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Kann Cannabis bei ALS helfen?

von Mary Biles

Sep 22, 2019

Überblick

ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) ist eine tödlich verlaufende neurodegenerative Erkrankung, in der geschädigte Motoneuronen zunehmende Muskelschwäche und Muskelschwund verursachen. Die Überlebenszeit nach Diagnosestellung beträgt drei bis fünf Jahre. Derzeitige Medikation zielt auf eine Linderung der ALS-Symptome wie z.B. Muskelkrämpfe und Muskelzuckungen ab, doch mit unterschiedlichem Erfolg. Deshalb ist man auf der Suche nach Mitteln die nicht nur die Symptome lindern, sondern selbst das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen können. Vielversprechende Anwärter sind Inhaltsstoffe der Cannabis-Pflanze.

Die Ursache aller neurodegenerativen Erkrankungen sind Exzitotoxizität (Neuronenschäden durch Überaktivierung von Glutamat-Rezeptoren), oxidativer Stress (ein Ungleichgewicht zwischen der Produktion von freien Radikalen und antioxidativem Schutzsystem) und Neuroinflammation (Entzündungsreaktion im Gehirn und Rückenmark). Aktuelle ALS-Medikamente zielen meist auf einzelne Elemente ab, wie z.B. der Glutamat-Antagonist Riluzol, welcher einen begrenzten therapeutischen Nutzen hat und nur geringfügig wirksamer ist als ein Placebo, um die Lebenserwartung von Patienten zu erhöhen.

Die Aussicht auf ein Medikament, das auf alle drei ursächlichen Schädigungen bei ALS abzielt, ist von großem Interesse und könnte für ALS-Patienten viel verändern. Aus diesem Grund werden derzeit Verbindungen in der Cannabispflanze, die als entzündungshemmend, neuroprotektiv und antioxidativ bekannt sind, zur Behandlung von ALS erforscht. Tatsächlich besitzt die US-Regierung aus genau diesem Grund ein Patent auf Cannabinoide.

ALS und das Endocannabinoid-System

Ein weiterer Grund, warum Cannabinoide als potenzielle ALS-Medikamente von besonderem therapeutischen Interesse sind, ist ihre Fähigkeit, mit dem Endocannabinoid-System (ECS) zu interagieren und es zu modulieren. Denn das ECS spielt eine Rolle in der Entwicklung der Krankheit. 

Das ECS umfasst zwei Schlüsseltypen von G-Protein-gekoppelten Rezeptoren in der Zellmembran. CB1-Rezeptoren verteilen sich überwiegend im Gehirn und im zentralen Nervensystem. Im Gehirn machen sie sich vor allem in Bereichen bemerkbar, die mit motorischer Koordination und Bewegung, Aufmerksamkeit und kognitiver Funktion sowie mit Lernen, Gedächtnis und Emotionen zu tun haben. CB1-Rezeptoren regulieren die Freisetzung von chemischen Botenstoffen wie Neurotransmittern und schützen das Gehirn vor übermäßiger Aktivierung oder übermäßiger Hemmung.

CB2-Rezeptoren hingegen befinden sich vor allem in Immunzellen und im Gewebe, wurden aber auch in Gliazellen des zentralen Nervensystems entdeckt. Es wird angenommen, dass die CB2-Aktivierung eine immunmodulierende Wirkung hat, die die Freisetzung von Zytokinen steuert, den Proteinen, die für die Regulierung der Entzündungsreaktion verantwortlich sind.  

An die CB1- und CB2-Rezeptoren bindet sich eine Klasse von Molekülen auf Lipidbasis, die als Endocannabinoide bezeichnet werden. Die primären Endocannabinoide sind Anandamid (AEA) und 2-AG, die bei Bedarf produziert werden, wenn es eine Art biologisches Ungleichgewicht gibt. Sobald ihre regulierende Arbeit getan ist, werden sie von den Enzymen FAAH und MAGL abgebaut. All dies gibt uns einen Hinweis auf die Gesamtfunktion des ECS, nämlich die Förderung der Homöostase bzw. des Gleichgewichts aller physiologischen Funktionen.

