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Kann Cannabis bei Colitis ulcerosa helfen?

von Christine M. Dantz

Sep 22, 2019

Überblick

In den letzten zehn Jahren hat das Interesse am Potenzial der mehr als 500 Inhaltsstoffe der Cannabis-Pflanze zur Behandlung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED), zu denen auch Colitis ulcerosa und Morbus Crohn gehören, zu einer Ausweitung der medizinischen Forschung in diesem Bereich geführt. Zwar sind derzeitige CED-Behandlungsmöglichkeiten schon fortschrittlich und können die Krankheitsaktivität kontrollieren; dennoch leiden viele Betroffene weiterhin an den Symptomen ihrer Erkrankung. Hier erhofft man sich, mit Cannabis die Lebensqualität von Menschen mit Colitis ulcerosa zu verbessern.

Das Potenzial von Cannabis als sichere und wirksame Therapie für Patienten mit Colitis ulcerosa ist vielversprechend. Eine Reihe von kleinen, randomisierten, Blind- und Doppelblindstudien bringt Cannabis als alternative Medizin immer mehr ins Bewusstsein; als Ersatz oder Ergänzung bei medizinischen Verfahren und/oder anderen Rezepten. Für die breite Zulassung der medizinischen Cannabis-Behandlung bei Colitis ulcerosa sind umfangreichere und langfristige klinische Studien erforderlich.  

Das Endocannabinoid-System

Das Endocannabinoid-System (ECS) ist ein komplexes System in allen Wirbeltieren, das die Homöostase (Gleichgewicht) im gesamten Körper aufrechterhält. Die Forschung zur Identifizierung und Untersuchung des wichtigsten neuromodulatorischen Systems besteht seit über 25 Jahren. Das ECS besteht aus Cannabinoid-Rezeptoren, Endocannabinoiden und den Enzymen, die die Endocannabinoide abbauen.

Die Endocannabinoide sind hauptsächlich die Moleküle namens Anandamid (AEA) und 2-Arachidonylglycerol (2-AG). Sie werden auch als endogene Cannabinoide bezeichnet, da sie im Körper produziert werden, und zwar dann sobald ein System ein Defizit hat. Das ECS regelt die Signalwege zwischen den Cannabinoid-Rezeptoren und den Endocannabinoiden.

Die beiden am häufigsten vorkommenden Cannabinoid-Rezeptoren sind CB1 und CB2. Sie sind überall im Körper vorhanden, doch CB1-Rezeptoren konzentrieren sich entlang des zentralen Nervensystems und die CB2-Rezeptoren befinden sich hauptsächlich im Immunsystem. Endocannabinoide binden an diese Rezeptoren, um Signale an das ECS zu senden. Nachdem die Verbindung der CB1 und CB2 mit dem ECS hergestellt wurde, bauen die Enzyme die endogenen Cannabinoide ab. Die beiden Hauptenzyme sind Fettsäureamid-Hydrolase (FAAH) und Monoacylglycerol-Lipase (MAGL). 

Das ECS interagiert auch mit Phytocannabinoiden. Das sind pflanzliche Cannabinoide, die denen im Körper ähneln und beispielsweise in Cannabis vorkommen. Wissenschaftler haben mindestens 144 Cannabinoide in der Cannabis-Pflanze identifiziert. Am meisten erforscht sind bislang die Cannabinoide Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD), und in vielen Studien zur Wirkung von Cannabis bei Colitis ulcerosa geht es um diese Stoffe.

Viele Cannabinoid-Rezeptoren befinden sich in Bereichen, die bei Colitis ulcerosa betroffen sind, wie der Magen-Darm-Trakt, das Gehirn, die Immunzellen und das enterische Nervensystem. Eine 2009 durchgeführte Studie an Mäusen mit Colitis ulcerosa ergab, dass, wenn die CB1- und/oder CB2-Rezeptoren Signale an das ECS im Dickdarm oder Rektum senden, die Entzündung, die zu den Symptomen einer Colitis ulcerosa führt, zurückgegangen ist.

