Home Condition Fibromyalgie

Abonnieren Sie uns

993
9 min

Kann Cannabis bei Fibromyalgie helfen?

von Dr. Daniela Garelick

Sep 22, 2019

Überblick

Über Die Fibromyalgie ist vieles noch unbekannt und daher war die Entwicklung von Behandlungsoptionen herausfordernd. Die Behandlungen sind oft nicht wirksam und die PatientInnen wechseln von einer Therapie zur nächsten, wobei sie häufig starke Nebenwirkungen, aber nur einen minimalem Nutzen haben. Darüber hinaus haben Menschen mit Fibromyalgie häufiger Nebenwirkungen durch Medikamente als die restliche Bevölkerung, was die Behandlungsmöglichkeiten weiter einschränkt.

Das Interesse an medizinischem Cannabis zur Behandlung von Fibromyalgie nimmt stetig zu. Cannabis wurde bereits vor 5.000 Jahren im alten China zur Behandlung von Krämpfen und Schmerzen eingesetzt. Dies liegt nicht nur an seinen schmerzstillenden Eigenschaften, sondern auch an seinem Potenzial, bei anderen Begleitsymptomen wie Schlaflosigkeit, Angst und Depressionen zu helfen.

Cannabis und muskuloskelettale Schmerzen

Cannabis enthält über 500 Wirkstoffe, darunter mindestens 140 Cannabinoide. Die Zahl der Wirkstoffe ist in den letzten Jahren aufgrund neuer Forschungsergebnisse stetig gestiegen. Cannabinoide beeinflussen den Körper, indem sie mit dem Endocannabinoid-System (ECS) interagieren und es aktivieren. Das ECS gliedert sich in drei Hauptteile: im ganzen Körper verteilte Rezeptoren, Cannabinoid-Moleküle, die mit den Rezeptoren zusammenarbeiten und diese aktivieren, sowie Stoffwechselenzyme. Eine besonders hohe Konzentration von Cannabinoid-Rezeptoren findet sich im Nervensystem, im Immunsystem und in den Knochen und Gelenken, wo das ECS seine Hauptfunktionen ausübt. Die Enzyme wirken als Regulatoren des ECS. Entweder synthetisieren sie die Moleküle, die das ECS aktivieren, oder sie bauen die Cannabinoide ab und stoppen so die Aktivierung der Rezeptoren. 

Cannabinoid-Moleküle, die das ECS aktivieren, finden sich an drei verschiedenen Stellen: im Körper, in der Cannabispflanze und in pharmazeutischen Präparaten.

Wenn sie natürlich im Körper auftreten werden sie als Endocannabinoide bezeichnet (endo ist von der griechischen Vorsilbe für innen abgeleitet) und spielen eine wichtige Rolle beim inneren Gleichgewicht (Homöostase) unseres Körpers. Endocannabinoide werden vom Körper als Reaktion auf verschiedene Arten von physischem und psychischem Stress produziert. Die genauen Funktionen des ECS werden derzeit noch erforscht. 

Die anderen natürlich vorkommenden Cannabinoide sind in der Pflanze Cannabis sativa enthalten und werden als Phytocannabinoide bezeichnet. Die am häufigsten untersuchten Phytocannabinoidmoleküle sind Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Diese Phytocannabinoide ähneln den Endocannabinoiden, da sie ebenfalls die Fähigkeit haben, die Cannabinoid-Rezeptoren zu aktivieren. 

Schließlich wurden Cannabinoide auch als pharmazeutische Präparate hergestellt. Die meisten pharmazeutischen Präparate sind synthetisierte Cannabinoid-Moleküle, die ähnlich oder fast identisch mit THC sind, zum Beispiel Nabilone, das von von der Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde der USA (FDA) für den Einsatz in den USA zugelassen wurde.