In dem Beitrag „Cannabinoid pharmacology/therapeutics in chronic degenerative disorders affecting the central nervous system (Cannabinoid-Pharmakologie/Therapeutika bei chronisch degenerativen Erkrankungen des zentralen Nervensystems) beschreiben die Autoren, wie das ECS in der Lage ist, die wichtigsten Merkmale zu modulieren, die zu neurodegenerativen Erkrankungen wie ALS beitragen, und dass es sich somit „als ein realistischer Ansatz bei der Symptomlinderung oder dem Krankheitsverlauf durch pharmakologische Modulation der Endocannabinoid-Signalübertragung erweist“.

Studien an ALS-Tiermodellen und ALS-Patienten zeigen ein gewisses ECS-Ungleichgewicht im Gehirn und Rückenmark. Dies kann jedoch durchaus ein Zeichen dafür sein, dass das ECS seine neuroprotektive Arbeit leistet, und nicht die Dysregulation selbst eine Ursache für die Krankheit ist.

Insbesondere wurden erhöhte Konzentrationen von AEA und 2-AG bei ALS-Mäusen gefunden. Ebenso beobachtete man eine vermehrte CB2-Rezeptorexpression in Astrozyten an Läsionsstellen und Mikroglia in den Bereichen der spinalen Grauen und Weißen Substanz bei Tiermodellen und ALS-Patienten.

Jedoch scheint eine allgemeine Verminderung der CB1-Rezeptorexpression zu erfolgen, die bei Probanden Exzitotoxizität durch überschüssiges Glutamat herbeiführen kann.

Das vielleicht vielversprechendste Forschungsgebiet im Rahmen der Entwicklung von ALS-Medikamenten sind Wirkstoffe, die sich an CB2-Rezeptoren im Körper binden. In einer Studie an ALS-Mäusen verzögerte die tägliche Verabreichung eines CB2-Agonisten die motorische Beeinträchtigung und erhöhte die Überlebensrate um 56%.

Cannabis und ALS

Damit kommen wir direkt zur Cannabispflanze, die nämlich Verbindungen enthält, die an CB2-Rezeptoren binden und insgesamt eine modulierende Wirkung auf das Endocannabinoid-System haben.

Die Cannabispflanze enthält mindestens 144 Wirkstoffe, die Cannabinoide genannt werden, insbesondere Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD), sowie eine Vielzahl anderer organischer Verbindungen wie Terpene und Flavonoide.

THC bindet direkt an CB1- und CB2-Rezeptoren und hat eine neuroprotektive und entzündungshemmende Wirkung. CBD hingegen aktiviert keinen der beiden Cannabinoid-Rezeptoren, sondern wirkt eher indirekt auf das ECS, indem es das Enzym (FAAH) blockiert, das Anandamid abbauen kann. Interessanterweise ist einer der Schlüsselbereiche der ECS-Modulationsforschung die Entwicklung von FAAH-Hemmer-Medikamenten, die den AEA-Spiegel im Körper erhöhen sollen.

Dies verdeutlicht also, dass Verbindungen aus der Cannabispflanze therapeutisches Potenzial bei der Behandlung von ALS durch ECS-Modulation haben können. In einer Studie wurden ALS-Mäuse vor und nach Beginn der Erkrankung mit THC behandelt. In der Tat wurde eine Verbesserung der motorischen Leistung festgestellt und das Überleben der Krankheit erhöht, was vermutlich auf eine Verringerung der exzitotoxischen und oxidativen Zellschäden zurückzuführen ist.   

Klinische Studien

Bevor konkrete Schlussfolgerungen darüber gezogen werden können, ob Cannabinoide in der Behandlung von ALS wirksam sind, müssen Wissenschaftler zunächst den Sprung zu klinischen Studien am Menschen wagen. Leider war es angesichts des rechtlichen Status von Cannabis auf der ganzen Welt bis vor kurzem gelinde gesagt schwierig, Versuche an Menschen mit verschiedenen Formen von Cannabis durchzuführen.

