Home Condition Glaukom

Abonnieren Sie uns

1.6k
10 min

Kann Cannabis beim Glaukom helfen?

von Gleb Oleinik

Sep 22, 2019

Überblick

Seitdem aus einer Studie von 1971 hervorging, dass das Rauchen von Marihuana den Augeninnendruck reduziert, ist der Einsatz von Cannabis bei Glaukom (Grüner Star) ein beliebtes Thema. 

In der Tat ist es heute allgemein anerkannt, dass die Einnahme von Cannabis den Augeninnendruck für mehrere Stunden senkt. Insbesondere belegen jüngste Forschungen, dass das Endocannabinoid-System des Körpers mit der Augengesundheit zusammenhängt und folglich der Ansatz mit Cannabinoiden und anderen Stoffen bei Glaukom hilfreich sein könnte.

Das Endocannabinoid-System

Das Endocannabinoid-System wurde in den 1990er Jahren entdeckt und beschreibt ein Netzwerk von Rezeptoren, Endocannabinoiden und Enzymen, die die Synthese und Zerlegung dieser Verbindungen steuern.

Dieses System spielt eine zentrale Rolle für die Gesundheit des Menschen, da es dem Körper hilft, die Homöostase zu regulieren – ein gesundes inneres Gleichgewicht. Forschungen zeigen, dass das Endocannabinoid-System an vielen Schlüsselprozessen beteiligt ist, wie z.B. an der kognitiven Funktion, der Immunität, dem Schmerz, dem Schlaf und sogar der Augengesundheit.

Bisher wurden zwei primäre Cannabinoid-Rezeptoren identifiziert: CB1 und CB2. Während CB1 im zentralen Nervensystem reichlich vorkommt, ist CB2 in Immunzellen verbreitet. Diese Rezeptoren reagieren auf Anandamid und 2-AG – die beiden Endocannabinoide, die in unserem Körper gebildet werden. Darüber hinaus interagieren sie auch mit Phytocannabinoiden. Das sind Cannabinoide, die aus der Cannabispflanze stammen, wie beispielsweise THC und CBD.

Das Endocannabinoid-System und Glaukom

Alle Bestandteile des Endocannabinoid-Systems, einschließlich Rezeptoren, Endocannabinoide und Enzyme, sind auch im Augengewebe vorhanden. Das deutet darauf hin, dass sie eine Rolle bei der gesunden Augenfunktion spielen.

Noch wichtiger sind Hinweise darauf, dass die Glaukom-Erkrankung die Funktion des Endocannabinoid-Systems beeinflusst. Es gibt z.B. eine Studie, die die Werte von
2-AG, Anandamid und PEA, einer mit Anandamid eng verwandten Verbindung, bei normalen und glaukomatösen Augen verglich.

Obwohl die AEA-Werte ähnlich waren, wiesen erkrankte Augen ein geringeres Vorkommen von 2-AG- und PEA im sogenannten Ziliarkörper auf, einem Teil des Auges, der bei der Regulierung des Augeninnendrucks wichtig ist. Der PEA-Wert war auch in der Aderhaut, eine der äußeren Schichten des Auges, niedriger.

Noch interessanter sind die Beobachtungen einer Studie an Ratten mit okulärer Hypertension, eine Erkrankung, die Augenschäden ähnlich dem akuten Glaukom beim Menschen verursacht. In diesem Experiment führte die Hypertonie zu einem Anstieg von FAAH, ein Enzym, das Anandamid abbauen kann, sowie zu einem Rückgang der CB1-Rezeptoren.

Nach der Verabreichung einer Verbindung die FAAH blockiert oder einer, die anandamid-ähnlich ist, nahmen die Netzhautschäden ab. Dies deutet darauf hin, dass Glaukom den Anandamid-Spiegel in der Netzhaut senkt und dies wiederum zu einer Schädigung der Netzhautzellen beiträgt.