Bislang wurden zwei Cannabinoid-Rezeptoren identifiziert und wahrscheinlich werden in zukünftigen Studien noch mehr Rezeptoren entdeckt werden. Sowohl der Cannabinoid-Rezeptor 1 (CB1) als auch der Cannabinoid-Rezeptor 2 (CB2) können aktiviert werden, wenn die Cannabinoid-Moleküle mit Endocannabinoiden, Phytocannabinoiden oder synthetischen Cannabinoiden kombiniert werden. Die jeweilige Kombination der Cannabinoid-Moleküle und des Cannabinoid-Rezeptors aktiviert spezifische Signalwege in den Zellen. Eines der zentralen Ergebnisse dabei ist die Verringerung der Freisetzung von Neurotransmittern. Neurotransmitter sorgen in erster Linie für die Signalübertragung im Nervensystem und sind an vielen Prozessen wie der Schmerzwahrnehmung und anderen Hirnfunktionen wie Schlaf und Angst beteiligt. CB1-Rezeptoren finden sich hauptsächlich im Nervensystem, sowohl im Gehirn als auch in den peripheren Nerven, die vom Rückenmark ausgehen. CB2-Rezeptoren sitzen vor allem auf Zellen des Immunsystems und auf verschiedenen muskuloskeletalen Zellen. Ihre Wirkung auf Schmerzen, den Schlaf und Angstzustände, könnte bei der Behandlung der Fibromyalgie hilfreich sein.

Fibromyalgie und Cannabis

Die Erforschung von medizinischem Cannabis ist relativ neu. Dies liegt vor allem an seinem Rechtsstatus: Es ist unmöglich oder zumindest sehr schwierig, medizinische Studien zu illegalen Substanzen durchzuführen. Seit der Änderung der Vorschriften steigt das Interesse an medizinischem Cannabis, weswegen immer mehr Studien durchgeführt werden. Dennoch ist dieses Forschungsgebiet noch relativ jung, so dass es derzeit nicht viele Daten über die Wirkung von Cannabis bei Fibromyalgie gibt.

In einer kürzlich durchgeführten, qualitativ hochwertigen, aber sehr kleinen Studie (randomisierte placebokontrollierte Studie) wurde die schmerzstillende Wirkung von Cannabis mit pharmazeutischer Qualität bei 20 Patienten mit Fibromyalgie untersucht. Die vier Probandengruppen erhielten entweder Cannabis mit hohem THC- und minimalem CBD-Gehalt, mit gleichem THC- und CBD-Gehalt, mit hohem CBD- und minimalem THC-Gehalt oder ein Placebo (kein THC oder CBD). Nach der Behandlung wurde das spontane Schmerzniveau gemessen (d. h. Schmerzen, die ohne offensichtlichen Auslöser vorhanden sind) und Schmerztests durchgeführt (Schmerzen, die durch einen Auslöser hervorgerufen wurden). Patienten, die eine Kombination aus CBD und THC erhielten, hatten im induzierten Druckschmerztest statistisch verbesserte Schmerzwerte: 30 % weniger Schmerzen im Vergleich zu Placebo. Keine der Behandlungen hatte einen Einfluss auf die Stärke der spontanen Schmerzen. Cannabis mit CBD und ohne THC zeigte keine Auswirkungen auf die Schmerzen. 

In zwei weiteren randomisierten kontrollierten Studien wurde die Wirkung des synthetischen Cannabinoids Nabilon auf die Fibromyalgie untersucht. In einer Studie wurde die Behandlung mit Nabilon im Vergleich zu einem Placebo und in der anderen Studie wurde die Behandlung mit Nabilon im Vergleich zu Amitriptylin (einem trizyklischen Antidepressivum zur Behandlung von Fibromyalgie) geprüft. Die Studie, die Nabilon mit dem Placebo verglich, lieferte Belege von geringer Qualität dafür, dass das Cannabinoid die Schmerzkontrolle und die Lebensqualität verbesserte. Es wurde kein Einfluss auf Müdigkeit oder Depressionen festgestellt. Die Studie, in der Nabilon im Vergleich zu Amitriptylin untersucht wurde, ergab Belege von geringer Qualität für einen verbesserten Schlaf unter Cannabinoid-Behandlung. Im Gegensatz zur erstgenannten Studie gab es hier keine Auswirkungen auf Schmerzen oder Lebensqualität. 

