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Kann Cannabis bei Typ-2-Diabetes helfen?

von Emily Earlenbaugh, PhD.

Okt 31, 2019

Kann Cannabis bei Diabetes mellitus Typ 2 helfen? Die Forschung zum Endocannabinoid-System und zu Diabetes zeigt einen starken Zusammenhang zwischen einem überaktiven Endocannabinoid-System und der Auftretenshäufigkeit von Diabetes und Adipositas. Dabei scheint der Konsum von Cannabinoiden dieses System zu stimulieren. Dennoch zeigen, dass CannabiskonsumentInnen seltener Diabetes oder Adipositas haben als Menschen, die kein Cannabis konsumieren. Darüber hinaus zeigen Studien mit bestimmten Cannabinoiden wie THCV oder CBD, dass diese isolierten Inhaltsstoffe zur Behandlung von Diabetes und seinen Ursachen äußerst vielversprechend sind.

Die Wirkung von Cannabis wird in erster Linie durch seine Interaktion mit dem Endocannabinoid-System verursacht. Dies ist ein wichtiges System im menschlichen Körper, das das innere Gleichgewicht (Homöostase) aufrecht erhält. Dieses System besteht aus Endocannabinoiden (natürlich im Körper vorkommenden Molekülen), Endocannabinoid-Rezeptoren (die Endocannabinoide binden und aktivieren) und Enzymen (die Endocannabinoide aus dem Körper abbauen). Dieses wichtige System hält die Homöostase für viele Funktionen wie Schlaf, Schmerz, Energiestoffwechsel, Gedächtnis, Entzündungen, Hunger und Stimmung aufrecht. 

Wenn alles korrekt funktioniert, binden die Endocannabinoide an die Endocannabinoid-Rezeptoren und lösen viele verschiedene Reaktionen aus, zum Beispiel Appetitminderung oder -steigerung, Schmerzweiterleitung, Antrieb oder Hunger. Interessanterweise können die Cannabinoide in Cannabis (zum Beispiel THC und CBD) diese Rezeptoren ebenfalls in ähnlicher Weise wie unsere internen Endocannabinoide aktivieren und somit ebenfalls diese vielfältigen Effekte auslösen.  

Auch beim Diabetes spielt das Endocannabinoid-System eine wichtige Rolle. Insbesondere ein überaktives Endocannabinoid-System kann zur Entwicklung von Diabetes beitragen. Adipositas ein wichtiger Risikofaktor für die Entwicklung von Typ-2-Diabetes. Es ist bekannt, dass die Aktivierung der CB1-Rezeptoren den Appetit steigert – vor allem auf „leckere“ Lebensmittel wie fettige oder süße Snacks. Dies kann zu einer erhöhten Fetteinlagerung führen, da dem Körper signalisiert wird, dass er Energie für schlechte Zeiten speichern muss. Angesichts von Phasen der Nahrungsknappheit, die im Laufe der Evolution immer mal wieder vorkamen, fördert dieser Mechanismus die Aufnahme von Nahrung, wenn sie verfügbar ist, und die Einlagerung der Energiereserven für später. Bei Diabetes ist dieses System jedoch dysreguliert. 

Es überrascht nicht, dass bei PatientInnen mit abdominaler Adipositas auch ein überaktives Endocannabinoid-System vorliegt. Außerdem wurde herausgefunden, dass Medikamente, die die CB1-Aktivierung hemmen, auch die Nahrungsaufnahme und damit das Gewicht verringern, was darauf hindeutet, dass eine zu starke CB1-Aktivierung mit der Entwicklung von Adipositas zusammenhängen kann.  

Ein dysreguliertes Endocannabinoid-System mit einer zu starken CB1-Aktivierung kann nicht nur zu Adipositas führen, sondern auch die Insulinempfindlichkeit und den Glukosestoffwechsel negativ beeinflussen, was letztlich die Insulinempfindlichkeit erhöht und die Voraussetzungen für einen Typ-2-Diabetes schafft. Eine zu starke CB1-Aktivierung kann auch zur diabetischen Neuropathie, die oxidative und entzündliche Effekte verursacht, beitragen. 

