurotransmitter aktiviert werden, wird die Erregbarkeit zwischen überaktiven Nervenimpulsen erheblich reduziert. Die Wirkung von Cannabisprodukten auf die GABA-Rezeptoren könnte das Interesse an ihrem Potenzial zum Verringern des mit Parkinson einhergehenden Zitterns erklären.

CBD hat sich auch als wirksames Antioxidans erwiesen, von dem die Forscher glauben, dass es zu den neuroprotektiven Eigenschaften von Cannabis beiträgt. Antioxidantien könnten besonders für Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen, einschließlich Parkinson, von Vorteil sein. Obwohl die vorläufigen Berichte vielversprechend sind, muss beachtet werden, dass derzeit noch ein erheblicher Forschungsbedarf besteht, um die vollen Risiken, den Nutzen und die klinische Anwendung des Cannabiskonsums beurteilen zu können.

Untersuchung des therapeutischen Potenzials von pflanzlichen Cannabinoiden

Die vielen pflanzlichen Cannabinoide in Cannabis, insbesondere das nicht-psychoaktive Cannabinoid CBD, zeigen ein bemerkenswertes Potenzial zur Beeinflussung der Funktion des Nervensystems. Durch die Interaktion mit speziellen Rezeptoren im ganzen Körper weist CBD analgetische, antiemetische, krampflösende, entzündungshemmende und neuroprotektive Eigenschaften auf. Die Mechanismen werden aufgrund der Vielzahl der betroffenen Ziele noch nicht vollständig verstanden, aber viele Experten glauben, dass die antioxidativen und neuroprotektiven Eigenschaften bei PatientInnen mit neurodegenerativen Bewegungsstörungen einen großen Nutzen haben. Obwohl zwar das therapeutische Potenzial von Cannabis vielversprechend ist, zeigen erste Untersuchungen gemischte Ergebnisse. Zum Beispiel:

  • An sechs Parkinson-PatientInnen, die Symptome einer Parkinson-Psychose aufwiesen, wurde eine Open-Label-Studie mit CBD durchgeführt. Alle sechs PatientInnen zeigten eine Verbesserung ihrer psychotischen Symptome, was die antipsychotischen Eigenschaften von CBD bestätigt. Die gleichen Ergebnisse wurden auch bei Parkinson-PatientInnen mit REM-Schlaf-Verhaltensstörung berichtet. Bei höheren Dosen zeigt CBD einen Trend zur Verzögerung der Dystonie, der unwillkürlichen Muskelkontraktion.
  • In einer weiteren Studie teilten die Forscher 21 Parkinson-PatientInnen in drei Gruppen ein: eine Kontrollgruppe, eine Gruppe, pro Tag 75 mg CBD erhielt, und eine dritte Gruppe, die 300 mg pro Tag erhielt. Die TeilnehmerInnen wurden eine Woche vor Beginn der Studie hinsichtlich motorischer und allgemeiner Symptome, erlebtem Wohlbefinden und Lebensqualität untersucht. Während die Studie keine signifikanten Unterschiede bei den allgemeinen Symptomen ergab, verbesserten sich bei den TeilnehmerInnen, die CBD einnahmen, die Werte für das wahrgenommene Wohlbefinden signifikant. Auch wenn die Studie darauf hindeutet, dass CBD die Lebensqualität für Menschen mit Parkinson verbessern könnte, betonten die Forscher, dass zusätzliche Studien mit einer größeren Stichprobe notwendig sind.
  • In einer weiteren Studie wurde über einen 31-tägigen Versuchszeitraum die Tagesdosis CBD schrittweise erhöht. Die höchste Dosis wurde am 17. Tag der Studie verabreicht. Bei den Probanden, die die Studie abgeschlossen haben, sank die klinische Bewertung der Befunde von 45,9 auf 36,4, die motorischen Werte sanken von 27,3 auf 20,3 und die mittlere Steifigkeit von 9,14 auf 6,29. Die Daten deuten darauf hin, dass CBD die Reizbarkeit reduziert und die Schmerzen minimiert.

Bei der Prüfung von Studien und Berichten zum therapeutischen Potenzial von Cannabis muss beachtet werden, dass es zwei deutlich unterschiedliche CBD-Quellen gibt: Marihuana und Hanf. Die Pflanzen werden nach ihrem THC-Gehalt klassifiziert. THC (Tetrahydrocannabinol) verursacht zwar eine psychotrope Wirkung, wirkt aber nachweislich ähnlich wie CBD zur Linderung von Muskelkrämpfen und Schmerzen. Viele Konsumenten finden die kombinierten Effekte von THC und CBD besser als die Effekte von CBD allein.