Kürzlich wurde eine größere Beobachtungsstudie mit 367 PatientInnen veröffentlicht, in der pflanzenbasiertes, medizinisches Cannabis mit entweder hohem THC- oder hohem CBD-Gehalt untersucht wurde. 80 % der PatientInnen berichteten von einer Verbesserung ihrer Symptome wie Schlafstörungen und Depressionen. Auch bei den Schmerzen und der Lebensqualität gab es deutliche Verbesserungen. Bei den Nebenwirkungen wurden am häufigsten Schwindel (8%), Mundtrockenheit (7%), Übelkeit & Erbrechen (5%) und Hyperaktivität (5%) gemeldet. Bei 1% der teilnehmenden PatientInnen wurden Halluzinationen dokumentiert. Die Ergebnisse dieser Studie erscheinen sehr ermutigend, dennoch muss beachtet werden, dass es sich hierbei um eine Beobachtungsstudie handelt. Das bedeutet, dass es Probleme bei der Methodik gibt und die Ergebnisse möglicherweise durch andere Faktoren als die Behandlung beeinflusst wurden. Das bedeutet wiederum, dass die Ergebnisse möglicherweise nicht wirklich die Auswirkungen von medizinischem Cannabis repräsentieren. Zum Beispiel fühlen sich manche Menschen schon besser, weil sie in einer Studie eine neue Behandlung erhalten. Der einzige Weg, um die Auswirkungen von medizinischem Cannabis zu untersuchen, ist, mehr Daten zu sammeln und qualitativ hochwertige Studien durchzuführen.

Zu den Nebenwirkungen einer Cannabinoidbehandlung gehören sofortige Effekte auf die motorische und kognitive Funktion, die bis zu 5 Stunden andauern können. Darüber hinaus kann das Rauchen von Cannabis ein Risikofaktor für die Entwicklung von Atemwegserkrankungen sein. Cannabiskonsum steht auch mit Psychosen, Paranoia und Angststörungen in Zusammenhang, insbesondere wenn ein THC-haltiges Produkt konsumiert wird. 

Bisher zeigt die aktuelle Forschung, dass die Behandlung mit Cannabinoiden, ob pflanzlich oder synthetisch, eine positive Wirkung auf Menschen mit Fibromyalgie hat. Der stärkste Beleg ist, dass dieser Effekt von THC erzeugt wird – im Gegensatz zu begrenzten Belegen für die Wirksamkeit von CBD bei Fibromyalgie. Die klinische Forschung zur Behandlung mit Cannabinoiden ist relativ neu und die Mehrzahl der beschriebenen Studien ist klein. Es ist wahrscheinlich, dass mit größeren und hochwertigen Studien die Auswirkungen einer Cannabinoidbehandlung bei Fibromyalgie deutlicher werden.

Es gibt bekannte Zusammenhänge zwischen Fibromyalgie, Migräne und Reizdarmsyndrom (RDS). Es wird vermutet, dass diese Krankheiten/Syndrome eine ähnliche Ursache haben und dass sie alle mit Cannabis behandelt werden können. Die angenommene Ursache ist ein Endocannabinoid-Mangel. Es gibt einige Forschungsarbeiten, die bei PatientInnen mit Migräne einen verminderten Endocannabinoid-Spiegel festgestellt haben, und auch in einer Studie mit Mäusen standen verminderte Endocannabinoid-Werte mit einer Schmerzüberempfindlichkeit in Zusammenhang. Darüber hinaus deuten immer mehr Daten darauf hin, dass das ECS eine Rolle bei der Entwicklung einer veränderten Funktion des Verdauungstraktes spielen kann. Derzeit gibt es jedoch keine Studien, in denen der Endocannabinoid-Spiegel bei Fibromyalgie oder RDS untersucht wird. Daher ist ein Endocannabinoid-Mangel bei Fibromyalgie immer noch eine Theorie, es gibt wenig Daten und die Forschung dazu läuft.

Fibromyalgie ist eine sehr beeinträchtigende Krankheit mit begrenzten Behandlungsmöglichkeiten. Medizinisches Cannabis kann eine neue Behandlungsoption bieten, die allein oder zusammen mit anderen Fibromyalgietherapien eingesetzt werden kann. Trotz begrenzter Datenmengen scheint die Forschung zunehmend positive Effekte nachzuweisen. Wer mit einer Cannabis-Behandlung beginnen möchte, sollte mit seinem behandelnden Arzt über die Vor- und Nachteile sprechen.

Zugang

Obwohl Cannabis in den USA auf Bundesebene illegal ist, hat die Mehrheit der Staaten Cannabis für den medizinischen Gebrauch legalisiert. Einzelne Staaten haben medizinisches Cannabis mit verschiedenen Einschränkungen legalisiert. In den folgenden Staaten ist Fibromyalgie oder chronischer Schmerz eine gültige Indikation für die Verschreibung von medizinischem Cannabis: Alaska, Arizona, Arkansas, Kalifornien, Colorado, Connecticut, Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Iowa, Louisiana, Maine, Maryland, Massachusetts, Michigan, Minnesota, Missouri, Montana, Nevada, New Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Dakota, Ohio, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, Vermont, Virginia, Washington, West Virginia. 