In klinischen Studien wurde festgestellt, dass ein Medikament namens Rimonabant die CB1-Aktivierung hemmt und einige dieser CB1-bezogenen Effekte reduziert. Es verringerte das Körpergewicht und half bei der Regulierung des Lipid- und Glukosewerts. Leider führte es auch zu schweren psychischen Nebenwirkungen wie Depressionen, Angstzuständen und Selbstmordgedanken, so dass es vom Markt genommen wurde. 

Später wurden Medikamente entwickelt, die die die CB1-Aktivität zwar im Körper blockieren, aber nicht im zentralen Nervensystem. Diese hatten nicht die psychischen Nebenwirkungen und verbesserten die Glukosetoleranz und die Insulinempfindlichkeit, reduzierten aber auch nicht das Gewicht oder die Nahrungsaufnahme wie Rimonabant. Dennoch geben diese neuen CB1-Blocker Hoffnung, dass das Blockieren von CB1 eine praktikable Behandlung von Diabetes und Adipositas sein könnte.  

Wenn eine zu hohe CB1-Aktivität ein Problem darstellen kann, kann auch eine zu geringe CB2-Aktivität negative Auswirkungen für Diabetiker haben. Tatsächlich scheint die CB2-Rezeptoraktivität eine schützende Rolle bei der diabetischen Neuropathie, einem häufigen Symptom bei einem unkontrollierten Diabetes, zu spielen. CB2 scheint den schädlichen Auswirkungen der CB1-Aktivität entgegenzuwirken. Leider ist diese CB2-Aktivität bei Diabetikern vermindert, was wiederum das Ungleichgewicht fördert. Es wurde auch festgestellt, dass die CB2-Aktivierung eine besonders schützende Funktion für die Nieren hat, wo ebenfalls geschädigte CB2-Rezeptoren und überaktive CB1-Rezeptoren vorhanden sind. Eine diabetische Nephropathie oder eine Nierenerkrankung als Folge von Diabetes ist leider allzu häufig und der therapeutische Nutzen von CB2 könnte in Zukunft ein vielversprechendes therapeutisches Ziel sein.

Andererseits ist die Aktivierung von CB2 nicht immer vorteilhaft. Studien haben gezeigt, dass CB2-Agonisten eine mit Adipositas verbundene Entzündungsreaktion, Insulinresistenz und Lebersteatose verstärken können. Ein Mangel an CB2-Rezeptoren kann die Insulinempfindlichkeit sogar verbessern. Die Überexpression von CB2-Rezeptoren kann sogar bei erwachsenen Mäusen eine Hyperglykämie auslösen. 

Das ECS kann die Entwicklung und das Fortschreiten von Diabetes auf viele verschiedene Möglichkeiten beeinflussen.  Es ist daher kaum überraschend, dass es von WissenschaftlerInnen auf der Suche nach einer neuen Diabetesbehandlung ins Visier genommen wurde. Auch die Cannabinoide aus Cannabis können mit dem ECS interagieren und es modulieren.

Kann Cannabis bei Diabetes mellitus Typ 2 helfen? Während die Forschungsergebnisse noch etwas widersprüchlich sind, gibt es Hinweise darauf, dass Cannabis eine schützende Wirkung gegen Diabetes haben kann. 

Da Cannabis CB1 aktiviert und die CB1-Aktivität negative Auswirkungen auf den Diabetes haben kann, erwarteten viele ForscherInnen, dass ein Cannabiskonsum mit einem erhöhten Maß an Adipositas und Diabetes einhergeht. Aber überraschenderweise kam gerade das nicht heraus. Mehrere groß angelegte Studien zeigten das genaue Gegenteil. Wer dauerhaft Cannabis konsumiert, ist statistisch gesehen weniger anfällig für Diabetes oder Adipositas

Das hat in der Forschungswelt viele Fragen aufgeworfen. Warum sollte Cannabis vor Adipositas und Diabetes schützen, wenn die CB1-Aktivierung doch so viele Probleme verursacht? 