In einer Umfrage unter 84 Parkinson-PatientInnen, die Cannabis konsumierten, spürten mehr als 46 % eine leichte bis deutliche Verbesserung ihrer Symptome. Laut der Parkinson’s Foundation erhalten die Probanden in den meisten Cannabisstudien Kapseln, Tinkturen oder Nasensprays, die entweder eine Kombination aus CBD und THC oder CBD allein enthalten.

Funktion des Endocannabinoid-Systems und Bewegungsstörungen

In Studien wurde festgestellt, dass sich die Funktion des Endocannabinoid-Systems bei Menschen mit mehreren Bewegungsstörungen, darunter Parkinson, verändert hat. Da Cannabinoid-Rezeptoren in besonders hoher Zahl in den Bereichen des Gehirns vorkommen, die die Bewegung kontrollieren, konzentrieren sich die Forscher auf die Fähigkeit von pflanzlichen Cannabinoiden, sich an Basalganglien und Rezeptoren zu binden, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verändern oder ihre Symptome zu lindern.

In einer bedeutenden Anzahl von Studien wurde die Rolle von Cannabinoiden untersucht, insbesondere die Wirkung von CBD, das nachweislich die Wirkung der im Körper produzierten Endocannabinoide nachahmt und eine Reaktion der Endocannabinoid-Rezeptoren auslöst. Es ist die Interaktion mit den Endocannabinoid-Rezeptoren und mehreren Nicht-Endocannabinoid-Rezeptoren, durch die sich entzündungshemmenden, analgetischen, antiemetischen, anxiolytischen, krampflösenden und neuroprotektiven Eigenschaften von Cannabis erklären lassen.

Die Forschungsergebnisse deuten auch darauf hin, dass die Wirkung von CBD durch die zusätzlichen, natürlich in Cannabis vorkommenden Cannabinoide, einschließlich THC, potenziell verstärkt wird. Dieser kombinierte Effekt durch die zusätzlichen, weniger bekannten Cannabinoide wird als „Entourage-Effekt“ bezeichnet.

Obwohl vorläufige Untersuchungsergebnisse darauf hindeuten, dass die Veränderung der Signalwege von Cannabinoiden die Symptome signifikant verbessern könnte, haben 13 weitere Studien zu gemischten Ergebnissen geführt. Aber Patientenbefragungen und Einzelfallberichte deuten dennoch darauf hin, dass Cannabis die motorischen und viele weitere Symptome von Parkinson lindern kann. Da Cannabisprodukte mit mehreren Medikamenten interagieren können, sollte immer ein Mediziner konsultiert werden, bevor man Cannabis oder aus Hanf gewonnene Produkte verwendet.

Haftungsausschluss

Inhalte auf The Cannigma dienen nur zu Informationszwecken. Sie sind kein Ersatz für professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Vor Beginn einer Behandlung mit Cannabis sollten Sie sich immer von einem Arzt mit Erfahrung mit medizinischem Cannabis beraten lassen.

Über die Parkinson-Krankheit

Überblick

Der Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurodegenerative Krankheit, d.h. eine Krankheit mit Auswirkungen auf das Gehirn. Sie ist gekennzeichnet durch eine fehlende Produktion neuronalen Dopamins, die motorische und nichtmotorische Symptome verursacht. Die vier typischen Anzeichen für Parkinson sind Rigidität (Steifheit), Ruhetremor, Bradykinesie (langsame Bewegungen) und Haltungsinstabilität. Diese können zu Zittern, Steifheit und Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen führen. 

Die Parkinson-Symptome treten allmählich auf und verschlimmern sich im Laufe der Zeit. Darüber hinaus treten gleichzeitig mit den bereits genannten auch verschiedene nichtmotorische Symptome auf. Menschen mit einer Parkinson-Erkrankung haben oft auch mit Schlafstörungen, Gedächtnisstörungen und Müdigkeit zu kämpfen. Psychologische Probleme, wie Depression und Angststörungen, sind ebenfalls weit verbreitet.

Schätzungen zufolge ist einer von 500 Menschen von Parkinson betroffen. Bei den meisten Patienten zeigen sich die ersten Symptome im Alter von 50 Jahren. Etwa einer von 20 Parkinson-Patienten weist jedoch schon mit unter 40 Jahren erste Symptome auf. 