Weitere Länder, in denen Fibromyalgie oder chronische Schmerzen eine rechtliche Indikation für die Verschreibung von medizinischem Cannabis sind: Australien, Chile, Kolumbien, Kanada, Tschechien, Deutschland, Griechenland, Israel, Italien, Niederlande, Norwegen, Polen, Rumänien und Uruguay. 

Haftungsausschluss

Inhalte auf The Cannigma dienen nur zu Informationszwecken. Sie sind kein Ersatz für professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Vor Beginn einer Behandlung mit Cannabis sollten Sie sich immer von einem Arzt mit Erfahrung mit medizinischem Cannabis beraten lassen.

Über Fibromyalgie

Überblick

Fibromyalgie ist ein eine chronische Krankheit. Sie kann oft im gesamten Körper ausgedehnte Schmerzen und Empfindlichkeit verursachen. Sie gilt als verbreitet und befällt etwa 2-8 % der Bevölkerung, wobei Frauen etwa doppelt so häufig betroffen sind wie Männer.

Die Symptome der Fibromyalgie können mit jenen der Arthritis oder Gelenkentzündung verwechselt werden. Anders als Arthritis wird die Fibromyalgie jedoch nicht als Verursacher von Gelenk- oder Muskelentzündung und -beschädigung angesehen. Sie gilt als Krankheit, die Schmerzen ausschließlich in weichem Gewebe oder myofasziale Schmerzen verursacht. Manche Patienten leiden sehr stark unter ihrer Fibromyalgie und lassen auf ihrer Suche nach einer Lösung und von Arzt zu Arzt viele wirkungslose Behandlungen über sich ergehen. Die Krankheit beeinträchtigt maßgeblich die Lebensqualität und kann oft zu Depression, Angstzuständen und einer Vielfalt anderer Zustände führen.

Symptome

Die Symptome der Fibromyalgie unterscheiden sich von Mensch zu Mensch. Doch ist eines der Hauptsymptome ein weit ausgedehnter Schmerz. Er kann im gesamten Körper spürbar sein, wobei er in bestimmten Bereichen wie dem Rücken oder dem Nacken verstärkt auftreten kann. Die Intensität des Schmerzes und der Ort des Auftretens können schwanken, er ist jedoch oft chronisch und schwächend. 

Zu den herausragenden Symptomen der Fibromyalgie zählen:

  • Extreme Schmerzempfindlichkeit am gesamten Körper
  • Muskelkater
  • Muskelkrämpfe
  • Extreme Müdigkeit (Ermüdung), von leichter Müdigkeit bis hin zu totaler Erschöpfung 
  • Kognitive Schwierigkeiten, von Patienten oft als „Fibro-Nebel“ beschrieben, können Konzentration und Aufmerksamkeit beeinträchtigen
  • Schlechter Schlaf, oder Schwierigkeiten, einzuschlafen. Der Schlaf kann auch durch heftigen Harndrang gestört werden, der besonders nachts auftritt

Fibromyalgie geht oft Hand in Hand mit anderen schmerzvollen Zuständen, wie beispielsweise:

  • Reizdarmsyndrom
  • Migräne und andere Arten von Kopfschmerzen
  • Kraniomandibuläre Dysfunktionen
  • Depression und Angstzustände
  • Schlafstörungen

Andere, weniger häufig auftretende Symptome der Fibromyalgie sind Sehprobleme, Übelkeit, Schwindelgefühl, Hautprobleme und Atemprobleme. Patienten berichten auch von Depressions- und Angstsymptomen infolge herabgesetzter Lebensqualität.

Ursachen

Ärzte wissen noch nicht genau, wodurch Fibromyalgie verursacht wird. Doch die Forschung legt nahe, dass es sich um eine Interaktion zwischen physischen, neurologischen und psychologischen Faktoren handelt. Anscheinend kann sich eine Kombination aus Schmerzen, Schlafstörung und Angstzuständen oder Depressionen zu einem Teufelskreis entwickeln, der zu Fibromyalgie führt, und umgekehrt.