Dutzende von Peer-Review-Forschungsarbeiten und Einzelberichte über Patienten zeigen, dass THC und CBD bei einer Vielzahl von Erkrankungen entzündungshemmend wirkt, darunter bei vielen Magen-Darm-Erkrankungen. Umfrageergebnisse bestätigen auch, dass Cannabis die Symptome wie Magenschmerzen, Übelkeit und Durchfall lindern kann. Neben THC und CBD haben auch viele der weniger bekannten Cannabinoide und Terpene der Pflanze entzündungshemmende Eigenschaften.

Cannabis & Colitis ulcerosa

Die Colitis ulcerosa kann zu schmerzhaften Entzündungen im Dickdarm und/oder Rektum führen. Mehrere klinische Studien aus den letzten Jahren belegen, dass Vollspektrum-Cannabispräparate und CBD-Isolate einhergehende Symptome reduzieren und die Lebensqualität der Patienten verbessern können. 

Eine Auswertung von Versuchen und klinischen Studien aus 51 Publikationen im Jahr 2018 beleuchtete die Wirkung von Cannabinoiden bei muriner Kolitis (Kolitis induziert bei Mäusen). Die meisten Studien verwendeten CBD und nicht THC oder andere Cannabinoide, wahrscheinlich da CBD aufgrund seiner nicht-psychoaktiven Natur legal und leichter zugänglich ist. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass die Menge der qualitativen Ergebnisse genügend Informationen liefere, die für weitere, groß angelegte klinische Studien sprechen.

  • Im Jahr 2017 veröffentlichte die Fachzeitschrift „Inflammatory Bowel Diseases“ einen Bericht über CB1 und CB2, Endocannabinoide und murine Colitis. Er stellte heraus, dass die Manipulation des ECS das Potenzial hatte, die Entzündung im Dickdarm und Rektum zu reduzieren. Diese Studie betrachtete ebenso die Darreichungsformen. Die rektale Verabreichung (Zäpfchen) zeigte die signifikantesten Ergebnisse; orale Methoden konnten die Entzündung nicht reduzieren.  Dies korreliert anatomisch mit der Krankheitsaktivität von Colitis ulcerosa, bei der die Entzündung am häufigsten im Rektum zu finden ist.
  • Ein Bericht aus dem Jahr 2018 derselben Fachzeitschrift veröffentlichte die Ergebnisse einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten, Parallelgruppen-Pilotstudie zur cannabidiolreichen Behandlung von Patienten über 18 Jahren mit linksseitiger oder extensiver Colitis ulcerosa. Der CBD-reiche Extrakt, GWP42003, enthielt 4% THC. Die Patienten in der Studie erzielten bis zum Ende der zehn Wochen positive Ergebnisse. Bei 59% der Teilnehmer zeigte sich eine Remissionsrate von 28%.  
  • Im Jahr 2018 überprüften Wissenschaftler zwei Studien an 92 erwachsenen Patienten mit aktiver Colitis ulcerosa. Die erste Studie umfasste 60 Teilnehmer, die Cannabisöl-Kapseln mit bis zu 4,7% THC konsumierten. Von diesen Teilnehmern erreichten 24% eine klinische Remission. Die zweite Studie fand über einen Zeitraum von acht Wochen statt, in der die Patienten zwei Cannabis-Zigaretten mit je einem halben Gramm Blüten rauchten. Diese Teilnehmer wiesen eine niedrigere Krankheitsaktivität auf. Die zweite Studie enthielt keine Remissionsraten.

Zusätzlich zu diesen Studien gibt es Patientenbefragungen, die anekdotische Ergebnisse liefern. Diese sind nicht wissenschaftlich fundiert, sondern beschreiben aktuelle Wirkweisen des Cannabis-Konsums bei Menschen mit Colitis ulcerosa. Eine Befragung unter Patienten in den USA ergab weniger Bauchschmerzen, einen Anstieg des Appetits und eine Verringerung von Übelkeit und Durchfall.