Eine Möglichkeit ist, dass Cannabis in seiner Funktion als entzündungshemmende Pflanze gegen die schwache Entzündung bei Diabetes wirken könnte.

In Studien wurden auch herausgefunden, dass CannabiskonsumentInnen eher eine erhöhte Insulinempfindlichkeit und einen niedrigeren Nüchterninsulinspiegel haben. Eine Studie ergab, dass die Insulinresistenz der CannabiskonsumentInnen im Durchschnitt 17% niedriger war als bei den Studienteilnehmern, die kein Cannabis konsumierten. Auch der Nüchterninsulinspiegel war 16% geringer. In derselben Studie stellten die Forscher ebenfalls fest, dass der Cannabiskonsum mit einem geringeren Taillenumfang einherging. 

In diesen Studien wurde sich auf Cannabis im Allgemeinen konzentriert, was bedeutet, dass viele StudienteilnehmerInnen THC (der am häufigsten vorkommende und beliebteste Wirkstoff in Cannabis) und in geringerer Menge andere Cannabinoide und Terpene konsumierten. Daher kann ein regelmäßiger Konsum einer THC-haltigen Cannabissorte tatsächlich eine schützende Rolle bei Diabetes spielen. Andere Studien haben sich jedoch intensiv mit verschiedenen Cannabinoiden beschäftigt, um herauszufinden, ob auch sie bei Diabetes hilfreich sein könnten. 

Zum Beispiel sagen einige Forscher, dass auch CBD eine Rolle bei der Behandlung von Diabetes spielen kann. Studien haben gezeigt, dass der Konsum von CBD durchaus einen Nutzen bei der Behandlung von Diabetes hat, zum Beispiel eine Verringerung der entwickelten Retinopathien, Kardiomyopathien und Neuropathien, was wahrscheinlich auf die antioxidative, entzündungshemmende und gewebsschützende Wirkung zurückzuführen ist. Andere Studien haben gezeigt, dass CBD die Funktion der Mitochondrien verbessern, Adipositas reduzieren und vor diabetischen Komplikationen schützen kann. 

THCV ist ein weiteres Cannabinoid, das derzeit als Option zur Diabetesbehandlung untersucht wird. In einer 

Studie aus dem Jahr 2016 wurden Typ-2-Diabetiker, die kein Insulin nahmen, mit diesem Cannabinoid behandelt. Dabei kam heraus, dass das THCV zu einem signifikant niedrigeren Nüchternblutzuckerspiegel, einer verbesserten Insulinproduktion und einem erhöhten Spiegel eines blutzuckerregulierenden Proteins führt. Die ForscherInnen kamen zu dem Schluss, dass THCV ein neues Mittel zur glykämischen Kontrolle von Typ-2-Diabetikern sein könnte. 

Das große Pharmaunternehmen GW Pharmaceuticals, das ein von der Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde der USA (FDA) für bestimmte Epilepsiearten zugelassenes CBD-Produkt namens Epidiolex vertreibt, glaubt ebenfalls, dass THCV eine Behandlungsoption bei Diabetes sein könnte. GW Pharmaceuticals testet derzeit ein THCV-basiertes Medikament für Diabetes, das unter anderem den Nüchternplasmaglukosespiegel, den Nüchterninsulinspiegel und die Insulinempfindlichkeit reduzieren kann. 

Auch wenn es Belege für die positive Wirkung von Cannabis auf Diabetes gibt, warnen die WissenschaftlerInnen, dass derzeit noch nicht klar ist, warum die klinischen Daten mit unserem Verständnis über den Einfluss des ECS auf Diabetes in Konflikt stehen. Vielleicht kann die Isolierung einzelner Komponenten der Cannabispflanze oder bestimmter Komponentenkombinationen zu einer Antwort führen. Um das herauszufinden, ist auf jeden Fall noch mehr Forschung notwendig.