Weitere Risikofaktoren sind Folgen der persönlichen Anamnese, wie beispielsweise:

  • Infektionen—Frühere Krankheiten können Fibromyalgie auslösen oder die Symptome verschlimmern
  • Trauma—Die Erkrankung wurde mit Posttraumatischer Belastungsstörung (PTSD) in Verbindung gebracht, nachdem sie bei Personen beobachtet wurde, die physische oder emotionale Traumata durchlebt haben
  • Stress—Hohes Stressniveau wurde mit hormonalen Störungen in Verbindung gebracht, die zur Fibromyalgie beitragen können
  • Alter—Fibromyalgie kann in jedem Alter entstehen, doch die Symptome treten am häufigsten im Alter um 30 Jahre auf und verschlimmern sich mit der Zeit und unter Bedingungen von Stress, so dass Fibromyalgie meistens im Laufe des fünften Lebensjahrzehnts diagnostiziert wird. Auch das Risiko Fibromyalgie zu entwickeln steigt mit dem Alter.
  • Geschlecht—Frauen unterliegen einem doppelt so hohen Risiko an Fibromyalgie zu erkranken wie Männer.
  • Andere damit einhergehende Erkrankungen—Beispielsweise Lupus oder rheumatoide Arthritis

Einige Patienten berichten auch, dass eine Verstärkung der Symptome auch durch mehrere Faktoren ausgelöst oder verschlimmert werden kann, einschließlich, unter anderem, Wetterumschwung, Überanstrengung, Reisen, sowie hormonale Veränderungen.

Diagnose

Es gibt keinen einzelnen Test, der Fibromyalgie voll umfassend diagnostizieren kann und Wissenschaftler sind sich uneins, ob eine objektive Diagnose überhaupt möglich ist. Ärzte diagnostizieren Fibromyalgie jedoch in der Regel über die Anamnese des Patienten, körperliche Untersuchungen, Röntgenaufnahmen und Blutbild.

Die am häufigsten eingesetzten Kriterien für die Diagnose von Fibromyalgie sind:

  • Der Patient leidet unter schweren Schmerzen in 3-6 unterschiedlichen Körperbereichen oder er leidet unter mäßigen Schmerzen in 7 oder mehr unterschiedlichen Bereichen.
  • Die Symptome befinden sich seit mindestens 3 Monaten auf einem gleichem Niveau.
  • Es konnten keine anderen Ursachen für die Symptome festgestellt werden

Es gibt keinen Labortest, der eine Fibromyalgiediagnose bestätigt. Das Blutbild dient also lediglich dem Ausschluss anderer Erkrankungen, die ähnliche Symptome aufweisen könnten. Tatsächlich wird Fibromyalgie immer dann diagnostiziert, wenn zahlreiche andere Erkrankungen ausgeschlossen wurden. Zu den Blutuntersuchungen können ein umfassendes Blutbild, die Blutsenkungsgeschwindigkeit, ein Test auf zyklische citrullinierte Peptide, Rheumafaktor und  Schilddrüsenfunktionstests zählen.

Der Arzt wird Sie auch nach Ihrer Anamnese befragen und dabei besonders auf die Schwere der folgenden Symptome achten:

  • Ermüdung
  • Nicht erholsamer Schlaf
  • Kognitive Probleme (Gedächtnis oder Gedanken)

Behandlung

Fibromyalgie ist nicht heilbar, doch gibt es Möglichkeiten, die Lebensqualität durch die Linderung Symptome beizubehalten, einschließlich Medikamente, alternative Therapien und Änderungen in der Lebensweise. Es gibt nicht die eine Behandlung, die für jedes Symptom wirksam ist.

Therapie

Eine Vielfalt von Therapien kann zur Linderung des mit der Fibromyalgie einhergehenden Schmerzes beitragen. Herkömmliche Therapieformen sind:

  • Physiotherapie—Ein Physiotherapeut kann Übungen vermitteln, insbesondere im Wasser, die die Kraft, Flexibilität und das Durchhaltevermögen des Patienten verbessern können
  • Beschäftigungstherapie—Ein Beschäftigungstherapeut kann Anpassungen im Arbeitsumfeld empfehlen, die eine Verringerung der Belastung des Körpers des Patienten herbeiführen würden
  • Psychotherapie—Das Gespräch mit einem Therapeuten kann das Selbstbild verbessern und Unterstützung im Umgang mit belastenden Situationen anbieten. Hierbei kann es sich entweder um kognitive Verhaltenstherapie (CBT) oder um Psychotherapie handeln. Auch Selbsthilfegruppen können hilfreich sein. 