Symptome

Die Parkinson-Symptome sind anfangs normalerweise schwach ausgeprägt und ihr Auftreten und Verschwinden wird vom Patienten oft gar nicht bemerkt (in schätzungsweise einem von vier Fällen kommt es zu einer Fehldiagnose). Auch variiert die Reihenfolge, in der die Symptome auftreten, sowie deren Schwere im Einzelfall. Allerdings beginnen die Symptome oft auf einer Seite des Körpers oder sogar in einem Körperteil. Im weiteren Krankheitsverlauf sind dann letztendlich beide Seiten betroffen, eine jedoch immer noch stärker als die andere.

 Es ist unwahrscheinlich, dass bei einem Parkinson-Erkrankten alle nachstehend aufgelisteten Symptome gleichzeitig vorkommen; die ersten drei sind jedoch am weitesten verbreitet:

  • Tremor – Parkinson-Patienten berichten von Zittern, das normalerweise in der Hand oder im Arm beginnt und häufiger dann auftritt, wenn der entsprechende Körperteil sich in Ruhe befindet.
  • Bewegungsverlangsamung (Bradykinesie) – Die Person bewegt sich deutlich langsamer als normal, wodurch selbst Alltagsaufgaben stark erschwert werden.
  • Muskelsteifheit (Rigidität) – Muskelverspannungen erschweren die Bewegung und sogar die Mimik und können schmerzhafte Muskelkrämpfe (Dystonie) auslösen. Menschen mit Parkinson entwickeln daher oft einen «Parkinson-Gang», bei dem sie sich nach vorne lehnen und kleine, schnelle Schritte machen.
  • Haltungsinstabilität – Diese führt oft dazu, dass die Betroffenen immer wieder stürzen, was ernstliche Verletzungen zur Folge haben kann.

Aufgrund dieser Symptome oder zusätzlich zu diesen können bei Parkinson-Patienten eine Reihe anderer körperlicher und psychischer Symptome auftreten. 

Körperliche Symptome 

Aufgrund der langsamen Bewegungen und des Tremors haben Parkinson-Erkrankte oft Probleme, das Gleichgewicht zu halten; es besteht also ein Sturz- und Verletzungsrisiko. Außerdem kann es aufgrund eines plötzlichen Abfalls des Blutdrucks zu Schwindel, verschwommenem Sehen oder Ohnmacht kommen, wenn der Betroffene aufzustehen versucht. 

Parkinson kann des Weiteren Nervenschmerzen verursachen. Die Betroffenen leiden möglicherweise unter unangenehmem Brennen oder Taubheitsgefühl. Parkinson führt zudem auch zu einem Verlust des Geruchssinns (Anosmie) und dies manchmal sogar bereits mehrere Jahre vor Auftreten der weiteren Symptome. 

Patienten sind teils auch von sexueller Dysfunktion betroffen und es kann zu Speichelüberproduktion (Sabbern), starkem Schwitzen (Hyperhidrose) und Schluckbeschwerden (Dysphagie) kommen, was Mangelernährung und Dehydration nach sich ziehen kann. 

Menschen mit Parkinson leiden oft unter Schlafstörungen (Schlaflosigkeit), die dann tagsüber zu Müdigkeit führen. Der Schlaf wird nachts oft durch häufigen Harndrang (Harninkontinenz) unterbrochen und es kommt auch zu Verstopfung.

Kognitive und psychologische Symptome

Parkinson-Patienten zeigen oft Symptome von Depression und Angststörungen; im mittleren Alter tritt oft Übergewicht auf. 

Darüber hinaus kann Parkinson erwiesenermaßen auch zu kognitiven Beeinträchtigungen führen. Diese treten als Gedächtnislücken auf und erschweren Tätigkeiten, welche eine Planung erfordern. Auch Demenz kann als Teil einer Gruppe von Symptomen auftreten, zu denen zudem schwerwiegenderer Gedächtnisverlust, Persönlichkeitsveränderungen und sogar Paranoia und Halluzinationen (Psychose) zählen.

Ursachen

Der Morbus Parkinson führt zu einem Verlust von Nervenzellen in einer als Substantia nigra bekannten Region des Gehirns. Dieser Teil des Gehirns ist für die Bewegung zuständig. Wenn die Zellen also aufhören, den wichtigen Neurotransmitter Dopamin zu produzieren, kann es zu einem graduellen Kontrollverlust über die Bewegungen des Körpers kommen, was zu Langsamkeit, Steifheit und Zittern führt.