Die vielversprechendste war bisher eine doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte, Phase II Studie mit Sativex (Nabiximols) zur Behandlung der Spastik bei ALS.

Sativex, ein cannabinoidbasiertes Pharmazeutikum mit einem Verhältnis von THC zu CBD von 1:1, wurde zur Behandlung von Spastik und Schmerzen bei Multipler Sklerose zugelassen. 55% der ALS-Patienten in der Studie berichteten über eine allgemeine Verbesserung von Spastik und Schmerzen, verglichen mit 13% in der Placebo-Gruppe. Darüber hinaus wurde das Medikament gut vertragen und wies nur leichte Nebenwirkungen wie Schwindel, Energiemangel und Verwirrung auf. Es ist zu hoffen, dass diese vielversprechenden Ergebnisse und das akzeptable Verträglichkeitsprofil zu einer größeren klinischen Studie in der Zukunft führen werden.

Eine weitere klinische Studie wird derzeit in Australien an 30 Probanden mit ALS durchgeführt, um die Wirkung eines CBD-dominanten Öls zu testen.

Verfügbarkeit von Cannabis

Dieser Mangel an überzeugenden klinischen Beweisen in größeren Testgruppen führt dazu, dass in den meisten Ländern, in denen medizinisches Cannabis legal ist, ALS keine Indikation ist. Allerdings erlaubt Spastik, vor allem im Zusammenhang mit MS, die Verwendung von Medizinal-Cannabis in Ländern wie Dänemark, Israel, Kanada und Deutschland. Dies kann Ärzten doch ermöglichen, auch bei anderen Erkrankungen mit Spastik und Muskelkrämpfen, wie z.B. ALS, diesen Behandlungsweg zu wählen.

Viele Staaten in den USA erkennen ALS als eine Indikation für medizinisches Cannabis an. Dazu gehören Arizona, Arkansas, Connecticut, Delaware, Florida, Georgia, Illinois, Iowa, Massachusetts, Michigan, Missouri, New Hampshire, New Jersey, New Mexico, Ohio, New York, North Dakota, Pennsylvania, South Carolina, Utah und West Virginia. In Alaska, Kalifornien, Colorado, District of Columbia, Hawaii, Louisiana, Maryland, Minnesota, Montana, Oregon, Rhode Island und Washington gelten Erkrankungen mit Spastik und/oder Muskelkrämpfen zusätzlich als Indikation.

Leider leben viele ALS-Patienten gar nicht in den Teilen der Welt, in denen medizinisches Cannabis gesetzlich zulässig ist. Das zwingt sie, sich auf dem bedenklichen Schwarzmarkt umzusehen. Eine weniger riskante Option wäre CBD-Öl.  Es enthält nur Spuren von THC oder gar kein THC, und ist in den meisten Ländern in Geschäften oder über das Internet frei erhältlich. Beim Kauf sollte man darauf achten, nur CBD-Öle zu wählen, deren Cannabinoid-Gehalt durch Labortests Dritter bestätigt ist.

Letztendlich besteht die größte Hoffnung für ALS-Patienten in weiteren klinischen Studien, die das belegen, was Wissenschaftler bereits im Labor entdeckt haben: dass Wirkstoffe aus Cannabis nicht nur helfen, ALS-Symptome zu behandeln, sondern auch das Fortschreiten der Krankheit verzögern und die Lebenserwartung verlängern.

Haftungsausschluss

Inhalte auf The Cannigma dienen nur zu Informationszwecken. Sie sind kein Ersatz für professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Vor Beginn einer Behandlung mit Cannabis sollten Sie sich immer von einem Arzt mit Erfahrung mit medizinischem Cannabis beraten lassen.