Nebenwirkungen

Die Verwendung von Cannabis als Arzneimittel gilt unter ärztlicher Aufsicht als sicher. Die häufigsten Nebenwirkungen sind im Vergleich zu denen anderer Medikamente leicht. Dazu gehören Benommenheit, Müdigkeit, Schwindel, Euphorie, Mundtrockenheit, Paranoia, Angst, erhöhter Appetit, verminderte Aufmerksamkeit, Kopfschmerzen und Übelkeit.

Die Begleiterscheinungen können je nach Dosierung und je nach eingesetztem Cannabinoid variieren. Zum Beispiel erzeugt ein CBD-Isolat, ein Öl-Extrakt bestehend aus einem einzelnen Cannabinoid, keine extremen Gefühle von Euphorie oder Paranoia, da CBD ein nicht-psychoaktiver Stoff ist.  

Bis heute sind keine Todesfälle bekannt, die direkt auf die Einnahme von Cannabis zurückzuführen sind.  

Bei Cannabinoid-Behandlungen können Arzneimittelwechselwirkungen auftreten. Studien zeigen, dass die Phytocannabinoide THC und CBD die Wirkung des blutgerinnungshemmenden Wirkstoffs Warfarin beeinträchtigen können. Die Cannabis-Inhaltsstoffe können auch bei bestimmten Brustkrebs-Chemotherapien und Antiepileptika stören. Wie bei jeder anderen Medizin, sollte auch vor der Anwendung von Medizinal-Cannabis eine Konsultation mit einem Arzt erfolgen.

Legale Verwendung

Zahlreiche Staaten und Länder haben Cannabis für die Behandlung von CED zugelassen. Viele andere erwähnen CED nicht ausdrücklich, listen aber chronische Schmerzen als Indikation auf, die Patienten als Folge von Colitis ulcerosa aufweisen können. Spezifische Gesetze unterscheiden sich von Staat zu Staat und von Land zu Land. 

Medizinal-Cannabis ist in Israel, Kanada, den Niederlanden, Italien, der Schweiz, Uruguay und Australien bei chronischen Schmerzen erlaubt und könnte daher zur Behandlung der Symptome einer Colitis ulcerosa verwendet werden. In vielen Fällen ist es zunächst erforderlich, dass sich die traditionelle Medikation als erfolglos erweist, bevor medizinisches Cannabis genehmigt werden kann.

Die US-Gesetze zur medizinischen Verwendung variieren je nach Bundesstaat. Gemäß Bundesrecht ist die Cannabis-Pflanze nach wie vor illegal. Allerdings haben die Staaten in den letzten 20 Jahren separate Gesetze erlassen, die die Verwendung bestimmter Cannabis-Stoffe und Cannabis-Produkte für eine Vielzahl von Krankheiten genehmigen. Jeder Staat hat unterschiedliche Bedingungen für die Berechtigung einer medizinischen Cannabis-Behandlung. Staaten, die Colitis ulcerosa als berechtigten Zustand auflisten, sind New York, Connecticut, Ohio und Michigan.  

In den folgenden Staaten sind Cannabis-Therapien für Patienten mit chronischen, lähmenden Krankheiten zulässig:

Darüber hinaus legalisierte die US Farm Bill 2018 CBD-Produkte auf Hanfbasis mit weniger als 0,3% THC für Patienten ab 18 Jahren.

Haftungsausschluss

Inhalte auf The Cannigma dienen nur zu Informationszwecken. Sie sind kein Ersatz für professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Vor Beginn einer Behandlung mit Cannabis sollten Sie sich immer von einem Arzt mit Erfahrung mit medizinischem Cannabis beraten lassen.