Es ist nicht wissenschaftlich erwiesen, wie es zu diesem Nervenzelltod kommt. Verschiedenen Studien zufolge läuft dieser jedoch langsam ab.  Die ersten Parkinson-Symptome treten erst auf, wenn circa 80 Prozent der Nervenzellen in der Substantia bereits abgestorben sind. 

Folgende Risikofaktoren können ein Auftreten der Krankheitssymptome zur Folge haben: 

  • Umweltfaktoren – Es besteht ein moderates Risiko des Auftretens von Parkinson bei Menschen, die Pestiziden ausgesetzt sind. Die Ausbruchsgefahr kann zudem in vielen Fällen durch den Verzicht auf Zigaretten und koffeinhaltige Getränke minimiert werden.
  • Vererbung – Hat man einen Verwandten ersten Grades mit Parkinson, so ist die Wahrscheinlichkeit der Erkrankung um 15 Prozent höher. Außerdem wurde bei circa 5-10 % der Menschen mit Parkinson-Diagnose in einem von mehreren spezifischen Genen eine Mutation entdeckt, die im Rest der Bevölkerung nur bei unter einem Prozent vorhanden ist. 
  • Präsenz von Lewy-Körperchen – Bei Letzteren handelt es sich um Klumpen spezifischer Substanzen in Gehirnzellen, die als Krankheitsmarker für Parkinson gelten. Welche Bedeutung ihnen beim Ausbruch der Krankheit zukommt, ist unklar, Forscher gehen aber davon aus, dass sie bei der Suche nach den Krankheitsursachen eine Schlüsselrolle spielen.

Diagnose

Es gibt keinen Test, der den Morbus Parkinson nachweisen kann. Der Arzt stellt die Diagnose also auf Grundlage der vom Patienten mitgeteilten Symptome sowie der Krankengeschichte und einer umfassenden ärztlichen Untersuchung.

Im Normalfall vermutet der Arzt ein Vorliegen der Krankheit, wenn der Patient mindestens zwei dieser Hauptanzeichen beschreibt:

  • Tremor oder Zittern
  • Steife Glieder
  • Langsame Bewegungen 
  • Häufige Stürze (die Verletzungen, die sich die Patienten bei diesen zugezogen haben, sind oft Grund für den ersten Arztbesuch)
  • Symptome treten hauptsächlich auf einer Körperseite auf

Der Arzt verschreibt dann gegebenenfalls einen Wirkstoff namens Carbidopa-Levodopa, der das Gehirn bei der Dopamin-Produktion unterstützt. Damit kann das Gehirn das Nervensystem und somit auch die Bewegungen des Körpers besser kontrollieren. Falls sich die Symptome dank der Verwendung des Medikaments bessern, ist dies ein Anzeichen für das Vorliegen einer Parkinson-Erkrankung. 

Diverse Tests werden durchgeführt, um den Körper gründlich zu untersuchen und so die Symptomursache festzustellen. Dazu zählen: 

  • DaTscan – Ein Bildgebungsverfahren, bei dem ein radioaktives Medikament in geringer Dosis zusammen mit einem Spezialscanner verwendet wird, um den Dopamingehalt im Gehirn zu prüfen.
  • CT (Computertomografie) – Hier werden mithilfe von Röntgenstrahlen und Computertechnik Bilder vom Inneren des Körpers und auch des Gehirns angefertigt.
  • MRT (Magnetresonanztomografie) – Fertigt mit einem großen Magneten, Radiowellen und Computertechnik (zur Umwandlung der Daten) Bilder des Körpers an.

Behandlung

Momentan kann Parkinson nicht geheilt werden. Es gibt jedoch Behandlungsmöglichkeiten, die Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern. 

Dazu zählen:

Unterstützende Therapie

Im Gesundheitswesen werden verschiedentlich Therapien angeboten, die zur Verhinderung von Parkinson-Symptomen und zum Umgang mit diesen empfohlen werden. Dazu zählen: 