Über ALS

Überblick

ALS (amyotrophe Lateralsklerose) wurde im Jahr 1896 vom französischen Neurologen Jean-Martin Charcot entdeckt und beschrieben. ALS ist auch unter dem Namen Lou-Gehrig-Erkrankung bekannt, und zwar nach dem Baseballspieler Lou Gehrig, der einer der berühmtesten von dieser Krankheit betroffenen Menschen in den Vereinigten Staaten gewesen ist. ALS ist eine Erkrankung des Motoneurons, was bedeutet, dass die für die Steuerung der „gestreiften“ (willkürlich betätigten) Muskulatur verantwortlichen Nervenzellen im Gehirn und im Rückenmark betroffen sind. 

ALS ist eine fortschreitende Erkrankung, das heißt dass sich ihre Symptome mit der Zeit verschlechtern. Bei ALS werden die Motoneuronen zunehmend schwächer, bis die Patienten nicht mehr imstande sind, ihre Muskelbewegungen kontrolliert auszuführen. Auch die von diesen Nerven versorgten Muskeln werden durch die mangelnde Betätigung immer schwächer. Sie können unwillkürlich zucken, ein Vorgang der als Faszikulieren bezeichnet wird, und schließlich schwinden die Muskeln mehr und mehr dahin. Die meisten betroffenen Patienten sterben an den Folgen der Erkrankung.

Es gibt zwei Arten von ALS:

  • Der sporadische Typ, die häufigste Art von ALS, die 90 – 95% aller ALS-Fälle ausmacht. Sporadische ALS bedeutet, dass die Krankheit ohne einen erkenntlichen Grund und ohne jegliche Vorwarnung einen Patienten angreift.
  • Der familiäre Typ (FALS) ist erblich. Wenn Sie ALS in Ihrer Familie haben, gibt es eine 50%-ige Chance, dass jedes Kind die Erkrankung vererbt. 

In Deutschland sind etwa 8.000 Patientinnen und Patienten betroffen und etwa 2.000 Personen sterben jährlich daran. Die Inzidenz wird als 3.1/100.000 beschrieben, das heißt, dass die Wahrscheinlichkeit an ALS zu erkranken bei etwa 1:400 liegt und dass jeder 400. Bürger der Bundesrepublik Deutschland an ALS verstirbt. 

In der Lebenszeit von 80 Millionen Bundesbürgern sind etwa 200.000 Neuerkrankungen zu erwarten (Uenal et al., 2014).

Symptome

Die frühesten Symptome von ALS sind für gewöhnlich Muskelsteifheit, Muskelschwäche oder Zucken, die aber leicht zu übersehen sind. Die ersten Symptome von ALS können sehr unterschiedlich sein, denn sie hängen davon ab, welche Motoneuronen zuerst betroffen sind. 

Unter den ersten Manifestationen können genannt werden:

  • Steife Finger, Hände oder Armmuskulatur, wodurch es schwierig wird, Hemdknöpfe zu öffnen oder zu schließen, zu schreiben oder den Schlüssel im Schloss zu drehen
  • Schwäche der Beine oder der Knöchelregion, häufiges Stolpern oder Trippeln, eigenartiges, unsicheres Gefühl beim Gehen oder Laufen
  • Verwaschene Sprache oder Schluckbeschwerden
  • Steife, starre, verkrampfte Muskulatur 
  • Unkontrollierbares Faszikulieren (Zucken) der Zunge, der Arme, Beine bzw. anderer Muskeln

Wenn ALS mit verwaschener Sprache oder Schluckschwierigkeiten beginnt, sprechen wir von bulbärem Beginn der ALS. 

Wenn sie mit Faszikulieren, Steifheit oder Schwäche der Arme oder Beine beginnt, wird dies ALS mit Erstmanifestation an Extremitäten (Limb Onset ALS) genannt. 