Über Colitis ulcerosa

Überblick

Colitis ulcerosa ist eine chronische, langfristige Erkrankung, die den Dickdarm, auch Kolon genannt, und das Rektum (Ende des Dickdarms) betrifft. 

Bei Colitis ulcerosa entzündet sich die Auskleidung des Dickdarms und/oder des Enddarms und es entwickeln sich schmerzhafte Geschwüre, die Blut und Eiter oder Schleim produzieren. Dies kann mehrere Komplikationen verursachen und sogar lebensbedrohlich sein. 

Bei den meisten Menschen entwickelt sich die Colitis ulcerosa langsam im Laufe der Zeit. Sie wird in der Regel das erste Mal diagnostiziert, wenn die Betroffenen Anfang 30 sind. Sie kann aber auch früher oder später auftreten. Die Krankheit kann jeden Menschen betreffen, egal welcher ethnischen Gruppe oder welchen Geschlechts er angehört. 

Die Symptome von Colitis ulcerosa und Morbus Crohn ähneln sich stark. Bei beiden handelt es sich um Formen entzündlicher Darmerkrankungen, aber es ist nicht die gleiche Krankheit. Colitis ulcerosa ist auf einen bestimmten Teil des Verdauungssystems beschränkt, während Morbus Crohn den gesamten Trakt betreffen kann. 

Bestimmte Formen der Colitis ulcerosa werden nach dem Teil des Verdauungstraktes, der am stärksten von Geschwüren betroffen ist, klassifiziert:

  • Die Proktitis ulcerosa ist die mildeste Form der Colitis ulcerosa. Sie betrifft nur das Rektum nahe dem Anus. Die Betroffenen haben nur rektale Blutungen und sonst keine Symptome. 
  • Die Proktosigmoiditis betrifft das Rektum und das untere Ende des Dickdarms, das sogenannte Sigmoid. Die Betroffenen haben Krämpfe und Schmerzen im Bauch, blutigen Durchfall und Darmentleerungsstörungen.
  • Eine linksseitige Colitis dringt weiter in den Dickdarm vor und verursacht Krämpfe und Schmerzen auf der linken Seite des Bauches, blutigen Durchfall und Gewichtsverlust.
  • Als Pankolitis bezeichnet man eine Entzündung des Rektums und des gesamten Dickdarms. Sie ist sehr schmerzhaft und verursacht schwere blutige Durchfälle, Magenschmerzen und Krämpfe, Müdigkeit und Gewichtsverlust.
  • Die akute schwere Colitis ulcerosa ist die seltenste und schwerste Form der Colitis ulcerosa. Sie verursacht so starke Schmerzen, Durchfall und Blutungen, dass für die Betroffenen eine Nahrungsaufnahme so gut wie unmöglich ist. 

Schätzungsweise leben zwischen 2,5 und 3 Millionen Menschen in Europa und 10 Millionen weltweit entweder mit Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn. Sie kommt am häufigsten in Nordeuropa, insbesondere in Skandinavien und Großbritannien, vor und ist in Osteuropa weniger verbreitet. Norwegen hat die höchste Inzidenz mit 505 Fällen pro 100.000 Personen. In den USA wurden bei 1,3% der Bevölkerung entweder Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn diagnostiziert; das sind rund 3 Millionen Menschen. In Deutschland sind es nach Schätzungen 40-80 Fälle pro 100.000 Einwohner.

Symptome

Die meisten Menschen mit Colitis ulcerosa haben leichte bis mittelschwere Symptome, besonders wenn sie zum ersten Mal auftritt. Etwa 10% der Betroffenen haben schwere Symptome, wenn sie zum ersten Mal eine Colitis ulcerosa erleben. 