  • Ergotherapie – Kann Schwierigkeiten im täglichen Leben, wie z.B. Routineaufgaben oder das Umfeld am Arbeitsplatz identifizieren und praktische Lösungen für diese bereitstellen.
  • Physiotherapie – Kann durch Übungen Muskelsteifheit und Gelenkschmerzen verringern.
  • Logopädie – Kann helfen, mit Sprechproblemen durch aufgrund von Parkinson auftretenden Schluckbeschwerden umzugehen.
  • Ernährung – Verschiedene Umstellungen der täglichen Ernährung können Verdauungsbeschwerden lindern. Zum Beispiel wird zur Vermeidung von Verstopfung das Trinken von Wasser empfohlen. Außerdem wird empfohlen, mehr Salz zu sich zu nehmen, um Problemen aufgrund niedrigen Blutdrucks vorzubeugen und ausgewogene Mahlzeiten einzunehmen, um Übergewicht zu vermeiden.
  • Tanz- und Musiktherapie – Diese können das Leben und die Stimmung von Patienten mit motorischen Störungen aufgrund des Morbus Parkinson deutlich verbessern.
  • Gruppentherapie – Viele Betroffene und deren Familien berichten, dass Gruppentherapie mit anderen von der Krankheit betroffenen Patienten und deren Familien ihnen sehr weiterhilft.  

Medikamentierung

Zur Behandlung des Zitterns (Tremor) und der Bewegungsprobleme können Medikamente herangezogen werden. Dabei muss jedoch oft auch mit diversen Nebenwirkungen umgegangen werden, weshalb dies nicht für jeden der richtige Weg ist. Ein Facharzt erklärt genauer, welche Optionen hier bestehen und welche Risiken die jeweiligen Medikamente bergen, sodass die Entscheidung bestmöglich an die Bedürfnisse des Patienten angepasst wird.

Es werden hauptsächlich drei Arten von Medikamenten verwendet:

  • Levodopa – Dieses Medikament gelangt in den Blutkreislauf und wird dort zum Transmitter Dopamin, der verwendet wird, um Botschaften zwischen Gehirn und Nervensystem zu übermitteln und so die Fähigkeit des Gehirns zur Bewegungskontrolle zu optimieren. Es wird empfohlen, dieses Arzneimittel zunächst nur in geringen Dosen zu sich zu nehmen, da zu den möglichen Nebenwirkungen Übelkeit, Schwindel und Müdigkeit zählen.
  • Dopaminagonisten – Diese ersetzen Dopamin und gelten im Vergleich zu Levodopa als weniger stark. Sie werden oft als Kapseln eingenommen oder in Form eines Pflasters auf die Haut geklebt. Obwohl die Nebenwirkungen ähnliche sind, können Agonisten manchmal auch Halluzinationen und Desorientierung auslösen. Daher sind sie insbesondere bei älteren Patienten mit Vorsicht zu verwenden.  
  • Monoaminooxidase-B-Hemmer – Eine weitere Alternative zu Levodopa. Sie werden normalerweise gut vertragen, können jedoch in manchen Fällen zu Übelkeit, Kopfschmerzen, hohem Blutdruck und Bauchschmerzen führen.
  •  Catechol-O-Methyltransferase-Hemmer – Diese werden üblicherweise in späteren Stadien der Krankheit verschrieben. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen Übelkeit, Durchfall und Bauchschmerzen.
  • Amantadin – Hierbei handelt es sich ursprünglich um ein Grippemedikament, das jedoch nachweislich motorische Störungen reduzieren kann und oft in späteren Krankheitsstadien verschrieben wird.

Operationen

Meistens wird Parkinson mit einer Kombination aus Medikamenten und unterstützenden Therapien behandelt. In einigen Fällen wird jedoch eine Tiefe Hirnstimulation empfohlen. Bei dieser Methode werden Elektroden in den Basalganglien des Gehirns platziert.  

Zusätzliche Therapie

Menschen mit Parkinson sind oft wegen zahlreicher Begleiterkrankungen des Morbus Parkinson in Behandlung. Viele Parkinson-Patienten leiden z.B. unter Depressionen und Angststörungen. Diese können durch Bewegung, psychologische Behandlung oder Medikamente behandelt werden.

Ärzte können auch für erektile Dysfunktion, starkes Schwitzen und Harninkontinenz Medikamente verschreiben. Andere Erkrankungen, wie Schlaflosigkeit, können durch Anpassung des Routine-Tagesablaufs des Patienten (z.B. Festlegen einer Schlafenszeit) behandelt werden.

Palliativpflege

Diese spezialisierte Behandlung ist für Menschen mit schweren Krankheiten gedacht, wozu auch Parkinson zählt. Ein Therapeut kann die körperlichen und psychischen Symptome behandeln und die Patienten im täglichen Leben persönlich unterstützen. Diese Form der Therapie spielt eine wichtige Rolle bei der Definition von Pflegezielen für die Patienten und hilft ihnen dabei, eine Behandlungsmethode zu finden, die ihrer Persönlichkeit und ihren Wertvorstellungen entspricht.

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