Trotz des positiven Potenzials von Cannabis bei Diabetes können die Nebenwirkungen von Cannabis abschreckend sein. Im Allgemeinen kann über die Lunge aufgenommenes Cannabis eine Vielzahl von Nebenwirkungen wie vorübergehende kognitive Defizite, Störung des Kurzzeitgedächtnisses, Angst oder Paranoia, Koordinationsstörungen und Atemwegsbeschwerden (wie Husten und erhöhte Schleimproduktion) verursachen. 

Es kann auch länger anhaltende Risikofaktoren mitbringen, wie zum Beispiel ein erhöhtes Psychoserisiko bei Schizophrenie-PatientInnen oder ein erhöhtes Risiko für bestimmte Herzerkrankungen. Bei einer Minderheit der PatientInnen kann es zu einer Sucht führen. 

Bei Diabetes sind besonders zwei Nebenwirkungen schwierig: der trockene Mund (der auch mit Diabetes einhergeht) und die appetitanregende Wirkung von Cannabis (die zu Heißhungerattacken führen kann, was Diabetiker vermeiden sollten).

Wenn Sie gern Cannabis zur Behandlung Ihres Diabetes verwenden möchten, sprechen Sie zuerst mit einem Arzt, um zu prüfen, ob dies die richtige Option für Sie ist. In vielen Ländern und Regionen benötigen Sie eine ärztliche Empfehlung, wenn Sie Cannabis konsumieren möchten. Obwohl Diabetes in keinem Land eine Indikation für den Konsum von medizinischem Cannabis darstellt, ist der Konsum in manchen Ländern dennoch erlaubt, wenn er von einem Arzt empfohlen wird. 

Derzeit können PatientInnen in den folgenden Ländern Cannabis zur Behandlung von Diabetes (entweder zu Freizeitzwecken oder auf ärztliche Empfehlung hin) erwerben:

  • Österreich
  • Brasilien
  • Kambodscha 
  • Kanada
  • Chile 
  • Kolumbien 
  • Ecuador
  • Estland
  • Finnland
  • Deutschland
  • Griechenland
  • Guam
  • Mazedonien
  • Niederlande
  • Norwegen
  • Paraguay
  • Peru
  • Spanien
  • Türkei
  • Uruguay

In den USA kann man in drei Bundesstaaten medizinisches Cannabis gegen Diabetes einnehmen:

  • Alaska
  • Kalifornien
  • Colorado
  • District of Columbia 
  • Maine
  • Massachusetts 
  • Maryland
  • Missouri 
  • Michigan
  • Nevada
  • Oklahoma
  • Oregon
  • Washington
  • Vermont
Haftungsausschluss

Inhalte auf The Cannigma dienen nur zu Informationszwecken. Sie sind kein Ersatz für professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Vor Beginn einer Behandlung mit Cannabis sollten Sie sich immer von einem Arzt mit Erfahrung mit medizinischem Cannabis beraten lassen.

Über Typ 2 Diabetes

Diabetes mellitus Typ 2, auch als „Altersdiabetes“ oder „insulinresistenter Diabetes“ bezeichnet, ist die häufigste Form von Diabetes und macht rund 90% aller Diabetesfälle aus. Weltweit erkranken etwa 422 Millionen Menschen an Diabetes. In Deutschland gibt es 7,6 Millionen Diabetiker und damit 600.000 mehr als in den Vorjahren. 

Bei Diabetes produziert der Körper entweder nicht genügend Insulin oder das Insulin hat keine Wirkung. Insulin ist ein Hormon und wird vom Körper auf natürliche Weise produziert, um den Glukosespiegel im Blutkreislauf zu kontrollieren und Glukose in die Zellen zu transportieren, wo es unter anderem zur Energiegewinnung verwendet wird.