Die Schwere der Symptome hängt davon ab, wie viele Abschnitte des Dickdarms entzündet sind und wie stark die Entzündung ist. Die Hauptsymptome sind:

  • Blut oder Eiter im Stuhl
  • Anhaltender und blutiger Durchfall
  • Schmerzen und Krämpfe im Bauch oder Rektumbereich
  • Gewichtsabnahme, Müdigkeit 

Die Betroffenen haben auch starken Stuhldrang, können ihren Darm dann aber nicht vollständig entleeren. Außerdem sind sie müde, leiden unter Übelkeit und Appetitlosigkeit. In seltenen Fällen entwickeln die Betroffenen auch Fieber oder werden anämisch, wenn die Anzahl der roten Blutkörperchen zu niedrig ist. 

PatientInnen mit Colitis ulcerosa erleben oft Remissionsperioden, in denen die Symptome mild sind oder sogar ganz verschwinden, und Perioden des Aufflackerns der Erkrankung, in denen sich die Symptome verschlimmern. Während dieses Aufflackerns können sie auch an anderen Körperstellen Symptome beobachten, zum Beispiel:

  • Entzündete, geschwollene Gelenke
  • Juckende, schmerzhafte Ausschläge auf der Haut
  • Mundgeschwüre
  • Gereizte, rote Augen
  • Kurzatmigkeit
  • Schneller, unregelmäßiger Herzrhythmus

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Wenn Sie die oben aufgeführten Hauptsymptome einer Colitis ulcerosa haben oder eine anhaltende Veränderung Ihres Stuhlgangs beobachten, sollten Sie dies so schnell wie möglich mit einem Arzt besprechen. Colitis ulcerosa ist selten tödlich, aber es ist eine schwere Krankheit, die starke Beschwerden verursachen kann, wenn sie nicht richtig behandelt wird.

Diagnose

Der Arzt beginnt mit dem Erfragen der Krankengeschichte und einer gründlichen körperlichen Untersuchung, bei der er auf Blässe (Anzeichen einer Anämie) und empfindliche Stellen am Bauch, die durch Entzündungen im Verdauungstrakt verursacht werden können, achtet. 

Auch Blut- und Stuhltests werden durchgeführt, so dass Mageninfektionen wie eine Gastroenteritis, die ähnliche Symptome wie Colitis ulcerosa verursacht, ausgeschlossen werden können. 

Wenn Ihr Arzt den Verdacht hat, dass Sie eine entzündliche Darmerkrankung haben, werden Sie zu weiteren Tests geschickt, um zu unterscheiden, ob Sie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa haben. Dazu gehört in der Regel eine Sigmoidoskopie, bei der mit einer Kamera an einem dünnen, flexiblen Schlauch Ihr Rektum und der untere Teil Ihres Dickdarms auf Entzündungen untersucht werden. Der Arzt kann dabei eine kleine Gewebeprobe (Biopsie) entnehmen, die im Labor getestet wird. Diese Untersuchung dauert etwa 15 Minuten und Sie können noch am selben Tag wieder nach Hause gehen. 

Für eine vollständige Diagnose erhalten Sie auch eine Koloskopie. Diese Untersuchungsmethode ist vergleichbar mit einer Sigmoidoskopie, aber hierbei wird der gesamte Dickdarm untersucht. Auch während der Koloskopie kann eine Biopsie durchgeführt werden. Der Eingriff erfolgt in der Regel ambulant und die PatientInnen gehen am selben Tag wieder nach Hause. 

Wenn die Symptome akut und schwerwiegend sind, kann auch eine Röntgen- oder CT-Untersuchung durchgeführt werden, um nach schweren Komplikationen zu suchen, zum Beispiel ein perforierter Dickdarm. Anhand einer CT-Untersuchung kann auch bestimmt werden, wie stark der Dickdarm entzündet ist. In seltenen Fällen wird eine nicht-invasive CT- oder MR-Enterographie durchgeführt. Dies sind empfindliche bildgebende Untersuchungen zur Darstellung von Entzündungsherden im Dünndarm, so dass beurteilt werden kann, wie weit sich die Entzündung erstreckt.