Medikamente

Medikamente können dazu beitragen, den mit der Fibromyalgie einhergehenden Schmerz zu lindern und den Schlaf zu verbessern. Ärzte verschreiben meistens:

  • Schmerzmedikamente—Rezeptlose Medikamente, wie beispielsweise Acetaminophen (Paracetamol), Ibuprofen (Nurofen, Ibuhexal), oder Naproxen Natrium (Aleve). Stärker wirkende Medikamente sind Codein oder Tramadol, doch sie können zur Abhängigkeit führen und ihre Wirkung kann mit der Zeit abnehmen
  • Antidepressiva—Duloxetin (Cymbalta) und Milnacipran (Savella) können mit der Fibromyalgie einhergehende Schmerzen und Ermüdung lindern. Amitriptylin oder das Muskelrelaxans Cyclobenzaprin können zudem durch Entspannung der Muskeln zum besseren Schlaf beitragen. Antidepressiva können jedoch mit Nebenwirkungen wie Schwindelgefühl, Gewichtszunahme und Verstopfung einhergehen.
  • Antikonvulsiva—Medikamente wie Gabapentin (Neurontin) oder Pregabalin (Lyrica) werden zumeist zur Behandlung von Epilepsie verschrieben, haben sich jedoch auch bei der Linderung verschiedener Schmerzarten als nützlich erwiesen. Ihre zahlreichen Nebenwirkungen können bei vielen Patienten zur Unverträglichkeit führen.
  • Neuroleptika—Quetiapine wird manchmal verschrieben, um den Schlaf zu verbessern und wenn zahlreiche andere Medikamente versagt haben. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen Benommenheit, Tremor (Zittern) und Unruhe.

Weitere empfohlene Behandlungsarten:

  • Aktivitäten im Wasser—Schwimmen, Sitzen oder Übungen in einem beheizten Becken oder warmem Wasser (bekannt als Hydrotherapie oder Balneotherapie)
  • Gymnastik—Ein individuell zugeschnittenes Gymnastikprogramm. Leider verstärkt Gymnastik bei Personen, die unter Fibromyalgie leiden oft die Schmerzen.  
  • Alternative Therapie—Akupunktur, Meditation, Yoga, Massage, Meditation, können helfen zu entspannen.
  • Ernährungsweise—Aufrechterhaltung einer ausgewogenen, gesunden Ernährungsweise, die reich ist an Obst und Gemüse. Reichlich Wasser trinken, mehr pflanzliche Lebensmittel als Fleisch zu sich nehmen, sowie eine verringerte Zuckeraufnahme, können ebenfalls zur Linderung der Symptome beitragen.

Mit Fibromyalgie leben

An Fibromyalgie leidende Menschen müssen ausgewogen leben — das bedeutet, zu wissen, wann sie aktiv sein können und wann sie ruhen müssen, nicht zu übertreiben, da dies zu einer Verschlimmerung der Symptome führen könnte. Es ist ebenfalls wichtig, das Ausmaß an Stress unter Kontrolle zu haben, da Stress die Symptome verschlimmern und sogar zu Depression führen kann. Patienten können durch körperliche Übungen oder mentale Entspannungstechniken ausüben, die sie über Literatur, Audioaufnahmen und Webinare erlernen können. Einer der am schwierigsten zu kontrollierenden Aspekte ist die Qualität des Schlafs. Fibromyalgie ist dafür bekannt, den Schlaf oder das Einschlafen zu erschweren (Insomnie) Für besseren Schlaf sollten Sie versuchen, eine tägliche Routine vor dem Zubettgehen einzuführen (beispielsweise ein Bad zu nehmen), oder jeden Morgen zur selben Uhrzeit aufzustehen. Versuchen Sie auch, sich vor dem Zubettgehen zu entspannen. Vermeiden Sie Koffein, Nikotin und Alkohol und essen Sie spät abends nichts mehr.

Leave a comment

By clicking "Post Comment" you agree to our Privacy Policy and to joining The Cannigma mailing list.

Condition Index A-Z