Aufgrund solcher Ergebnisse nehmen Wissenschaftler an, „dass es möglich sein könnte, glaukomatöse Verläufe durch therapeutische Modifikationen des Endocannabinoid-Systems zu verbessern“.

Das Endocannabinoid-System & Glaukom

Forschungen zeigen, dass das Endocannabinoid-System bei der Glaukom-Behandlung auf zwei Arten helfen kann: durch Verringerung des Augendrucks und durch Neuroprotektion.

Eine Studie aus dem Jahr 1996 beschrieb beispielsweise, dass die topische Anwendung anandamid-ähnlicher Verbindungen auf Augen von Kaninchen zu einer deutlichen Senkung des Augeninnendrucks führte. Das bestätigt wiederum, dass das Endocannabinoid-System diesen Prozess reguliert. Ebenso belegten zahlreiche Studien, dass Cannabis und THC die gleiche Wirkung erzielen.

Darüber hinaus berichten aktuelle Studien von der sogenannten Neuroprotektion. Das Endocannabinoid-System kann demnach als Schutz vor Neuronenschädigungen wirken.

Glaukom führt meist dadurch zur Erblindung, da es bestimmte Nervenzellen im Auge zerstört, nämlich die retinalen Ganglienzellen (RGCs). Diese Zellen können auch dann noch absterben, wenn der Augeninnendruck durch Medikamente gesenkt wird.

Offenbar kann das Endocannabinoid-System diese Neuronen vor Schäden schützen, die das Glaukom verursacht. Versuche an Ratten ergaben, dass das Blockieren des FAAH-Enzyms den Anandamid-Spiegel erhöht und die RGCs vor dem Schaden schützt.

Zusammenfassend machen die jüngsten Forschungsergebnisse klar, dass die Einwirkung auf das Endocannabinoid-System durch die Erhöhung von Endocannabinoiden oder die Zufuhr von Phytocannabinoiden für Glaukom-Patienten von Nutzen sein kann. Demzufolge stellen medizinische Cannabis-Präparate eine hilfreiche Option dar.

Cannabis & Glaukom

Den ersten Hinweis darauf, dass Cannabis an Glaukom erkrankten Menschen helfen kann, fand man 1971, als Forscher entdeckten, dass das Rauchen von Cannabis zu einer signifikanten Senkung des Augeninnendrucks führte.

Viele Folgestudien untermauerten seitdem diese Entdeckung mit injiziertem, äußerlich angewandtem und inhaliertem Cannabis oder THC.

Was die neuroprotektive Wirkung von Cannabis betrifft, so beschränkt sich die aktuelle Forschung auf Tier- und Zellkulturstudien. So untersuchte eine Studie, ob durch THC oder CBD Neuronenschäden verhindert werden können, die durch Glutamat entstehen, ein Stoff, der bei Glaukom zum neuronalen Zelltod beiträgt. Man stellte fest, dass beide Cannabinoide die Neuronen schützten.

Obwohl solche Ergebnisse nicht so eindeutig sind wie die Auswirkungen von Cannabis auf den Augeninnendruck, gibt es genügend Beweise dafür, dass sowohl Endo- als auch Phytocannabinoide Neuroprotektion für durch Glaukom geschädigte Netzhautzellen bieten können.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass alles darauf hindeutet, dass THC das primäre Cannabinoid ist, das für die drucksenkende Wirkung von Cannabis verantwortlich ist. CBD hingegen kann den Augeninnendruck tatsächlich erhöhen.

Eine Studie aus dem Jahr 2006 ergab zum Beispiel, dass die sublinguale (unter der Zunge) Verabreichung von THC den Augendruck senkte, CBD aber bei höheren Dosen entweder keine Wirkung hatte oder tatsächlich zu erhöhtem Druck führte. Ähnlich fand man durch kürzliche Versuche an Mäusen heraus, dass die topische Anwendung von CBD den Augeninnendruck erhöht.