Ursachen

Es ist nicht genau bekannt, was eine Colitis ulcerosa verursacht, aber sie wird als Autoimmunerkrankung angesehen. Das Immunsystem beginnt, anstelle von Infektionen den eigenen Körper anzugreifen und verursacht Entzündungen. Bei der Colitis ulcerosa greift das Immunsystem Bereiche des Verdauungstraktes an. Die Betroffenen haben mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit noch weitere Autoimmunerkrankungen.

Es gibt einige Risikofaktoren, die die Entwicklung einer Colitis ulcerosa erhöhen:

  • Rasse und Ethnie. Aschkenasische Juden haben die höchste Erkrankungswahrscheinlichkeit. 
  • Genetik. Jeder vierte Patient mit Colitis ulcerosa hat auch nahe Verwandte mit einer entzündlichen Darmerkrankung.
  • Umweltfaktoren: Auch Luftverschmutzung, Medikamente und die Ernährung können eine Colitis ulcerosa begünstigen. 
  • Wohnort. Colitis ulcerosa tritt häufiger in Nordwesteuropa und den USA sowie in Ländern mit guten Hygienestandards auf.

Es ist nicht immer klar, was zu einem Aufflackern führt, aber häufig werden Stress und Darminfektionen verantwortlich gemacht.

Behandlung

Colitis ulcerosa kann behandelt werden, aber es gibt keine vollständige Heilung ohne signifikante Komplikationen. Die Behandlung zielt darauf ab, Symptome zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern. Wenn die Erkrankung sehr schwer ist, kann der gesamte Dickdarm und das Rektum entfernt werden, was sich jedoch stark auf die Lebensqualität auswirkt. 

Medikamente 

Im Allgemeinen ist der erste Schritt bei der Behandlung der Colitis ulcerosa die Verschreibung von Medikamenten, die die Symptome reduzieren. Es gibt verschiedene Medikamente gegen Colitis ulcerosa, daher kann es einige Zeit dauern, bis dasjenige gefunden ist, das am effektivsten wirkt und die geringsten Nebenwirkungen hat. Zu den häufigsten Medikamenten gehören:

  • Aminosalicylate, oder 5-ASAs, sind die erste Wahl für die meisten PatientInnen mit leichter oder mittelschwerer Colitis ulcerosa. Sie reduzieren Entzündungen und heilen geschädigtes Gewebe. Man kann sie lang- oder kurzfristig einnehmen. Die Nebenwirkungen sind in der Regel minimal und umfassen Kopfschmerzen, Magenschmerzen und Übelkeit. 5-ASAs können auch als Klistier oder Zäpfchen angewendet oder in Tabletten- und Kapselform eingenommen werden. 
  • Kortikosteroide, wie Prednison, gehören zu einer leistungsfähigeren Medikamentenklasse. Sie werden zur Behandlung einer mittelschweren bis schweren Colitis ulcerosa eingesetzt, können aber bei langfristiger Einnahme schwerwiegende Nebenwirkungen wie Osteoporose und Katarakte haben. Sie hemmen das Immunsystem und reduzieren den Schaden, den es bei Colitis ulcerosa Schaden anrichten kann. Allerdings haben sie bei langfristiger Einnahme erhebliche Nebenwirkungen.
  • Immunsuppressiva reduzieren die Aktivität des Immunsystems und verhindern, dass es die Auskleidung des Darms angreift. Sie werden in der Regel in Form von Tabletten verschrieben. Immunsuppressiva eignen sich im Allgemeinen gut zur Behandlung von Colitis ulcerosa, aber es dauert meist zwei bis drei Monate, bis die Wirkung einsetzt. Immunsuppressiva können die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen und die Anzahl der Blutkörperchen senken.
  • Auch biologische Therapien werden zur Behandlung von Colitis ulcerosa eingesetzt. Sie reduzieren Entzündungen schnell, indem sie auf die TNF-Proteine des Immunsystems abzielen, die eng am Entzündungsprozess der Colitis ulcerosa beteiligt sind. Sie haben ebenfalls Nebenwirkungen und werden meist in Form von Injektionen oder Infusionen verabreicht.