Obwohl die ersten Anzeichen von ALS nicht immer offensichtlich sind und sie können andere, eher harmlose Erkrankungen imitieren, werden im Laufe der Zeit mehr und mehr motorische Nervenzellen zerstört, was bewirkt, dass die Symptome zunehmen. Schwäche, Zuckungen und Muskelatrophie treten am gesamten Körper auf. Nach einer gewissen Zeit können ALS-Kranke nicht mehr stehen, aus dem Bett aufstehen oder ihre Arme, Beine und Köpfe selbständig bewegen. Die meisten ALS-Patienten können in fortgeschrittenem Krankheitsverlauf nicht mehr sprechen, weil auch die Zungenmuskulatur betroffen ist und auch das Kauen und Schlucken zu einem Problem werden.

Schließlich ist auch die Atemmuskulatur betroffen und daher müssen die meisten ALS-Patienten künstlich beatmet werden, um am Leben zu bleiben. 

Es ist wichtig zu wissen, dass ALS in sehr unterschiedlicher Weise und auch individuell verschieden schnell fortschreitet, so dass es nicht möglich ist, genaue Voraussagen über den Verlauf nach Sicherung der ALS Diagnose zu machen.

Was ist nicht von ALS betroffen?

ALS zeigt keine Beeinträchtigungen der mentalen und kognitiven Funktionen. Menschen, die an ALS erkranken, können 

  • normal denken, logisch argumentieren und Probleme lösen.
  • alle Sinne betätigen, das heißt normal sehen, hören, schmecken, riechen und fühlen
  • Personen, Orte, Ereignisse und Erlebnisse im Gedächtnis behalten

Bei einem kleinen Anteil von ALS-Patienten werden auch eine Form von Demenz, Sprachverarbeitungsstörungen oder Schwierigkeiten beim Treffen von Entscheidungen diagnostiziert.

Ursachen

Familiäre ALS ist eine genetische Erkrankung. Kommt in einer Familie ALS vor, so gibt es eine 50 zu 50 Chance, dass jedes in der Familie geborene Kind die Krankheit entwickeln könnte. Allerdings bedeutet die Tatsache, dass nur ein Elternteil oder Familienmitglied ALS entwickelt keine signifikante Risikoerhöhung für das spätere Auftreten der Erkrankung bei den Nachkommen.

Forscher versuchen immer noch die Ursache der sporadischen ALS ausfindig zu machen. Der aktuelle Konsens spricht für ein komplexes Zusammenspiel von genetischen und Umweltfaktoren.

Als Risikofaktoren für die Entwicklung von ALS gelten unter anderen: 

  • Alter. Das Risiko wird mit zunehmendem Alter größer. Die meisten mit ALS diagnostizierten Personen sind zwischen 40 und 70 Jahre alt. 
  • Geschlecht. Männer scheinen etwas mehr anfällig zu sein als Frauen, aber mit zunehmendem Alter verschwindet dieser Altersunterschied.
  • Rasse und ethnische Herkunft. Kaukasier und Hispanics entwickeln ALS öfter als Menschen aus anderen Populationen.  
  • Genetik. Einige Forscher fanden genetische Varianten im Genom der Menschen mit familiärer ALS und sporadischer ALS, was darauf hinweisen könnte, dass es eine genetische Grundlage für ALS gibt.
  • Rauchen. Das Rauchen wurde als beitragender oder mitverursachender Faktor für die Entwicklung von ALS gefunden, insbesondere bei Raucherinnen nach den Wechseljahren.
  • Einfluss von Umwelttoxinen. Es gibt einige Hinweise dafür, dass Personen die Blei oder anderen bestimmten Substanzen ausgesetzt waren ALS entwickeln können, obwohl es keine Studien gibt, die eindeutig einen Zusammenhang mit einem bestimmten Stoff oder einer bestimmten Chemikalie beweisen konnten.

In den USA Militärveteranen haben ein 1.5 bis 2-fach erhöhtes Risiko an ALS zu erkranken. Die Ursachen all dieser Verbindungen bedürfen noch einer weiteren Klärung, es wurde aber vermutet, dass Armee-Veteranen vermehrt gegenüber Blei, Schädlingsbekämpfungsmitteln und sonstigen Umwelttoxinen exponiert wären als Zivilisten. Die US-amerikanische Abteilung für Veteranen hat ALS als eine Berufskrankheit anerkannt.