Bei Typ-2-Diabetes baut sich im Blutkreislauf Glukose auf, was im Übermaß schädliche Folgen haben kann.  Tatsächlich ist Diabetes einer der größten Risikofaktoren für die Erkrankungen, an denen die Menschen in der westlichen Welt am häufigsten sterben: Herzinfarkte, Schlaganfälle und sogar Krebs. Leider ist ein unkontrollierter Diabetes eine der größten Belastungen der modernen Gesellschaft und das Problem wächst stetig.

Eines der größten Probleme bei Diabetes ist, dass es sich um einen „leisen Killer“ handelt. Das heißt, er verursacht nicht viele Symptome und kann jahrelang unbemerkt bleiben.  Sollte er doch einmal zufällig früh diagnostiziert werden, verspüren die Betroffenen dennoch keinen Handlungsbedarf, da sie ja keine Symptome haben.

Die häufigsten Frühsymptome eines Typ-2-Diabetes sind:

  • Ständiger Durst
  • Ungewöhnlich häufiger Harndrang
  • Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit

Mit fortschreitender Krankheit und zunehmender Schädigung der Nerven entstehen Taubheitsgefühle, Kribbeln und Schmerzen zunächst in den Füßen und dann in allen Extremitäten. Bei Diabetes ist die Wundheilung erheblich beeinträchtigt und die Betroffenen können teilweise offene Wunden haben, die nie heilen. Wenn man das Gefühl in den Zehen und Fingern verliert und Schnitte nicht heilen, kann man schwere Infektionen entwickeln und es kann sogar eine Amputation der Zehen oder Finger erforderlich sein.  

Zu den späteren Symptomen eines Typ-2-Diabetes gehören:

  • Taubheitsgefühl, Kribbeln und Schmerzen in den Extremitäten, beginnend an den Zehen
  • Verschwommenes Sehen, was zu Blindheit führen kann
  • Verzögerte Wundheilung 
  • Wunden und Infektionen, die nicht heilen
  • Erektile Dysfunktion 

Ein schwerer oder schlecht eingestellter Typ-2-Diabetes kann schnell zu ernsten und lebensbedrohlichen Komplikationen führen. Zu den Komplikationen eines Typ-2-Diabetes gehören:

  • Diabetische Ketoazidose, wenn der Körper Fettzellen abbaut, weil er nicht genug Glukose bekommt und giftige Säuren, sogenannte Ketone, produziert. Dies kann akut lebensbedrohlich sein und erfordert einen Krankenhausaufenthalt, oft auf der Intensivstation.  
  • Hyperosmolarer hyperglykämischer Zustand (HHS), wenn der Blutzuckerspiegel so hoch ist, dass das Blut dick und sirupartig wird und sich nicht mehr normal durch den Körper bewegen kann.
  • Hypoglykämie oder niedriger Blutzuckerspiegel, der Schwindel, Kopfschmerzen, verschwommenes Sehen und Verwirrung verursacht
  • Verlust des Sehvermögens und völlige Blindheit
  • Verschlechterte Durchblutung der Beine und Extremitäten, was eine Amputation der Beine erforderlich machen kann
  • Nierenversagen
  • Unfruchtbarkeit
  • Verdauungsprobleme
  • Schlechte Genesung nach Infektionen und Wundheilungsstörungen
  • Herzversagen 
  • Schlaganfall
  • Kognitive Störungen 
  • Andere schwere und lebensbedrohliche Zustände

Wenn der Arzt den Verdacht hat, dass möglicherweise einen Typ-2-Diabetes vorliegt, ordnet er einen einfachen Bluttest zur Überprüfung des Blutzuckerspiegels an. Der Blutzuckerspiegel kann leicht kontrolliert werden und zur Diagnose von Diabetes muss ein konstant erhöhter Glukosespiegel vorliegen. Darüber hinaus kann ein Test namens Hämoglobin A1c den durchschnittlichen Glukosespiegel über 3 Monate messen, was viel besser ist, um den Gesamtblutzuckerspiegel zu überwachen.