Das bedeutet jedoch nicht, dass CBD zu verwerfen wäre, denn schließlich hat es eine neuroprotektive Wirkung. Vielmehr werden wir immer mehr dahin geführt, Cannabis-Präparate aus der ganzen Pflanze in Betracht zu ziehen, d.h. Präparate, die gewisse THC- und CBD-Mengen und alle anderen aktiven, in der Pflanze vorkommenden, Wirkstoffe miteinander kombinieren.

Insgesamt deutet die heutige Forschung darauf hin, dass Cannabis bei Glaukom-Patienten sowohl zur Senkung des Augeninnendrucks als auch zum Schutz von Nervenzellen dienen kann. Allerdings wird die medizinische Anwendung durch Nebenwirkungen eingeschränkt.

Nebenwirkungen

Obwohl Medizinforscher weiterhin optimistisch sind, was das Potenzial von Cannabis bei der Glaukom-Behandlung angeht, stehen Augenärzte dem Einsatz der Pflanze aufgrund der Nebenwirkungen insgesamt skeptisch gegenüber.

 

Vor allem ist Cannabis für seine psychoaktiven Effekte wie Angst, Paranoia, Gedächtnisschwäche und Euphorie bekannt, allgemein als „High“-Gefühl bezeichnet. Weitere Nebenwirkungen sind erhöhte Herzfrequenz, Herzrasen und niedrigerer Blutdruck. Entscheidend ist, dass ein niedrigerer Blutdruck die Durchblutung des Sehnervs verringern kann, was die Vorteile einer Senkung des Augeninnendrucks wieder zunichtemacht.

Diese Nebenwirkungen sind problematisch, weil die drucksenkende Wirkung von Cannabis nur etwa drei bis vier Stunden anhält. Da der Augeninnendruck bei Glaukom permanent reguliert werden muss, müssten Cannabis-Konsumenten folglich immer unter diesen Problemen leiden. 

Das Gewicht dieser Nebenwirkungen wurde durch eine Studie hervorgehoben, in der neun Glaukom-Patienten THC-Kapseln einnahmen oder Cannabis rauchten. Alle neun Teilnehmer entschieden sich dafür, die Behandlung nach ein bis neun Monaten einzustellen.

Legale Verwendung

Aufgrund der oben beschriebenen Nebenwirkungen empfiehlt die American Academy of Ophthalmology – die weltweit größte Vereinigung von Augenärzten – den Einsatz von Cannabis bei Glaukom nicht. Dieser Standpunkt wird auch von Organisationen in anderen Ländern vertreten, wie der Canadian Ophthalmological Society.

Allerdings erlaubt die überwiegende Mehrheit der Länder, in denen Cannabis medizinisch verwendet wird, darunter Kanada, Deutschland und die Niederlande, Ärzten, Cannabis bei Glaukom zu verschreiben. Es gibt nur wenige Ausnahmen davon, wie z.B. das Vereinigte Königreich, wo medizinisches Cannabis nur für einige wenige Krankheiten erhältlich ist.

In den USA ist der Gebrauch von medizinischem Cannabis bei Glaukom in Washington, D.C. und 30 Staaten erlaubt: Alaska, Arizona, Arkansas, Kalifornien, Colorado, Connecticut, Delaware, Florida, Hawaii, Illinois, Louisiana, Maine, Maryland, Massachusetts, Michigan, Minnesota, Missouri, Montana, Nevada, New Hampshire, New Jersey, New Mexico, North Dakota, Ohio, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, Washington, West Virginia und Vermont.

Fazit

Die neuere Forschung zeigt uns, dass die Beeinflussung des Endocannabinoid-Systems ein vielversprechender Weg zur Behandlung des Glaukoms ist. Studien belegen, dass wir mit diesem System nicht nur den Augeninnendruck senken, sondern auch die Neuroprotektion unterstützen können.