Weitere Arzneimittel gegen Colitis ulcerosa sind:

  • Acetaminophen und andere Schmerzmittel, aber keine Analgetika wie Ibuprofen und Aspirin, da sie die Symptome verschlimmern können. 
  • Antibiotika zur Behandlung von Sekundärinfektionen.
  • Antidiarrhoika wie Loperamid stoppen den Durchfall, müssen aber sehr vorsichtig verschrieben werden, da sie das Risiko für ein Megakolon (akute Erweiterung des Dickdarms) erhöhen.
  • Eisenpräparate, da durch die Darmblutung bei Colitis ulcerosa ein Eisenmangel entsteht.

Operation 

Eine Operation zur Entfernung von Dickdarm und Enddarm in Form einer Kolektomie oder Proktokolektomie kann die Colitis ulcerosa vollständig beseitigen. Wenn Dickdarm und Rektum entfernt wurden, kann die Colitis ulcerosa nicht mehr auftreten. 

Dabei formt der Chirurg aus Dünndarmschlingen ein Reservoir, das den Darminhalt des Dünndarms sammelt und die direkte Entleerung hinauszögert. Dies wird als „ileoanaler Pouch“ oder „J-Pouch“ bezeichnet. Die Kontrolle über den Stuhlgang bleibt dabei weitgehend erhalten. Wenn dies nicht möglich ist, kann der Chirurg auch einen Teil des Dünndarms aus dem Bauchraum hinaus leiten, so dass der Stuhl in einem Beutel außerhalb Ihres Körpers gesammelt wird („Stoma“). 

Ernährung.

Obwohl nicht klar ist, ob bestimmte Lebensmittel eine Colitis ulcerosa verursachen, kann die Ernährung helfen, die Erkrankung zu kontrollieren und die Symptome zu reduzieren. Tipps zur Ernährungsumstellung, um die Lebensqualität zu verbessern:

  • Reduzierung des Konsums von Milchprodukten
  • Viele kleine Mahlzeiten zu sich nehmen
  • Scharfe Lebensmittel, Koffein und Alkohol vermeiden
  • Kohlensäurehaltige Getränke vermeiden
  • Ballaststoffreiche Lebensmittel wie frisches Obst, Gemüse und Vollkorn vermeiden
  • Viel trinken

Bei manchen Betroffenen lindert auch das regelmäßige Trinken von Probiotika und die Einhaltung einer bestimmten Diät wie einer laktosefreien, salzarmen, ballaststoffarmen oder fettarmen Diät die Symptome. 

Alternative Therapien

Da Stress ein Faktor für Aufflackern der Erkrankung sein kann, sollten Strategien zum Stressabbau angewendet werden, wie regelmäßige Bewegung, Entspannungstechniken und Meditation. 

Beliebte alternative Therapien sind unter anderem:

  • Pflanzliche Stoffe und Nahrungsergänzungsmittel wie Fischöl mit Omega-3 und Kurkuma reduzieren die Symptome einer Colitis ulcerosa. Bevor Sie jedoch pflanzliche Stoffe oder Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, sollten Sie mit Ihrem Arzt mögliche Wechselwirkungen mit Ihren Medikamenten besprechen. 
  • Bei einigen Betroffenen hilft Aloe Vera zur Verringerung der Entzündung, aber es kann auch den Durchfall verstärken.
  • Akupunktur setzt im Gehirn Dopamin frei, was Schmerzen und die Beschwerden der Colitis ulcerosa lindert.

Cannabidiol-Öl (CBD-Öl), das aus der Cannabispflanze gewonnen wird, kann die Symptome einer Colitis ulcerosa lindern, ohne dass Sie high werden oder schwerwiegende Nebenwirkungen erleben.

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