Die Bluttests zur Bestätigung eines Typ-2-Diabetes sind:

  • HgB A1c: Messung des durchschnittlichen Blutzuckerspiegels in den letzten 2 oder 3 Monaten.
  • Nüchternplasmaglukosespiegel: Messung des Blutzuckerspiegels nachdem man mindestens 8 Stunden lang nichts außer Wasser zu sich genommen hat.
  • Oraler Glukosetoleranztest (OGTT): Messung des Blutzuckerspiegels vor und 2 Stunden nach dem Trinken eines süßen Getränks, um zu prüfen, wie der Körper auf die hohe Zuckeraufnahme reagiert.

Die Hauptursache für Typ-2-Diabetes ist, dass der Körper gegen Insulin resistent ist oder nicht genügend Insulin produziert. Dieser Prozess ist multifaktoriell, das handelt sich um eine Kombination aus genetischen und vielen anderen Ursachen.  

Ärzte und Wissenschaftler sind sich einig, dass bestimmte Risikofaktoren die Wahrscheinlichkeit einer Insulinresistenz erhöhen. Allerdings kann man auch ohne das Vorhandensein dieser Risikofaktoren einen Typ-2-Diabetes entwickeln. Andere Menschen hingegen haben vielleicht sogar mehrere dieser Risikofaktoren, entwickeln aber trotzdem keine Insulinresistenz. 

Typ-2-Diabetes nimmt weltweit zu, da die Menschen immer mehr Kalorien zu sich nehmen – insbesondere durch ungesunde verarbeitete Lebensmittel, Bewegungsmangel und allgemeine Veränderungen in der regionalen Ernährung, wodurch gesunde Speisen durch leere Kalorien und Fertiggerichte ersetzt werden. 

Die Risikofaktoren für eine Entwicklung von Typ-2-Diabetes sind:

  • Übergewicht oder Fettleibigkeit ist der Hauptrisikofaktor für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes. Der Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes ist seit vielen Jahren bekannt.
  • Bewegungsmangel. Wer ein aktives Leben führt, verbrennt überschüssige Glukose in Form von Energie, sodass sie nicht im Blutkreislauf zirkuliert. Das Gegenteil ist der Fall, wenn man einen sitzenden Lebensstil führt.
  • Zu viel Bauchfett. Zu viel Fett am Bauch („Apfel“-Körperform) und wenig Fett an anderen Körperteilen.
  • Gene. Menschen mit afroamerikanischen, hispanischen, indianischen oder asiatischen Genen entwickeln eher einen Typ-2-Diabetes.
  • Alter. Je älter man ist, desto höher ist das Risiko. Aber auch immer mehr Kinder und Jugendliche erkranken an Typ-2-Diabetes.
  • Familiäre Häufung. Wer einen Elternteil oder Geschwister mit Typ-2-Diabetes hat, hat auch selbst ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.
  • Schwangerschaftsdiabetes. Frauen, die während der Schwangerschaft einen Schwangerschaftsdiabetes entwickelt haben und/oder ein Baby von über 4 kg zur Welt gebracht haben, haben ein höheres Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken.
  • Polyzystisches Ovarialsyndrom. Frauen mit dieser Erkrankung haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.

Bei einigen Menschen wird ein Prädiabetes diagnostiziert. Das heißt, ihr Blutzuckerspiegel ist höher als normal, aber nicht so hoch, dass es sich um einen Typ-2-Diabetes handelt. Wer einen Prädiabetes hat und ihn nicht unverzüglich behandelt, wird wahrscheinlich einen vollständigen Typ-2-Diabetes entwickeln.

Mit einer guten medizinischen Versorgung können die meisten Typ-2-Diabetiker ihren Blutzuckerspiegel mit der richtigen Ernährung, Medikamenten und Lebensstiländerungen kontrollieren. Dazu müssen sie jedoch aktiv mitarbeiten und die ärztlichen Empfehlungen einhalten.

Gesunder Lebensstil

Viele Typ-2-Diabetiker können ihre Krankheit in den Griff bekommen, wenn sie ihren Lebensstil ändern, insbesondere ihre Ernährung umstellen und ihren Bewegungsmangel beheben. 