Diagnoseprozess

Die Diagnose von ALS besteht aus einer neurologischen Untersuchung und der Erhebung einer genauen Anamnese, wobei der Patient ausdrücklich befragt wird, ob bei ihm verdächtige Anzeichen, wie Muskelzuckungen und Muskelschwäche ohne Veränderung der Sensibilität aufgetreten waren. Eine komplette neurologische Untersuchung wird durch eine Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (EMG/NLG) vervollständigt.  

Es gibt keinen spezifisch geeigneten Test, um ALS zu diagnostizieren. Zusätzliche Untersuchungen werden oftmals angefertigt, um andere Zustände auszuschließen.

Hilfsuntersuchungen für die Diagnose von ALS schließen ein:

Muskeltests und bildgebende Untersuchungen

Elektromyographie (EMG), Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG) und Kernspintomographie (MRT). 

  • Die EMG-Untersuchung misst die elektrische Aktivität der Muskelfasern. 
  • NLG bestimmt, ob eine Nervenzelle noch imstande ist ein Signal an den Muskel längst des neuronalen Verlaufs zu senden. 

Diese Tests sind hilfreich, um periphere Neuropathien und Myopathien auszuschließen. Dabei handelt es sich um Nervenschädigung außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks, respektive um eine Muskelerkrankung. 

Bildgebung
MRT wird verwendet, um das Vorhandensein anderer Ursachen, wie etwa Tumore oder Zysten im Rückenmark, einen Bandscheibenvorfall oder eine zervikale Spondylose, auszuschließen. Patienten mit ALS haben im Allgemeinen unauffällige MRT-Befunde. 

Laboruntersuchungen

Je nach Symptomen und den Ergebnissen anderer Untersuchungen, kann der Arzt verschiedene Blut- und Urinproben anordnen, um andere Erkrankungen auszuschließen. 

Tests für spezifische Erkrankungen und Zustände

Es gibt einige Infektionskrankheiten, die sehr ähnliche Symptome zu ALS zeigen, daher wird der Arzt womöglich diese in Betracht ziehen und entsprechende diesbezügliche Untersuchungen anordnen. Darunter sind zu nennen: HIV (AIDS), West-Nil-Fieber, humanes T-Zellen-Leukämie-Virus, multiple Sklerose, post-Polio-Syndrom, multifokale Neuropathie der Motoneuronen und die Kennedy-Krankheit.

Ist ALS behandelbar?

Es ist derzeit noch kein Mittel zur Heilung von ALS bekannt. Die meisten ALS-Kranke sterben 3 bis 5 Jahre nach der Diagnose, für gewöhnlich an Atemversagen, wenngleich manche Patienten mit ALS 10 Jahre oder auch länger leben können. 

Dennoch ist eine enorme und vielfältige Forschungsarbeit zum Themenkomplex ALS im Gange und die Wissenschaftler hoffen letztendlich eine wirksame Therapie zu entdecken. Inzwischen gibt es einige Methoden für die Behandlung von ALS-Symptomen, für die Verbesserung der Lebensqualität und die Verlängerung der Überlebenszeit. 

Multidisziplinäre Behandlung

Studien haben ergeben, dass die Teilnahme an einer multidisziplinären ALS-Klinik  die Lebenserwartung verlängern und die Lebensqualität erhöhen kann. Das Personal in diesen Kliniken besteht aus Physiotherapeuten, Sprachtherapie-Experten und Ergotherapeuten sowie Ärzten, Krankenschwestern, Pharmazeuten, Hospiz- und Hauspflegepersonal, Sozialarbeitern und Atmungstherapeuten. Die multidisziplinären Teams erarbeiten individuell angepasste Behandlungspläne, Aktivitäten und medikamentöse Behandlungen, um Patienten zu helfen, so lange wie möglich unabhängig zu bleiben. 