Letzteres ist besonders bedeutsam, da manche Glaukom-Patienten auch nach einer Verringerung ihres Augeninnendrucks dennoch einen Sehverlust erleiden. Daher besteht Bedarf an Arzneimitteln, die sowohl den Augeninnendruck als auch neuronale Schäden behandeln.

Obwohl Cannabis ein potenzieller Kandidat für ein solches Arzneimittel ist, ist sein Nutzen derzeit durch seine kurze Wirkungsdauer und starken Nebenwirkungen begrenzt. Aus diesem Grund empfehlen Augenärzte nicht, Cannabis bei Glaukom einzusetzen.

Das schließt Cannabis jedoch nicht völlig aus. Derzeit wird eine Vielzahl von Verbindungen erforscht, die das Endocannabinoid-System beeinflussen, darunter Phytocannabinoide, synthetische Cannabinoide und Stoffe, die die Endocannabinoid-Aktivität erhöhen.

Es ist durchaus möglich, dass in der Zukunft ein auf Cannabinoid basierendes Arzneimittel mit längerer Wirkung und weniger Nebenwirkungen entwickelt wird.

Haftungsausschluss

Inhalte auf The Cannigma dienen nur zu Informationszwecken. Sie sind kein Ersatz für professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Vor Beginn einer Behandlung mit Cannabis sollten Sie sich immer von einem Arzt mit Erfahrung mit medizinischem Cannabis beraten lassen.

Über das Glaukom

Überblick

Bei einem Glaukom ist der Sehnerv geschädigt, meist durch eine Flüssigkeitsansammlung im vorderen Teil des Auges. Mit zunehmender Flüssigkeitsmenge drückt sie auf den Sehnerv und schädigt ihn. Eine längere Schädigung des Sehnervs ist ein irreversibler Prozess, der zu Erblindung führen kann.  

Ein Glaukom kann bei jedem Menschen und in jedem Alter auftreten, aber es kommt am häufigsten bei älteren Erwachsenen vor. Ein Glaukom ist die Hauptursache für Erblindung bei Menschen über 60 Jahren. Trotz Behandlung erblinden 15% der Glaukompatienten innerhalb von 20 Jahren auf mindestens einem Auge. 

Es gibt zwei Hauptarten von Glaukomen:

Das Offenwinkelglaukom ist die häufigste Form des Glaukoms. Bei dieser Erkrankung kommt es zu einer Erhöhung des Augeninnendruckes durch ein Ungleichgewicht zwischen der Menge an Kammerwasser, die produziert wird, und der Menge an Kammerwasser, die abfließen kann. Wie bei einem verstopften Waschbecken kann die Flüssigkeit nicht mehr abfließen. Das Offenwinkelglaukom beginnt allmählich und wird langsam schlimmer.

Das Engwinkelglaukom entsteht durch eine Abflussstörung des Kammerwassers als Folge einer Engstelle zwischen Iris und Hornhaut. Die Iris kann dabei den Abfluss vollständig blockieren, wie ein Stöpsel im Waschbecken. 

Das Engwinkelglaukom kann sich langsam entwickeln, da sich die Iris allmählich nach vorne wölbt, bis sie den Kammerwinkel blockiert. Dies wird als chronisches Engwinkelglaukom bezeichnet. Wie beim Offenwinkelglaukom gibt es zunächst keine Symptome. 

Bei einem akuten Engwinkelglaukom ist der Kammerwinkel vollständig blockiert. Dabei kann der Druck im Auge extrem schnell ansteigen. Dies ist ein medizinischer Notfall, der innerhalb von Stunden bis Tagen ohne Behandlung zu Erblindung führt.

Es gibt auch andere Arten von Glaukomen, die viel seltener auftreten. Dazu gehören:

  • Normaldruckglaukom, wenn der Sehnerv geschädigt wird, obwohl der Augendruck gleich geblieben ist. 
  • Das kindliche Glaukom kann sich in der frühen Kindheit entwickeln oder von Geburt an vorhanden sein. Beim kindlichen Glaukom kann der Sehnerv durch eine zugrunde liegende Erkrankung oder eine Blockade des Kammerwinkels geschädigt werden.