  • Eine Gewichtsabnahme reduziert den Fettanteil im Körper und senkt den Blutzuckerspiegel, wodurch die Insulinproduktion des Körpers gefördert wird. Bereits ein Gewichtsverlust von 5-10% des Körpergewichts kann schon ausreichend sein, um den Typ-2-Diabetes zu beseitigen. 
  • Eine gesunde Ernährung ist unerlässlich, um einen Typ-2-Diabetes erfolgreich zu kontrollieren – unabhängig von der Gewichtsabnahme. Zu viele Kohlenhydrate, gesättigte Fettsäuren und zugesetzter Zucker lassen den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen, aber auch rasant wieder sinken, was den Insulinspiegel durcheinander bringt. Ernähren Sie sich von Vollkornprodukten, Ballaststoffen, magerem Eiweiß und Gemüse und überwachen Sie sorgfältig Ihre Kohlenhydrataufnahme. Eine gesunde Ernährung ist ein wichtiger Bestandteil der Kontrolle und Prävention von Diabetes.
  • Sport verbrennt zusätzliche Glukose, fördert die Gewichtsabnahme und die Insulinempfindlichkeit. 
  • Das Rauchen aufzugeben verbessert den Typ-2-Diabetes nicht direkt. Rauchen bei Typ-2-Diabetes hat jedoch katastrophale Auswirkungen auf die Gefäßgesundheit, verhindert eine gesunde Blutversorgung der Beine und erhöht das Amputationsrisiko drastisch. 

Überwachung des Blutzuckerspiegels

Typ-2-Diabetiker müssen regelmäßig überprüfen, ob sich ihr Blutzuckerspiegel im Normalbereich befindet. Ihr Arzt informiert sie darüber, wie oft sie ihren Blutzuckerspiegel überprüfen müssen und was zu tun ist, wenn er zu hoch oder zu niedrig ausfällt. 

Medikamente

Bei manchen Menschen reicht ein gesunder Lebensstil nicht aus, um den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren. Sie müssen auch Medikamente einnehmen. Die häufigsten Medikamente bei Typ-2-Diabetes sind:

  • Metformin. Dieses Medikament verhindert, dass die Leber zu viel Glukose produziert und sorgt dafür, dass der Körper besser auf das von ihm produzierte Insulin anspricht. Es ist in der Regel das erste Medikament, das zur Behandlung eines Typ-2-Diabetes verschrieben wird.
  • Sulfonylharnstoffe. Dieses Medikament sorgt dafür, dass die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin produziert, um mit dem Blutzuckerspiegel Schritt zu halten.
  • Meglitinide. Diese Medikamentenklasse wirkt wie Sulfonylharnstoffe, um die Insulinproduktion anzuregen, aber sie wirken schneller und für einen kürzeren Zeitraum.
  • Thiazolidinedione. Dank dieser Medikamente kann der Körper besser auf das von ihm produzierte Insulin reagieren, aber sie können auch das Risiko einer Herzinsuffizienz erhöhen, sodass es kein Medikament erster Wahl ist. 
  • GLP-1-Rezeptor-Agonisten. Diese Medikamente werden in den Blutkreislauf injiziert, um die Verdauung zu verlangsamen und den Blutzuckerspiegel zu senken. 
  • SGLT2-Hemmer. Diese Medikamente verhindern, dass die Nieren den Zucker wieder in den Blutkreislauf resorbierenden. 

Insulinspritzen

Wenn Lebensstiländerungen und andere Medikamente nicht erfolgreich sind, müssen sich die Betroffenen möglicherweise Insulin spritzen, um ihren Typ-2-Diabetes zu kontrollieren. Insulin muss injiziert werden und kann nicht oral eingenommen werden, da der Verdauungsprozess das aktive Hormon zerstört. Je nach Situation geben sich die Betroffenen abends nur eine lang wirkende Spritze (meist Lantus oder Levemir) oder sie benötigen zusätzlich zu bestimmten Tageszeiten eine Insulinspritze.

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