Medikation

Es gibt derzeit 4 Medikamente, die für die Hilfsbehandlung von ALS zugelassen wurden:

  • Riluzole (Rilutek)
  • Edaravone (Radicava)
  • Nuedexta
  • Tiglutik

Keines von ihnen kann ALS heilen oder rückgängig machen, sie können aber den Muskelschwund verlangsamen und die Überlebenszeit verlängern. Einige klinische Studien mit diesen und auch mit anderen, neuen Medikamenten gegen ALS, sind noch nicht abgeschlossen. 

Ärzte können diese 4 Medikamente und auch andere Therapeutika für die Milderung und Bekämpfung der Symptome verschreiben. Es gibt mehrere Medikamente gegen Muskelstarre und Steifheit, für die Minderung der überschüssigen Mengen an Speichel und Schleim, für die Linderung der Angst und der Depression, die oft ständige Begleiter von ALS sind, gegen Schlafstörungen und Obstipation sowie gegen die unwillkürlichen Ausbrüche von Lachanfällen und Weinkrämpfen. 

Behandlungen 

Bei den frühen und mittleren Stadien von ALS kann Krankengymnastik, Ergotherapie und Logopädie die Dauer und Qualität der Unabhängigkeit und Kommunikation verlängern. 

Physiotherapeuten können einen Kurs von leichten aeroben Übungen gestalten, um die noch nicht in Mitleidenschaft gezogenen Muskeln zu stärken und Depression zu bekämpfen. Sie können die Patienten auch unterrichten, wie sie eine Reihe von Streckübungen vornehmen können, um den schmerzhaften Krämpfen und Versteifungen der Muskulatur vorzubeugen. 

Ergotherapeuten lehren ALS-Patienten das richtige Zubehör, wie Rampen, Gehhilfen oder Rollstühle zu wählen, um ihre Mobilität zu bewahren. 

Logopäden bringen den ALS-Patienten neue Sprechstrategien bei, um trotz des Verfalls der entsprechenden Sprechmuskulatur lauter und deutlicher sprechen zu können. Wenn ALS fortschreitet, können Logopäden helfen mithilfe neuartiger Technologien, wie etwa durch computerunterstützte Sprachsynthesizer, Eye-Tracking-Technologie oder nonverbale Kommunikation, Kontakt herzustellen. 

Es gibt verschiedene alternative Behandlungsmethoden, wie beispielsweise angeleitete Meditation, von denen Gebrauch gemacht werden kann, um Angst und Depression abzuwenden und eine positive Gemütsverfassung zu fördern. 

Ernährungshilfe

ALS-Patienten verbrennen Kalorien schneller. Dadurch kann leicht ein Zustand von Unterernährung entstehen, insbesondere wegen der Kau- und Schluckschwierigkeiten infolge der fortschreitenden Muskelschwäche. Ernährungsspezialisten helfen bei der Zubereitung kleiner und oft hochkalorischer Mahlzeiten, um einer Unterernährung vorzubeugen und leicht zu schluckende Nahrungsmittel zu wählen. 

Atmungsunterstützung

Wenn die Atemmuskulatur schwächer zu werden beginnt, können ALS-Kranke Kurzatmigkeit bei körperlicher Belastung erfahren oder Atemschwierigkeiten im Liegen haben. 

Bei zunehmenden Atemschwierigkeiten kann eine nicht-invasive Sauerstoffmaske helfen, den notwendigen Blutsauerstoffspiegel zu steigern und einen entsprechend niedrigen Kohlenstoffdioxid-Gehalt sicher zu stellen. 

Atemtherapeuten können den Patienten auch verschiedene Aushustentechniken beibringen, um die Atemwege von Speichel und Schleim bleiben zu befreien. 

Später kann eine künstliche Beatmung mittels eines Beatmungsgeräts bzw. eine Tracheostomie notwendig werden.

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