Bei einem Pigmentglaukom sammeln sich Pigmentgranulate der Iris im Kammerwinkel an und blockieren den Abfluss des Kammerwassers.

Symptome

Offenwinkel- und Engwinkelglaukome verursachen zu Beginn fast keine Symptome, wodurch sie sich kaum frühzeitig erkennen lassen. Deshalb ist es so wichtig, regelmäßige Sehtests durchzuführen, damit Ihr Augenarzt das Glaukom so schnell wie möglich erkennen und behandeln kann. Wenn Sie über 40 Jahre alt sind und Verwandte mit einem Glaukom haben, sollten Sie alle 1-2 Jahre eine Augenuntersuchung durchführen lassen. Wenn Sie gesundheitliche Probleme wie Diabetes haben, sollten Sie sogar noch öfter zum Augenarzt gehen. 

Ein Glaukom beginnt mit einem Ausfall des peripheren Gesichtsfelds. Die ersten bemerkbaren Symptome sind blinde Flecken im peripheren oder zentralen Gesichtsfeld. Das Glaukom betrifft in der Regel beide Augen gleichzeitig, aber es kann auch nur auf einem Auge vorhanden sein. Mit fortschreitendem Glaukom schränkt sich Ihr Gesichtsfeld immer weiter ein, bis sie nur noch einen Tunnel sehen, der sich allmählich schließt, bis Ihr Sehvermögen vollständig verschwunden ist. 

Das akute Engwinkelglaukom geht mit ausgeprägten Symptomen einher. Diese dürfen keineswegs ignoriert werden! Gehen Sie sofort zu Ihrem Augenarzt oder in die Notaufnahme, wenn Sie folgende Symptome bei sich bemerken:

  • Verschwommenes Sehen
  • Schleier oder regenbogenartige Ringe um Lichtquellen
  • Starke Augenschmerzen
  • Übelkeit und/oder Erbrechen
  • Kopfschmerzen mit veränderter Sicht, die sich nicht auflösen

Ursachen

Das Glaukom wird im Allgemeinen durch eine Ansammlung von Flüssigkeit im Inneren des Auges aufgrund eines blockierten Kammerwinkels verursacht, aber es ist nicht klar, was diese Blockade verursacht. Manchmal geschieht dies durch eine traumatische Augenverletzung oder Chemikalien, die in das Auge spritzen. Es kann auch durch eine Entzündung des Kammerwinkels verursacht werden. Seltener tritt es durch Nebenwirkungen von Medikamenten sein.

Normalerweise entwickelt sich das Glaukom ohne klare Ursache, aber die Wissenschaft hat bestimmte Faktoren für ein erhöhtes Glaukomrisiko identifiziert:

  • Lebensalter über 60 Jahre
  • Afroamerikanische, hispanische oder asiatische Abstammung
  • Glaukom in der Familienanamnese
  • Extreme Kurz- oder Weitsichtigkeit
  • Augenverletzung oder bestimmte Augenoperationen
  • Hoher Augeninnendruck
  • Geringe Hornhautdicke
  • Bluthochdruck, Diabetes, Sichelzellenanämie oder bestimmte andere Krankheiten
  • Langzeitige Einnahme von kortikosteroidhaltigen Augentropfen oder anderen kortikosteroidhaltigen Medikamenten

Diagnose

Ihr Augenarzt führt eine gründliche Augenuntersuchung mit verschiedenen Tests zur Diagnose des Glaukoms durch:

  • Sehschärfetest mit Hilfe einer Sehtesttafel, um Ihr Sehvermögen in verschiedenen Entfernungen zu messen.
  • Gesichtsfeldtest zur Überprüfung des peripheren Gesichtsfelds, da der Verlust des peripheren Gesichtsfelds ein Hauptsymptom des Glaukoms ist.
  • Untersuchung mit Pupillenerweiterung: Hier werden spezielle Tropfen zur Erweiterung der Pupillen verabreicht, damit der Augenarzt die Netzhaut und den Sehnerv auf Schäden untersuchen kann.
  • Tonometrie mit einem speziellen Instrument, dem so genannten Tonometer, um den Druck in jedem Auge zu messen.
  • Pachymetrie mit einem Ultraschallgerät zur Messung der Hornhautdicke.
  • Gonioskopie zur Untersuchung des Kammerwinkels.

Der Augenarzt wird auch Ihre Augenanamnese zusammen mit allen anderen relevanten medizinischen Vorfällen überprüfen.

Behandlung

Sobald das Glaukom den Sehnerv geschädigt hat, kann dies nicht mehr rückgängig gemacht werden. Der Sehverlust durch ein Glaukom ist nicht heilbar. Aber man kann das Glaukom behandeln, um zu verhindern, dass es schlimmer wird und den Sehnerv weiter schädigt, weshalb die Früherkennung so wichtig ist.

Bei der Behandlung des Glaukoms geht es immer darum, den Druck im Auge zu senken, damit der Sehnerv nicht weiter geschädigt wird. Abhängig von Ihrer Situation werden Ihnen Augentropfen oder oral einzunehmende Medikamente verschrieben oder Sie werden zu einer Laserbehandlung oder Operation überwiesen. 

Augentropfen 

Augentropfen zur Behandlung eines Glaukoms sind:

  • Prostaglandine, wie Latanoprost (Xalatan) und Latanoprosten-Bunod (Vyzulta). Diese Medikamente reduzieren die Menge des produzierten Kammerwassers, um den Augendruck zu senken. Sie haben geringe Nebenwirkungen und werden nur einmal täglich angewendet.
  • Auch durch Betablocker wie Timolol (Betimol, Istalol, Timoptic) und Betaxolol (Betoptic) wird weniger Flüssigkeit produziert. Sie werden ein- bis zweimal täglich eingenommen und können Nebenwirkungen wie Atembeschwerden, verringerte Herzfrequenz, niedrigeren Blutdruck, erhöhte Müdigkeit und Impotenz haben.
  • Adrenerger Alpha-Rezeptoragonisten wie Apraclonidin (Iopidin) und Brimonidin (Alphagan P, Qoliana) reduzieren die Menge der im Auge produzierten Flüssigkeit und fördern ihren Abfluss. Sie werden in der Regel zweimal täglich und manchmal dreimal täglich eingenommen. 
  • Carboanhydrasehemmer wie Dorzolamid (Trusopt) und Brinzolamid (Azopt) reduzieren ebenfalls die Menge der im Auge produzierten Flüssigkeit. Sie haben leichte Nebenwirkungen und werden zweimal oder dreimal täglich eingenommen.

Die meisten Augentropfen verursachen keine ernsthaften Nebenwirkungen, obwohl sie stechende oder juckende Augen und Kopfschmerzen verursachen können. Da es mehrere Arten von Augentropfen gegen Glaukome gibt, kann Ihr Arzt Ihnen auch ein anderes Mittel verschreiben, wenn die Nebenwirkungen Sie zu sehr belasten. 

Wenn Ihnen für Ihr Glaukom Augentropfen verschrieben werden, ist es wichtig, dass Sie sie regelmäßig anwenden. Da ein Glaukom erst Symptome erzeugt, wenn der Sehnerv bereits geschädigt ist, kann man leicht vergessen, seine Medikamente einzunehmen oder denken, dass man sie nicht mehr braucht. Das ist leider falsch! Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie Ihre Medikamente nicht mehr benötigen, liegt das daran, dass sie wirken, und Sie müssen sie unbedingt weiterhin verwenden, damit sie auch künftig ihren Zweck erfüllen können. 

Oral einzunehmende Medikamente

Wenn die Augentropfen nicht gegen Ihr Glaukom helfen, können Sie auch orale Medikamente einnehmen. Meist werden Carboanhydrasehemmer verschrieben, um den Augeninnendruck zu senken.

Laserbehandlung

Wenn Ihr Glaukom nicht auf Augentropfen oder orale Medikamente anspricht, benötigen Sie möglicherweise einen Eingriff, um Ihren Augeninnendruck zu reduzieren. Der häufigste Eingriff ist die Lasertherapie oder Lasertrabekuloplastik.

Bei der Lasertrabekuloplastik wird der blockierte Kammerwinkel mit einem kleinen Laserstrahl geöffnet. Dies wird in der Arztpraxis oder in einer Augenklinik unter Lokalanästhesie des Auges durchgeführt. 

Der Laser erzeugt Löcher in Ihrem blockierten Kammerwinkel, damit die Flüssigkeit ablaufen kann. Normalerweise wird ein Auge nach dem anderen behandelt. Sie sehen während des Eingriffs ein blinkendes grünes oder rotes Licht und anschließend können sich Ihre Augen gereizt anfühlen. Wenn beide Augen eine Lasertherapie benötigen, erfolgt dies im Abstand von einigen Tagen oder Wochen. 

Die Lasertherapie kann zwar sehr effektiv sein, aber ihre Wirkung hält nicht ewig Vielleicht muss sie später wiederholt werden. 

Operation 

Ihr Augenarzt kann auch chirurgisch ein Ventil in Ihr Auge einsetzen. Dieser Eingriff wird als Trabekulektomie bezeichnet. Bei diesem Verfahren wird eine neue Abflussöffnung hergestellt, damit die Flüssigkeit aus den Augen abfließen kann. Manchmal wird ein winziges Röhrchen eingesetzt, um den Abfluss offen zu halten und zu verhindern, dass er verstopft. Sie erhalten Medikamente, durch die sich Ihre Augenmuskeln entspannen, und eine Lokalanästhesie, um Ihr Auge vor dem Eingriff zu betäuben. Eine Vollnarkose wird bei diesem Verfahren üblicherweise nicht verabreicht, da Sie dabei bei Bewusstsein sein sollten.

Möglicherweise wird Ihnen auch eine minimal-invasive Glaukomoperation (MIGS) empfohlen. Bei diesem Verfahren wird ebenfalls Ihr Augeninnendruck verringert, aber es geht mit einem geringeren Risiko einher und erfordert weniger Nachbehandlungstermine als eine Trabekulektomie oder das Einsetzen eines Abflussröhrchens. Es stehen also verschiedene Optionen zur Verfügung. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, was für Sie am besten geeignet ist. 

Wenn Sie ein akutes Engwinkelglaukom haben, müssen Sie sich dringend einer Operation oder Lasertherapie unterziehen, um den sich schnell aufbauenden Druck zu verringern. Normalerweise müssen Sie auch nach dem Eingriff weiterhin Medikamente einnehmen. 

Alternative Behandlungsmethoden

Auch eine Veränderung des Lebensstils und alternative Therapien können zur Behandlung des Glaukoms beitragen. Dabei wird Folgendes empfohlen:

  • Regelmäßige Bewegung hilft, den Augendruck zu reduzieren.
  • Weniger Koffein konsumieren.
  • Täglich viele kleine Portionen Flüssigkeit zu sich nehmen, anstatt eine große Menge auf einmal zu trinken, was den Augendruck vorübergehend erhöhen kann. 
  • Kräuterheilmittel, wie Heidelbeerextrakt, die den Augendruck senken können, ausprobieren.
  • Mit Entspannungstechniken Stress abbauen, da Stress ein akutes Engwinkelglaukom auslösen kann.

Leave a comment

By clicking "Post Comment" you agree to our Privacy Policy and to joining The Cannigma mailing list.

Condition Index A-Z